Stent oder Bypass?
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Koronare Herzerkrankung deutet auf Diabetes hin

Jeder vierte Patient mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) hat gleichzeitig einen Diabetes – auch wenn er noch nichts davon weiß. Ärzte sollten bei herzkranken Patienten aktiv nach einem Diabetes forschen, empfahl deshalb Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland beim Internistenkongress in Mannheim.

Aktiv nach dem Diabetes forschen

Koronare Herzerkrankungen (KHK) und Diabetes waren ein Thema beim Internistenkongress vom 18.-21 April 2015 in Mannheim. Dabei betonte Prof. Dirk Müller-Wieland, Chefarzt für Innere Medizin an der Klinik Sankt Georg in Hamburg, den engen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen. Etwa jeder vierte Patient mit einer KHK hat gleichzeitig eine Diabeteserkrankung. Viele Patienten wissen allerdings gar nichts davon, denn hohe Blutzuckerwerte können bei Typ-2-Diabetes lange unerkannt bleiben. Prof. Dr. Müller-Wieland empfahl deshalb, bei jedem KHK-Patienten auch aktiv nach einem Diabetes zu forschen. „Das ist wichtig, weil wir therapeutisch oft zu spät kommen. Jeder therapierte Tag ist ein gewonnener Tag“, so der Chefarzt.

Diabetes und Herzerkrankungen hängen zusammen

Mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung und regelmäßiges Rauchen begünstigen das sogenannte Metabolische Syndrom, auch als „tödliches Quartett“ bekannt: Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Insulinresistenz. Diese Faktoren können zu einer koronaren Herzerkrankung (KHK) führen – einer Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße. Bemerkbar machen kann sich das zum Beispiel über Luftnot bei Anstrengung oder über Schmerzen bzw. ein Engegefühl in der Brust. Der Typ-2-Diabetes entsteht aus einer Insulinresistenz, die oft zusammen mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) auftritt. Hohe Blutzuckerwerte sind wiederum ein Risikofaktor für die KHK, ein gefährlicher Kreislauf, der erklärt, warum eine koronare Herzerkrankung und Typ-2-Diabetes so eng zusammenhängen.

Diabetes frühzeitig erkennen

Folge einer koronaren Herzerkrankung kann ein Herzinfarkt sein. Als Notfallpatient kommen Betroffene dann in die Klinik, wo Untersuchungen nicht selten zusätzlich ein Typ-2-Diabetes an den Tag bringen. Die Diagnose wird häufig erst so spät gestellt, weil erhöhte Blutzuckerwerte zunächst einmal nicht weh tun. Wohl gibt es aber Symptome, die darauf hindeuten: Das sind zum Beispiel häufiger Durst, häufige Infektionen und Pilzerkrankungen oder trockene, juckende Haut. Auf diese Symptome sollte jeder aufmerksam achten. Wenn der Arzt bei der Blutuntersuchung erhöhte Blutzuckerwerte feststellt, kann er einen sogenannten „Zuckerbelastungstest“ durchführen, um sich Klarheit zu verschaffen, ob tatsächlich ein Typ-2-Diabetes vorliegt.