Fehlerhaft messendes Blutzuckermesssystem
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Fehlerhafte Blutzuckerteststreifen vom Discounter

(mit aktuellem Update am Ende) Das Ulmer Forschungsinstitut IDT hat die Genauigkeit von Blutzuckerteststreifen unter die Lupe genommen. Ein Blutzuckermessgerät, das bei Aldi Süd verkauft wurde, ist dabei wegen fehlerhafter Werte durchgefallen.  Einen Rückruf lehnt der Hersteller bisher ab.

Blutzuckerteststreifen beim Discounter kaufen?

Messen die „billigen“ Blutzuckerteststreifen vom Discounter genau, oder geht der günstige Preis zu Lasten der Qualität? Dieser Frage ist das anerkannte Prüflabor Institut für Diabetes-Technologie Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH an der Universität Ulm (IDT) Anfang des Jahres in einer Untersuchung nachgegangen. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. med. Guido Freckmann hatten Messgeräte eines Herstellers unter die Lupe genommen, die beim Discounter Aldi Süd angeboten wurden. Eine Charge der Blutzuckerteststreifen wurde daraufhin geprüft, ob sie die Kriterien der Genauigkeit nach der geltenden ISO-Norm 15197 erfüllen. 

Blutzuckerteststreifen mit mangelhaftem Ergebnis

Die Analyse der Teststreifencharge ergab mangelhafte Ergebnisse. Im Schnitt lagen die Ergebnisse 16 % zu hoch. „Besonders im niedrigen Blutzuckerbereich lagen die Messwerte deutlich zu hoch und waren geeignet, eine drohende Unterzuckerung zu verschleiern“, erläutert Professor Dr. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Diabetiker müssen sich auf die Genauigkeit ihres Blutzuckermesssystems verlassen können, denn sie stimmen – sofern sie Insulin spritzen – ihre Insulindosis auf die gemessenen Werte ab. Sind die angezeigten Werte zu hoch, fällt eine drohende Unterzuckerung unter Umständen nicht auf. Fatal kann dies zum Beispiel vor einer Autofahrt sein.

Einstweilige Verfügung des Herstellers

Das Forschungsinstitut IDT hat die Ergebnisse beim Deutschen Diabetes Kongress Mitte Mai 2016 in Berlin vorgestellt. Dabei durfte Dr. med. Guido Freckmann allerdings den Namen der mangelhaft getesteten Blutzuckerteststreifen nicht nennen. Der Hersteller hatte dies vorher per einstweiliger Verfügung untersagen lassen – und hat bisher auch nicht reagiert. „Leider hat der Hersteller nicht die Konsequenz gezogen, einen Rückruf zu starten“, bedauert Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Presseinformation der Gesellschaft vom 13. Mai 2016. Dies müsste nach Ansicht der DDG Experten jedoch umgehend passieren.

Bayerischer Rundfunk berichtet

Nach Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR), der über den Fall berichtet hat, soll es sich um die Firma Medisana handeln. Auf Anfrage des BR schreibt das Unternehmen aus Neuss: „Insulinpflichtige Diabetiker gehören nicht zu den Nutzern des Curamed CM. (Sie) sind durch verordnungsfähige Geräte und Teststreifen anderweitig versorgt.“ Nachzulesen ist dies auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks.

Aktuelles Update 27.06.2016

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat heute in einer Presseinformation mitgeteilt, dass das Berliner Landgericht die einstweilige Verfügung der Firma Medisana gegen die Veröffentlichung der Testergebnisse aufgehoben hat. Die Ergebnisse des Prüflabors dürfen jetzt in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden.

Aktuelles Update 05.07.2016

Die Firma Medisana hat die bemängelte Charge ihrer Blutzuckerteststreifen für das bei Aldi Süd verkaufte Blutzuckermessgerät Curamed CM sowie das Messsgerät selbst erst einmal vom Markt genommen. Teststreifen und Messgerät sollen nun von einem unabhängigen Institut geprüft werden.

Die Presseinformation der Deutschen Diabetes Gesellschaft zu diesem Thema finden Sie hier.