Behandlung der Sexualstörung

In Folge eines Diabetes mellitus können Störungen der Sexualfunktion auftreten. Zur Verminderung oder gar Beseitigung dieser Störungen wendet die Medizin heute je nach Notwendigkeit und Möglichkeit vielfältige Behandlungsmöglichkeiten an: 

Hormonmangel als Ursache einer Sexualstörung

Mit zunehmendem Alter kommt es beim Mann zu einem langsamen Abfall des männlichen Hormons, so dass es nach dem 50. bis 60. Lebensjahr zu einem relativen Mangel mit entsprechenden Beschwerden kommen kann. Bei Männern mit Diabetes ist dies häufiger und stärker ausgeprägt. Man geht von einer Häufigkeit von 10 bis 30% aus.

Zeichen eines Mangels an männlichen Hormonen können sein:

  • Verminderung der Muskelkraft
  • Zunahme des Fettgewebes
  • Verminderung der Knochendichte (Osteoporose)
  • Verminderte sexuelle Aktivität
  • Zunehmende Erektionsstörungen
  • Einschränkung des Wohlbefindens

Testosteronersatzbehandlung bei Männern

Eine Behandlung mit Testosteron ist angezeigt bei wiederholt niedrigen Testosteron-Werten und entsprechenden Beschwerden.

Günstige Effekte von Testosteron als Ersatztherapie

  • Steigerung der Knochendichte
  • Zunahme der Muskulatur
  • Steigerung der Bildung von roten Blutkörperchen

Nicht endgültig gesichert ist

  • Steigerung der Lust und der erektilen Funktion
  • Verbesserung des Fettstoffwechsels

Möglicherweise nachteilige Effekte von Testosteron als Ersatztherapie

  • Vergrößerung der Prostata (in den bisherigen Untersuchungen nicht häufiger beobachtet)
  • Prostata-Krebs (in den bisherigen Untersuchungen nicht häufiger beobachtet)
  • Bildung zu vieler roter Blutkörperchen (meist durch verminderte Dosis zu beseitigen
  • Eine Herzschwäche kann sich unter Testosteron verschlechtern.

4. Gegenanzeigen einer Testosteronersatzbehandlung

  • Vorbestehender Prostatakrebs
  • Brustkrebs des Mannes (sehr selten)
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom (nächtliche Atemstörung)
  • Chronische Lungenerkrankungen
  • Polyzythämie (Vermehrte Bildung roter Blutkörperchen)
  • Frühere oder bestehende Lebertumore
  • Herzschwäche
  • Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Testosteron-Präparate

Die bewährtesten Mittel gegen Testosteronmangel sind Gele und Spritzen. Beide Anwendungsformen haben dieselbe Wirkung, aber verschiedene Vor – und Nachteile.

Testosteron-Gel wird einmal täglich auf die Haut der Oberarme, Schultern oder den Bauch aufgetragen. Das Gel wird über die Haut aufgenommen und während 24 Stunden ins Blut abgeben.

  • Vorteil: Die Behandlung kann vom Patienten selbst durchgeführt werden.
  • Nachteil: Für die Erhaltung eines ausreichenden Wirkspiegels sollte die Therapie täglich durchgeführt werden.

Testosteronspritzen werden in der Arztpraxis in den Gesäßmuskel injiziert. Sie haben eine Langzeit-Wirkung von ca. 3 Monaten.

  • Vorteil: Langzeit-Wirkung
  • Nachteil: Abhängigkeit vom Arztbesuch, mögliche Nebenwirkungen durch die Injektion in den Gesäßmuskel, Langzeit-Wirkung nicht gleichmäßig

Testosteron-Kapseln – nicht ratsam

  • Vermehrte Belastung der Leber
  • Unregelmäßige Wirkung

Die Krankenkassen übernehmen meist nicht die Kosten für eine Testosteron-Behandlung .

„Potenzsteigernde“ Mittel im Überblick

a) Präparate zum Einnehmen

1. Yohimbim

  • Wirkt auf das Zentralnervensystem
  • Erfolgsquote ca. 25 bis 30%
  • Besonders günstig bei psychischen Störungen
  • Geringe Nebenwirkungen

2. Viagra (Sildenafil), Cialis (Tadalafil), Levitra (Vardenafil) und Spedra (Avanafil

  • Steigert die Durchblutung des Penisschwellkörpers
  • Erfolgsquote 70%, bei Diabetes 57%
  • Führt nicht von selbst zu einer Erektion, sexuelle Stimulation erforderlich

Gegenanzeigen:

  • Behandlung mit Nitropräparaten
  • Angina pectoris
  • Koronare Herzerkrankung

 

b) Lokale Therapie mit Pharmaka

1. Schwellkörper-Autoinjektionstechnik (SKAT)

Einspritzen von gefäßaktiven Substanzen in den Schwellkörper durch den Patienten selbst

  • Prostaglandin E1 (z. B. Caverject)
  • Papaverin/Phentolamin (z. B. Androscat)
  • Trimix (Papaverin, Phentolamin, PGE)
  • Quatromix (Papaverin, Phentolamin, PGE und Atropin)
  • Erfolgsquote bis 90%, Steigerung durch Trimix und Quatromix
  • Dosisanpassung und Anlernen auf die Technik durch den Urologen
  • Mögliche Nebenwirkung:
  • Dauererektion (Priapismus)
  • Operative Maßnahmen möglicherweise notwendig

2. Intraurethrale PGE-Applikation (MUSE)

Einbringen eines Gels mittels eines speziellen Systems

  • Erfolgsquote 40 bis 50%
  • Dosisanpassung durch den Urologen

Mögliche Nebenwirkung:

  • Blutung
  • Schwindel
  • Schmerzen

Rechtshinweis

Die unterschiedlichen Präparate und Darreichungsformen können sich hinsichtlich ihres Wirkungs- und Nebenwirkungsprofils unterscheiden. Verbindlich ist immer die Gebrauchsinformation des Präparates, das Ihnen verschrieben wurde. Bitte beachten Sie die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung. Vorsicht vor Fälschungen !

Nicht-medikamentöse Behandlung der Sexualfunktionsstörung

1. Vakuumpumpe

Mittels einer Vakuumpumpe wird eine Erektion erzeugt, die dann mittels eines Penisringes stabilisiert werden kann.

2. Operative Behandlung

Da alle Methoden sehr eingreifend sind, kommen operative Maßnahmen nur als letztes nach Versagen aller anderen Methoden zum Einsatz.

a) Venöse „Sperroperationen“

Verminderung des venösen Abflusses des Blutes aus dem Schwellkörper (wegen geringer Erfolgsquote werden diese Eingriffe nur noch in Ausnahmefällen angewandt).

Erfolgsquote: Über ein Jahr 46 bis 91%, über mehr als zwei Jahre 16 bis 60%

b) Operative Verbesserung der arteriellen Durchblutung

Bypass einer Bauchwandarterie zu einer oberflächlichen Penisarterie – dadurch Verbesserung des arteriellen Einstromes in den Schwellkörper

Voraussetzungen:

  • Alter unter 55 Jahren
  • Weniger als 2 Gefäßrisiken, dadurch für Diabetiker häufig nicht geeignet
  • Nachweis einer Engstelle des Hauptgefäßes

c) Einsetzen einer Penisprothese

Letzte zum Einsatz kommende Behandlungsmethode, da der Schwellkörper unwiederbringlich zerstört wird.