Bempedoinsäure: Cholesterinsenkung in der Leberzelle

Bempedoinsäure senkt Cholesterins im Cytosol der Leber und führt zu einem Anstieg der LDL-Rezeptoren an der Oberfläche der Zellmembran der Leberzelle.

Die Cholesterinsynthese in der Leberzelle beginnt mit Citrat. Über ATP-Citrat-Lyase ACL) wird Citrat in Acetyl-CoA und weiter in HMG-CoA umgewandelt. Das Enzym HMG-CoA Reduktase wandelt HMG- CoA in Mevalonsäure um, die über weitere Zwischenschritte letztendlich Cholesterin ergibt. An der HMG-CoA-Reduktase greifen die Statine an. Sie hemmen dieses Enzym und die Cholesterinspiegel fallen ab.Bempedoinsäure senkt ebenfalls Cholesterin in der Leberzelle. Sein Angriffspunkt ist früher. Es hemmt das Enzym ATP-Citrat-Lyase und damit die Umwandlung von Citrat zu Acetyl-CoA. Bempedoinsäure ist zunächst inaktiv und wird in der Leberzelle durch das Enzym Acyl-Coenzym A-Synthetase in seine aktivierte Form umgewandelt. Die Senkung des Cholesterins im Cytosol der Leber führt zu einem Anstieg der LDL-Rezeptoren an der Oberfläche der Zellmembran der Leberzelle. Über die Vermehrung der LDL Rezeptoren wird mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut entfernt, d.h die LDL-Werte sinken.



Bei Patienten die bereits mit Statinen in einer maximal tolerierten Dosis behandelt wurden, senkte Bempedoinsäure das LDL-Cholesterin um weitere 16,5 %. Die Inzidenz von schweren Ereignissen hat sich in der Gruppe mit Bempedoinsäure nicht wesentlich von Placebo unterschieden, in der Bempedoinsäure kam es jedoch zu häufigeren Studienabbrüchen (ungefähr 10 %). Da Bempedoinsäure erst in der Leber in seine aktive Form übergeführt wird, ergab sich kein signifikanter Unterschied im Auftreten von Muskelschmerzen. Allerdings sind in der Bempedoinsäure-Gruppe gehäuft Schmerzen in einer Extremität aufgetreten. Signifikant häufiger kam es auch zu einer Gicht (1,2 % versus 0,3 %) und zu einer Erhöhung der Kreatininwerte (0,8 versus 0,4 %). Dafür ist die Hemmung eines Enzyms durch Bempedoinsäure in der Niere verantwortlich. Dies heißt nicht, dass sich die Nierenfunktion dadurch verschlechtert hat. Nur in 0,5 % kam es zu einer Abnahme der glomerulärer Filtrationsrate.

Aufgrund zu geringer Fallzahl kann noch keine Aussage bezüglich dem Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen getroffen werden. Eine Endpunktstudie hierzu wird durchgeführt. Aufgrund der Senkung des LDL-Cholesterins ist zu erwarten, dass es zu einer Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse kommt.

Bempedoinsäure wird als Monopräparat (Nilemdo 180 mg eine Tablette/d) und als Kombinationspräparat mit Ezetimib (Nustendi 180mg/10mg) angeboten. Die Einnahme kann mit oder unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Nilemdo ist mit einem Monatspreis von 136 € relativ teuer, bei Nicht-Erreichen der Zielkriterien und entsprechender Indikation jedoch wesentlich preisgünstiger als PSCK9-Inhibitoren, die bisher als Alternative zur Verfügung standen.

Bempedoinsäure sollte daher bei Nicht-Erreichen der leitliniengerechten Zielwerte zusätzlich zu Statinen vor dem Einsatz von PSCK9-Inhibitoren eingesetzt werden. Außerdem besteht die Indikation des Einsatzes bei Unverträglichkeit von Statinen.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Prof. Dr. Klaus Kusterer