News-Archiv: 2006

Langfristige Begleitung beim Typ 2 Diabetes

(2006)

Diabetes-MOBIL

Langfristige Begleitung beim Typ 2 Diabetes

Wie bei kaum einer anderen Krankheit können Menschen mit Typ 2 Diabetes selber eine Menge durch Lebensstil-Änderungen tun, um Folgeerkrankungen zu verhindern.
Das bedeutet insbesondere mehr Bewegung, eine geeignetere Ernährung und Abnehmen. Dass der Verlauf der Krankheit dadurch sehr positiv beeinflusst werden kann, haben die eindrucksvollen Ergebnisse großer Studien in Finnland und den USA gezeigt. Da es uns Menschen aber sehr schwer fällt, langjährig eingeübte Alltagsgewohnheiten langfristig wirklich zu ändern, brauchen wir dafür eine Begleitung durch einen „Coach“, der die Betroffenen immer wieder motiviert.
An dieser Stelle setzt das Konzept von Diabetes-MOBIL an, das im Rahmen einer Pilotphase an insgesamt 30 Orten in der Bundesrepublik angeboten wird und jetzt im Herbst startet. Die eigentliche „Kraft“ bei der Umsetzung der Lebensstil-Änderungen sind dabei Diabetes-Beraterinnen, die entsprechend zu Lifestyle-Managerinnen weitergeschult wurden.
Sie geben den Menschen mit Typ 2 Diabetes Hilfestellung dabei, langfristig geeignete Bewegungs-Aktivitäten aufzunehmen und sich anders zu ernähren. So soll das, was zunächst als Einschränkung empfunden wird, relativ rasch zu einer wesentlichen Verbesserung in der Lebensqualität führen.
Wie sieht Lifestyle-Management im Alltag aus?
Die Lifestyle-Managerin führt einen wöchentlichen AktivTreff durch, bei dem jeweils ein bestimmtes Thema rund um den Diabetes besprochen wird. Die Teilnehmer können Fragen stellen und sich auch untereinander über die Bewältigung des Diabetes im Alltag austauschen. Die vielfältigen Fragen, zu deren Beantwortung der Arzt häufig keine Zeit hat, kommen hier auf den Tisch. Durch Betrachtung der Blutzuckerwerte, des Gewichtes und des Blutdruck soll auch verfolgt werden, ob die Lebensstil-Änderungen zu messbaren Verbesserungen führen.
Angepasst an die individuelle Situation des Patienten werden Zielvereinbarungen getroffen und der Weg zu deren Einhaltung gemeinsam verfolgt. Insgesamt soll dadurch die Motivation immer wieder gestärkt werden. Damit diese Treffs nicht wieder nur mit Reden verknüpft sind, soll eine speziell entwickelte Hockergymnastik die Stimmung auflockern. Da ja nicht nur der Patient von der Krankheit betroffen ist, sondern auch seine Familie, ist es kein Problem, auch seine Angehörigen zu den AktivTreffs mitzubringen.

Lebensstil-Änderungen sollen Spaß machen, denn nicht der Verzicht, sondern der Gewinn an Lebensqualität führt zum Erfolg. Neben den AktivTreffs werden auch wöchentliche AktivEvents angeboten: hierbei geht es primär darum, sich gemeinsam zu bewegen. In einer Gruppe von Gleichgesinnten fällt es nicht nur leichter, die körperliche Aktivität zu erhöhen, sondern es wird auch die Bereitschaft, dies regelmäßig und langfristig zu machen, massiv gestärkt.
Als Bewegungsarten eignen sich Walking oder Nordic Walking, das ist einfach zu erlernen und auch für Ungeübte hervorragend geeignet.
Umsetzung von Lebensstil-Änderungen: Das P.A.T.E-Programm
Im Prinzip weiß jeder, was man tun sollte, um gesünder zu leben. Wesentlich weniger klar ist, wie beginne ich mit Lebensstil-Änderungen und vor allem, was bedeuten die für mich als Einzelperson?
Ein speziell entwickeltes Programm, das P.A.T.E – Lifestyle-Management-Programm, setzt genau da an. P.A.T.E steht für die vier Schritte, die zur Lebensstil-Änderung führen: Planen – Aktivieren – Trainieren – Erhalten. Im Rahmen dieses Programms geht es insbesondere um die Themenbereiche Motivation, Bewegung, Ernährung und Risikofaktoren. Dabei werden viele konkrete Übungen und Tipps rund um diese Themen gegeben.

Jeder Teilnehmer erhält sein persönliches AktivBuch als Leitfaden für das Programm – mit vielen Tipps und Hilfestellungen.
Was soll dadurch erreicht werden?

  • regelmäßige Bewegung wird zu einem festen Bestandteil des Lebens
  • das Körpergewicht wird gesenkt und langfristig stabilisiert
  • ungünstige Lebens- und Ernähungsgewohnheiten werden verändert

Wer unterstützt Diabetes-MOBIL und was kostet dies?
Diabetes-MOBIL hat das Gütesiegel des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM) erhalten und bekommt zusätzlich tatkräftige Unterstützung aus dem wissenschaftlichen Umfeld: Prof. Dr. L. Heinemann und Prof. Dr. S. Martin, beide Düsseldorf, haben die wissenschaftliche und medizinische Betreuung von Diabetes-MOBIL übernommen.
Alle Teilnehmer machen zu Beginn und dann quartalsweise einen Risikocheck, um das aktuelle Risiko für Folgeerkrankungen zu erkennen und die Gesundheits-Chancen zu sehen. Für die Durchführung der Risikoanalyse und als Jahresgebühr ist ein Entgelt von 110 € zu zahlen. Für die Teilnahme an den AktivTreffs und den AktivEvents entstehen 10 € pro Woche.

Diabetes-MOBIL-Studie
Der Erfolg von Änderungen im Lebensstil wurde im Ausland in entsprechenden Studien schon mehrfach eindrücklich belegt. Allerdings gibt es erstaunlicherweise noch keine Studie dazu, die in Deutschland durchgeführt wurde! Daher soll während der Pilotphase von Diabetes-MOBIL eine begleitende Studie über sechs Monate hinweg durchgeführt werden.
Damit die Studie eine hohe Glaubwürdigkeit hat, werden die Veränderungen im Gewicht, Blutzucker und anderen Werten nicht nur bei dem Patienten verfolgt die an dem AktivTreffs und AktivEvents teilnehmen, sondern parallel dazu auch bei einer Gruppe von Patienten, die dies nicht tun. Dabei erfolgt die Zuordnung zu den beiden Gruppen zufällig. Nach sechs Monaten starten die Patienten, die zunächst nicht teilnehmen konnten, mit dem Programm.
Diabetes-MOBIL ist eine sinnvolle Ergänzung zur medizinischen Versorgung: eine langfristig angelegte Begleitung für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Wenn Sie bei Diabetes-MOBIL mitmachen möchten, melden Sie sich bei:

Diabetes-MOBIL gGmbH
Gräulinger Str. 120
40625 Düsseldorf
Tel. 0211 – 29 26 900
E-Mail: info@diabetes-mobil.de

Globale Koalition von Diabetes-Experten

(2006)

Globale Koalition von Diabetes-Experten

Globale Koalition von Diabetes-Experten ruft zu kompromissloser Kontrolle von Diabetes auf, um eine verheerende und kostspielige globale Belastung zu vermeiden
EASD – KOPENHAGEN, 15. September 2006

Globaler Handlungsaufruf von Diabetes-Experten aus
Europa, Lateinamerika, Asien, den USA, Kanada und Australien
  • Wir müssen die Kontrolle von Diabetes verbessern
  • Wir müssen die Akzeptanz von Insulin erhöhen,
    indem wir seine Wirksamkeit bei der Behandlung vermitteln
  • Wir müssen die ständig steigende Belastung durch diese Krankheit reduzieren

Ein heute veröffentlichter übereinstimmender Bericht ruft zu dringenden Maßnahmen zur drastischen Verbesserung der Kontrolle von Diabetes auf. Der Konsensbericht ist ein globaler Aktionsaufruf, der anlässlich eines Zusammentreffens von 25 anerkannten Diabetes-Experten aus 16 verschiedenen Ländern abgefasst wurde.
Diabetes ist eine wachsende globale Epidemie, die erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitskosten hat und die Lebenserwartung zu senken droht. Die Koalition wurde gegründet, um Wege zu untersuchen, diese beunruhigende globale Belastung in den Griff zu bekommen, nachdem die Ergebnisse einer wichtigen internationalen Studie bekannt wurden. An der Studie „Optimizing Control in Diabetes (OPTIMIZE) Survey“ nahmen beinahe 1.500 Menschen mit Diabetes Typ II aus sieben Ländern teil. Sie wurden über ihre Meinung über die Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes befragt, und die Ergebnisse zeigen, dass bei dem Versuch, eine optimale Blutzuckerkontrolle zu erreichen, erhebliche Hindernisse auf Seiten der Patienten bestehen.
„Diabetes ist eine voranschreitende Krankheit und beinahe alle Patienten mit Diabetes Typ II, die ihre Erkrankung derzeit mit Hilfe von Diät, Sport und oralen Behandlungsmethoden unter Kontrolle halten, werden letztendlich Insulin benötigen – die Standardbehandlung für eine erfolgreiche Kontrolle von Diabetes. Eine Behandlung kann jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn Patienten bereit sind, sie anzunehmen. Jüngste klinische Studien zeigen, dass die Hälfte der Patienten, für die orale Diabetesmedikamente nicht ausreichend sind, um ihre Blutzuckerwerte zu kontrollieren, die Behandlung mit Insulin für mindestens vier bis sechs Jahre herausschieben.
„Sogar Patienten, die an Folgeerkrankungen einer unkontrollierten Diabetes wie Neuropathie und Retinopathie leiden, die zu Blindheit führen können, schieben die Insulinbehandlung auf“, kommentierte Professor Cefalu vom Pennington Biomedical Research Center in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana.
Die OPTIMIZE-Studie, die die Meinung von Patienten über die Behandlung von Diabetes untersucht, unterstützt diese Daten und enthüllt ernste Probleme im Bereich der Akzeptanz von Insulin, die angegangen werden müssen.
Professor Cefalu sagte weiter: „Dies hat meine Kollegen und mich dazu veranlasst, eine Koalition zu bilden, in der wir einen Bericht entwickelt haben, von dem wir hoffen, dass er das Bewusstsein über das Problem erhöhen und Patienten und Gesundheitspersonal dazu veranlassen wird, sich an die Regeln über eine frühere Behandlung zu halten.“

Referenzen
1 International Diabetes Federation. www.idf.org

Letzter Zugriff am 14. Juli 2006.
2 UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group. Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment and risk of complications in patients with type 2 diabetes (UKPDS 33). Lancet. 1998 Sep 12;352(9131):837-53
3 Diabetes Control and Complications Trial Research group. The effect of intensive diabetes treatment on the development and progression of long-term complications in insulin-dependent diabetes mellitus: The Diabetes Control and Complications Trial. N Engl J Med 1993; 329:978-986
4 International Diabetes Federation. Diabetes Atlas 2nd edition, 2003

Geiz ist geil? – Nicht bei Injektionsnadeln!

(2006)

Nicht mit Pen-Nadeln geizen

Initiative „Weil es unter die Haut geht“
An Injektionsnadeln sparen, z.B. wegen der Zuzahlung, kann für insulinspritzende Diabetiker teuer werden, betont eine Initiative der Diabetesberatungs-Berufe und der Industrie. Zu wenig bekannt sind mögliche Komplikationen der Mehrfachverwendung wie Fettgewebswucherungen und in der Folge eine verschlechterte Insulinwirkung.

Der Gebrauch einer Pennadel hinterlässt seine Spuren. Der Unterschied von der neuen, sterilen Nadel (links) bis zur mehrfach verwendeten, verbogenen Nadel mit anhaftenden Gewebsresten (rechts) ist deutlich sichtbar.

Injektionsnadeln für die Insulintherapie sind sterile Medizinprodukte, vorgesehen zur Einmalverwendung. So die Theorie. In der Praxis ist die Mehrfachverwendung die Regel. Auf 9,2 Nutzungen pro Nadel bringen es deutsche Diabetiker. Sie sind damit die Europameister im Sparen. „93% der Diabetiker in Deutschland benutzen ihre Insulin-Nadeln mehrfach“, zitiert die Diabetesberaterin Evelyn Drobinski aus einer europaweiten Befragung von Diabetespatienten. Nur in Frankreich, Italien und den Niederlanden kommt man dem „Ideal“ Einmalgebrauch nahe. In Frankreich wird die medizinische Empfehlung des Einmalgebrauchs wirksam unterstützt durch eine 100%igen Erstattung; deutsche Diabetiker leisten eine Zuzahlung von z.B. 2,50 € je 100 Pennadeln.
Halbherzige Empfehlungen der Berater
Leider sind die Empfehlungen, die Patienten in Schulungen und von niedergelassenen Ärzten und Apothekern zum Umgang mit den Pen-Nadeln erhalten, zwiespältig. Nach offizieller Lesart sollte die Nadel nach jeder Injektion gewechselt werden. Bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht man verschiedene Gefahren der Mehrfachverwendung von Nadeln:

  • Verunreinigungen an der Kanüle
  • Bildung von Lufteinschlüssen
  • Abstumpfung der Nadel mit der Folge von Mikro-Verletzungen, die an der Injektionsstelle zu Verhärtungen führen

Die Hersteller lehnen bei Mehrfachgebrauch ihrer Nadeln jede Haftung ab. Darauf seien Patienten hinzuweisen, warnte schon 2003 die DDG: „Ob sie (die Patienten) in Kenntnis dieser Situation dann Einmalnadeln mehrfach verwenden, ist in ihr eigenes Ermessen gestellt.“
Beim Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD), dem Frau Evelyn Drobinski vorsitzt, will man den schwarzen Peter nicht dem Patienten zuschieben: „Wir als Verband empfehlen die konsequente und einheitliche Schulung auf Einmalverwendung von Pen-Nadeln“, betont Drobinski. Doch in der Praxis kommt das so noch nicht an: Nur jede dritte Diabetesberaterin empfiehlt, die Nadel nach jeder Injektion zu wechseln; zwei von drei erlauben den Mehrfachgebrauch, ergab eine Befragung von 155 Diabetesberaterinnen.
„Wir sind schon froh, wenn überhaupt öfter mal gewechselt wird, z.B. einmal am Tag“, sei häufiger von Beraterinnen zu hören. Nach ihrer Erfahrung wechseln Patienten die Nadel eher unregelmäßig: wenn es „weh tut“, wenn es beim Einstich blutet, oder nach individuellem Gusto.
Zu Beginn der Insulintherapie folgen noch relativ viele Patienten den Empfehlungen, die Nadel häufig oder jedes Mal zu wechseln; doch diese Disziplin verliert sich. Dies in Kenntnis der Nachteile der Mehrfachverwendung, ergab eine Befragung der Firma Disetronic: Bis zu 90% der Patienten geben als Vorteile der Einmalverwendung an, dass die scharf geschliffene Nadel hygienischer ist, weniger Verletzungen oder Entzündungen hervorruft und das Spritzen erleichtert. „Das heißt, ein Verständnis wird in den Schulungen vermittelt, aber es fehlt im Alltag an der konsequenten Umsetzung“. Daher lautet Frau Drobinskis Forderung an Kolleginnen und Ärzte, die Patienten ausdrücklich über die Gefahren der Mehrfachverwendung aufzuklären. „Unterbleibt die Aufklärung, kann es im Schadensfall nach § 823 Abs. 2 BGB zu einer Haftung des Arztes oder der Diabetesberaterin kommen“, betont sie.
Geiz ist Geil – bei Verordnungen?
Doch auch viele niedergelassene Ärzte lassen in der Praxis die Mehrfachbenutzung von Insulinspritzen geschehen. Nicht wenige Kollegen sträuben sich regelrecht gegen den Patientenwunsch nach einer Verordnung neuer Injektionsnadeln, meint Prof. Thomas Haak vom Diabeteszentrum Bad Mergentheim. Angesichts der Tatsache, dass die Nadeln als Hilfsmittel nicht das ärztliche Arzneimittelbudget belasten, sei diese Haltung kaum verständlich.

Falsche Gewohnheit bei der Injektion kann zu Funktionsstörungen des Unterhautfettgewebes führen: Lipohypertro- phie am Bauch

Bedenkliche Fettwucherungen
„Der Erfolg einer Insulintherapie hängt nicht unwesentlich auch von modernen Hilfsmitteln wie Pennadeln ab“, betont der Diabetologe. Diese sind relativ kurz, sehr dünn und entsprechend empfindlich. Bei jeder Injektion kann sie sich verbiegen oder beim Rückführen in die Schutzhülle oder die Kappe des Insulinpens beschädigt werden. Neue Nadeln ermöglichen häufige und schmerzarme Injektionen, weil sie in aller Regel mit einem hauchdünnen Silikonfilm überzogen sind. Nach Haaks Worten nutzt sich dieser Gleitfilm schon bei der ersten Injektion ab und ist nach der zweiten kaum noch nachweisbar. Durch die abgestumpfte, schlechterenfalls verbogene Kanüle steigt die Gefahr von Gewebeverletzungen. Es kommt zu Wucherungen im Unterhautfettgewebe, sogenannten Lipohypertrophien. Diese sind nach Prof. Haaks Worten bei etwa jedem dritten Patienten zu finden und stellen die wichtigste Komplikation unter dem (Mehrfach)Gebrauch von Injektionsnadeln dar. Sie zeigen sich als Schwellungen, Vorwölbungen oder sind als Verhärtungen spürbar. Anfangs bilden sie sich zurück, sofern sie von weiteren Injektionen verschont bleiben. Die Rückbildung kann Monate oder Jahre in Anspruch nehmen.

Große, dauerhafte Verhärtungen stellen nicht bloß ein kosmetisches, sondern ein medizinisches Problem dar. Weil sie schlechter durchblutet werden, wird Insulin aus Lipohypertrophie-Stellen schlechter aufgenommen. Andererseits spritzen Patienten bisweilen gern in dieses Gewebe, weil es weniger schmerzempfindlich ist. Dann wuchert das Fettgewebe weiter; die Insulinwirkung wird dort zunehmend unkalkulierbar, die Blutzuckereinstellung erschwert.

Richtig Insulin spritzen: Nadelwechsel mindestens täglich abends!
  • Injektionsort: Bauch und Oberarm gelten als „schnelle“, Oberschenkel und Gesäß als „langsame“ Spritzstellen
  • Immer ins Unterhaut-Fettgewebe spritzen (subkutan, s.c.). Wird der Muskel getroffen, ist die Insulinwirkung beschleunigt
  • Der Griff an der Hautfalte sollte während der Injek- tion aufrechterhalten werden

    Richtige Spritztechnik: Hautfalte bilden, zügig einstechen, langsam spritzen (je nach Pen auch automatisch), 10 Sekunden warten, Hautfalte loslassen, Nadel langsam herausziehen

  • „Stelle wechsele dich“: Spritzstellen regelmäßig wechseln, am besten nach einem festen Rotationsprinzip. Evtl. Spritzkalender anlegen, auf dem schachbrettartig die Spritzstellen eingezeichnet sind. Die nächste Spritzstelle sollte 2-3 cm von der vorherigen entfernt sein
  • Idealerweise wird für jede Injektion eine neue Nadel verwendet
  • Bei Mehrfachgebrauch sollte die Nadel in jedem Falle zumindest täglich gewechselt werden. Benutze Nadel nicht lange Zeit (z.B. über Nacht) auf dem Pen belassen, sie kann verstopfen
  • Gängigkeit der Kanüle vor jeder Injektion durch Abgeben von ein, zwei IE Insulin prüfen

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Gefährliche Pfunde

(2006)

„Viele verschiedene Studien belegen bereits einen Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und Diabetesrisiko. Unsere Untersuchung weist jedoch erstmals darauf hin, dass auch der Zeitpunkt der Gewichtszunahme eine wichtige Rolle spielt“, sagt Anja Schienkiewitz, Erstautorin der Studie.

Studienleiter Boeing geben die Ergebnisse Anlass zur Sorge, da „die Zahl junger übergewichtiger Erwachsener in Deutschland stetig steigt und bereits eine moderate Gewichtszunahme im jungen Erwachsenenalter das späte Erkrankungsrisiko nicht unwesentlich erhöht.“ Zudem zeige sich, wie wichtig es sei, zeitlebens auf sein Gewicht zu achten.

Diabetologische Facharztmedizin

(2006)

Problem der Einnahmen

In der Gesundheitspolitik herrscht kein Ausgaben-, sondern ein klares Einnahmeproblem vor. Es wird immer weniger Geld eingenommen, was zu Spargesetzen führt. Gerade einmal 15 Prozent machen die Ausgaben für die ambulante Versorgungsmedizin aus. Da der Deckel zurzeit fest auf den Honorartöpfen sitzt, müssen die Diabetologen aufpassen, dass es nicht zu Verschiebungen innerhalb des Topfes zu ihren Lasten kommt, sondern – noch besser -, dass ihr Anteil ausgedehnt wird.
Kein Gesetz, das bisher erlassen wurde, hat die Probleme dauerhaft in den Griff bekommen. Es fanden allerdings interne Verschiebungen statt. Und diese gingen in Form einer gestiegenen Verantwortungslast vor allem auf das Konto der Ärzte, analysiert Richard Daikeler:

  • Budgetverantwortung
  • Bonus-Malus-Regelung
  • Morbiditätsrisiko
  • Floatender Punktwert
  • Versorgungsmenge
  • Versorgungsstruktur
  • Preisstrangulierung über die Budgets

Staatsdirigismus

Gegen diese einseitige Verschiebung müssen sich die niedergelassenen Ärzte insgesamt zur Wehr setzen. Denn der zunehmende Staatsdirigismus führt zu mehr Verantwortungsverlagerung – vor allem auch finanzieller Art – auf die Schultern der Ärzte.
Es ist erschreckend, auf welche Entwicklung das deutsche Gesundheitssystem durch die angestrebte Gesundheitsreform zusteuert. Alle anderen Mitspieler, macht Richard Daikeler deutlich, sind zunehmend entlastet worden. Die Verantwortung für den Preis und die Versorgungsstruktur darf in diesem System nicht auf der Seite der Ärzte liegen. Wäre das System anders gestaltet, wären die niedergelassenen Ärzte wirklich frei, könnten sie selbstverständlich die Versorgungsstruktur gestalten – etwa über den Preis, der sich über Angebot und Nachfrage steuert.
Doch dies ist im deutschen Gesundheitssystem nicht so angelegt. Daher sollten Ärzte nicht verantworten müssen, was sie nicht mitgestalten können. Die Versorgungsmenge können Ärzte nicht wirklich steuern: „Wenn die Leute krank sind, kommen sie zu uns. Daher muss das Morbiditätsrisiko zwingend auf die Krankenkassen verlagert werden“, fordert das BVND-Vorstandsmitglied.

  • Das Morbiditätsrisiko muss zurück auf die Krankenkassen verlagert werden
  • die ärztliche Leistung muss in Eurobeträgen vergütet werden, Schluss mit der Spielzeugwährung
  • die Leistungsvergütung der DSP muss der spezifischen Struktur der DSP Rechnung tragen (Diabetesberaterinnen, Schulungsräume etc.)
  • die Privathaftung der Ärzte für verordnete Medikamente und andere Leistungen muss aufgehoben werden – es kann nicht sein, dass Ärzte mit ihrem Privatvermögen die medizinische Versorgung subventionieren
  • in Zeiten einer Einnahmeverknappung müssen Leistungen reduziert werden und nicht die Preise für ärztliche Leistung
  • die Ärzte dürfen nicht für Einnahmedefizite der GKV in die Pflicht genommen werden

Fäden spinnen

Notwendig sind strategische Kooperationen. Nicht nur Praxen sollten Kooperationspartner in anderen Fachgruppen suchen, sondern auch der BVND sollte strategische Kooperationen aufbauen. Dafür kämen zum Beispiel, so Richard Daikeler, der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) in Frage – die meisten Diabetologen sind im Bereich der Inneren Medizin angesiedelt.

Silbersocke – Ökostrumpf

(2006)

Ein umwelt- und gesundheitsfreundliches Projekt, das aber auch medizinisch abgesichert wurde: Hautverträglichkeit und Tragekomfort ließen die Mittelständler vom Institut proDerm (Hamburg) untersuchen. Die Universitätsklinik Dresden begleitete die Entwicklung des Öko-Strumpfes mit medizinischen Tests. „Alle Ergebnisse belegen, dass Lindner mit seinen Kooperationspartnern ein innovatives Produkt entwickelt hat, das die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen kann“, resümiert DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.
Für die Sachsen und Thüringer ist der nächste Schritt klar: Sie wollen die Öko-Strümpfe auch auf dem Markt erfolgreich „versilbern“.

Am 14. November ist Weltdiabetestag

(2006)

Grausame Wahl

Die Auswirkungen von Diabetes auf diese Personen und ihre Familien sind oft verheerend. Schätzungen zufolge wenden in Armut lebende Menschen mit Diabetes in einigen Entwicklungsländern bis zu 25% ihres Jahreseinkommens für die Diabetesversorgung auf. Martin Silink, neu gewählter IDF-Präsident, drückt es so aus: „Für manche sind die Konsequenzen des Diabetes unerbittlich. Die wirtschaftlich benachteiligten Menschen werden tiefer in die Armut getrieben und stehen vor einer grausamen Wahl: Entweder sie zahlen für die Behandlung und geraten in katastrophale Schulden, oder sie vernachlässigen ihre Gesundheit und müssen mit Invalidität oder vorzeitigem Tod rechnen.“ Ältere Menschen, ethnische Minderheiten und Eingeborenenminderheiten sind von der Diabetes-Epidemie unverhältnismässig stark betroffen. In den entwickelten Ländern ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Diabetes bei Menschen über 65 beinahe zehn Mal so hoch als in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen. In den USA geht man davon aus, dass eine von zwei im Jahr 2000 geborenen Personen einer ethnischen Minderheit im Laufe ihres Lebens Diabetes entwickelt, verglichen mit einer von drei in der Bevölkerung allgemein. In Kanada ist die Verbreitung von Diabetes bei den Ureinwohnern drei bis fünf Mal höher als in der allgemeinen Bevölkerung derselben Altersgruppe. Dies gilt ebenso für die australischen Ureinwohner.

Nichts zu tun ist keine Option

Die Diabetesepidemie droht sich zur größten Gesundheitskatastrophe zu entwickeln, die die Welt je gesehen hat. Rechtzeitig zum 14. November dieses Jahres ruft die International Diabetes Federation die globale Diabetes-Gemeinschaft zur Teilnahme an einer Kampagne für eine UNO-Resolution über Diabetes auf. Die Menschen sollen eine auf der Seite www.unitefordiabetes.org befindliche Online-Petition unterschreiben und eine virtuelle Version des blauen Rings weitergeben, der mittlerweile zum Symbol des Diabetes geworden ist.

Weitere Informationen

Die International Diabetes Federation (IDF) ist eine Organisation von mehr als 190 Mitgliedsverbänden in mehr als 150 Ländern. Ihr Ziel ist die Förderung der weltweiten Behandlung und Vorbeugung von Diabetes sowie der Entwicklung einer Therapie. Die IDF leitet die Kampagne für eine UNO-Resolution zu Diabetes. Siehe www.unitefordiabetes.org.
Der Weltdiabetestag ist eine Initiative der International Diabetes Federation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Mehr Informationen finden Sie unter www.worlddiabetesday.org.

Richtiges Fett gegen tödliches Quartett!

(2006)

Richtiges Fett gegen tödliches Quartett!

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren zum Schutz vor chronischen Entzündungen
Wissenschaftler der französischen Louis-Pasteur-Universität in Straßburg um Carine Klein-Patat stellten in ihrer aktuellen randomisierten Studie fest (1), dass eine Ernährungsweise mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren bereits Jugendliche vor den Folgen des tödliches Quartetts und chronischen Entzündungen schützt, berichtete gestern Diplom-Ingenieurin der Ernährungstechnik Elisabeth Warzecha von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. aus Aachen.
Die Wissenschaftler untersuchten im Rahmen der Intervention Centered on Adolescents´ Physical Activity and Sedentary Behaviour Study (ICAPS) bei 60 normalgewichtigen und 60 übergewichtigen 12-jährigen Jugendlichen die Blutfettwerte, BMI, WHR, Körperfettzusammensetzung sowie den Blutdruck. Es zeigte sich, dass 25 Prozent der übergewichtigen Jugendlichen unter dem Metabolischen Syndrom litten, jedoch kein normalgewichtiger Jugendlicher.
Das Verhältnis von mehrfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren war bei den übergewichtigen Jugendlichen mit Metabolischem Syndrom niedriger als bei Übergewichtigen ohne Metabolisches Syndrom. Auch ist das Verhältnis der Fettsäuren positiv mit der Konzentration von HDL-Cholesterol assoziiert. Die Wissenschaftler folgerten aus ihren Ergebnissen, dass das Verhältnis mehrfach ungesättigter zu gesättigten Fettsäuren invers mit dem Metabolischen Syndrom und Entzündungen bei Übergewichtigen korreliert.
Dabei ist die Körperfettzusammensetzung und Fettverteilung unwichtig. Die Forscher konnten keine Verbindung zwischen der Fettsäurenzusammensetzung und der Insulinresistenz feststellen. Übergewichtige Jugendliche tragen mit einer fettreichen und aus ungesunden gesättigten Fetten bestehenden Ernährungsweise zur Entstehung des Metabolischen Syndroms bei.
Das Metabolische Syndrom, tödliches Quartett oder auch Syndrom X genannt, bündelt mehrere Risikofaktoren, die zu vorzeitigen arteriosklerotischen Gefäßerkrankungen führen. Zu den Risikofaktoren zählen Diabetes mellitus Typ 2, bauchbetonte Adipositas, Fettstoffwechselstörung sowie Hypertonie.

Gewichtsreduktion, reichlich Bewegung und eine gesunde und abwechslungsreichen Ernährungsweise mit dem Verzehr mehrfach ungesättigter langkettiger Fettsäuren, wie Alpha-Linolensäure, sind wichtige Voraussetzungen für einen gesunden Lebens- und Ernährungsstil und schützen zusätzlich vor dem Metabolischen Syndrom und seinen Folgeerkrankungen, fasst die Ernährungsexpertin Elisabeth Warzecha die Ergebnisse der Studie zusammen.
Die gesunden Fettsäuren sind reichhaltig in Leinöl, Weizenkeimöl, Distelöl und Walnussöl enthalten. Weitere Informationen sind unter www.fet-ev.eu erhältlich. 2.721 Zeichen
(1) Carine Klein-Patat et al.: Plasma fatty acid composition is associated with the metabolic syndrome and low-grade inflamamtion in overweight adolescents; AJCN 2005; 82: 1178-1184.
Buchtipp: Cholesterin- und Fettampel. Sven-David Müller, Knaur Verlag, 2004. Erhältlich unter www.buch.ernaehrungsmed.de/3426669137
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Fetale Entwicklung

(2006)

In der Entwicklung des Fötus gibt es sensible kurze Phasen, in denen bestimmte Stoffwechselfunktionen eingestellt werden. Bei einer Unterernährung etwa arbeitet der Organismus auf Hochtouren, um eine maximale Verwertung zu erreichen. Diese Adaption ist irreversibel und gilt damit lebenslang. Wenn also später eine normale Ernährung erfolgt, wird diese überproportional gut verwertet und sorgt damit für Übergewicht.
Während man bisher annahm, dass eine Insulinresistenz beispielsweise erst durch eine falsche Ernährung und ungesunde Lebensweise im Erwachsenenalter erworben wird, konnte nun gezeigt werden, dass bereits im Mutterleib die Insulinresistenz geprägt werden kann. Das führt zu einem grundlegend neuen Verständnis von Diabetes. Zukünftige Forschungen sollen untersuchen, wie dieser sensible Mechanismus genau funktioniert und ob im Krankheitsfall vielleicht sogar ein "Re-Programmieren" möglich sein könnte. "Das ist allerdings noch blanke Zukunftsmusik", äußert sich Professor Hocher dazu.
Generell empfiehlt sich werdenden Müttern ein sehr bewusster Umgang mit Ernährung. Denn wie Professor Hochers Arbeitsgruppe in einer anderen Studie (Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2006 Oct;291(4):R1025-30) herausfand, kann nicht nur Unterernährung, sondern generell Fehlernährung im Mutterleib zu Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter führen. Dies wurde tierexperimentell untersucht. Nicht nur Proteinmangel, sondern auch ein Überangebot an Eiweiß kann im sehr frühen Stadium der Schwangerschaft zu einem geringen Geburtsgewicht und damit zu Herzkreislauferkrankungen der Nachkommen führen.