Gutachten: lang wirksame Insulinanaloga

Gutachten bestätigt Vorteile der lang wirksamen Insulinanaloga

Leichte und nächtliche Unterzuckerungen treten signifikant seltener auf als unter herkömmlichem Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin)

Ein aktuelles Gutachten (1) sieht einen relevanten positiven Effekt von Insulindetemir auf die Verringerung der Anzahl hypoglykämischer Ereignisse im Vergleich zu NPH-Insulin bei Typ 2 Diabetes. Das IQWiG (2) hat in seinem Bericht Hinweise hierfür auch beschrieben. „Leider wird dieser Zusatznutzen im Fazit des IQWiG-Berichtes nicht ausreichend berücksichtigt“, erklärt Dr. Willi Schnorpfeil, Direktor Public and Government Affairs bei Novo Nordisk Deutschland. „Wir haben daher den Leiter des an der klinischen Entwicklung von Insulindetemir beteiligten Forschungsinstitutes um die Erstellung des aktuellen Gutachtens gebeten, um die Ergebnisse des IQWiG nachzuvollziehen.“

Die Experten des IQWiG haben signifikante Vorteile der lang wirksamen Insulinanaloga in Form von Hinweisen und Belegen in ihrem Endbericht beschrieben, die aber nicht zu einem klaren positiven Fazit für Insulindetemir oder die gesamte Wirkstoffgruppe geführt haben. Das IQWiG hatte in seinem Bericht die etablierten statistischen Grenzen zu Ungunsten des Insulinanalogons verschoben: Die 95%-Konfidenzintervalle der so genannten Odds Ratios mussten komplett unterhalb von 0,75 statt wie sonst üblich unter 1 liegen. Ohne diese vom IQWiG vorgenommene statistische Datenkorrektur würden alle beim IQWiG zum Vergleich mit NPH-Insulin bei Typ 2 Diabetes eingereichten Studien bei den nächtlichen Hypoglykämien (nach Definition der amerikanischen Diabetesgesellschaft) einen positiven Effekt zeigen. „Das IQWiG erkennt an, dass es Hinweise auf einen Zusatznutzen von Insulindetemir im Bezug auf das Auftreten leichter hypoglykämischer Ereignisse gibt. Es erscheint fraglich, ob überhaupt eine Adjustierung für ein Verzerrungspotential vorgenommen werden muss, die noch über die bereits verwendeten Maßnahmen hinausgeht“, erklärt Dr. Tim Heise, CEO Clinical Science des Profil Instituts für Stoffwechselforschung und Autor des aktuellen Gutachtens. „Insgesamt besteht somit ein erhebliches Risiko, dass ein tatsächlicher und für die betroffenen Patienten relevanter positiver Effekt von Insulindetemir auf die Verringerung der Anzahl hypoglykämischer Ereignisse im Vergleich zu NPH-Insulin auf Grund der vom IQWiG verwendeten statistischen Methoden nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt nachgewiesen werden kann.“

Heise und Team haben in ihrem Gutachten die gleichen Daten wie das IQWiG ausgewertet und zum Vergleich beide Varianten berechnet. Ihr Fazit: Bei etablierter statistischer Vorgehensweise zeigen alle 4 untersuchten Vergleichsstudien zu NPH-Insulin einen signifikanten Vorteil von Insulindetemir bei der Vermeidung von nächtlichen leichten Unterzuckerungen und 3 davon zeigen auch signifikant weniger tagsüber aufgetretene leichte Hypoglykämien im Vergleich zu einer Behandlung mit NPH-Insulin. „Wir sind sehr zufrieden, dass sowohl der Abschlussbericht des IQWiG als auch das aktuelle Gutachten die Bedeutung der leichten und nächtlichen Hypoglykämien für die Behandlung der Typ 2 Diabetes Patienten anerkennt und gleichzeitig jetzt ein weiteres Dokument der Überlegenheit von Insulindetemir gegenüber NPH-Insulin vorliegt“, erklärt Schnorpfeil. „Unsere Experten sind natürlich jederzeit zu einem konstruktiven Dialog mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bereit, um beispielsweise die Unterschiede zwischen den Bewertungen der unabhängigen Institute zu diskutieren. Auch der Rückgriff auf oder die Durchführung von Versorgungsstudien könnte zur Klärung des Sachverhaltes weiter beitragen.“

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat dem G-BA bereits eine Beratung zu der Thematik angeboten. Hintergrund der Dialogofferten ist die baldige Entscheidung des G-BA, ob gesetzliche Krankenkassen lang wirksame Insulinanaloga in der Therapie des Typ 2 Diabetes weiterhin erstatten. Grundlage der Entscheidung des G-BA ist der Abschlussbericht des IQWiG.

DDG & DDB pro lang wirksame Insulinanaloga

Damit die Entscheidung des G-BA im Sinne der Aufrechterhaltung einer weiterhin hohen Versorgungsqualität der Typ 2 Diabetiker erfolgt, engagieren sich derzeit sowohl der Deutsche Diabetiker Bund als auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft öffentlich für eine Anerkennung des patientenrelevanten Zusatznutzens der lang wirksamen Insulinanaloga: Die Senkung der Häufigkeit schädlicher Unterzuckerungen verbessere die Diabetes-Therapie und erhöhe die Arzneimittelsicherheit. Die Forderung der Diabetes Fachgesellschaft und der Patientenvertretung ist verständlich, denn „die Verminderung von Unterzuckerungen in der Insulintherapie spielt in der Patientenführung eine besondere Rolle und ist damit höchstgradig versorgungsrelevant. Das haben gerade im letzten Jahr große Studien wie ACCORD gezeigt“, erklärte Professor Thomas Haak, Präsident der DDG, am 3. April in einem offenem Brief an Herrn Dr. Rainer Hess vom G-BA.

Information zu Insulindetemir (Levemir®)

Insulindetemir kann den Zusatznutzen gegenüber NPH-Insulin bei der Vermeidung von Hypoglykämien bereits seit seiner Markteinführung im Jahr 2004 in der Fachinformation nachweisen. Das IQWiG bezieht sich im Übrigen in seinem Abschlussbericht auf Seite 339 auch auf Daten der EMEA, die in der Fachinfo genannt werden. Auszug der Fachinformation Levemir®: „In Studien zur Kombinationstherapie von oralen Antidiabetika mit Insulin führte die Therapie mit Levemir® verglichen mit NPH-Insulin zu einem 61 – 65 % niedrigeren Risiko für leichte nächtliche Hypoglykämien.

In Langzeitbehandlungsstudien bei Patienten mit Typ 1 Diabetes war der Nüchtern-Plasmaglucosespiegel von Patienten (u. a. bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren), die mit einer Basis-Bolus-Therapie behandelt wurden, mit Levemir® verbessert im Vergleich mit NPH-Insulin. Die glykämische Einstellung (HbA1c) mit Levemir® ist mit NPH-Insulin vergleichbar, wobei das Risiko nächtlicher Hypoglykämien geringer und keine Gewichtszunahme damit verbunden ist. In klinischen Studien, in denen eine Basis-Bolus-Therapie eingesetzt wurde, waren die Hypoglykämie-Gesamtraten mit Levemir® und NPH-Insulin ähnlich. Die Analysen nächtlicher Hypoglykämien bei Patienten mit Typ 1 Diabetes ergaben ein signifikant niedrigeres Risiko für leichte nächtliche Hypoglykämien (selbstbehandelbar und bestätigt durch kapilläre Glucosekonzentration unter 2,8 mmol/l bzw. 3,1 mmol/l, wenn als Plasmaglucose angegeben) als bei NPH-Insulin, während bei Typ 2 Diabetes kein Unterschied festgestellt wurde. Weiterhin war das Gesamtrisiko für nächtliche Hypoglykämien bei Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes im Alter von 6 bis 17 Jahren unter Levemir® im Vergleich zu NPH-Insulin signifikant niedriger.

Stellungnahmen von Experten der DDG und des DDB

Statements von Professor Hermann von Lilienfeld-Toal vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB) und Professor Andreas Fritsche vom Ausschuss Pharmakotherapie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), 2.April