News-Archiv: 2006

Einsatz von Humalog wirtschaftlich!

(2006)

Einsatz von Humalog ist wirtschaftlich

Zusätzliche Arzneimittelkosten des Analoginsulins Humalog (Wirkstoff: Insulin lispro[1]) gegenüber Humaninsulin werden durch seltenere stationäre Aufenthalte zumindest kompensiert.
Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das vom Pharmaunternehmen Lilly Deutschland bei einem unabhängigen Institut in Auftrag gegeben worden ist. Auf der Basis von Studien aus dem amerikanischen Managed Care Bereich wurde unter anderem die Wirtschaftlichkeit von Insulin lispro im Rahmen der Therapie des Diabetes mellitus vom Typ 1 und Typ 2 untersucht.
Der Nutzen verschiedener kurzwirksamer Insuline zur Behandlung von Diabetes mellitus ist derzeit ein hitzig diskutiertes Thema. Im Zentrum der gesundheitspolitischen Debatte stehen der medizinische Nutzen, die Wirtschaftlichkeit und der Patientennutzen verschiedener Therapieoptionen. Im Rahmen eines so genannten Health Technology Assessments (HTA)[2] hat das Pharmaunternehmen Lilly Deutschland Studien, die zur Beurteilung dieser Aspekte maßgeblich sind, vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), dem größten deutschen privatwirtschaftlichen und unabhängigen Forschungsinstitut im Gesundheitswesen, analysieren lassen.
Weniger Krankenhausaufenthalte, höhere Patientenpräferenz
Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit aus Sicht der Kostenträger wurden drei relevante Studien identifiziert und ausgewertet. In diesen Studien wurden die gesamten Behandlungskosten von Menschen mit Diabetes untersucht, die mit Insulin lispro oder Humaninsulin therapiert werden. Eine Unterscheidung zwischen Typ 1- oder Typ 2-Diabetes wurde nicht vorgenommen. Alle Studien zeigen, dass die zusätzlichen Arzneimittelkosten in der Lisprogruppe gegenüber der Humaninsulingruppe u. a. durch seltenere stationäre Aufenthalte zumindest kompensiert werden.
Zur Beurteilung der Patientenpräferenz konnten neun Studien ausgewertet werden. Alle Studien untersuchen nahezu ausschließlich Patienten mit Typ 1-Diabetes. Diese berichten einheitlich über eine Präferenz bzw. eine gewünschte Fortsetzung nach Studienende mit Insulin lispro.
HbA1c und Hypoglykämien – Die Parameter zur Beurteilung des medizinischen Nutzens?
Die Analyse des medizinischen Nutzens wurde – analog zum damals aktuellen IQWiG-Methodenpapier – auf die folgenden Parameter beschränkt: Häufigkeit von Hypoglykämien und HbA1c-Werte.
Die Ergebnisse für den Typ 2-Diabetes zeigen, dass eine Behandlung mit Insulin lispro und mit kurzwirksamem Humaninsulin gleich effektiv auf den HbA1c-Wert und das Hypoglykämie-Risiko wirken. Für den Typ 1-Diabetes konnten jedoch ein signifikanter Vorteil bei der Senkung des HbA1c-Werts sowie deutliche Hinweise auf Reduktion schwerer Hypoglykämien gezeigt werden.

Neben dem HbA1c-Wert, der lediglich eine Information über die durchschnittlichen Blutzuckerwerte während der letzten sechs bis zwölf Wochen gibt, rücken seit einiger Zeit immer stärker die Blutzuckerwerte nach dem Essen (postprandiale Blutzuckerspiegel) in den Mittelpunkt der Diskussion. Denn es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass postprandiale Blutzuckerspitzen eine wichtige Rolle bei vaskulären Schäden spielen. Welchen Einfluss der mittels einer Insulintherapie kontrollierte postprandiale Blutzuckerspiegel auf das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse hat, wird derzeit von Lilly in einer großen Studie mit 1.355 Patienten mit Typ 2-Diabetes untersucht. Erste Ergebnisse werden 2008 erwartet.
Anmerkungen für die Redaktion
[1] Insulin lispro (Humalog®) ist eine verschreibungspflichtige Substanz. Auf die Vorschriften des Heilmittelwerbegesetzes wird ausdrücklich hingewiesen.
[2] Der Begriff Health Technology Assessment (HTA) bezeichnet einen Prozess, mit dem medizinische Verfahren und Technologien systematisch bewertet werden, die einen Bezug zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung haben. In der deutschen Gesundheitspolitik haben sich HTAs als wirksames Mittel zur Sicherung der Qualität und Wirtschaftlichkeit etabliert.

Dicke Kinder werden dicke Erwachsene

(2006)

Dicke Kinder werden dicke Erwachsene

Diabetiker von morgen
Jede/r zweite Deutsche gilt schon als übergewichtig. Und es werden immer noch mehr, vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Sie sind die Diabetiker von morgen, meinten Experten auf einem Adipositaskongress. Eltern sollten Vorbild sein und frühzeitig eingreifen
Körperideal und Körperwirklichkeit klaffen immer mehr auseinander
Nur noch eine/r von vier Deutschen hat ein wünschenswertes Körpergewicht (Body Mass Index BMI unter 25). Jede/r zweite gilt als übergewichtig (BMI 25-30), knapp 20% als adipös (BMI 30-35), die weiteren als extrem adipös. Der mittlere BMI liegt in der Deutschland bei ca. 27. (USA ca. 28,5), konstatierte Prof. Alfred Wirth, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (Adipositas = Fettsucht, definiert als BMI über 30).
Und die Kinder eifern den Erwachsenen nach: Schon 4 bis 8% aller Schulkinder sind adipös, jedes fünfte Schulkind und jeder dritte Jugendliche übergewichtig, bei einem großen Anteil von Kindern ausländischer Mitbürger. 40 bis 70% der Schwankungsbreite im individuellen Gewicht ist zwar durch Vererbung bestimmt. Aber die rasante Zunahme von Übergewicht in allen Altersgruppen und Schichten zeigt, dass Umweltfaktoren erheblich beteiligt sind. Zu kalorienreiches Essen, zu wenig Bewegung sind Hauptrisikofaktoren. Zu Übergewicht neigende Kinder und Jugendliche nehmen dann oft extrem schnell und stark zu, mitunter über 10 kg pro Jahr. Parallel steigt die Insulinresistenz. So werden aus übergewichtigen Kindern i.d.R. übergewichtige Erwachsene.
Berechnen Sie Ihren Body-Mass-Index (BNI)
Ist Fettsucht eine Krankheit?
Aus medizinischer Sicht eindeutig ja. Adipositas hat eine klare Ursache (Kalorienaufnahme dauerhaft über Kalorienverbrauch) und klare Erscheinungsformen („Pathologie“: vermehrte und vergrößerte Fettzellen). Das „Zentrum“ der Krankheit ist das Fettgewebe: Hier werden Dutzende Hormone und Substanzen gebildet, die den Stoffwechsel von Zucker und Fett beeinflussen und Entzündungen der Gefäße in Gang setzen (u.a. TNF-alpha, CRP, Interleukine, Leptin, Resistin, Adiponectin, freie Fettsäuren). Die Veränderungen ziehen beim Übergewichtigen eine Reihe von Folgekrankheiten nach sich. Es verläuft eine logische Risikokette von Adipositas zu den Krankheiten des metabolischen Syndroms (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Insulinresistenz, Diabetes), schließlich zu Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall, den häufigsten Todesursachen. Doch statt der Ursache werden heute meist die Folgekrankheiten therapiert. Adipositas (Fettsucht) wird medizinisch und gesundheitspolitisch untergewichtet. „Mit dieser Einschätzung erfüllt die Adipositas alle Kriterien für eine Krankheit, wenngleich die Gesundheitspolitik diese Zuordnung bisher versagt hat“, beklagte Prof. Wirth.

Übergewicht: Motor des metabolischen Syndroms
Seine Hauptbedeutung hat Adipositas aber als Motor für die Entwicklung des metabolischen Syndroms. Das Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechelstörungen, Typ-2-Diabetes wird wesentlich von Fettablagerungen im Bauchraum (viszerale Adipositas), Leber und Muskulatur bestimmt, sagte Prof. M. Hanefeld, Dresden, der das Syndrom 1981 erstmals beschrieb. In den neueren Definitionen des metabolischen Syndroms ist die Adipositas daher ein zentrales Merkmal. Einfach zu ermitteln und für den klinischen Alltag geeignet sind die Kriterien einer amerikanischen Expertenkommission des National cholesterol education program (NCEP): Demnach liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn drei oder mehr von fünf Kriterien erfüllt sind: zentrale Adipositas (Übergewicht vom „Apfeltyp“. D.h. dicker Bauch), erhöhte LDL-Cholesterinwerte, erniedrigte HDL-Werte, Hypertonie und erhöhter Nüchtern-Blutzucker (vgl. Tab.2).
Bauchfett ist am gefährlichsten
Die Internationale Diabetes Föderation (IDF) ging dieses Jahr noch einen Schritt weiter und erhob die abdominelle (Bauch-)Adipositas zum wichtigsten Merkmal. Demnach liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn zu diesem einzig unabdingbaren Kriterium nur zwei weitere hinzukommen. Kritisch anzumerken ist, dass Grenzwerte für den Bauchumfang nicht ohne weiteres auf alle Länder zu übertragen sind. Die IDF-Definition gilt ausdrücklich nur für Europäer („europide Menschen“).

Kriterien des metabolischen Syndroms
NCEP 2002 IDF 2005
Bauchumfang Männer > 102 cm Frauen > 88 cm Männer > 94 cm Frauen > 80 cm
Hypertrigylzeridämie > 150 mg/dl
(1.69 mmol/L)
> 150 mg/dl oder Lipidtherapie
erniedrigtes HDL- Cholesterol Männer < 40 mg/dL Frauen < 50 mg/dL Männer < 40 mg/dL Frauen < 50 mg/dL oder Lipidtherapie
Arterielle Hypertonie > 130/85 mmHg > 130/85 mmHg
Erhöhte Nüchternglukose > 110 mg/dL > 100 mg/dL oder Typ-2-Diabetes
BU: Nach den amerikanischen (NCEP) und europäischen (IFD) Kriterien haben rund 50% der Amerikaner wie auch der Europäer ein metabolisches Syndrom.

Schon jeder zweite in Industrieländern stoffwechselkrank?
Nach der engeren IDF-Definition hat jeder zweite Deutsche ein metabolisches Syndrom. Doch was sagt dies? Um bei der Risikobewertung des Patienten einer „Übervereinfachung“ durch den Stempel „metabolisches Syndrom“ zu entgehen, empfiehlt Prof. Hanefeld, Dresden, die Kriterien differenziert zu gewichten. Bei Patienten, die unter die IDF-Definition fallen, steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall beispielsweise um den Faktor 5,67, wenn Hypertonie und hohes LDL-Cholesterin zusammen vorkommen. Es erhöht sich auf 6,17, wenn zentrale Adipositas und Hypertonie vorliegen. Zu exakteren Risikobewertung werden noch weitere Werte herangezogen: die Insulinresistenz und die Fettmasse im Bauch (die Entzündungsfaktoren wie CRP und Interleukine produziert und die Insulinresistenz fördert) kann bestimmt werden, ebenso der Fettgehalt der Leber. Ferner können im Blut Adiponektin (schützender Faktor) und CRP gemessen werden.
Adipositas hat Zukunft
Nur eine erhebliche Gewichtsreduktion vermag das langfristige kardiovaskuläre Risiko signifikant zu verbessern. Und das muss schon im Kindesalter bedacht sein. Als effektive Therapiebausteine gelten auch bei Kindern und Jugendlichen

  • Ernährungsumstellung (weniger energiedichte Nahrungsmittel)
  • Verhaltensmodifikation
  • mehr körperliche Bewegung

Guten Erfolg haben diese Methoden allerdings nur bei hochmotivierten und gut betreuten Patienten, sagte Prof. M. Wabitsch, Leiter einer pädiatrischen Adipositasambulanz an der Uniklinik Ulm. Und das trifft auf die Mehrzahl der Patienten leider nicht zu. Insbesondere verhaltentherapeutische Maßnahmen werden zu wenig angenommen. Für chancenreicher hält Wabitsch die stationäre Langzeittherapie sowie Medikamente und ggf. auch chirurgische Eingriffe (vgl. Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter www.a-g-a.de). Eine stationäre Therapie der Adipositas über 4-6 Wochen führen Fachkliniken für Kinder und Jugendliche durch.
,

Magnesium-Mangel fördert diabetische Folgeschäden

(2006) diabetes-news-blutkoerperchen

Magnesium-Mangel fördert diabetische Folgeschäden

Patienten mit Diabetes sind häufig nicht ausreichend mit dem Mineralstoff Magnesium versorgt.

Einer Studie an der Universität Stuttgart-Hohenheim zufolge, wiesen von rund 5500 Diabetikern nur 11% der insulinpflichtigen und 15% der nicht-insulinpflichtigen Patienten optimale Magnesiumwerte im Blutserum auf. Ein Defizit an dem lebensnotwendigen Vitalstoff kann aber für den Krankheitsverlauf fatale Folgen haben, warnt die Gesellschaft für Biofaktoren: Magnesium-Mangel fördert nicht nur den Diabetes, sondern auch die gefürchteten Folgeschäden der Stoffwechselstörung an Herz und Blutgefäßen. „Umfangreiche epidemiologische Studien zeigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei erniedrigten Magnesium-Konzentrationen im Blut erhöht ist“, erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Hans-Georg Classen, Magnesium-Experte aus Stuttgart-Hohenheim.

Aktuellen Erkenntnissen zufolge, scheint ein Magnesium-Mangel entzündliche Prozesse zu fördern, die wiederum die Gefäßwände schädigen: Wie mexikanische Wissenschaftler nachwiesen, steigt bei erniedrigten Magnesium-Konzentrationen im Blutserum das so genannte C-reaktive Protein (CRP) an, ein Eiweißkörper, welcher bei entzündlichen Vorgängen vermehrt ins Blut abgegeben wird. Erhöhte CRP-Werte gelten als Risikofaktor für die Entstehung von (Gefäß-) Komplikationen wie Thrombosen und Herzinfarkte. Je schlechter die Stoffwechseleinstellung, umso höher sind die CRP-Werte. Das ergab eine Untersuchung eines US-amerikanischen Forscherteams an 1018 US-Diabetikern.

Studien aus Italien, Brasilien und Mexiko ergaben außerdem, dass durch Magnesium-Gaben die Wirksamkeit des Insulins verbessert werden kann. Der Wirkverlust dieses Schlüsselhormons des Zuckerstoffwechsels ist die wesentliche Ursache des Typ 2 Diabetes.

Warum ist die Magnesium-Versorgung bei Diabetikern so kritisch?

Nach Meinung der Gesellschaft für Biofaktoren wird von dem vor allem in Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten enthaltenen Mineralstoff meist zu wenig über die Nahrung aufgenommen. Gleichzeitig wird Magnesium bei Diabetikern häufig vermehrt über die Nieren aus dem Körper herausgeschwemmt. „Wadenkrämpfe sind ein Frühzeichen für einen Mangel“, sagte Classen. Im Zweifelsfall und bei Risikopersonen rät die Gesellschaft, die Ernährung durch ein Magnesiumpräparat zu ergänzen. Herz-Kreislauf-Gefährdeten wie Diabetikern empfehlen die Experten, ein Präparat zu wählen, das den Mineralstoff in Form des Magnesium-Orotats enthält. Denn der Biofaktor Orotsäure (Orotat) unterstützt die Wirksamkeit des Magnesiums, insbesondere in seiner Schutzfunktion für Herz und Kreislauf. Die körpereigene Substanz fördert als so genannter Magnesium-Fixateur die Bildung natürlicher Bindungsstellen für Magnesium in den Körperzellen, wodurch der Mineralstoff besser am Wirkort fixiert werden kann. Gleichzeitig verbessert Orotsäure die Energiebereitstellung in den Herzmuskel-Zellen, wodurch die Belastbarkeit und Widerstandskraft des Herzens verbessert wird.

Insulinstaub in der Lunge

(2006)

Welchen Nutzen hat einatembares Insulin?
Insulinstaub in der Lunge

Seit 15. Mai 2006 können Ärzte Exubera verordnen, ein Insulin zum Einatmen, das Diabetikern mit Spritzenangst den Einstieg in die Insulintherapie erleichtern soll.
Kritische Stimmen sehen mehr Probleme als Nutzen durch die Innovation.

Das erste inhalative Insulin wirkt etwas schneller als subkutanes Normalinsulin und erzielt eine vergleichbare Blutzuckerkontrolle. Der Hauptvorteil dürfte für eine begrenzte Anzahl Patienten der höhere Behandlungskomfort (Vgl. News und Kommentar v. 21.3.2006: Erstes inhalatives Insulin zugelassen). Großen Hoffnungen in das neue Insulin seitens der Hersteller und vieler Patienten stehen schon lange ebenso große Vorbehalte mancher Experten gegenüber.
Kein Nutzen von der Insulinwolke zum Einatmen?
Zuerst zögerte die amerikanische FDA lange mit der Zulassung. Nun hat das britische National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) den Einsatz von inhalativen Insulinen für den staatlichen Gesundheitsdienst (NHS) und Wales vorerst abgelehnt. Anders als die europäische Arzneimittelagentur (EMEA), die das Mittel zugelassen hat, bewertet die NICE auch die Kosten-Effektivität. Daher ähneln die Kontra-Argumente der Briten weitgehend denen des deutschen Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das IQWiG hat mit der Markteinführung von Exubera einen Kurzbericht („Rapid Report“) mit folgenden Kernpunkten der Kritik veröffentlicht:

  1. Keine gesundheitlichen Vorteile: Der Patient darf keine bessere Blutzuckereinstellung gegenüber herkömmlichem Insulin zur Injektion erwarten. Die vorliegenden Studien geben sogar Hinweise auf Nachteile wie zum Beispiel häufigere schwere Unterzuckerungen.
  2. Begrenzte Zielgruppe: Exubera ist ein kurzwirksames Insulin. Damit bietet es eine Alternative nur für die begrenzte Zahl von Typ-2- Diabetikern, die anfangs mit prandialem Insulin auskommen. Weder Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker unter intensivierter Insulintherapie (Basis plus Bolus), noch Typ-2-Diabetiker unter Kombinationsinsulin werden auf das Spritzen von Insulin verzichten können.
  3. Piksen bleibt: Kein insulinpflichtiger Diabetiker wird auf das Piksen zur Blutzuckerkontrolle verzichten können – oftmals als lästiger empfunden als das Spritzen.
  4. Umständlicher als Spritzen: Eine generelle Überlegenheit hinsichtlich Lebensqualität und Therapiezufriedenheit ist aus den Studien des Herstellers nicht abzuleiten. Die nur teilweise veröffentlichten, amerikanischen Ergebnisse stammen vorwiegend aus Vergleichen von inhalativem Insulin mit herkömmlichen Spritzen, die hierzulande kaum mehr benutzt werden. Die bei uns dominierenden Insulinpens sind in der Anwendung komfortabel und diskreter anwendbar als der größere, schwerere Insulininhalator.
  5. Unbekannte Risiken: Langzeitrisiken des Einatmens von „Insulinstaub“, namentlich die Verschlechterung der Lungenfunktion und die Bildung von Antikörpern, sind völlig ungeklärt.
  6. Als möglichen Vorteil sieht man, dass Exubera bestimmten Diabetikern den Einstieg in die Insulintherapie erleichtert – was allerdings ebenfalls nicht belegt wurde.

Der Preis dafür ist dreimal so hoch wie bei Normalinsulin.

Novo Nordisk schließt Rabattverträge mit BEK und TK ab

(2006)

Bereits 400.000 Menschen mit Diabetes wurden in Deutschland mit Analoginsulin behandelt, als der G-BA entschied, die Verordnungsfähigkeit kurz wirksamer Insulinanaloga zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 drastisch einzuschränken.

Nur in Ausnahmefällen sollten die Präparate den Menschen mit Typ 2 Diabetes noch zur Verfügung stehen, so dass sich Ärzte bereits gezwungen sahen, sogar ihre gut eingestellten Kassenpatienten wieder auf die „alten“ Humaninsuline umzustellen.

Leyck Dieken dazu: „Wir erkennen das Dilemma der Ärzte, die richtigen Produkte nicht mehr verschreiben zu dürfen. Es gab von Seiten der Patienten die verständliche Forderung, auch weiterhin unsere innovativen Insuline NovoRapid® und NovoMix® verordnet zu bekommen. Deshalb streben wir Verträge mit allen Kassen an, die den uneingeschränkten Einsatz dieser modernen Insuline auch für Kassenpatienten ermöglichen – Verhandlungen hierüber laufen seit einigen Wochen.“

Weitere Informationen zur Erstattungsfähigkeit der Insulinanaloga bietet der Novo Nordisk Kundenservice Tel: 0800 1115728.

Gegrilltes schadet den Blutgefäßen von Diabetikern

(2006)

Gegrilltes schadet den Blutgefäßen von Diabetikern

Rechtzeitig zur Grillsaison wurden auf dem Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Leipzig (24. – 27. Mai 06) aktuelle Studienergebnisse vorgestellt, die insbesondere Diabetiker bei Gegrilltem zur Zurückhaltung anhalten sollten.
Den Ergebnissen eines Forscherteams um Dr. Alin Stirban vom Herz- und Diabeteszentrum der Diabetesklinik Bad Oeynhausen zufolge, kann der Verzehr hoch erhitzter Nahrungsmittel, wie z.B. Gegrilltes und Gebratenes, den Blutgefäßen von Diabetikern schaden. Verursacht werden die Störungen der Gefäßfunktion durch so genannte AGEs, kurz für Advanced Glycation Endproducts.
Das sind toxische Substanzen, die beim starken Erhitzen in Lebensmitteln aus Zucker und Eiweiß entstehen.
Wie die Wissenschaftler nachwiesen, hat bereits eine einzige AGE-reiche Mahlzeit bei Typ-2-Diabetikern zur Folge, dass sich die AGE-Konzentration im Blut akut erhöht.
Gleichzeitig sind im Blut deutlich mehr Marker für eine gestörte Funktion der Blutgefäße nachweisbar, und der oxidative Stress nimmt zu, also die Anzahl aggressiver, zellschädigender Sauerstoffmoleküle.
Nicht nur in der Nahrung, sondern auch in unserem Körper werden AGEs produziert – vor allem im gestörten Stoffwechsel von Zuckerkranken. Hier werden hohe Konzentrationen an gefäß- und zellschädigenden AGEs wesentlich für die Entstehung diabetischer Folgeerkrankungen an Blutgefäßen, Herz, Niere, Augen und Nerven verantwortlich gemacht. AGEs aus der Nahrung sind insbesondere für Diabetiker eine zusätzliche Belastung zur körpereigenen Bildung der krankmachenden Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels.

Wie die Forscher um Stirban feststellten, konnten die negativen Effekte, die eine AGE-reiche Mahlzeit verursacht, wirksam verhindert werden, wenn vor dem Essen der Wirkstoff Benfotiamin gegeben wurde. Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe vom Vitamin B1, die seit vielen Jahren erfolgreich und ohne nennenswerte Nebenwirkung in der Behandlung diabetischer Nervenleiden (Polyneuropathien) eingesetzt wird.
Erst jüngst konnte experimentell nachgewiesen werden, dass die vitaminähnliche Substanz die AGE-Bildung im diabetischen Stoffwechsel normalisiert.

Zimt – mehr als nur ein Gewürz?

(2006)

43. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)

Für die antioxidative Wirkung sind v.a. die phenolischen Inhaltsstoffe verantwortlich – Eine neue Studie zeigt: Wässriger Zimtextrakt kann Nüchternglucose senken.

Diabetes News Mit Zimt gegen hohe Blutzuckerwerte pm050310-g_0Zimt ist die Bezeichnung für die getrocknete Rinde junger Stämme und Äste verschiedener, vorwiegend in Ostasien verbreiteter Cinnamomum-Arten. Zimt wird als Gewürz für Kompott, Süßspeisen, Glühwein sowie in Backwaren eingesetzt. Bereits im Mittelalter wurde Zimt aber auch schon pharmazeutisch verwendet, z.B. bei der Behandlung von Erkältungen, Fieber, Verdauungsbeschwerden und Menstruationsstörungen. In jüngster Zeit finden sich immer mehr Zimtpräparate auf dem Markt, die antidiabetisch wirken sollen. Die Mechanismen dieser Wirkungen sind bisher nicht geklärt. Länger bekannt ist der hohe Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in Zimt. Ziel der vorliegenden Arbeiten war die Untersuchung von Zimtmustern auf ihre Gehalte an phenolischen Inhaltsstoffen und ihre antioxidative Kapazität.

In den wässrigen Extrakten von 16 Zimtmustern (Pulver, Kapseln, Extraktpulver) wurden die Gesamtphenolgehalte nach Folin-Ciocalteu photometrisch gemessen. HPLC-Analysen mit UV-Detektion wurden durchgeführt, um einzelne phenolische Inhaltsstoffe zu bestimmen. Als Parameter für die antioxidative Kapazität wurde der TEAC-Wert photometrisch ermittelt.

Die Zimtpulver hatten Gesamtphenolgehalte (GAE: Gallussäure-Äquivalente) zwischen 3,9 und 9,2g/100g. In den Kapseln wurden mit 1,3-3,2g/100g niedrigere Gehalte ermittelt, während das untersuchte Extraktpulver mit 20,5g/100g den höchsten GAE-Wert hatte. Die antioxidativen Kapazitäten (TEAC-Werte) wiesen eine hohe Korrelation (r=0,94) zu den GAE-Werten auf und lagen zwischen 5,9 und 104,9mmol/100g.

Somit sind die phenolischen Verbindungen überwiegend für die beachtliche antioxidative Wirkung von Zimt verantwortlich. Ob sie auch im Zusammenhang mit der diskutierten antidiabetischen Wirkung von Bedeutung sind, werden zukünftige Untersuchungen zeigen.
PD Dr. habil. Volker Böhm, Inst. für Ernährungswissenschaften, Universität Jena S. Burkhardt, Food GmbH, Jena

Zahlreiche In-vitro-Studien und tierexperimentelle Untersuchungen zeigen, dass Zimt die Insulinwirkung am Rezeptor verstärkt und so die Glukosetoleranz verbessern kann. In einer ersten Humanstudie mit Typ-2-Diabetikern in Pakistan führte die Verabreichung von Zimtpulver in verschiedenen Dosierungen zu einer Reduktion der Nüchternglukosespiegel um 18-29%. Allerdings wiesen diese Patienten eine völlig unzureichende Stoffwechseleinstellung auf, weshalb fraglich ist, inwieweit die Ergebnisse auf gut therapierte Diabetiker übertragbar sind.

Wir untersuchten in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie über vier Monate die Auswirkungen eines wässrigen Zimtextraktes (tägl. 3×1 Kapsel entsprechend 3g Zimt/d) auf die Nüchternglukosekonzentration, den HbA1c-Wert, die Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterol- sowie die Triglyzeridkonzentrationen von Typ-2-Diabetikern. In die Auswertung wurden die Daten von 65 Patienten eingeschlossen, deren Behandlung ausschließlich mit oralen Antidiabetika und/oder Diät erfolgte.

Zwischen der Zimt- und der Placebogruppe bestanden zum Zeitpunkt der Basisuntersuchung keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Zielparameter. Die mittleren absoluten und prozentualen Differenzen zwischen den Nüchternglukosewerten vor und nach der Intervention waren in der Zimtgruppe signifikant höher als in der Placebogruppe. In der Zimtgruppe lag die Reduktion der Nüchternglukosespiegel bei 10%, in der Placebogruppe bei 3% (p = 0,046).

Demgegenüber ergaben sich weder beim HbA1c noch bei den Parametern des Lipidprofils signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen oder bei Vergleich der Werte vor und nach Intervention innerhalb der Gruppen.

Die Abnahme der Plasmaglukosekonzentration korrelierte signifikant mit den Basiswerten (r=0,685; p<0,001). Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten. Der untersuchte Zimtextrakt hatte demnach insbesondere bei schlecht eingestellten Diabetikern einen moderaten Effekt auf die Plasmaglukose.

Bärbel Mang, M. Wolters, B. Schmitt, A. Hahn, K. Kelb, Univ. Hannover, Zentrum Angewandte Chemie, Inst. für Lebensmittelwissenschaft
R. Lichtinghagen, Med. Hochschule Hannover, Klinische Chemie
D. O. Stichtenoth, Med. Hochschule Hannover, Inst. für Klinische Pharmakologie

Dies ist nur der Anfang

(2006)

Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses – das ist erst der Anfang!

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das aus der kurzwirksamen Insulinanaloga beschlossen.

Mit diesem Beschluss wird erstmalig in Deutschland ein Medikament von der Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen allein aus Kostengründen ausgeschlossen und nicht wegen fehlender Wirksamkeit oder unvertretbarer Risiken.

Dies ist reduktive Billigmedizin

Die entscheidenden Politiker wollen jedoch die Verantwortung dafür wieder bei den Ärzten ansiedeln, indem sie über Ausnahmen entscheiden und auch noch die Budgetverantwortung für diese Sparmedizin tragen sollen. Dies wird nicht mit uns gehen. Wenn Ausgaben gespart werden müssen, dann bitte bei allen und durch ein ordentliches Gesetz in einem parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren. Wir fordern mehr Ehrlichkeit in der Gesundheitspolitik und wehren uns gegen einen Missbrauch des Vertrauens, das unsere Patienten in uns setzen, durch die Politik. Unsere Aufgabe ist die Patientenbetreuung und nicht die des Sparmeisters im Gesundheitswesen.

Dr. Eva Maria Fach, BVND + BDD-Vorsitzende

„Dies ist ein Entschluss mit weitreichenden, teuren und unbequemen Folgen. Die vom G-BA zugelassenen Ausnahmen sind Feigenblätter, die die politisch gewollte Blöße der Rationierung pur zu Lasten der Patienten nicht verdecken können.“

Dr. Richard Daikeler, BVND-Vorstand

„Ein Gutachten für den BVND kommt zu dem Schluss, dass die Studienauswahl willkürlich erfolgte und Studien nur in Teilen herangezogen wurden.

Die Studienlage ist aus Sicht des IQWiG nicht befriedigend, lässt aber die Patientenzufriedenheit als Pro-Argument nicht gelten. Selbstverständlich gefährdet die Umstellung auf Humaninsulin nicht die Gesundheit des Patienten, aber für einen Teil der Patienten bedeutet dies einen Rückschritt in der Versorgungsqualität.“

Dr. Marion Braun, BVND-Vorstand

„Dem Patienten müssen mehr Möglichkeiten eingeräumt werden, freiwillig zu entscheiden, was er an medizinischen Leistungen in Anspruch nehmen möchte. Dazu benötigt er den finanziellen Spielraum – statt ständig steigende Beiträge zahlen zu müssen, sollte der Patient über mehr finanzielle Beweglichkeit verfügen.“

Prof. Dr. Dr. Klaus Kusterer, BVND-Vorstand

„Der BVND wird sich bei allen Beteiligten dafür stark machen, die Studiensituation zu optimieren. Die Politik muss vor das Dilemma gestellt werden, zu entscheiden, was sie wirklich will: Eine bessere, moderne Versorgung oder eine Billigmedizin, in der Fortschritt keinen Platz hat. Die prekäre Einnahmesituation kann durch das IQWiG und den G-BA keinesfalls gelöst werden.“

Dr. Bernd Donaubauer, BVND-Vorstand

„Weitreichend ist die G-BA Entscheidung, weil die Diabetologie nur den Anfang darstellt. Therapien der wichtigsten Indikationen – und damit sind über kurz oder lang die meisten medizinischen Fachgebiete betroffen – stehen auf dem Prüfstand. Zuerst prüft das IQWiG die Studienlage, spricht eine Empfehlung an den G-BA aus, der dann entscheidet. Wir haben massive Vorbehalte gegen die Art, wie das IQWiG methodisch vorgeht.“

Dr. Hans-Martin Reuter, BVND-Vorstand

„Das Zusammenspiel aus IQWiG und G-BA fördert die Schlechterstellung des Patienten – nicht nur der Diabetiker, sondern aller Patienten, die von kommenden Prüfungen betroffen sind. Und dies genau meint Rationierung: Das Vorenthalten von Therapien.“

Dr. Michael Simonsohn, BVND-Vorstand

„Teuer nennt der BVND die Entscheidung, weil die Umstellung der Patienten u.a. von Schulungsmaßnahmen begleitet werden muss. Unbequem, weil für den betroffenen Diabetiker Blutzuckereinstellung wieder aufwendiger wird – der Diabetiker spürt wieder stärker, wie krank er wirklich ist.“

Inge Höger-Neuling, Bundestagsfraktion DIE LINKE.

„Ihre Kritik am IQWiG kann ich nicht teilen. Ich hätte mir zwar wirkliche Unabhängigkeit des Institutes gewünscht, kann aber die angesprochene Entscheidung nicht falsch finden. Sicherlich ist die Pharmaindustrie in der Lage, viele Medikamente herzustellen, die teilweise Verbesserungen für eine Gruppe von Menschen bedeuten. Jedoch kann daraus nicht gefolgert werden, dass die Versicherten jede dieser Neuerungen für alle Betroffenen finanzieren müssten. Einzelfallprüfungen sind hier durchaus das Mittel der Wahl.“

Was Diabetologen jetzt tun können

Geschlossenes Vorgehen ist jetzt wichtig. BVND und BVDK haben gemeinsam eine Information für Ärzte zur Umsetzung des Beschlusses des G-BA erarbeitet.

Wie geht es weiter?

Der Beschluss zu den kurzwirksamen Insulinanaloga wurde dem Bundesministerium für Gesundheit zugeleitet. Sollte er nicht beanstandet werden, tritt er mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

  1. Patienten, die erstmals mit Insulin behandelt werden (Neueinstellung) oder die mit kurzwirksamen Insulinanaloga bereits behandelt werden ohne Vorbehandlung mit Humaninsulin:Die Patienten sind auf Humaninsulin ein- bzw. zum Stichtag umzustellen. Umzustellende Patienten sind über die Risken der Umstellung aufzuklären. Die Therapie ist engmaschig zu überwachen. Die Finanzierung der Umstellung (mehr Teststreifen, Schulungen, Beratungen) wird nicht extra vergütet werden.
    Ist trotz Intensivierung der Therapie eine stabile adäquate Stoffwechsellage mit Humaninsulin nicht erreichbar, sind die Einhaltung des Therapieschemas durch den Patienten, die Lebensführung (wie gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, Nikotin- und Alkoholkonsum) sowie die gewählten Injektionsstellen und die Injektionstechnik zu überprüfen. Gelingt es auch dadurch nicht, die Stoffwechsellage adäquat zu stabilisieren, ist eine (ggf. erneute) Einstellung auf kurzwirksame Analoginsuline gerechtfertigt. Die Therapie ist nachvollziehbar über einen Zeitraum von sechs Monaten zu dokumentieren (HbA1c-Werte, Nüchtern- und postprandiale Blutglukose-Werte).
    Wird unter der Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga keine stabile adäquate Stoffwechsellage erreicht, ist wieder Humaninsulin zu verordnen.
  2. Patienten, die bereits mit Humaninsulin erfolglos therapiert und aus obengenannten Gründen auf ein kurzwirksames Insulinanalogon umgestellt wurden:Es ist zu überprüfen, ob die Dokumentation für den Nachweis der Notwendigkeit einer Therapie mit kurzwirksamen Analoga entsprechend oben Nr. 1 ausreicht. Ist dies der Fall, ist die Therapie fortzusetzen.
    Entspricht die Dokumentation nicht den Vorgaben nach oben Nr. 1, ist der Patient auf Humaninsulin umzustellen. Der Patient ist über die Risiken der Umstellung aufzuklären. Die Therapie ist engmaschig zu überwachen. Die Finanzierung der Umstellung (mehr Teststreifen, Schulungen, Beratungen) wird nicht extra vergütet werden.
    Die aus der Umstellung entstehenden Risiken sind sowohl aus sozialrechtlicher wie auch aus haftungsrechtlicher Sicht weder dem Patienten noch dem verordnenden Arzt zuzumuten.
    Ist der Patient nicht bereit, das unter diesen Umständen erhöhte Risiko einer Hypoglykämie einzugehen, kann er gegen seine Krankenkasse auf Kostenerstattung oder Feststellung der Kostentragungspflicht klagen. Die Erfolgsaussichten eines solchen Klageverfahrens werden wesentlich davon bestimmt, ob das zuständige Sozialgericht der Nutzenbewertung des IQWiG oder der medizinischen Begutachtung im Einzelfall zustimmt.
    Auch der Arzt, der die Umstellung des Patienten unter diesen Umständen für risikobehaftet hält, kann sich ebenfalls mit einer sozialgerichtlichen Klage gegen die unzumutbare Beeinträchtigung seiner therapeutischen Freiheit wenden. Auch in einem solchen Verfahren werden die Erfolgsaussichten davon abhängen, ob das zuständige Sozialgericht von der Richtigkeit der Nutzenbewertung des IQWiG oder der medizinischen Begutachtung im Einzelfall überzeugt ist. Nach der zivilgerichtlichen Rechtsprechung jedenfalls ist eine Unterschreitung des Standards aus ökonomischen Gründen nicht zulässig.
  3. Patienten mit einer stabilen, adäquaten Stoffwechsellage, bei denen aber aus anderen Gründen eine Verordnung von kurzwirksamen Insulinanaloga sinnvoll erscheint oder gewünscht wird (z.B. erhöhtes Risiko der Hypoglykämie, kurzer Spritz-Ess-Abstand aus beruflichen Gründen erforderlich):Nach dem Beschluss des GBA haben diese Patienten keinen Anspruch auf Versorgung mit kurzwirksamen Insulinanaloga. Werden diese dennoch auf Kassenrezept verordnet, trägt der Arzt das Regressrisiko. In Einzelfällen kann die Krankenkasse des Patienten angeschrieben werden, ob sie für den Fall der Verordnung kurzwirksamer Insulinanaloga auf einen Regressantrag verzichtet. Dabei handelt es sich nicht um eine „Genehmigung“ der Verordnung, die der Krankenkasse nach § 29 Bundesmantelvertrag bzw. § 15 Arzt-Ersatzkassenvertrag ohnehin verwehrt ist. Voraussichtlich werden die Krankenkassen eine solche Verzichtserklärung nicht abgeben. In diesem Fall ist der Patient darüber zu informieren, dass der verordnende Arzt aus berechtigtem Eigeninteresse eine Verordnung auf Kassenrezept verweigern und ein Privatrezept ausstellen darf.
    Die Abgabe von kurzwirksamen Insulinanaloga gegen Aufpreiszahlung an den Apotheker und der Abrechnung einer Verordnung von Humaninsulin auf Kassenrezept ist als Betrug strafbar und darf daher nicht empfohlen werden.
    Die Regressgefahr lässt sich zurzeit nicht abschätzen, es ist jedoch damit zu rechnen, dass vor den Prüfungsausschüssen die Notwendigkeit einer Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga ausreichend dokumentiert werden muss.
    Der Einsatz von schnellwirksamen Analoginsulinen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sollte sich also auf die beschriebenen Ausnahmen beschränken. Die zu erwartende Unzufriedenheit der Patienten müssen wir in Richtung Politik lenken und die Patienten auffordern, sich bei ihren Bundestagsabgeordneten und dem BMG zu beschweren oder ggf. den Klageweg zu beschreiten.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Industrie bzgl. der Preise der kurzwirksamen Analoga positionieren wird, dies hat aber keinen Einfluss auf die Tatsache, dass wir Ärzte wieder zum Prellbock der Gesundheitsverfehlungspolitik gemacht werden.

Parodontitis erhöht Gesundheitsrisiko

(2006)

Plaqueentfernung als wichtigste Prophylaxemaßnahme
Ruth Hinrichs empfiehlt betroffenen Patienten, vor dem Beginn einer Behandlung oder Operation den Zahnarzt zu konsultieren. „Wird bei dieser Untersuchung eine Gingivitis oder Parodontitis diagnostiziert, ist neben frühzeitiger Therapie auch eine optimale häusliche Mundhygiene unabdingbar. Hier sollte der Zahnarzt als Ergänzung zur täglichen Plaque-Entfernung mit Zahnpasta und Zahnbürste antibakterielle Mundspül-Lösungen empfehlen, die die Plaqueansammlung reduzieren. So können bestehende Entzündungen verringert und kann neuen Reizungen vorgebeugt werden.“
Studien haben gezeigt, dass die kombinierte Anwendung von Zahnpasta und Mundspül-Lösung mit der Wirkstoffkombination Aminfluorid/Zinnfluorid besonders wirksam ist. Neben der täglichen Mundhygiene und regelmäßigen Zahnarztbesuchen sollte mindestes zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchgeführt werden. Alle Maßnahmen, vorbeugende wie therapeutische, müssen zwischen den betreuenden Fachärzten und dem Zahnarzt abgesprochen werden.

Literatur:
American Academy of Periodontology: Parodontalerkrankungen und Gesundheit. Übersetzt und bearbeitet von Annette Bergfeld, Phillip Verlag (2000)
Dörfer C: Parodont und Allgemeingesundheit. zm 92, Nr. 9, 38-43 (2002)
Risikokompendium Parodontitis. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V., Quintessenz Verlag (2002)