Akute komplikationen bei Unterzucker

Eine Hypoglykämie liegt nach Definition dann vor, wenn der Blutzucker < 50 mg/dl sinkt. Bei diesem Wert von 50 mg/dl liegt in der Regel keine Organgefährdung vor, es können auch deutlich tiefere Werte noch ohne bleibende Schäden toleriert werden.

Anzeichen einer Unterzuckerung (Symptome) werden üblicherweise in 2 Gruppen eingeteilt

  • Symptome des vegetativen Nervensystems, die durch die einsetzende Gegenregulation ausgelöst sind (z. B. Schwitzen, Hungergefühl, Herzjagen, Unruhe)
  • Symptome, ausgelöst durch Mangelversorgung des Gehirns und der Nerven mit Traubenzucker (neuroglykopenische Symptome)

Beispiele dafür sind Unkonzentriertheit, Aggressivität, allgemeine Verlangsamung, Kribbelgefühl um den Mund bis hin zur Gedankensperre und schließlich Koma

Das Einsetzen der Symptome, d. h. die Schwelle, bei der der Einzelne Anzeichen der Unterzuckerung bemerkt, können sehr stark schwanken. Bei einer durchschnittlich schlechten Stoffwechsellage werden durchaus schon Werte um 100 mg/dl als unangenehm erlebt, während bei einer durchschnittlich guten Stoffwechsellage (HbA1c < 6 %) Werte von 30 oder 40 mg/dl noch keinerlei Symptome verursachen können. Auch die Art der Symptome ist beim einzelnen Menschen im Verlauf der Erkrankung sehr unterschiedlich. Können in den Anfangszeiten noch klassische Anzeichen wie Schwitzen, Unruhe und Heißhunger auftreten, überwiegen häufig nach längerer Diabetesdauer und guter Stoffwechseleinstellung die sogenannten neuroglykopenischen Symptome wie Unkonzentriertheit, allgemeine Lustlosigkeit, Aggressivität.

Zur Beherrschung der Unterzuckerung ist entscheidend, das sogenannte Hypoglykämiefenster wahrzunehmen, d. h. die kurze Spanne, in der Symptome bemerkt werden, jedoch noch nicht durch Verlangsamung und Konzentrationsstörung zur Handlungsunfähigkeit führen.

Problematisch sind insbesondere schwere Unterzuckerungen (definiert durch Notwendigkeit von Fremdhilfe). Insbesondere im Straßenverkehr oder bei bestimmten Tätigkeiten (Gerüstarbeiter) können schwerere Unterzuckerungen zu lebensbedrohlicher Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine schwere Unterzuckerung für mehrere Tage die Symptomatik für eine erneute Unterzuckerung blockieren kann und so möglicherweise ein Zustand entsteht, der als Nicht-Erkennung (unawareness) von Hypoglykämien beschrieben wird. Im schlimmsten Fall können bei Patienten mit unawareness und häufigen schweren Hypoglykämien erhebliche soziale Probleme und innerfamiliäre Konflikte entstehen, die einer gesonderten Therapie mit multidisziplinärem Ansatz (Verhaltenstherapie, Hypoglykämie-Training, Selbsterfahrung) bedürfen.

Ursachen für Hypoglykämien können vergessene kohlenhydrathaltige Mahlzeiten, ein Zuviel an Insulin, Alkohol oder ungewohnte Bewegung sein. Häufig entstehen Hypoglykämien aus einer Kombination mehrerer Auslösefaktoren.

Therapie

Zur Vermeidung von Unterzuckerung ist eine sorgfältige Schulung notwendig, die zum sicheren Umgang mit kohlenhydraten und Insulingabe führt. Dennoch treten bei einer normalen Insulineinstellung häufiger Unterzucker-Situationen auf, die jedoch in der Regel frühzeitig bemerkt werden und durch zusätzliche Einnahme von schnellen kohlenhydraten (Traubenzucker, Säfte) behoben werden können. In der Regel sollte mindestens eine schnelle BE, idealerweise eine schnelle sowie eine langsame BE, gegessen werden. Wichtig in der Therapie und Vorbeugung vor Unterzuckerung ist jedoch das sorgfältige Nachdenken über die auslösenden Ursachen der aktuellen Unterzuckerung, wobei insbesondere häufig die Wirkung des Alkohols unterschätzt wird. So sollten auf keinen Fall kohlenhydratanteile in alkoholischen Getränken mit zusätzlichem Insulin abgedeckt werden.

Wichtig für Angehörige und Freunde von Diabetikern:

Versuchen Sie niemals einem bewusstlosen Diabetiker zuckerhaltige Flüssigkeit einzuflößen. Wenn die Flüssigkeit anstatt in die Speiseröhre in die Luftwege gelangt, was aufgrund fehlender Reflexe leicht passieren kann, erstickt der Bewusstlose.