Diabetsforschung
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Forschung: Was tut sich bei Insulinen?

„Smart Insuline“ gehören zu einer neuen Generation von Insulinen, die nur freigesetzt werden, wenn der Blutzucker ansteigt. Über das Forschungsstadium sind diese Insuline bisher nicht hinaus gekommen. Beim amerikanischen Diabeteskongress (ADA) gab es einen Ausblick.

Bislang kein „Smart Insulin“ verfügbar

Basal- und Bolusinsuline für die Diabetesbehandlung wurden in den vergangenen Jahren zwar immer weiterentwickelt, aber eine echte Innovation lässt auf sich warten. „Smart Insuline“ wären eine solche Innovation. Die Idee dahinter: Dem Körper steht ein Insulindepot zur Verfügung, aus dem die Mengen bedarfsgerecht abgegeben werden – wenn der Blutzucker steigt. Erste Ideen dazu wurden bereits Ende der 1970er Jahre entwickelt, doch bis heute ist keine „Smart Insulin“ wirklich verfügbar. Beim amerikanischen Diabeteskongress (ADA) im Juni 2016 gab es ein Update dazu, über das Prof. Dr. Lutz Heinemann in der Zeitschrift Diabetes-Congress-Report 4/2016 berichtet.

„Smart Insuline“ könnten in Kapseln verpackt werden

Wie funktioniert das Prinzip der „Smart Insuline“? Dazu gibt es mehrere Ansätze, die in der Forschung verfolgt werden: Denkbar wäre, Insulin in Kapseln (Mikrospheren) zu verpacken und im Unterhautfettgewebe (subkutan) zu platzieren. Steigt der Blutzucker an, öffnen sich die Poren der Mikrospheren – das Insulin tritt aus. Solche Kapseln könnten aus Zuckermolekülen bestehen – praktisch, weil biologisch abbaubar. Über ähnliche Ansätze in Form einer „Insulinpille“ hatten wir an dieser Stelle bereits berichtet.

Verschiedene Firmen arbeiten an der Entwicklung von „Smart Insulinen“, darunter Merck in den USA. Trotz aktueller Fortschritte sieht Prof. Dr. Lutz Heinemann noch große Hürden. In absehbarer Zeit, so Heinemann im Diabetes-Congress-Report, wird ein Smart-Insulin für den praktischen Einsatz wohl nicht zur Verfügung stehen. Ein Forschungsansatz, den wir weiter verfolgen werden.

Entwicklungstrends bei Basal- und Bolusinsulinen

Bei den Insulinen, die derzeit zur Verfügung stehen, geht der Trend in Richtung höhere Konzentration. Insulin glargin („Lantus“) gibt es seit 2015 in der Konzentration U 300, in den USA ist bereits die Konzentration U 500 verfügbar. Das Bolusinsulin Liprolog gibt es neu in der Konzentration U 200. Vorteile der höher konzentrierten Insuline: Die Dosierung des Insulins bleibt gleich, aber das Volumen reduziert sich. Dadurch verlängert sich die Reichweite des Pens, und Gefahr von Fettgewebswucherungen (Lipohypertrophien) ist geringer. Wünschenswert wäre, dass Basalinsuline länger und Bolusinsuline schneller wirken als bisher. An beiden Entwicklungen wird gearbeitet.