Stent oder Bypass?
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Stent oder Bypass – Wovon profitieren Patienten mehr?

Zur Behandlung stark verengter Herzkranzgefäße, wie sie bei Diabetes häufig vorkommen, haben Ärzte zwei Optionen: Die „kleine“ Lösung durch Implantation eines Stents am verengten Gefäß oder eine aufwändigere Bypass-Operation. Eine neue Studie zeigt den Nutzen für Patienten.

Wie entsteht eine koronare Herzerkrankung (KHK)?

Hohe Blutzuckerwerte bei Diabetes können die empfindlichen Herzgefäße schädigen. Es bilden sich Ablagerungen (Plaques), welche die Herzkranzgefäße verengen. Wenn sich Plaques lösen, können sie ein Gefäß verstopfen – es kommt zu einem Herzinfarkt. Vor allem bei Typ-2-Diabetes ist die koronare Herzerkrankung (KHK) eine häufige Folgeerkrankung. Betroffene spüren die Verengung der Herzkranzgefäße u.a. durch Luftnot bei körperlicher Belastung.

Behandlung per Stent oder über eine Bypass-Operation

Wenn die Verengung schwerwiegend ist, bestehend dringender Handlungsbedarf, um den Blutfluss wieder herzustellen. Einen Stent („Röhrchen“) setzen oder einen Bypass („Umleitung“) legen? Diese Frage stellt sich Ärzten häufig in der klinischen Praxis. Ein Stent kann im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung gleich an Ort und Stelle gesetzt werden. Über den Katheter wird der Stent an das betroffene Gefäß geschoben und „faltet“ sich dort auf, um das Gefäß zu weiten und gleichzeitig zu stabilisieren. Diese minimalinvasive Lösung bietet sich jedoch nicht immer an. Bei komplexen Gefäßkomplikationen schneidet die Bypass-Operation besser ab, wie Langzeitstudien gezeigt haben. Hier überbrückt der Chirurg im Rahmen einer größeren Operation die Verengung, indem er Arterien verlegt oder Venen einsetzt, die an andern Körperstellen (z.B. dem Unterschenkel) entnommen werden.

Wie geht es den Patienten mit Stent oder Bypass?

in einer neuen amerikanischen Studie* haben Ärzte die Lebensqualität von Stent- und Bypass-Patienten mit einer schwerwiegenden koronaren Herzerkrankung (Dreigefäßerkrankung oder Hauptstammbeteiliung der linken Koronararterie) fünf Jahre nach dem Eingriff verglichen. Beide Patientengruppen berichteten über einen deutlichen und lang anhaltenden Gewinn von Lebensqualität. Bypass-Patienten hatten Vorteile, was die Häufigkeit von Angina pectoris-Anfällen (Engegefühl und Schmerzen in der Brust) betraf. Auch waren sie körperlich belastbarer als die Stent-Patienten. Dieses Ergebnis unterstützt die Empfehlung, dass „die Bypass-Chirurgie in dieser Gruppe von Patienten klar der Vorzug zu geben ist“, so die Autoren in der Studie.

Die Entscheidung „Stent oder Bypass“ sollte von einem Expertenteam, bestehend aus Kardiologen, Herzchirurgen, dem Patienten und ggf. dem Hausarzt gemeinsam getroffen werden, empfiehlt Professor Eckart Fleck, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK). Dabei sollten die Patientenwünsche berücksichtigt werden, so der Experte.

*Abdallah MS, Wang K, Magnuson EA. Quality of Life After Surgery or DES in Pa-tients with 3-Vessel or Left Main Disease. Journal of the American College of Cardiology Foundation 2017, 69(16)

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw), Online 22.04.17

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