Smarte Insulinpens: Wann kommen sie nach Deutschland?

Diabetesforschung
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Smarte Insulinpens sind eine neue Option in der Diabetestherapie für insulinbehandelte Menschen mit Diabetes, die keine Insulinpumpe tragen. Was kann ein smarter Insulinpen, und was ist von den Herstellern in nächster Zeit zu erwarten? Hier ein Überblick der diabetes-news Redaktion.

Diabetestechnik hat die Therapie verändert

(11.7.2021) Die Diabetestechnik hat sich in wenigen Jahren gewaltig weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz in Form von Algorithmen haben Einzug in die Diabetestherapie gehalten. Systeme zur Automatischen Insulin Dosierung (AID) ermöglichen heute eine bedarfsgerechte Abgabe von Insulin, (fast) schon wie bei einem Menschen mit gesunder Bauchspeicheldrüse. Zwei Beispiele für diese AID-Systeme sind MiniMed 770G von Medtronic und Accu-Chek Insight mit Loop Modus (wir berichteten). Wenig bewegt hat sich in dieser Zeit dagegen für Menschen, die Insulin mit dem Insulinpen spritzen. Zwar profitieren auch sie inzwischen von Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung (rtCGM), aber Insulinpens haben sich von der Technik seit längerem nicht verändert. Speichern können wiederverwendbare Pens bisher höchstens Datum und Uhrzeit der letzten Injektion. Interessante Werte wie die gespritzte Insulindosis und die Art des Insulins (Basal/Bolus) müssen weiterhin in einen Tagebuch notiert bzw. manuell in Apps oder Software für das Diabetesmanagement eingegeben werden.

Smarte Insulinpens für das digitale Tagebuch

Nun bringen smarte Insulinpens Bewegung in die Diabetestherapie. Sie speichern Eckdaten zur Insulininjektion (Datum, Uhrzeit, Insulinmenge, Art des Insulins) und übermitteln sie drahtlos an Apps für das Diabetesmanagement. Fließen dort auch die Werte aus der kontinuierlichen Glukosemessung ein, ergeben sich neue Möglichkeiten, die Qualität der Diabetestherapie zu bewerten und zu verbessern. Zumdem entfällt das Führen eines Diabetestagebuchs per Hand, weil alle relevanten Daten an das digitale Tagebuch übermittelt werden.

An smarten Insulinpens arbeiten zahlreiche Hersteller, allen voran die großen Insulinfirmen. Zwei Beispiele:

Novo Nordisk: NovoPen 6 und NovoPen Echo Plus

Novo hat beim Deutschen Diabetes Kongress im Mai 2021 die beiden smarten Insulinpens NovoPen 6 und NovoPen Echo vorgestellt. Beide sind wiederverwendbar mit 3-ml-Glasampullen und haben laut Novo eine Lebenszeit von 4-5 Jahren. Die Insulindosis und die Zeit seit der letzten Injektion werden auf dem Insulinpen angezeigt. Der Pen übermittelt die Daten über Near Field Communication Technology (NFC) auf Smartphone und Computer. Novo setzt auf eine Open Source Software, die eine Anbindung verschiedener Softwaresysteme und Apps ermöglicht. In Schweden sind die beiden smarten Insulinpens von Novo bereits erhältlich, mit einer Markteinführung in Deutschland rechnet man bis Ende 2o21.

Eli Lilly: Tempo Pen

Der Insulinhersteller Lilly setzt bei seinem SmartPen auf eine modifizierte Version des vorgefüllten KwikPen. Der smarte Einwegpen von Lilly trägt den Namen “Tempo Pen” und ist mit einem “Tempo Smart Button” ausgestattet. Per Knopfdruck werden Daten zu Datum und Uhrzeit der letzten Injektion sowie zur Insulindosis an eine App, Software und/oder andere medizinische Geräte übermittelt. Eli Lilly hat dafür internationale Vereinbarungen mit den vier Unternehmen Dexcom, Glooko, myDiabby Healthcare und Roche unterzeichnet. Lilly rechnet damit, die CE-Kennzeichnung für den Tempo Smart Button für Deutschland und andere Länder der Europäischen Union im Laufe dieses Jahres zu erhalten. Nach Erhalten der CE-Kennzeichnung soll die Markteinführung des Tempo Pens und der Tempo Smart Buttons in mehreren internationalen Märkten folgen, so das Unternehmen in einer Presseinformation aus Mai 2021.

Weitere Beispiele für smarte Insulinpens

Auch der Insulinhersteller Sanofi arbeitet an einem Konzept, SoloStar Pens zu smarten Insulinpens weiterzuentwickeln. Dazu wurde bisher noch nicht viel bekannt.

Kein Geheimnis ist, das Medtronic im Herbst 2020 mit der Übernahme der amerikanischen Firma Companion Medical in den Bereich der smarten Insulinpens eingestiegen ist. Das wiederverwendbare „InPen“-System von Companion Medical/Medtronic wurde in den USA bereits vorgestellt.

Auch ein deutscher Hersteller mischt mit: Die Firma Esysta Digital Diabetes Care bietet mit dem Esysta Pen bereits einen smarten Insulinpen an. Er sendet die gespeicherten Daten allerdings nicht direkt an eine App, sondern zunächst an eine Basisstation, welche die Daten verschlüsselt an eine Software bzw. eine App von Esysta übermittelt. Diese App ist inzwischen als DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung gelistet).

Quelle: eigene Recherche; Unterlagen zu NovoPen 6 und NovoPen Echo Plus von Novo Nordisk aus Mai 2021; Presseinformation von Eli Lilly aus Mai 2021)

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