Studie gegen Vorurteile

Insulinbehandlung macht nicht dick

Laut einer Studie ist eine Diabetesbehandlung mit Insulin besser als ihr Ruf Diabetologen-Berufsverband BdSN erfreut über neue Ergebnisse

Die Behandlung von Diabetes mit Insulin macht entgegen aller bisherigen Vorurteile nicht dick. Dies belegt eine vor Kurzem veröffentlichte Studie des Deutschen Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Die teilnehmenden Patienten nahmen in 2 Jahren je nach Behandlungsart durchschnittlich nur 0,4 bis 2,1 kg zu. „Die Ergebnisse sind bemerkenswert, da sie erstmals zeigen, dass es keinen Grund gibt, eine medizinisch sinnvolle Insulinbehandlung wegen der gefürchteten Gewichtszunahme abzulehnen oder zu verzögern“, so Dr. Matthias Riedel vom Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN).

Früher lehnten Diabetespatienten immer wieder die erforderliche Insulinbehandlung ab, weil sie erwarteten, durch die Behandlung mit Insulin stark zuzunehmen. „Es gibt zwar einzelne Patienten, die falsch oder gar nicht beraten wurden und während einer Behandlung mit Insulin statt mit Tabletten drastisch zugenommen haben“, erklärt Dr. Riedel, „Dies sind aber Einzelfälle.“

Die Studie basiert auf Daten von 3.000 neu auf Insulin eingestellten Diabetes-Patienten aus dem Disease-Management-Programm (DMP). Das DMP regelt die Versorgung der Diabetiker, so dass Diabetologen, Kliniken und Hausärzte die Behandlung der Patienten und die Therapieverlaufskontrolle optimal abstimmen können. Von den 3.000 Patienten wurden 444 auf moderne Analoginsuline und 1700 auf Standardinsuline eingestellt. Analoginsuline wirken schneller und Zwischenmahlzeiten können entfallen. Bei Standardinsulinen sind diese Mahlzeiten nötig, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Die übrigen Patienten erhielten Mischungen aus Standard- und Analoginsulinen. Innerhalb 2 Jahren zeigte sich, dass von den Patienten, die mit Standardinsulinen behandelt wurden, Männer im Schnitt nur 1,25 kg zunahmen und Frauen 2,15 kg. Männer, die Insulin-Mischungen erhielten, hatten eine Gewichtszunahme von lediglich 1,4 kg und Frauen 1,1 kg. Am niedrigsten war die Gewichtszunahme bei den Patienten, die auf Analoginsuline eingestellt worden waren: Sie nahmen durchschnittlich nur 0,5 kg zu (Männer 0,54 kg und Frauen 0,41 kg). Zudem ergab die Studie, dass Patienten, die vor Beginn der Insulintherapie bereits Übergewicht hatten, unter der Behandlung vergleichsweise am wenigsten zunahmen.

„Diese Studie zeigt uns 3 Dinge“, stellt Dr. Riedel fest: „Erstens führt eine Insulinbehandlung nicht zu Übergewicht. Zweitens sehen wir, dass die Behandlung einiger Patienten mit den neuen Analoginsulinen durchaus sinnvoll sein kann, wenn eine Gewichtszunahme vermieden werden soll.“ Das dritte wichtige Ergebnis der Studie sei, dass die Versorgung diabeteskranker Menschen verbessert werden könne, wenn die Daten aus dem DMP sinnvoll ausgewertet würden. In Nordrhein geschieht dies bereits seit Jahren zu verschiedensten Zwecken, zum Beispiel um die Behandlungskosten zu rechtfertigen.

Hintergrund: Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung von Diabetikern weiter zu verbessern.