News-Archiv: 2009

Magen-Darm-Beschwerden

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Für Magen-Darm-Beschwerden kann Diabetes Ursache sein!

Diabetiker haben häufiger Magen-Darm-Probleme als Nichtdiabetiker. Ursache dafür ist oft eine „autonome Neuropathie“, das ist eine durch Diabetes mellitus verursachte Störung des Nervensystems.

Magen-Darm-Probleme sollten spätestens dann behandelt werden, wenn sie belastend sind oder länger als 4 Wochen andauern. Für Menschen mit Diabetes ist dies besonders wichtig, so die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG): Die Beschwerden mindern nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten, sondern sie können auch dazu führen, dass sich der Blutzucker schlecht einstellen lässt.

Wie Ärzte gastrointestinale Probleme ihrer Diabetes-Patienten diagnostizieren und erfolgreich therapieren können, ist eines der Themen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Der Diabetologe“. Vom Diabetes verursachte Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes können in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten. Typisch sind zum Beispiel Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre, die Schluckstörungen und Sodbrennen verursachen können. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen oder Blähungen sind mögliche Folgen einer Neuropathie, wenn diese die Magenentleerung verlangsamt oder beschleunigt. Zudem leiden Menschen mit Diabetes gehäuft unter Verstopfungen und wiederkehrenden, oft nachts auftretenden Durchfällen. „Treten bei Diabetes-Patienten gastrointestinale Probleme auf, müssten zunächst organische Ursachen abgeklärt werden“, betont PD Dr. med. Jutta Keller, Internistin am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg, in ihrem Fachartikel. Bei Menschen mit Diabetes ist außerdem zu beachten, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel ebenfalls die Verdauungsfunktionen beeinträchtigen kann. Funktionsdiagnostische Methoden – beispielsweise ein spezieller Atemtest bei einer Störung der Magenentleerung – können auf eine Neuropathie als Ursache hinweisen.

Wichtig ist die Ursachenforschung bei Magen-Darm-Erkrankungen, um die geeignete Therapie zu finden. Ist die Neuropathie die Ursache, führt häufig eine verbesserte Einstellung der Blutzuckerwerte zum Abklingen der Beschwerden. Allerdings ist eine gute Blutzuckereinstellung bei solchen Patienten besonders schwierig zu erreichen, weil die gastrointestinalen Störungen selbst die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung und damit den Blutzuckerspiegel direkt mit beeinflussen.

Körperliche Aktivitäten langfristig erhöhen

(2009)

Bewegungsprogramme sind sinnvoll für Menschen mit Diabetes

Bochum – Regelmäßige körperliche Aktivitäten gehören zur Therapie des Diabetes Typ 2. Doch der Weg vom Bewegungsmuffel zum Alltagssportler kann steinig sein. Um Patienten dabei zu unterstützen, sich mehr zu bewegen, bieten Sportmediziner vielerorts so genannte Bewegungsschulungen an. Dass sich die Teilnahme an einem solchen Programm auch langfristig lohnt, haben Wissenschaftler der TU München nun für das Schulungsprogramm „wie Diabetiker zum Sport kommen (DiSko)“ nachgewiesen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der Schulung stellen sie in einem aktuellen Übersichtsartikel vor.

Die Wissenschaftler untersuchten körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit von 55 Menschen mit Diabetes Typ 2 mit DiSko-Schulung im Vergleich zu 37 Patienten ohne praktische Einweisung in ein Bewegungsprogramm. Nach einem Jahr waren die Schulungsteilnehmer viel sportlicher als die Vergleichsgruppe. Sie hatten die Dauer ihrer körperlichen Aktivität von durchschnittlich 6 auf 10 Stunden in der Woche erhöht – insbesondere im Alltag und in der Freizeit mit Rad fahren, Walking oder Nordic Walking.

Die Leistungsfähigkeit der Schulungsteilnehmer im Sechs-Minuten-Gehtest nahm durchschnittlich um 50 Meter zu. Zudem hatten sie – anders als die Vergleichspatienten – durchschnittlich 1,5 Kilogramm Körpergewicht verloren. Auch die Referenten, die deutschlandweit bisher 12.000 Patienten nach dem Programm geschult haben, sind überwiegend mit der Schulung zufrieden: 80% stuften die Umsetzbarkeit als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Durch ein regelmäßiges Ausdauertraining können Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker positiv beeinflussen und so krankheitsbedingten Folgeschäden vorbeugen. Sie haben nachweislich ein geringeres Risiko für diabetesbedingte Nerven- oder Augenschädigungen. Auch das Risiko für Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sinkt.

Die DiSko-Schulung dauert 90 Minuten und wurde von der AG Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) entwickelt. Ihr Kernstück sind vier Themen zu Bewegungsmöglichkeiten und zur Motivation. Eine halbstündige, ärztlich geführte Bewegungsübung mit vorheriger und anschließender Blutzucker- und Pulsmessung ist ebenfalls Bestandteil des Programms. Seit 2003 wurden deutschlandweit über 1200 DiSko-Referenten ausgebildet, die Patienten mit Diabetes Typ 2 im Rahmen der herkömmlichen Patientenschulungen zusätzlich praxisorientiert zu mehr körperlicher Aktivität anleiten.

Weitere Tipps für mehr Bewegung im Alltag, zur Ernährung und über Diabetes mellitus sind im Internet auf der Seite www.diabetesde.org von der neuen Organisation diabetesDE für Menschen mit Diabetes aufbereitet.

Prävention

(2009)

Durch normale Blutzucker- und Blutdruckwerte vorbeugen

Nierenschäden als Folge des Diabetes sind vermeidbar

Erkranken aufgrund eines Diabetes mellitus die Nieren, hat dies einen großen Einfluss auf Lebenszeit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes. Leiden Betroffene an der so genannten diabetischen Nephropathie, drohen ihnen nicht nur Nierenversagen und Dialyse. Auch das vorzeitige Sterberisiko ist erhöht. Neue Forschungserkenntnisse könnten zukünftig Therapien ermöglichen, die bis ins hohe Alter die Nierenfunktion erhält. Schon heute gibt es Wege, die Niere zu schützen. Darauf weisen diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer aktuellen Veröffentlichung hin.

Bis zu 50 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden nach längerer Diabetesdauer unter einer mehr oder weniger ausgeprägten diabetischen Nephropathie. Das erste Anzeichen ist das Auftreten von Eiweiß im Urin. Denn es gelingt der Niere nicht mehr, dieses im Blut zurück zu halten, da ihre Filter, die Glomeruli, durchlässig geworden sind. Die Poren in den Filtern werden von spezialisierten Fußzellen gebildet. Ihre Schädigung ist vermutlich der Beginn der Nephropathie. Professor Dr. med. Gunter Wolf von der Universität Jena informiert in einem aktuell veröffentlichten Übersichtsartikel über neue Erkenntnisse aus der Forschung, die zukünftig die diabetische Nephropathie verhindern oder sogar heilen könnten.

Der Artikel von Professor Dr. med. Gunter Wolf in der Fachzeitschrift „Der Diabetologe“ bestätigt jedoch auch, dass an Diabetiker schon heute ihre Nieren bis ins hohe Alter schützen können: Neuere Untersuchungen an großen Patientengruppen zeigen, dass langfristig gute Blutzuckerwerte zumindest das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen. Ebenso wichtig ist es, den häufig parallel auftretenden hohen Blutdruck zu behandeln. Eine Therapie mit Medikamenten aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Angiotensin-Blocker ist hier Standard. Diese greifen direkt in die Regulierung des Blutdrucks ein, an der die Nieren maßgeblich beteiligt sind.

Um die nierenschützende Wirkung der Medikamente zu steigern, werden heute höhere Dosierungen als noch vor einigen Jahren eingesetzt. Der Versuch, die Wirkung durch die Kombination beider Substanzklassen weiter zu verbessern, ist jedoch in einer aktuellen Studie gescheitert. Ein weiterer, neuer Wirkstoff gegen den hohen Blutdruck ist das Aliskiren. Wird es mit einem Angiotensin-Blocker kombiniert, sinkt die Eiweißausscheidung über die Niere. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob dies langfristig hilft, die Nieren von Menschen mit Diabetes gesund zu halten.

Die gesunde und funktionsfähige Niere ist in der Diabetes-Therapie ein wichtiges Therapieziel. Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und diabetesDE sind Diabetiker die größte Patientengruppe, die jedes Jahr neu mit einem Nierenersatzverfahren behandelt werden muss. Zurzeit erhalten etwa 20.000 der an Diabetes Erkrankten eine Dialyse.

100 Tage Gesundheitsfonds

(2009)

2/3 der Bundesbürger wissen nicht Bescheid

Ein Großteil der Deutschen weiß auch 100 Tage nach Einführung des Gesundheitsfonds nicht, was es damit auf sich hat. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der BIG – Die Direktrankenkasse. Befragt wurden 1000 Personen ab 18 Jahren.

65% der Befragten gaben an, sie wüssten nicht, was der Gesundheitsfonds ist. Davon mehr als 80% junge Menschen unter 30 Jahren. Lediglich 8% derjenigen, die wissen, was der Fonds ist, glauben, dass er dazu beitragen kann, die Finanzprobleme des Gesundheitssystems zu lösen. 90% bezweifeln das.

Insgesamt 60% der gesetzlich Versicherten konnten die Frage nach dem aktuellen Beitragssatz ihrer Kasse nicht beantworten: 39% gaben an, dass sie derzeit für ihre Krankenversicherung den Einheitsbeitragssatz von 15,5% zahlen. 22% machten andere Prozentangaben und 38% konnten keine Angabe machen. Besonders schlecht informiert zeigten sich hier wiederum die jüngeren Befragten.

Ein Großteil der Befragten (76%) haben nach dem Wegfall der Beitragssatzunterschiede keine Veränderung beim Service ihrer Kasse wahrgenommen. 12% meinen, dass sich seitdem das Leistungsangebot sogar verschlechtert habe. Immerhin glauben 60%, dass ihre Kasse trotz höherer Beitragszahlung durch den Versicherten nicht mehr Geld zur Verfügung hat.

Diabetes 2009

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„Diabetes 2009“ – ein voller Erfolg

Kongressmesse stieß bei Betroffenen und beim Fachpublikum auf eine riesige Resonanz

Zur Kongressmesse „Diabetes 2009“ in der Halle Münsterland kamen gut 2.000 Fachbesucher und mehr als 6.000 Gesundheitsinteressierte am Patiententag, der am Sonntag stattfand. Das ist eine ausgesprochen positive Bilanz der „Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln“ in Münster. „Die in ihrer Kombination aus Fachmesse, Kongress und Patiententag bundesweit einmalige Veranstaltung war damit ein voller Erfolg „, lautete das Fazit von Dr. Ursula Paschke, Geschäftsführerin des Messe- und Congress-Centrums Halle Münsterland.

Am Sonntag stand die dreitägige Messe Patienten und deren Angehörigen und allen Gesundheitsinteressierten offen. „Das Informationsbedürfnis der Besucher war enorm“, freute sich Thomas Arabin, Leiter des Geschäftsbereichs Eigenveranstaltungen. Der hohe Stellenwert des Patiententages lasse sich daran ermessen, dass renommierte Experten, die bereits auf dem Fachkongress referiert hatten, nun den Besuchern Rede und Antwort standen.

Mit mehr als 100 Ausstellern konnte die Messe neue Schwerpunkte setzen. Sie rückte die Lebensqualität von Diabetikern in den Vordergrund. „Neben den Anbietern von Pharmazeutika und Medizintechnik haben wir verstärkt Aussteller gewonnen, die Themen wie Ernährung oder Wellness abdecken“, erklärte Projektleiterin Christiane Eidmann. Im „Forum Prävention“ ging es dann auch um richtige Ernährung mit Gesundheitstests, die auf ein sehr großes Interesse der Besucher trafen. Viele Besucher ließen Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Fußdruck und Hörfähigkeit prüfen. Häufig übersehene Zusammenhänge wurden aufgedeckt: „Auch Parodontitis gehört zu den Folgekrankheiten eines Diabetes“, klärte Dr. Ludger Steinhaus, Zahnarzt aus Münster, auf.

Eine gewisse Sorglosigkeit der Menschen stellte Diabetesberaterin Marianne Stübbe vom Universitätsklinikum Münster fest: „Manche Besucher zeigten sich mit durchaus schon kritischen Messwerten noch zufrieden“, resümierte sie. In ihren Gesprächen wies sie auf die möglichen Gefahren hin.

Eine ebenfalls sehr positive Resonanz fand der Fachkongress am Freitag und Samstag. Themenschwerpunkte wie „Diabetes bei Kindern und Jugendlichen“, diabetische Augenerkrankungen, Neuropathie oder „Bewegung und Ernährung“ fanden Anklang beim Fachpublikum. Dazu zählten Ärzte, Apotheker und Diabetesberaterinnen.

Wissenschaft von der praktischen Seite präsentierten Meisterkoch Alfons Schuhbeck und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. Bei einer Kochshow am Freitagabend führte der Sternekoch sein Rezept für eine gesunde Ernährung vor: „Fleisch und Fisch lieber schonend garen statt heiß brutzeln. Das schont die Gefäße“.

Die eigene Gesundheit steht hoch im Kurs: Mehr als 6.000 Besucher kamen am Sonntag zum Patiententag der „Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln“.

Diabetischer Fuß

(2009)

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Dagmar Gail

Versorgungswirklichkeit

„Alle halbe Jahre ins Gefäßzentrum!“

Der diabetische Fuß führt noch immer zehntausende Mal im Jahr zur Amputation. Was kann man tun, davor und danach? Wir sprachen mit Dagmar Gail, der Vorsitzenden der Amputierten-Initiative e.V., dem Bundesverband für Arm- und Beinamputierte/Gefäßkranke.

Diabetes>News Zeitung: Sie haben am 18. Januar 1991, ziemlich genau vor 18 Jahren, eine Selbsthilfe-Gruppe für Amputierte gegründet. Wie viele der Menschen, die sich an Sie wenden, sind Diabetiker?

Dagmar Gail: Das kann ich prozentual nicht sagen, weil die Diabetiker überwiegend gleichzeitig PAVK- krank sind. Die nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes verweist auf die arterielle Minderdurchblutung als Hauptrisikofaktor für die Majoramputation der Beine.

Diabetes>News Zeitung: Ein gutes Jahr vor der Gründung der Amputierten-Initiative wurde die unter Diabetologen bekannte St. Vinzenz-Deklaration zur Verhinderung schwerer Folgeschäden des Diabetes verabschiedet. Gerade in Bezug auf Amputationen gab es ein ehrgeiziges Ziel, die Reduktion um 50% in 5 Jahren. Was hat sich seitdem getan?

Dagmar Gail: Nicht nur von mir, auch von allen Gefäßchirurgen, Angiologen und Orthopäden hören Sie, dass eigentlich nicht viel Gutes zu berichten ist. Es hat sich nicht viel verbessert, im Gegenteil. Ich denke, der Hauptaspekt ist, dass die Menschen zu wenig informiert sind. Wir als Initiative klären überall auf und weisen darauf hin, was Gefährdete alles präventiv unternehmen sollten, damit sich ein Zustand nicht verschlechtert, sondern wenigstens stagniert. Unsere Erkrankung geht weiter, aber man kann erfreulicherweise immerhin das Tempo aufhalten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Betroffenen die einzige dafür von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft zugelassene Infusion auch bekommen. Denn diese vasoaktiven Substanzen verbessern eben unsere Gefäßsituation!

Diabetes>News Zeitung:Unter dem Stichwort Fußnetze haben sich aber doch in den letzten Jahren Partner der verschiedenen Gesundheitsberufe zusammengetan, um eine bessere Versorgung beim diabetischen Fuß sicherzustellen. Ist das ein Tropfen auf den heißen Stein oder eine Trendwende?

Dagmar Gail: Ich möchte nicht unhöflich sein, aber für mich ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich finde es auch eine tolle Sache, dass die Podologen inzwischen in Deutschland tätig sein können. Als das Podologengesetz noch nicht einmal herausgekommen war, habe ich mich schon flammend dafür eingesetzt, dass Gefäßkranke zum Podologen geschickt werden sollten. Allerdings nicht nur Diabetiker, sondern auch PAVK-Kranke ohne Diabetes, dort ist eine Verletzung an den Zehen genauso schlimm. Für die PAVK-Kranken wird die Behandlung aber leider von den Krankenkassen noch nicht bezahlt.

Es müsste aber noch viel mehr getan werden. Das Wichtigste ist eine gute Diagnostik. Allen meinen Mitgliedern, egal ob Diabetiker oder PAVK-krank, sage ich: „Alle halbe Jahr müssen Sie ambulant in ein Gefäßzentrum und Ihren Gefäßstatus feststellen lassen!“ Das können Sie mit dem Knöchel-Arm-Index, dem ABI, machen, wenn dieser unter 0,9 geht, muss man Obacht geben, eventuell sollte eine Ultraschall- oder tcpO2-Untersuchung durchgeführt werden, damit die Durchblutung auf der Haut gemessen werden kann. Dann kann auch schnell gehandelt werden!

Wenn Sie zum Beispiel eine zwei Zentimeter lange Stenose im Oberschenkel haben, in der Arteria femoralis superficialis, und Sie erkennen diese nach einem halben Jahr, die Arterie ist nur zu 80 Prozent zu, dann können Sie sofort dilatieren. Sonst stellen Sie diese vielleicht erst fest, wenn starke Schmerzen zu spüren sind oder bereits ein Beininfarkt eingetreten ist. Ich habe es mehrfach erlebt in den vergangenen Jahren, dass in dem Augenblick, in dem Wunden entstehen, die Menschen zu den Wundkompetenzzentren gehen und dort in jeder Woche einmal zur Behandlung kommen. Da wird die Wunde gesäubert, neu verbunden, zusammen mit einer Schmerztherapie und dem Hinweis, in der nächsten Woche wiederzukommen – das halte ich nur partiell für den richtigen Weg. Wenn wir offene Wunden nur äußerlich behandeln, versäumen wir zu fragen, warum es zur Öffnung der Haut gekommen ist. Oft wird keine Angiografie durchgeführt, ich halte es für dringend notwendig, dass alle Gefäßpatienten, und dazu gehören auch die Diabetiker, sich ausschließlich in ein Gefäßzentrum begeben, entweder ambulant oder stationär. Denn in den Leitlinien steht ja zu Recht: Die Amputationen entstehen letztendlich aufgrund von Durchblutungsstörungen. Wir hatten zum Beispiel im Dezember 2006 den Fall einer Frau, einer Diabetikerin, die nicht in einem Gefäßzentrum behandelt wurde und der eine Zehe abgenommen werden sollte; es wurde keine Infusion und keine Angiografie durchgeführt. Wir haben sie rausgeholt, was nicht ganz einfach war, aber die Frau läuft heute noch mit allen Zehen herum! Und das sind Fälle, die wir eigentlich an jedem Tag antreffen.

Diabetes>News Zeitung:Obwohl die Vermeidung der Amputation ja als Ziel allgemein anerkannt ist.

Dagmar Gail: Ja, das sagen sie alle. Ich sehe am Ergebnis, dass das nicht so korrekt durchgeführt wird, sonst könnten wir nicht so viele Menschen davor bewahren. Ich sehe manchmal, dass die Diabetiker nicht mit der notwendigen Schärfe informiert werden. Nur ein umfassend informierter Patient kann selber dazu beitragen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Da fehlt manchmal die Aufklärung, dass eine Amputation in Betracht gezogen werden muss, wenn nicht die Risikofaktoren wirklich gut eingestellt sind. Manche Menschen wissen gar nicht, an welcher gefährlichen Krankheit sie leiden, und sie wissen auch nicht, welche Möglichkeiten sie selbst haben, Amputation, Beeinträchtigung der Sehfähigkeit und Nierenschäden bis hin zur Dialyse zu verhindern.

Diabetes>News Zeitung: Wenn Prävention und Interventionen zur Rettung von Fuß oder Bein vergebens waren, wie sieht es mit der Betreuung der Amputierten aus? Was funktioniert, was liegt im Argen?

Dagmar Gail: Der Arzt interessiert sich ja zurecht dafür, ob nach der Amputation eine gute Wundheilung vonstatten geht. Damit wird auf die psychischen Belange aber nicht eingegangen, man muss das ja alles erst einmal verarbeiten. Eine Amputation ist ein irreversibler Verlust eines Körperteiles und ein Verlust der körperlichen Integrität. Man weiß nicht, wie es weitergeht, nach der Amputation beginnen die Probleme ja erst. Man glaubt, von den Schmerzen befreit zu sein, doch die Schmerzen sind furchtbar! Die noch schmerzvolleren Augenblicke kommen aber, wenn man sich anguckt und sagt: „Ich bin kein vollständiger Mensch mehr.“ Wie sehen einen Ehepartner, Freunde, Verwandte und Kollegen? Wie geht es wirtschaftlich weiter, kann ich überhaupt in dem Zustand noch arbeiten? Eine Amputation ist ein unglaublicher Eingriff in das Leben eines Menschen. Eigentlich müsste den Betroffenen von Anfang an, wenn sie es wünschen, ein Psychologe zur Seite stehen, weil man eigentlich erst mal fassungslos ist. Leider denken viele Menschen: „Ach, eine Amputation ist ja nicht so schlimm, es gibt ja heutzutage schöne Prothesen.“ Doch gilt zu bedenken, dass es gefäßgesunde und gefäßkranke Amputierte gibt, und die gefäßkranken überwiegen in unserer Gesellschaft, das sind rund 90 Prozent. Die Gefäßgesunden können wenigstens problemlos laufen und können teilweise auch gottlob an Paralympics teilnehmen. Wir haben auch großen Respekt, dass die Athleten die Kraft aufbringen, regelmäßig zu trainieren. Aber ehrlich gesagt, ein wenig verfälschen sie das Bild in der Öffentlichkeit und den anderen, 90 Prozent, wird häufig vorgeworfen: „Das könntet Ihr eigentlich auch!“

Diabetes>News Zeitung: Was können Sie als Initiative da tun?

Dagmar Gail: Ich sage jedem einzelnen: Wir müssen Mut fassen! Wir sind amputiert, aber wir haben keinen Grund, Minderwertigkeitskomplexe zu entwickeln. Wir haben unser Bein verloren, aber nicht unseren Kopf und unser Herz! Es gilt, die Akzeptanz der Amputation zu bejahen, um die gewaltige Erschütterung in eine neue, uns bisher nicht bekannte Lebensqualität umzuwandeln. Für einen Amputierten, der langsamer geworden ist, für den eröffnet sich eine neue Welt. Nie aufgeben! Wir beraten die Menschen am Telefon, auch schriftlich, wir gehen in die Krankenhäuser. Wir binden auch die Angehörigen mit ein und treffen uns einmal im Monat und unternehmen auch vieles gemeinsam. Viele Menschen denken auch, sie wären die einzigen, die amputiert worden sind. Nein, wir sind viele! Wenn wir sehen, dass wir mindestens 60.000 Majoramputationen im Jahr haben, leider, dann sind wir zu viele.

Diabetes>News Zeitung: Gibt es neben solchen mehr ideellen Dingen auch auf der eher bürokratischen Seite Hilfsbedarf, Stichwort Krankenkassen?

Dagmar Gail: Ja, wir müssen uns herumschlagen mit manchen Bürokraten, mit einigen Mitarbeitern vom Medizinischen Dienst. Da gibt es manchmal wirklich despektierliche Aussagen. Wir müssen zum Beispiel kämpfen, um eine Pflegestufe für eine 45-Jährige, die beide Oberschenkel verloren hat und im Rollstuhl sitzt. Der MDK meinte, sie brauche keine Treppenhilfe. Ich appelliere an alle Verantwortlichen in diesem Land, dass sie die amputierten Menschen respektieren sollten und ihnen nicht noch zusätzliches Leid bereiten. Unsere Gefäßerkrankung steht im Schatten, wir kennen den Hirninfarkt, wir kennen den Herzinfarkt, aber bei den Becken-Bein-Arterien sagen wir „gestörte Durchblutung“, nicht Beininfarkt – das ist ja verharmlosend!

Es ist eine heimtückische Erkrankung! Die renommierte angiologische Dozentin Dr. Espinola-Klein weist zurecht darauf hin, dass auch bei der PAVK 112 gewählt werden sollte. Die Erkrankung wird unterschätzt und bagatellisiert. Ich denke, das trägt auch dazu bei, dass die Zahl der Amputationen so hoch ist. Wir haben zu wenig Akzeptanz in der Gesellschaft. Und wenn die Erkrankung nicht genug ernst genommen wird in der Gesellschaft, wird auch der Erkrankte nicht genug ernst genommen. Das geht bis zu den Hilfsmitteln, um die wir kämpfen müssen. Es kostet uns als Initiative viel Kraft, Zeit, Nerven und Geld, jedem Einzelnen zu seinem Recht zu verhelfen, bei der Frau mit den beiden Oberschenkeln mussten wir von März bis Dezember kämpfen – die Frau war suizidgefährdet, sie lebt alleine.

Diabetes>News Zeitung: Wie hoch ist der Anteil an solchen Fällen, bei denen Sie Ärger haben?

Dagmar Gail: Inzwischen immer höher. Aber wir kämpfen weiter.

Diabetes>News Zeitung: Sie weiten den Tätigkeitsbereich Ihres Vereins gerade noch weiter aus. Was wird die Aufgabe der Amputierten-Stiftung sein?

Dagmar Gail: Die Idee haben wir im Moment etwas zurückgestellt, weil uns Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Die Krankenkassen haben uns in diesem Jahr um zwei Drittel heruntergekürzt – das würde man eben bei anderen Erkrankungen nicht wagen.

Das Interview führte Marcus Sefrin

PINGUIN-Studie

(2009)

Studie der Forschergruppe Diabetes in München: Postpartale Intervention bei Gestationsdiabetikerinnen unter Insulintherapie

– die PINGUIN-Studie – Hilfe für Schwangerschaftsdiabetikerinnen

Wenn Frauen während ihrer Schwangerschaft an einem insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes erkranken, beträgt das Risiko für sie 61%, in den ersten 3 Jahren nach der Geburt einen Typ 2 Diabetes mellitus zu entwickeln. Hier möchte PINGUIN eingreifen.

PINGUIN ist deutschlandweit die 1. Placebo-kontrollierte Präventionsstudie zum Typ 2 Diabetes nach einem Gestationsdiabetes. Die Einnahme von Vildagliptin (Galvus®) hemmt den Abbau des körpereigenen Hormons Glucagon-likepeptide 1 (GLP-1), das für die Insulinausschüttung während der Nahrungsaufnahme zuständig ist. Dadurch verbleibt GLP-1 länger im Blut und kurbelt die Insulinausschüttung an. Das hat den positiven Effekt, dass der Blutzuckerhaushalt ausgeglichen wird. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass vermutlich auch eine Entzündung in der Bauchspeicheldrüse am Krankheitsprozess des Typ 2 Diabetes beteiligt ist. Im Tierversuch hat man festgestellt, dass Vildagliptin diese Entzündung heilen kann. Es ist davon auszugehen, dass Vildagliptin auch bei dieser Hochrisikogruppe der Gestationsdiabetikerinnen eine regenerative Wirkung auf die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse hat.

Dieser Erfolg soll den Teilnehmerinnen dieser Untersuchung zugute kommen. Vildagliptin ist seit September 2007 in Europa zur Behandlung des Typ 2 Diabetes zugelassen. Ziel dieser Untersuchung ist es, mit diesem Wirkungsprofil die Entwicklung zum Typ 2 Diabetes zu verhindern. Zur Therapie im Rahmen der PINGUIN-Studie gehört neben der Einnahme von Vildagliptin auch eine intensive Beratung zu Ernährung und körperlicher Aktivität.

Übergewicht gilt als einer der Hauptauslöser für Typ 2 Diabetes. Deshalb ist es wichtig, neben der medikamentösen Behandlung auch diesen Aspekt im Auge zu behalten. Wir möchten die Chance nutzen, diese jungen Frauen vor dem Typ 2 Diabetes zu schützen, und hoffen, dass dies ein zukunftsweisender Präventionsansatz ist, so Frau Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des Instituts für Diabetesforschung in München.

Die Behandlung mit Vildagliptin ist ganz einfach.

Der Wirkstoff wird in Tablettenform einmal am Tag morgens eingenommen. Vildagliptin wirkt nur in Verbindung mit einer Mahlzeit. So ist die Gefahr einer Unterzuckerung so gut wie ausgeschlossen.

Mitmachen können alle Schwangerschaftsdiabetikerinnen, die

  • während ihrer letzten Schwangerschaft einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatten, danach aber ohne Insulin oder Diät wieder normale Blutzuckerwerte haben
  • vor weniger als 9 Monaten entbunden haben
  • mindestens 18 Jahre alt sind.

Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos

Interessierte melden sich bei der Forschergruppe Diabetes, PINGUIN-Team unter der

Telefonnummer 089 30682917 oder
per Mail an: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

Detaillierte Informationen zum Thema PINGUIN-Studie erhalten Sie unter www.pinguin-studie.de

Blutzuckerselbstmessung

(2009)

Blutzuckerselbstmessung sinnvoll in Diabetes-Therapie einbauen

Berlin – Messen Patienten regelmäßig ihre Blutzuckerwerte, kann dies ihre Diabetes-Therapie verbessern. Die Diabetesorganisation diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) setzen sich deshalb in einer Stellungnahme dafür ein, die Selbstmessung der Blutglukose-Werte als Bestandteil der Therapie weiterhin zu finanzieren und auf diese Weise hohe Kosten für Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden. Eine Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird in Kürze veröffentlicht.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht zurzeit den Nutzen dieser Messung bei Typ 2 Diabetes ohne Insulinbehandlung und hat ein vorläufiges Ergebnis veröffentlicht.

Die Selbstmessung bringt zwar – isoliert betrachtet – keinen Nutzen für die Verbesserung der Werte. Sinnvoll ist sie jedoch, wenn Patienten ihre Ernährung, Bewegung und Medikation den selbst gewonnenen Werten entsprechend anpassen und Ärzte sie zur Überprüfung ihrer Therapieempfehlungen heranziehen. „Es gibt bisher kaum Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen der diagnostischen Methode der Selbstmessung unter Berücksichtigung des Patienten- und Arztverhaltens auf den Krankheitsverlauf untersucht haben“, so die Diabetes-Experten um Professor Dr. Stephan Martin, die eine Stellungnahme von diabetesDE und DDG zur IQWiG-Untersuchung verfasst haben.

Das Hauptproblem in der isolierten Bewertung liege darin, dass die heutigen Behandlungskonzepte eine ganze Palette an Maßnahmen beinhalten. Entsprechend schwierig sei es, den Einfluss der Selbstmessung allein zu betrachten. Die Experten fordern deshalb, die Selbstmessung weiterhin in der Therapie des Diabetes Typ 2 zu belassen. Eine praktikable Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird derzeit von einer Expertengruppe entwickelt, die unter anderem die Pflichten von Patienten und Arzt nennt, wenn Blutglukoseteststreifen verordnet werden. Diese Leitlinie wird in Kürzte in der Fachzeitschrift „Der Diabetologe“ publiziert und auf der Internetseite www.diabetesde.org veröffentlicht.

Das IQWiG führt zurzeit eine Untersuchung zum Thema „Urin- und Blutzuckerselbstmessung bei Diabetes mellitus Typ 2“ im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Behandlung des Diabetes Typ 2 ohne Insulin durch. Das Institut stellt in einem vorläufigen Ergebnis fest, dass die herangezogenen Studien – in denen die Blutzuckerselbstmessung isoliert bewertet wird – keine Verbesserung der Blutzuckerwerte durch Blutzuckerselbstmessung belegen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen jedoch bereits, wie wichtig eine gute Blutzuckereinstellung ist, um Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus zu verhindern. Nur eine auf jeden Patienten individuell angepasste Therapie kann dazu beitragen, Schäden wie zum Beispiel Nierenversagen, Blindheit, Herz-Kreislauferkranken oder Fußamputationen zu vermeiden. Gelingt es, durch eine gute Diabetes-Therapie diese schweren und auch teuren Folgen zu verhindern, erhöht dies die Lebensqualität der Patienten und senkt Krankheitskosten.

Kontakt für Journalisten
Pressestelle
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
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G-BA-Entscheidung contra Patient

(2009)

Pressemitteilung des Deutschen Diabetiker Bundes e. V. Kassel, den 6. Juni 2009

Mit Unverständnis reagierte der Deutsche Diabetiker Bund auf die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Streichung der Erstattungspflicht lang wirksamer Insulinanaloga bei Typ 2-Diabetikern. Der Bundesvorsitzende des DDB, Dieter Möhler, bedauerte nachdrücklich: „Bei allen Entscheidungen des G-BA geht es offensichtlich nur noch ums Geld.“ Erstmalig werde jetzt ausschließlich aus Kostengründen verlangt, Patienten von einer erfolgreichen auf eine fragliche Medikation umzustellen. Dabei werde eine Gefährdung der Patienten billigend in Kauf genommen. Alle begründeten Einwände gegen das Vorhaben, lang wirksame Insulinanaloga sowie Glitazone von der Liste der bezahlten Medikamente zu streichen, wurden einfach ignoriert. Der Stellvertretende Bundesvorsitzende des DDB, Prof. Hermann von Lilienfeld-Toal, hält die Begründung für das Streichen der Insulinpräparate für falsch. Das angestrebte Behandlungsziel kann nach seiner Auffassung mit Humaninsulin nicht ebenso zweckmäßig, aber kostengünstiger erreicht werden.

Begründung für das Streichen aller Glitazone ebenso falsch

Es zeigt sich, dass das gesamte Prüfungs- und Beschlussverfahren „unehrlich“ ist. Mit scheinbar sachlichen Argumenten werden vermeintlich zu teure Präparate einfach vom Markt gedrängt. Dass die Patienten bei der Therapie Ihrer Krankheit von diesen, bisher verordnungsfähigen Medikamenten profitiert haben, interessiere nicht. In den Reihen des Deutschen Diabetiker Bundes zeigen sich Wut und Entsetzen über diese gegen die Interessen von Millionen Diabetikern in Deutschland gerichtete Entscheidung.

Auch die Festsetzungen zu den lang wirksamen Insulinanaloga macht offensichtlich, dass die im Sozialgesetzbuch (SGB) V fest geschriebene Konstruktion des Gemeinsamen Bundesausschusses als das entscheidende Gremium, welches sich auf die Begutachtung durch das IQWiG stützt, eine Fehlkonstruktion ist. Wenn Medikamente als zu teuer erscheinen, kann dies nicht dadurch beseitigt werden, dass man den Medikamenten ihre Wirksamkeit einfach abspricht. Es ist sicherlich besser, mit den Herstellern direkt über die Preise zu verhandeln.

Der Deutsche Diabetiker Bund fordert alle Betroffenen auf, sich an Protestaktionen zu beteiligen

Weil überflüssig bis schädlich

(2009)

„Diabetiker-Lebensmittel“ vor dem Aus

Spezielle Diät-Lebensmittel für Diabetiker verschwinden bald aus den Regalen. Das forderten Experten schon lange

Über Jahre haben strenge Diäten mit dem Verbot von Zucker und genauem Abzählen von Broteinheiten (BE) den Diabetiker-Alltag geprägt – und belastet. Um den „Zuckerkranken“ das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, brachte die Industrie spezielle Lebensmittel auf den Markt, von „Diät“-Marmeladen, -Brotaufstrichen, -Fruchtsäften, bis hin zu „Diabetiker“-Weinen und -Bieren. Einer Studie zufolge konsumiert ein Großteil der Diabetiker heute noch regelmäßig solche speziellen Diätprodukte.

Fachleute lehnen Diätlebensmittel für Diabetiker ab

Lebensmittel speziell für Diabetiker gelten jedoch heute unter Experten als unnütz, mitunter gar schädlich. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und Ernährungsexperten wie Dr. med. Monika Toeller vom Deutschen  Diabetes-Zentrum der Universität Düsseldorf fordern schon lange ihre Abschaffung, aus mehreren Gründen:

  • Das totale Zuckerverbot ist wissenschaftlich völlig überholt. Wie in der Allgemeinbevölkerung sollte die Aufnahme freier Zucker beim Diabetiker 10% der Gesamtenergie nicht überschreiten.
  • Ansonsten gelten für Diabetiker inzwischen die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für den Rest der Bevölkerung. Günstig ist eine „mediterran“ geprägte Kost mit einem hohen Anteil von ballaststoffreichem Obst, Gemüse Hülsenfrüchten, wenig rotem Fleisch, eher Fisch, mehr einfach ungesättigten Fetten wie Olivenöl. Fette sollen nicht mehr als 35% der Gesamtenergie ausmachen. Ein normales Körpergewicht ist anzustreben.
  • Vielen Diabetikern ist nicht bewusst, dass ihre „Diät“-Lebensmittel zu viel ungünstige Fette enthalten, zu kalorienreich und überdies relativ teuer sind. Sie halten womöglich vom Verzehr gesünderer Lebensmittel (s.o.) ab.

Wie es zu dem Zuckerverbot kam …

Bei der Stoffwechselkrankheit Diabetes produziert der Körper entweder gar kein Insulin mehr (Typ 1) oder nur noch in abnehmendem Umfang, verbunden mit geringerer Wirkung auf die Zellen, die Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen (Insulinresistenz Typ 2). Beide Formen des Krankheitsbildes bewirken, dass mit der Nahrung aufgenommene oder aus ihr gebildete Zuckerstoffe nicht als Energielieferanten oder Energiespeicher verwertet werden. Vielmehr reichert sich Zucker im Blut an und wird ungenutzt im Urin wieder ausgeschieden.

Daraus leitete man ursprünglich als Behandlungsprinzip ab, die Zuckerzufuhr mit der Nahrung streng zu begrenzen oder ihn durch Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose zu ersetzen.

… und warum es heute „out“ ist

Diese Strategie greift jedoch aus zwei Gründen zu kurz, wie man heute weiß:

  • Der überhöhte Blutzucker ist nicht in erster Linie die Folge der Zufuhr von zu viel Süßem, sondern er entsteht durch Stoffwechselstörungen im eigenen Körper. Was der Mensch an purem Zucker über die Ernährung aufnimmt, ist wenig im Vergleich zu dem, was bei manifestem Diabetes auf das Konto mangelnder Insulinbildung und der Insulinresistenz geht.
  • Diabetes mellitus ist mehr als eine „Zuckerkrankheit“. Die metabolische Störung betrifft auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Maßnahmen, die nur auf den Zuckerhaushalt zielen, reichen nicht aus. Vor allem bei Typ-2-Diabetikern existieren Stoffwechselstörungen schon lange, bevor der Blutzucker anhaltend steigt und die Krankheit diagnostiziert wird. Um Diabetes vorzubeugen und zu behandeln, müssen sich individuelle Ernährungsmuster ändern. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind hierfür nicht erforderlich.

Was plant der Gesetzgeber?

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz plant eine Anpassung der nationalen Diätverordnung an den wissenschaftlichen Kenntnisstand. Der Entwurf zur Änderung der Diätverordnung sieht eine ersatzlose Streichung des § 12 mit spezifischen Regelungen für so genannte Diabetiker-Lebensmittel vor.

Die deutsche Diabetes-Organisation diabetesDE unterstützt das Vorhaben und dringt auf die rasche Umsetzung der Änderung der Diätverordnung. Die Übergangsfrist für so genannte Diabetiker-Lebensmittel solle so kurz wie möglich gehalten werden, um rasch die notwendige Klarheit für Menschen mit Diabetes zu gewährleisten. diabetesDE plädiert überdies dafür, die Angabe von Broteinheiten (BE) auf Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs im europäischen Markt abzuschaffen. Die lediglich didaktische Benennung „BE“ finde sich nur noch in sehr begrenzten Gruppen in Deutschland. Stattdessen plädiert diabetesDE für die Angabe von Gramm Kohlenhydraten neben den anderen Nährstoffen auf allen verpackten Lebensmitteln, wie in den EU-Entwürfen vorgesehen.