Diagnose: Wer ist zuckerkrank?

Die Diagnose einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) wird über eine Blutentnahme gestellt. Hierzu wird zunächst Blutplasma gewonnen. Blutplasma ist der flüssige Anteil des Blutes. Das Blut wird in einem speziellen Röhrchen entnommen, welches die Gerinnung des Blutes verhindert und Stoffe enthält, die dafür sorgen, dass der Blutzucker (Blutglukose) nicht abgebaut wird. Ein Blutzuckerwert unter 100 mg/dl (5,5 mmol/l) ist normal. Zuckerkrank ist, wer nüchtern im Plasma des venösen Blutes eine Zuckerkonzentration über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) hat. Zwischen 100 und 126 mg/dl (5,5 und 7,0 mmol/l) liegt der Bereich der abnormen Nüchternglucose, welche auf das Vorliegen einer Vorstufe (Prädiabetes, Pathologische Glukosetoleranz) hinweist.

Das Vorliegen eines Blutzuckers über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu einem beliebigen Tageszeitpunkt gemessen, spricht ebenfalls für das Vorliegen eines Diabetes.

Oraler Glucosetoleranztest (OGTT) als Test auf Diabetes

Eine andere Möglichkeit Diabetes festzustellen ist der sogenannte „Glucosetoleranztest“ beim Arzt: Hier werden nüchtern 75 Gramm Glucose eingenommen und in regelmäßigen Abständen Blutzucker gemessen. Liegt der Blutzucker 2 Stunden nach der Einnahme der Glukose unter 140 mg/dl (7,7 mmol/l), schließt das einen Diabetes aus. Wer nach 2 Stunden einen Blutzucker über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) hat, ist zuckerkrank. Zwischen 140 mg/dl und 200 mg/dl (7,7 und 11,1 mmol/l) liegt der Bereich des Prädiabetes/pathologische Glucosetoleranz.

Diabetesdiagnose über den HbA1c-Wert

Auf die Durchführung des oralen Glucosetoleranztestes wird heute meist verzichtet. Es wird einfach der HbA1c-Wert gemessen. Der HbA1c ist ein Anteil des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin), der mit dem Blutzucker eine Verbindung eingegangen ist. Er wird auch umgangssprachlich „Langzeit-Blutzuckerwert“ genannt. Der HbA1c-Wert gibt Auskunft über den durchschnittlichen Blutzuckerwert in den letzten acht Wochen. Ein Prädiabetes oder eine pathologische Glucosetoleranz liegt vor, wenn der HbA1c-Wert zwischen 5,7 % und 6,4 % liegt. Ist der HbA1c-Wert über 6,5 %, liegt ein Diabetes vor.

Die Untersuchungen zur Diagnosesicherung sollten durchgeführt werden, wenn typische Symptome eines Diabetes vorliegen.

Typische Beschwerden (Symptome) bei Diabetes sind

  • Durst
  • Sehstörungen
  • häufiges Wasserlassen
  • Juckreiz
  • Müdigkeit
  • Entzündungen der Haut
  • Mattigkeit
  • schlecht heilende Wunden
  • Antriebsarmut
  • Infektionen an den Geschlechtsorganen
  • Kraftlosigkeit
  • Harnwegsinfekte
  • Lustlosigkeit
  • Gewichtsverlust

Haben Sie eines oder mehrere dieser Symptome, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt zur Überprüfung der Blutzuckerwerte aufsuchen. Oft wird die Zuckerkrankheit zufällig festgestellt, da wenig erhöhte Blutzuckerwerte keine Beschwerden verursachen: Viele sind zuckerkrank, ohne es zu merken.

Daher ist es sinnvoll bei Personen mit erhöhtem Risiko für einen Diabetes, gelegentlich Blutzuckerkontrollen durchführen zu lassen. Ein erhöhtes Risiko haben Personen mit Verwandten, die einen Diabetes haben oder Personen mit Übergewicht.

Wie unterscheide ich Diabetes Typ 1 von Diabetes Typ 2?

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 sind überwiegend schlank und die typischen Beschwerden treten sehr plötzlich auf. Die Diagnose wird gesichert durch die Bestimmung von Insulin und C-Peptid. Diese sind bei Typ 1 Diabetes niedrig. Da es beim Typ 1 Diabetes sich um einen Autoimmunprozess handelt, gibt es Antikörper (GADA, ICA, IA-2, IA-2A), die die Diagnose sichern. Sind diese erhöht, liegt ein Diabetes mellitus Typ 1 vor.

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 sind fast alle übergewichtig. Häufig wird der Diabetes im Anfangsstadium gar nicht bemerkt. Die typischen Symptome stellen sich erst spät ein. Daher wird der Diabetes häufig als Zufallsbefund mit einer Blutzuckermessung festgestellt. Die meisten Patienten haben ein Metabolisches Syndrom und daher zusätzlich noch einen Bluthochdruck und eine Fettstoffwechselstörung. Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung treten häufig schon vor der Erhöhung der Blutzuckerwerte auf. Insulin und C-Peptid sind bei diesen Patienten im Anfangsstadium erhöht. Erhöhte Insulin und C-Peptid Werte schließen ein Diabetes mellitus Typ 1 aus.

Beim LADA, dem Autoimmundiabetes des älteren Erwachsenen kann die Diagnosestellung schwierig sein. Ein Hinweis auf das Vorliegen eines LADA kann sein, wenn die Behandlung mit Tabletten nur kurzfristig erfolgreich ist und der Patient sehr schnell auf Insulin eingestellt werden muss.