News-Archiv: vor 2010

DDG-DAG-Kongress Berlin 2009

(2009)

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Prof. Dr. Christoph Rosak

Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes

„Mehr als 80% der Menschen mit einem Typ 2 Diabetes sind übergewichtig“. Deshalb beschäftigt sich der DDG-DAG-Kongress in Berlin mit der Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes. Interview von Susan Röse mit dem Kongresspräsidenten Herrn Prof. Dr. Rosak

Herr Prof. Dr. Rosak können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Christoph Rosak. Ich bin derzeitig Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Endokrinologie/Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt. Meine internistische und endokrinologisch/diabetologische Ausbildung habe ich am Zentrum für Innere Medizin des Universtitätsklinikums Frankfurt bei Prof. Dr. Karl Schöffling erhalten. 2 Jahre Post-Doctoral-Fellowship an der University of Massachuesetts in den Vereinigten Staaten. Seit 1987 Chefarzt am Krankenhaus Sachsenhausen.

Sie sagen, dass für beide Erkrankungen die nicht pharmakologischen Maßnahmen mit Ernährungsmodifikation und Bewegungstherapie Grundlage einer jeden Behandlung sind, welche neuen Erkenntnisse gibt es auf dem Gebiet der Ernährung und der Bewegungstherapie, sollten beide nicht absolute Priorität in der Behandlung beider Krankheitsbilder haben?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre ist der Zusammenhang von Zunahme der Fettgewebsmasse und sekretorischer Aktivität des Fettgewebes. Bei zunehmendem Körpergewicht werden „entzündungsfördernde Substanzen“ wie TNF-a und Interleukin-6 gebildet, die in Kombination mit verminderter Adiponektin-Sekretion die Basis zu früher und verstärkter Atherogenese an den Gefäßwänden bilden. Diese Vulnerabilität wird durch Dislipidämie (Erhöhung der freien Fettsäuren), erhöhte Tromboseneigung (verstärkte Bildung von PAI-1) und verstärkte Angiotensinogenbildung, welche Hypertonie induziert, verstärkt. Zusammen führen diese Phänomene zu verstärkter und verfrühter Makro- und Mikroangiopathie.

Sie sagen, dass bei den pharmakologischen Strategien nicht nur neue Therapieansätze diskutiert werden, sondern deren Umsetzung und Anwendung, wie soll man sich das genau vorstellen, welches sind Ihrer Meinung nach die besten Ansätze für die Zukunft?

Die Anwendung der derzeitigen Pharmaka und von Insulin muss sich vor dem Hintergrund der ACCORD-Studie neu definieren:

  1. Voraussetzung ist eine Zielwertdefinition des HbA1c-Wertes für den individuellen Patienten.
  2. Vermeidung von Hypoglykämien
  3. Vermeidung von Gewichtszunahme

Dies wird sich nur dann realisieren lassen, wenn man den repetitiv geschulten Patienten wieder in den Mittelpunkt stellt, auf lang wirksame Sulfonylharnstoffe weitgehend verzichtet. Eine Option könnten die DPP-4-Inhibitoren und Inkretin-Mimetika sein. Patienten, die unter Humaninsulin unter Hypoglykämien leiden, sollten auf Insulinanaloga umstellt werden.

Sollte nicht die Prävention, die Früherkennung und die gesellschaftspolitische Verantwortung (frühe Aufklärung und Information, stärkerer
Verbraucherschutz), dieser beiden Krankheitsbilder stärker in den Vordergrund gerückt werden?

Die Antiraucherkampagne hat gezeigt, dass es möglich ist, einen gesellschaftlichen Trend umzukehren. Im Hinblick auf den Diabetes brauchen wir eine ähnliche multimediale Anstrengung, um die derzeitige negative Ernährungsweise in einen positiven Trend umzukehren. Dies erfordert Aufklärung und Kampagnen in den Massenmedien, bessere Kennzeichnung der Lebensmittel und Zugang zu Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen im Sinne präventiver Aufklärung und Schulung. Diese Maßnahmen sind auch bei Patienten erforderlich, die bereits medikamentös ihren Diabetes behandeln müssen.

Welche Neuheiten gibt es im Bereich der Diabetologie?

Die Erforschung der Inkretine und ihrer Stoffwechselwirkungen hat zur Entwicklung der Inkretin-Mimetika (Exenatide und Liraglutide) und der DPP-4-Inhibitoren (Sitagliptin, Vildagliptin, und Saxagliptin) geführt. DPP-4-Inhibitoren führen über die Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 zu dem verzögerten Abbau des Hormons GLP-1 und somit zu einer Erhöhung seiner Konzentration um das 2-3 fache.

Die DPP-4-Inhibitoren zeichnen sich durch eine blutzuckerdefinierte Verstärkung der Insulinsekretion bei gleichzeitiger Senkung der erhöhten Glukagonspiegel unter Vermeidung von Hypoglykämien aus. Dadurch werden Nüchternblutzucker und postprandialer Blutzucker gesenkt. Die Verzögerung der Magenentleerung bedingt eine verlängerte und verminderte Kohlenhydratanflutung nach den Mahlzeiten. Als zentraler Angriffspunkt wird das Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit eher aktiviert. Die Inkretin-Mimetika führen darüber hinaus zu einer deutlichen Gewichtsreduktion, im Mittel um 4-6 kg.

Herr Prof. Dr. Rosak wie sieht die Zukunft in der Diabetologie aus (auch in Zusammenhang mit Adipositas)?

Auf die Verstärkung der präventiven und nicht-pharmakologischen Maßnahmen wurde bereits hingewiesen. An den entstehenden Kosten müssen sich die Kostenträger entsprechend beteiligen. Pharmakotherapeutisch wird man um die Ablösung bzw. um den Einsatz der lang wirkenden Sulfonylharnstoffe nicht herumkommen, die sich durch Gewichtszunahme und eine hohe Hypoglykämierate auszeichnen. Die glukozentrische Sicht der Diabeteserkrankung wird abgelöst durch einen komplexeren Ansatz mit Behandlung der Glukose- und Fettstoffwechselstörung sowie des Hypertonus und der Adipositas.

Herr Prof. Dr. Rosak, danke für das Interview

Pressekontakt
Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

Chronisch kranke Kinder

(2009)

Mehr Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Chronisch kranke Kinder und ihre Familien optimal unterstützen

Übergewicht und Bewegungsmangel führen in Deutschland weiterhin zu einer wachsenden Zahl Jugendlicher mit Diabetes Typ 2. Aktuell beträgt diese Zahl rund 200 Neuerkrankungen pro Jahr. Sinnvolle Therapien für die Betroffenen und sinnvolle Präventionsmaßnahmen, um die Erkrankung in jungen Jahren zu verhindern, waren Themen der diesjährigen Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig. Zukünftige Therapien für Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 diskutierten die Experten in einem weiteren Symposium. An der bisher unheilbaren Stoffwechselerkrankung Diabetes leiden 25.000 Heranwachsende bis 19 Jahre. Die Jahrestagung der DDG fand vom 20. bis 23. Mai 2009 im Congress Centrum Leipzig statt.

Chronisch kranke Kinder benötigen speziell auf sie abgestimmte Behandlungskonzepte, die über die normale medizinische Behandlung hinausgehen. „Wir müssen alles tun, damit Kinder mit Diabetes Typ 1 und ihre Familien auch die pädagogischen, sozialen und psychologischen Folgen der schweren Stoffwechselerkrankung meistern können“, betont Professor Dr. med. Wieland Kiess, Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, Universität Leipzig. Bisher ist Diabetes Typ 1 unheilbar und die Betroffenen sind ihr Leben lang auf Insulin durch Spritzen, Pens oder Pumpen angewiesen. Zukünftige Therapien könnten jedoch die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse aufhalten bzw. diese wiederherstellen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Therapien stellten Experten auf einem Symposium der DDG-Jahrestagung in Leipzig vor.

Eine der Ursachen für Diabetes Typ 2 ist – neben genetischer Vorbelastung und Übergewicht – auch der Lebensstil. Wer sich wenig bewegt, trägt schon im Kindesalter ein hohes Risiko. 11 bis 13% aller Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig und etwa 6 bis 8% sogar fettleibig. „10 bis 20% aller adipösen Kinder haben eine Fettleber oder eine Kohlenhydratstoffwechselstörung im Sinne von Typ 2 Diabetes“, sagt Professor Kiess. Frühes Übergewicht im Säuglings- und Kleinkindalter sei besonders gefährlich.

Glukosekontrolle wichtiger denn je

(2009)

Der Körper vergisst keine Überzuckerung

Gute Glukosekontrolle wichtiger denn je

LifeScan-Symposium im Rahmen der 44. Jahrestagung der DDG: Wie kann bei gestörter Glukosetoleranz die Manifestation eines Typ-2-Diabetes möglichst lange hinausgezögert werden? Wie muss ein modernes Glukosemonitoring gestaltet sein, damit diabetes­bedingte Folgeerkrankungen, die den Hauptkostenfaktor im Indikationsgebiet Diabetes ausmachen, weitgehend verhindert werden können? Mit diese zentralen Fragen beschäftigte sich das LifeScan-Symposium „Glykämische Variabiltät & Metabolisches Gedächtnis – Von der Kontroverse zum Konsens“.

Anlässlich der diesjährigen Jahrestagung der DDG in Leipzig haben namhafte Experten am 20. Mai 2009 zur Glukosekontrolle bei Diabetes mellitus diskutiert. Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Sachsen mit drei Fortbildungspunkten zertifiziert und war damit bundesweit zur Zertifizierung anerkannt. In seiner Begrüßung brachte der Vorsitzende des Symposiums, Professor Stephan Matthaei, Chefarzt des Diabetes-Zentrums Quakenbrück, die wesentliche Botschaft der großen klinischen Studien zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes aus 2008 auf den Punkt: Eine nahe-normo­glykämische Blutzuckereinstellung unter Vermeidung von Nebenwirkungen, insbesondere schwerer Hypoglykämien und ausgeprägter Gewichtszunahme, sollte angestrebt werden. Eine sichere HbA1c-Zielwerterreichung ist damit wichtiger Bestandteil einer multifaktoriellen, zielwertorientierten Therapie des Typ-2-Diabetes, um diabetische Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Einführend betonte Professor Manfred Dreyer, Diabetologe und Leiter des Zentrums für Innere Medizin im Asklepios Westklinikum Hamburg, dass der HbA1c als Parameter international akzeptiert und etabliert sei und bleibe. „Allerdings können die beobachteten diabetischen Folgekomplikationen nur teilweise mit den Abweichungen vom HbA1c-Zielwert erklärt werden – neben genetischen Faktoren könnten daher weitere pathophysiologische Schädigungsmechanismen, wie eine erhöhte Variabilität der Blutglukose, zukünftig von Bedeutung sein. Insbesondere wird die Prävention von Hypoglykämien eine eigenständige, besondere und noch wichtigere Rolle spielen.“

Dysglykämische Effekte auf zellulärer Ebene

Dr. Michael Morcos, Diabetologe an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg, vertiefte den Aspekt, dass die Güte der Stoffwechseleinstellung zu Beginn der Diagnose auch noch viele Jahre später das Risiko für das Auftreten diabetischer Folgeerkrankungen signifikant beeinflusst. Dieser Mechanismus wird als „Legacy Effect“ bzw. „Metabolic Memory“ bezeichnet. Er basiert u. a. auf der Aktivierung zellulärer Abwehrsysteme, oxidativem Stress und der Bildung so genannter „Advanced Glycation End-Products“ (AGEs). Von großer Bedeutung für anzustrebende Zielwerte in der Diabetestherapie ist hierbei, dass die durch Hyperglykämie induzierten Mechanismen gerade auch bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels zum Tragen kommen. Die glykämische Variabilität muss also als eigenständiger Risikofaktor für das Auftreten diabetesbedingter Komplikationen angesehen werden.

Diabetesprävention konkretisiert

Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, übertrug in seinem Vortrag die auf Zellebene gewonnenen Erkenntnisse von Morcos in Vorschläge für konkrete Präventionsmaßnahmen. „Die Diabetesprävalenz liegt schon heute bei acht Millionen diagnostizierten Typ-2-Diabetikern. Bis zum Jahr 2010 werden weitere 1,5 Millionen hinzu kommen. Dramatisch hierbei ist, dass über 50% der Typ-2-Diabetiker bereits mit mikrovaskulären und kardiovaskulären Folgeerkrankungen diagnostiziert werden.“ Ein frühes, allgemeines Screening sei lohnenswert, da dann durch die Änderung des Lebensstils eine sehr erfolgreiche Diabetesprävention möglich wäre. Der glykämischen Variabilität, bei Prädiabetes insbesondere durch postprandiale Hyperglykämien, sollte auch nach Ansicht von Schwarz besonderes Augenmerk gelten.

Modernes Glukosemonitoring mit der Glukosetrias

Der Dresdner Professor Markolf Hanefeld, Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer der TU Dresden, führte die wesentlichen Erkenntnisse aus den Beiträgen seiner Vorredner für ein modernes Glukosemonitoring unter einem Begriff zusammen: Die Glukosetrias bestehend aus Nüchternblutzucker, postprandialer Glukose und glykämischer Variabiltät. „Diese drei Parameter sind entscheidend für eine effektive Glukosekontrolle und müssen im vereinbarten Zielkorridor gemanagt werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Messzeitpunkte des Patienten werden dabei je nach Art der Therapie und der persönlichen Lebenssituation festgelegt“, so Hanefeld.

Schließlich fasste der Vorsitzende Matthaei den Stufenplan der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes zusammen und betonte dabei die Bedeutung einer rechtzeitigen Insulintherapie bei Nichterreichen der Zielwerte.

Neue Ergebnisse von ADVANCE

(2009)

ADVANCE bietet neue Erkenntnisse im Kampf gegen schwere Diabetes-Komplikationen

Die neuen Ergebnisse von ADVANCE (Action in Diabetes and Vascular Disease: Preterax and Diamicron MR Controlled Evaluation), der weltweit größten klinischen Studie, an der Patienten mit Diabetes vom Typ 2 teilnahmen, führen zu wichtigen Erkenntnissen im Bezug auf Therapiemöglichkeiten mit einer effizienten und sicheren Kontrolle des Blutzuckers, um ernsthafte Komplikationen des Diabetes reduzieren zu können.(1) Die neuen Daten von ADVANCE, die auf dem IDF-Kongress (International Diabetes Federation) bekannt wurden, zeigen, dass die Wirksamkeit und Sicherheit der intensiven Kontrolle des Blutzuckers mit der Gliclazid MR (Modified Release) (Diamicron MR)-basierenden Behandlung bei unterschiedlichen Patienten unter verschiedenen klinischen Bedingungen weiterhin gegeben ist.(1) ADVANCE zeigte, dass die intensive Kontrolle des Blutzuckers mit einer auf Gliclazide MR basierenden Behandlung von Typ-2-Diabetikern das kombinierte Risiko von makrovaskulären und mikrovaskulären Komplikationen reduziert. Diese Reduktion erfolgte primär aufgrund einer Verkleinerung des Nephropathie-Risikos.(2)

Sophia Zoungas, ADVANCE Study Investigator, vom George Institute for International Health, Australien: „Die intensive Kontrolle des Blutzuckers einer auf Gliclazide MR basierenden Behandlung senkte den HbA1C, unabhängig vom Alter, der Dauer des Diabetes, des Geschlechts, des Body-Mass-Index oder des HbA1C bei Beginn der Studie sowie der anfänglichen Behandlungmethoden zur Blutzuckersenkung. Die auf Gliclazid MR basierende Behandlung zeigte eine gute Verträglichkeit mit nur wenigen schweren Hypoglykämien und keiner Gewichtszunahme.“

ADVANCE zeigte einen positiven Trend bei der Reduzierung schwerer kardiovaskulärer Komplikationen bei Patienten, die mit einer intensiven Blutzuckerkontrolle behandelt wurden.(2) Das Ergebnis wurde in einer kürzlich durchgeführten gemeinsamen Metaanalyse mit 4 Versuchen bezüglich der intensiven Blutzuckersenkung bestätigt, einschließlich ADVANCE und ACCORD, die eine signifikante Reduzierung der kardiovaskulären Komplikationen um 9% und primär eine Reduzierung der Herzinfarkte um 15% zeigten.(3) Basierend auf Beobachtungsdaten haben mehrere nationale Register (die mehr als 70.000 Typ-2-Diabetiker umfassen) kürzlich berichtet, dass Behandlungsmethoden für die Blutzuckersenkung, die Gliclazid umfassen, im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden mit einem niedrigeren Sterberisiko assoziiert werden.(4)(5)

Professor John Chalmers, ADVANCE Principal Investigator des George Institute for International Health, Australien: „ADVANCE ist ein riesiger Pool wertvoller klinischer Informationen. Aus diesem Grund planen wir fortlaufende Nachuntersuchungen der ADVANCE-Patienten und sind davon überzeugt, dass die neue Studie ADVANCE-ON(6) weltweit eine entscheidende Rolle in der künftigen klinischen Behandlung von vielen Millionen von Typ-2-Diabetikern spielen wird.“

Zusätzliche neue Daten

Auf dem IDF-Kongress boten die ADVANCE-Untersuchungssachverständigen außerdem wichtige Einblicke in die Indikatoren, die das kardiovaskuläre Risiko in dieser Bevölkerungsgruppe vorhersagen.(7) Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose, die bekannte Dauer des Diabetes, Geschlecht, Puls, behandelter Bluthochdruck, Herzflimmern, Retinopathie, HBA1C, Albumin/Kreatinin-Quotient und Nicht-HDL-Cholesterinspiegel an der Basislinie wurden als signifikanate Prädiktoren von kardiovaskulären Komplikationen beobachtet. Von den ADVANCE-Untersuchungssachverständigen wurde unter Einbeziehung dieser Variablen ein neues Tool für die Risikovorhersage entwickelt, das den Weg für ein neues „Risikomodul“ (risk engine) ebnet und möglicherweise für heutige Patientengruppen relevanter ist als ältere Risikovorhersagetools, beispielsweise die Framingham- und UKPDS-Modelle (United Kingdom Prospective Diabetes Study).(7)

Infos zu ADVANCE

ADVANCE wurde entwickelt, geleitet, überwacht, analysiert und wiedergegeben von einer kollaborativen Forschungsgruppe, die nach einem vollständigen Peer-Review vom National Health and Medical Research Council der australischen Regierung unterstützt wurde. Die Studie wurde unabhängig vom Industriesponsor durchgeführt, und das Managment Committee, zu dessen Mitgliedern keine Industrievertreter gehörten, hatte die endgültige Verantwortung für den Bericht der Ergebnisse.

Im ersten Teil von ADVANCE wurden die Auswirkungen auf das Resultat untersucht, die eine intensive Blutdrucksenkung mittels einer Kombination von Perindopril und Indapamid hat. Die Ergebnisse wurden 2007 veröffentlicht. Referenz: ADVANCE Collaborative Group; Patel A, MacMahon S, Chalmers J, Neal B, et al. Effects of a fixed combination of perindopril and indapamide on macrovascular and microvascular outcomes in patients with type 2 diabetes mellitus (the ADVANCE trial): a randomised controlled trial. Lancet. 2007;370:829-840.

Im zweiten Teil von ADVANCE wurden die Auswirkungen der intensiven Blutzuckerkontrolle mit einer auf Gliclazid MR basierenden Behandlungsmethode untersucht. Die Hauptergebnisse wurden 2008 veröffentlicht. Diese Ergebnisse zeigten, dass die intensive Kontrolle den kombinierten makro- und mirkovaskulären Endpunkt (18,1% versus 20,0%; Gefahrenverhältnis (HR) 0,90; 95% Konfidenzintervall 0,82 bis 0,98; P=0,013) reduziert. Schwerwiegende mikrovaskuläre Probleme wurden reduziert (9,4% versus 10,9%; HR 0,86 [0,77 bis 0,97]; P=0,014), primär aufgrund einer Reduzierung der Nephropathie (4,1% versus 5,2%; HR 0,79 [0,66 bis 0,93], P=0,006), ohne signifikante Retinopathie (P›0,1). Referenz: ADVANCE Collaborative Group; Patel A, MacMahon S, Chalmers J et al. Intensive blood glucose control and vascular outcomes in patients with type 2 diabetes. NEJM 2008; 358: 2560-2572

Das George Institute for International Health ist eine international anerkannte Forschungseinrichtung, die High-Impact-Forschungen zu den verschiedensten Gesundheitsthemen durchführt. Das Institut ist führend in den Bereichen klinische Studien, Gesundheitspolitik und Kapazitätsaufbau. Das Institut verfügt über ein globales Netzwerk von Spitzenmedizinern in verschiedenen Forschungsgebieten und mit einschlägiger Expertise in Forschungsmethodik, Projektmanagement sowie statistischer und Datenanalyse. Als angesehene Stimme unter den politischen Entscheidungsträgern der Welt wird das Institut von Regierungen, philanthropischen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen finanziell unterstützt. Über die Forschungsarbeit des George Institute wird regelmäßig in den höchstrangigen internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschriften berichtet. Der National Health & Medical Research Council of Australia ist das Spitzengremium der australischen Regierung in Sachen Gesundheit und medizinische Forschung. Es bietet Gesundheitsberatung für Kommunen, Mediziner und Regierungsbehörden in Australien und berät im Hinblick auf Fragen des ethischen Verhaltens im Gesundheitswesen und in der Durchführung der Gesundheits- und medizinischen Forschung. Der für die Forschungsfinanzierung zuständige Zweig des französischen Pharmazieunternehmens Servier ist das Institut de Recherche International Servier.

www.advance-trial.com

Referenzen

  • Chalmers J, Zoungas S, Ninomiya T, u.a. Neue Ergebnisse von ADVANCE. IDF-Kongress, Vortragseinladungen, 22. Oktober 2009. Montreal, Kanada.
  • ADVANCE Collaborative Group. Intensive blood glucose control and vascular outcomes in patients with type 2 diabetes. N Engl J Med. 2008; 358:2560-2572.
  • Turnbull F, Abraira C Anderson R Byington R Chalmers J et al. Intensive glucose control,and macrovascular outcomes in type 2 diabetes. Diabetologia, ePub Vorabdruck, 5. August 2009
  • Schramm TK. Eur Heart J. 2009;30(suppl):304. Abstract ESC Kongress 2009
  • Khalangot M et al, Diabetes Res Clin Pract. 29. Sep. 2009 [Epub Vorabdruck]
  • Zoungas S, Patel A, Neal B, et al ADVANCE-ON: a post-trial observational study. Oral presentation, IDF Kongress, 21. Oktober 2009, Montreal, Kanada
  • Kengne AP, Patel A, Colagiuri S, u.a. Derivation of the ADVANCE models for predicting the risk of major cardiovascular disease in people with diabetes. Oral presentation, IDF Kongress, 20. Oktober 2009, Montreal, Kanada

PINGUIN-Studie

(2009)

Studie der Forschergruppe Diabetes in München: Postpartale Intervention bei Gestationsdiabetikerinnen unter Insulintherapie

– die PINGUIN-Studie – Hilfe für Schwangerschaftsdiabetikerinnen

Wenn Frauen während ihrer Schwangerschaft an einem insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes erkranken, beträgt das Risiko für sie 61%, in den ersten 3 Jahren nach der Geburt einen Typ 2 Diabetes mellitus zu entwickeln. Hier möchte PINGUIN eingreifen.

PINGUIN ist deutschlandweit die 1. Placebo-kontrollierte Präventionsstudie zum Typ 2 Diabetes nach einem Gestationsdiabetes. Die Einnahme von Vildagliptin (Galvus®) hemmt den Abbau des körpereigenen Hormons Glucagon-likepeptide 1 (GLP-1), das für die Insulinausschüttung während der Nahrungsaufnahme zuständig ist. Dadurch verbleibt GLP-1 länger im Blut und kurbelt die Insulinausschüttung an. Das hat den positiven Effekt, dass der Blutzuckerhaushalt ausgeglichen wird. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass vermutlich auch eine Entzündung in der Bauchspeicheldrüse am Krankheitsprozess des Typ 2 Diabetes beteiligt ist. Im Tierversuch hat man festgestellt, dass Vildagliptin diese Entzündung heilen kann. Es ist davon auszugehen, dass Vildagliptin auch bei dieser Hochrisikogruppe der Gestationsdiabetikerinnen eine regenerative Wirkung auf die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse hat.

Dieser Erfolg soll den Teilnehmerinnen dieser Untersuchung zugute kommen. Vildagliptin ist seit September 2007 in Europa zur Behandlung des Typ 2 Diabetes zugelassen. Ziel dieser Untersuchung ist es, mit diesem Wirkungsprofil die Entwicklung zum Typ 2 Diabetes zu verhindern. Zur Therapie im Rahmen der PINGUIN-Studie gehört neben der Einnahme von Vildagliptin auch eine intensive Beratung zu Ernährung und körperlicher Aktivität.

Übergewicht gilt als einer der Hauptauslöser für Typ 2 Diabetes. Deshalb ist es wichtig, neben der medikamentösen Behandlung auch diesen Aspekt im Auge zu behalten. Wir möchten die Chance nutzen, diese jungen Frauen vor dem Typ 2 Diabetes zu schützen, und hoffen, dass dies ein zukunftsweisender Präventionsansatz ist, so Frau Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des Instituts für Diabetesforschung in München.

Die Behandlung mit Vildagliptin ist ganz einfach.

Der Wirkstoff wird in Tablettenform einmal am Tag morgens eingenommen. Vildagliptin wirkt nur in Verbindung mit einer Mahlzeit. So ist die Gefahr einer Unterzuckerung so gut wie ausgeschlossen.

Mitmachen können alle Schwangerschaftsdiabetikerinnen, die

  • während ihrer letzten Schwangerschaft einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatten, danach aber ohne Insulin oder Diät wieder normale Blutzuckerwerte haben
  • vor weniger als 9 Monaten entbunden haben
  • mindestens 18 Jahre alt sind.

Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos

Interessierte melden sich bei der Forschergruppe Diabetes, PINGUIN-Team unter der

Telefonnummer 089 30682917 oder
per Mail an: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

Detaillierte Informationen zum Thema PINGUIN-Studie erhalten Sie unter www.pinguin-studie.de

Hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

(2009)

Studien-Zwischenergebnis zur Kombinationstherapie Insulin plus Pioglitazon

Kombinierte Therapie hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Berlin – Eine Ursache des Diabetes Typ 2 besteht in der Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber der biologische Wirkung von Insulin. Ist diese Insulinresistenz ausgeprägt, wirkt auch das zugeführte Insulin im Rahmen einer Diabetes-Therapie nicht effektiv genug. Sogenannte Insulin-Sensitizer erhöhen die Insulin-Empflindlichkeit wieder. Seit 2007 ist in Deutschland eine kombinierte Therapie des Wirkstoffes Pioglitazon mit Insulin zugelassen. Die kürzlich veröffentlichte Zwischenauswertung einer laufenden Studie zeigt, dass diese Kombination effektiv und sicher ist.

Ärzte können die Kombination aus Insulin plus Insulin-Sensitizer Pioglitazon bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und einer ausgeprägten Insulinresistenz einsetzen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei ihnen die Standard-Kombination Insulin und Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht möglich ist. Diesen Patienten gelingt es trotz sehr hoher Insulindosen nicht, den Blutzucker langfristig zu normalisieren.

An der laufenden Studie beteiligen sich mehr als 4000 Patienten, die mit der Kombination Insulin und Pioglitazon behandelt werden. Die Befunde wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben. Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 2086 Patienten aus 408 diabetologischen Studienzentren zeigt positive Ergebnisse: „Die Blutzuckerwerte sanken um nahezu einen Prozentpunkt von 8,22 auf 7,26 Prozent“, erläutert Erstautor Privatdozent Dr. med. Rainer Lundershausen, Erfurt. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE empfehlen 6,5 Prozent als Ziel in der Diabetestherapie. Gleichzeitig benötigten die Patienten 22 Prozent weniger Insulin. Eine weitere günstige Begleiterscheinung der Behandlung waren bessere Blutdruck- und Blutfett-Werte der Studienteilnehmer. Die Therapie war mehrheitlich gewichtsneutral: Einige stark Übergewichtige nahmen deutlich ab, während einige andere Patienten an Gewicht zulegten.

Die meisten Patienten vertrugen die Kombination der beiden Medikamente gut. Bei jedem siebten Patienten kam es zu Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Ödeme bildeten sich aber unter der Therapie mit einem harntreibenden Mittel zurück. Kein Patient musste die Therapie deshalb abbrechen. Andere, bereits bekannte Komplikationen von Pioglitazon, wurden nicht beobachtet. Insbesondere können neben Wassereinlagerungen auch Herzschwäche oder erhöhte Anzahl von Knochenbrüchen bei Frauen auftreten.

Erhalten Patienten die Kombinationstherapie zum ersten Mal, sollte der Arzt die Insulindosis individuell reduzieren, um Unterzuckerungen vorzubeugen. diabetesDE und die DDG empfehlen, diese Patienten in den ersten Wochen intensiv zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Auftreten von Herzinsuffizienzsymptomen. „Die Auswertungen zeigen, dass Pioglitazon in Kombination mit Insulin schneller zur Wirkung kommt als in der Pioglitazon-Monotherapie“, betont Diabetologe Lundershausen. Entscheidend für einen unproblematischen Einstieg in diese Therapieform sei deshalb die kontinuierliche Anpassung der Insulindosis.

Zugelassene Insulin-Sensitizer sind in Deutschland Rosiglitazon und Pioglitazon. Sie erhöhen unter anderem die Insulinempfindlichkeit von Leberzellen, Muskulatur und Fettgewebe: Die Zellen nehmen dadurch mehr Zucker auf. Die Leber hingegen schränkt ihre Glukoseproduktion ein. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel sowohl nüchtern als auch nach Mahlzeiten.

Technologie zur Wundbehandlung

(2009)

Diabetes mellitus – eine Massenerkrankung

Alle 2 Sekunden entwickelt ein Mensch Diabetes. Alle 10 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Alle 30 Sekunden wird eine Amputation an den unteren Gliedmaßen als Folge von Diabetes vorgenommen. Diabetes mellitus ist zu einer weltweit verbreiteten Massenerkrankung geworden. Laut der „International Diabetes Federation“ sind aktuell 246 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Anzahl der Diabetes-Kranken bis zum Jahr 2025 auf 380 Millionen steigen wird.

2007 zählte Deutschland als einziges EU-Land zur Gruppe der 5 Länder mit den meisten Diabetikern. Angeführt wird diese Liste von Indien mit 40,9 Millionen Diabetikern, gefolgt von China mit 39,8 Millionen, die Vereinigten Staaten mit 19,2 Millionen, Russland mit 9,6 Millionen und Deutschland mit 7,4 Millionen Diabetikern. Bezogen auf den Anteil der Diabetiker an der Bevölkerung nimmt Deutschland mit 9% (7,4 Millionen Diabetiker bei 82 Millionen Deutschen) die unrühmliche Spitzenposition aus der Gruppe dieser 5 Länder ein. Platz 2 in diesem Negativranking wird von Russland mit 6,8% eingenommen, dicht gefolgt von den USA mit 6,1%. Platz 4 belegt Indien mit 3,4% und Platz 5 belegt China mit 2,9%. Die Anzahl der Diabetiker wächst jährlich um 7 Millionen weiter – so die Aussage des „International Diabetes Federation“.

Typen und Ursachen von Diabetes mellitus

Man unterscheidet Diabetes Typ1, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes sowie andere spezifische Diabetes Typen. Während es sich beim Typ1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, findet man die Ursachen für den Typ 2 vor allem in der Fettleibigkeit von Menschen sowie in deren mangelnde Bewegung. Und: Mehr als 90% der Diabetiker sind Typ-2 Diabetiker.

Und die Folgen von Diabetes?

Der Tod von jährlich 3,8 Millionen Menschen wird den Folgen von Diabetes zugeordnet. Damit ist Diabetes die vierthäufigste Todesursache. Fast alle Typ-2-Diabetiker haben auch Bluthochdruck, welcher weitere Spätfolgen vor allem an den Augen, den Nieren und den großen Blutgefäßen nach sich ziehen kann. Beispielsweise Diabetische Retinopathie, eine Erkrankung der Netzhaut des Auges. Geschädigt werden kleine Blutgefäße, was zu einer Minderung der Sehschärfe sowie einer Einschränkung des Gesichtsfeldes führt und bis zur Erblindung führen kann. In Europa und Nordamerika ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren.

Weitere Folgeerkrankungen sind bspw. Neuropathie (Erkrankungen des peripheren Nervensystems), Herzinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Apoplex (plötzliche Durchblutungsstörungen), Niereninsuffizienz oder auch Amputationen. 70 Prozent der Amputationen in Deutschland betreffen Diabetiker. In Zahlen heißt das 40.000 Amputationen an Diabetikern in Deutschland jährlich.

Und die Behandlungsmöglichkeiten?

Bei Typ-2 Diabetikern wird vor allem eine Gewichtsabnahme sowie vermehrte Bewegung als Therapie angeraten. Doch wenn nun bereits die Amputation oder Erblindung droht? Einige Unternehmen haben sich auf die Behandlung solcher Patientengruppen spezialisiert:

Tissue Therapies

Das an der ASX in Sydney gelistete Unternehmen Tissue Therapies hat sich auf Wundbehandlungen spezialisiert. Auf Wunden, die schlecht oder gar nicht heilen. Wie bei vielen Diabetikern. Die zugrundeliegende VitroGro®-Technologie befindet sich derzeit in klinischen Tests, u.a. in Toronto, Kanada.

Aktuell findet eine Studie in Toronto zur Behandlung von Diabetes- und Venen-Geschwüren statt. Zwischenergebnisse des 1. in dieser kanadischen Studie (10 Patienten) behandelten Patienten zeigten eine 29%ige Reduktion des Diabetes-Geschwürs innerhalb von 6 Wochen, nachdem konventionelle Behandlungsmethoden über einen Behandlungszeitraum von über 2 Jahre nicht anschlugen. Das Unternehmen Thissue Therapies wertet dieses Resultat als sehr bemerkenswert, denn bei diesem Patienten (Raucher, Langzeitdiabetiker, Bluthochdruck, zahlreiche Diabetes-Geschwüre) war bereits eine Amputation aufgrund eines Diabetes-Geschwürs vorgenommen worden und es war vor dem Behandlungsbeginn erwogen worden, den Fuß aufgrund der anhaltenden Schmerzen, sozialen Isolation sowie der reduzierten Mobilität zu amputieren. Bei einem weiteren 60-jährigen Diabetiker (auch Dialyse-Patient), welchem bereits untere Gliedmaßen als Folge von Diabetes amputiert worden waren, reduzierte sich das Fußgeschwür um 32% innerhalb von 6 Wochen.

pSivida Ltd.

pSivida Ltd, ein gelistetes australisch-amerikanisches Unternehmen, ist spezialisiert auf „Trägersysteme“ für Medikamente, welche nur langsam und über einen längeren/langen Zeitraum an den Körper abgegeben werden sollen. Das Produkt IluvienTM wurde zur Behandlung von diabetischem Makulaödem entwickelt. Ein diabetisches Makulaödem ist bei Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, die häufigste Ursache für eine Verschlechterung der Sehschärfe. Iluvien wird in den hinteren Teil des Auges mit einer Nadel injiziert und kann dann über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren entsprechende Medikamente im Auge freisetzen.

Rauchen und Körpergewicht

(2009)

Warum nehmen Ex-Raucher zu?

Um dies zu klären, startete die Uni Dresden einen Rauchentwöhnungskurs der besonderen Art

Das Problem ist lange bekannt: Wer mit dem Rauchen aufhört, wird leicht im Anschluss mit einer Gewichtszunahme „bestraft“. Untersuchungen haben gezeigt, dass Ex-Raucher nach sechsmonatiger Abstinenz durchschnittlich fünf Kilo an Körpergewicht zugelegt haben. Nach fünf Jahren bringen etwa jede fünfte Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige Raucher führen diese Effekte auf einen spürbar gesteigerten Appetit zurück.

Zwickmühle gerade für Diabetiker

Für Diabetiker ist das Dilemma besonders groß: Einerseits sollten sie dem blauen Dunst ade sagen, weil Rauchen die vom Blutzucker eh schon angegriffenen Gefäßwände schädigt, Insulinresistenz fördert und das Risiko für Infarkte steigert. Letztlich sterben die meisten Zuckerkranken an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andererseits sollen Diabetiker ihr Körpergewicht auf Normalmaß bringen und halten, weil Übergewicht dieselben Risiken verstärkt, Diabetes und Herz-Kreislauf-Gefahr fördert. Daher stellt eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp eine zusätzliche Hürde für die Entwöhnungswilligen dar.

Obgleich das Dilemma lange bekannt ist, zeigen die verfügbaren Entwöhnungsprogramme für Raucher kaum Möglichkeiten auf, eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Das Rauchfrei-Therapieprogramm

Dies wollen Forscher des Universitätsklinikums Dresden ändern. In einer Studie mit freiwilligen Teilnehmern wollen sie herausfinden, wie sich die Gefahr der Gewichtszunahme während und nach einer Raucherentwöhnung senken lässt. Dazu bieten sie in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der Technischen Universität eine Entwöhnungsbehandlung an. Untersucht werden sollen 75 Raucher vor und nach dem Rauchstopp und drei bzw. sechs Monate danach. Der Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm, dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. In Gruppensitzungen, Telefongesprächen und mit Hilfe eines Pakets von Materialien werden die Teilnehmer fundiert über die Rauchentwöhnung und ihre Fallstricke aufgeklärt und auf ihrem Weg aus dem blauen Dunst unterstützt.

Entwöhnung im Dienst der Wissenschaft

Während der Studie werden bei den Probanden die Blutspiegel bestimmter Hormone gemessen, wie Insulin, Leptin und Ghrelin. Diese Hormone sind an der Appetitregulation beteiligt und ihre Ausschüttung wird durch Nikotinzufuhr bzw. Rauchstopp verändert. Das „Speicherhormon“ Insulin fördert den Aufbau von Fett. Das im Magen gebildete Hormon Ghrelin regt den Appetit an, während Leptin hier als Gegenspieler auftritt.

Veränderungen im Haushalt dieser appetitregulierenden Botenstoffe könnten die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp erklären, meinen die Forscher. Außerdem ist bekannt, in welchen Hirnregionen Informationen über Hunger und Sättigung verarbeitet werden (z.B. Hypothalamus, Lobus frontalis). Mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Kernspintomographie wird daher auch untersucht, wie diese Hirnstrukturen bei Nikotinentzug reagieren und wie sie zusammenwirken.

Zertifizierter Kurs

Das Rauchfrei-Programm, in dessen Rahmen die Untersuchungen stattfinden, wurde von den Krankenkassen zertifiziert. Sie übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten. Die Studienteilnehmer erhalten außerdem eine Aufwandsentschädigung. Entwöhnungswillige Nikotinjünger aus dem Raum Dresden können sich gerne unter der Telefonnummer 0351 46342205 melden.

Blutzuckerselbstkontrolle

(2009)

Teuer und nicht sexy

Technisches, Praktisches und Erstaunliches erfuhren die Teilnehmer eines Symposiums zur Blutzuckermessung im Rahmen der DDG-Herbsttagung in Berlin. So unter anderem, dass es ein solches Symposium auf dem EASD-Kongress nicht gab – trotz jährlicher Kosten von 700 Millionen Euro.

Man stelle sich das einmal vor: Auf der nächsten DDG-Tagung würde statt über die Leistung bei Blutzuckersenkung und Ereignisvermeidung über die Farbe der Tablette diskutiert werden – undenkbar. Für den Bereich der Blutzuckermessgeräte scheint Prof. Dr. med. Lutz Heinemann dies nicht für komplett ausgeschlossen zu halten, denn gleich zum Beginn des von ihm moderierten Symposium „Blutzuckermessung – Magie der Zahlen“ auf der DDG Herbsttagung drückte er seine Freude aus, „dass man sich weniger über die Farbe des Gehäuses unterhält denn über die Güte der Messung.“

Das von Menarini Diagnostics unterstützte Symposium informierte in drei Vorträgen über den richtigen Zeitpunkt, das richtige Messgerät und den richtigen Wert der Blutzuckermessung – und wie sehr sich die Koryphäen der Szene über eine solche Veranstaltung freuen, zeigt, dass das Thema im Alltag des Medizinbetriebs wohl wirklich ein wenig abseits steht.

Wann misst man postprandial?

Dr. med. Guido Freckmann vom Ulmer Institut für Diabetes-Technologie versuchte eine Antwort auf die Frage, wann man postprandial den Blutzucker messen sollte. Noch vorher müsse man aber wissen, welche postprandialen Werte man denn erreichen will, sonst könne man die Messung auch weglassen, warnte Freckmann.

Seine Gruppe hat dazu Untersuchungen an 24 Gesunden gemacht, die Standardabweichung des Werts sei bei Gesunden zwei Stunden nach einer Mahlzeit am geringsten, sein Maximum erreiche der Blutzucker bei ihnen zwischen 35 und 55 Minuten nach dem Essen. „Was sehr einheitlich ist, ist dass Gesunde rasant hoch und rasant runter gehen“, die höchsten Werte lagen um die 160. Bei gleicher Mahlzeit waren in entsprechenden Versuchen an Diabetikern die Blutzucker-Ausschläge nach dem Frühstück am höchsten, hier sei sogar bei kurzwirksamen Analoga ein Spritz-Ess-Abstand ratsam, so Freckmann. Nach seiner Erfahrung kann man mit Messungen vor dem Essen sowie eine, zwei und dreieinhalb Stunden nach der Mahlzeit die Blutzucker-Kurve ähnlich gut erfassen wie mit kontinuierlichen Glukose-Messsystemen. Für Maxima sei der Ein- oder Eineinhalb-Stunden Wert wahrscheinlich besser als der Zwei-Stunden-Wert, fasste er die Ergebnisse zusammen.

Messbare Erfolgsgeschichte

Über den „bunten Zoo“ der Blutzuckermessgeräte und die vielfältigen möglichen Einflussfaktoren auf deren Genauigkeit referierte der Labormediziner Dr. med. Christoph Niederau aus Dortmund. Als „gute Nachricht“ und „schönen Erfolg“ bezeichnete er die Entwicklungsgeschichte der Patientengeräte, deren Variationskoeffizienten seien „gut akzeptabel“. Unter den zahlreichen potentiellen Einflussfaktoren auf die Güte der gesamten Blutzucker-Messung hob Niederau Grundlegendes wie durch zu starkes Drücken bei Blutgewinnung hinzukommendes Gewebswasser hervor, aber auch eher Unbekanntes wie die in allen Beipackzetteln zu Messgeräten zu findende Warnung vor einem eingeschaltetem Handy in der Nähe des Geräts wegen elektromagnetischer Strahlung.

Auch eine Anekdote am Rande erzählte der Dortmunder Mediziner zum Thema Einflussfaktoren: Ein Hersteller von Messgeräten evaluiere seine Produkte zum Beispiel in den peruanischen Anden, da dort ein niedriger Sauerstoff-Partialdruck und Menschen mit einem hohen Hämatokrit zusammen vorzufinden sind. Eine gute Schulung, so der Labormediziner zum Schluss, sei aber ein viel beeindruckenderer Faktor als alle technischen Details für die Messgenauigkeit: Niederau zeigte eine Studie von Skeie und Kollegen, in der von Patienten aufgenommene Messreihen mit denen des technischen Personal verglichen wurden; die Werte der Fachkräfte lagen deutlich näher beieinander als die der Patienten. Während die Fachkräfte in der Studie zwischen 0 und 20 Prozent über dem mit einer Referenzmethode gemessenem Wert lagen, streuten die Patienten zwischen plus und minus 40 Prozent.

Wenig Daten

Heinemann selbst wies in seinem Vortrag mit dem Untertitel „Sind alle Messgeräte gleich?“ darauf hin, dass man bei einer Recherche nach Studien zum Thema Blutzuckermessung kaum Publikationen findet. Einige Fragestellungen, die er gerne einmal beantwortet hätte, nannte der Düsseldorfer Diabetestechnik-Experte:

  • Wie hoch ist die dem verwendeten Enzym und anderen Herstellungsfaktoren geschuldete Variabilität zwischen den verschiedenen Chargen der Teststreifen, auch jetzt in der Ära „ohne Codierung“?
  • Wie verändert sich die Leistung mit der Lebensdauer der Geräte?

Auch eine Clamp-Studie mit Blutzuckermessgeräten wünscht Heinemann sich, da gerade deren Richtigkeit und Präzision bei einem definiertem Glukosewert unter- und oberhalb des üblichen Bereichs 80 bis 200 mg/dL interessant seien. „Das Thema Blutzuckermessung ist nicht sexy genug“, fasst er die Lage zusammen, auf dem letztjährigen EASD-Kongress in Rom habe es zum Beispiel keine einzige Session zu diesem Komplex gegeben – bei rund 700 Millionen Euro Kosten in Deutschland im Jahr sei das erstaunlich.

Er wies auch darauf hin, dass mitnichten alle in Deutschland auf dem Markt befindlichen Geräte die Iso-Norm 15197 erfüllen müssen, lediglich ein CE-Zeichen ist Pflicht. Heinemann plädierte für einen Führerschein für Blutzuckermessgeräte, ganz wie beim Auto mit Theorie- und Praxis-Teil, inklusive dem Thema „Was tue ich mit dem Wert?“. Ein Plädoyer anderer Art erwartet Heinemann auch demnächst: Gerüchteweise komme der Iqwig-Vorbericht zur Blutzucker-Selbstkontrolle Anfang 2009.

Saisonale Grippe

(2009)

Saisonale Grippeimpfung – für chronisch Kranke ein Muss

Im Zuge der Impfung bestimmter Bevölkerungsgruppen gegen die Neue Grippe Typ H1N1 – die Schweinegrippe – sollte die Impfung gegen die jährlich auftretende, saisonale Grippe nicht vergessen werden. Der Kreis der Personen, für die die beiden Formen der Grippeimpfung empfohlen werden, unterscheidet sich zum Teil. Eine Gruppe, für die in jedem Fall beide Impfungen – gegen die Schweinegrippe und die saisonal auftretende Grippe – empfohlen wird, ist die Gruppe der Menschen mit chronischen Erkrankungen. Doch gerade dieser besonders stark durch die Grippe gefährdete Personenkreis hat sich hier bisher nachlässig gezeigt – zu wenige ließen sich in den letzten Jahren gegen die saisonale Grippe impfen.

Nur jeder vierte chronisch Kranke gegen saisonale Grippe geimpft

Während sich gut die Hälfte der Über-60-Jährigen, für die die saisonale Grippe ebenfalls eine besonders große Gefahr darstellt, jedes Jahr impfen lässt (56% im Winter 2007/2008), sind von den chronisch kranken Menschen nur wenig mehr als ein Viertel vor der saisonalen Grippe geschützt (28% im Winter 2007/2008). Dabei kann die Infektion gerade für diese Gruppe sehr gefährlich sein, warnt Dr. Peter Lehmann, der als Internist in München häufig Grippeerkrankungen behandelt: „Bei chronisch Kranken ist die körpereigene Abwehr oft geschwächt, deshalb erkranken sie schwerer und sie leiden häufiger unter Komplikationen einer Grippe als gesunde Menschen“, so der Grippe-Experte.

Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe zählen laut Dr. Lehmann Lungenentzündungen, schwere Bronchitis, Herzinfarkte und Schlaganfälle. „Außerdem kann sich die chronische Erkrankung durch eine Grippe erheblich verschlimmern“, sagt Dr. Lehmann. So kann es zum Beispiel bei Asthma-Erkrankungen durch eine Grippe zu besonders schweren Asthma-Attacken kommen. Asthmatiker gehören daher wie auch Menschen mit chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und angeborener oder erworbener Immunschwäche zu dem Personenkreis, für den eine Impfung gegen die saisonale Grippe ausdrücklich von den Gesundheitsbehörden empfohlen wird. „Wer an einer chronischen Erkrankung leidet und noch nicht gegen saisonale Grippe geimpft ist, sollte dies umgehend nachholen“, rät Lehmann daher.

Die Impfung gegen die saisonale Grippe ist gut verträglich

Standard-Grippeimpfstoffe sind bei gesunden, jüngeren Erwachsenen gut wirksam. Bei chronisch Kranken kann jedoch die Schutzwirkung der Impfung mit einem gewöhnlichen Grippeimpfstoff etwas geringer ausfallen. Grund ist das schwächere Immunsystem bei dieser Gruppe, das in manchen Fällen zur Folge hat, dass nach der Impfung weniger Antikörper gegen die Grippeerreger gebildet werden. Deswegen auf die Impfung zu verzichten, wäre aber völlig falsch, meint Dr. Lehmann: „Ein etwas geringerer Schutz gegen die Grippe ist in jedem Fall besser als gar keiner – gerade bei diesen besonders gefährdeten Patienten.“

Vorteile durch wirkungsverstärkten Impfstoff

Vorteile bei Menschen mit geringerer Immunfunktion bietet der Einsatz eines wirkverstärkten Grippeimpfstoffs (Fluad®). Ein solcher Impfstoff steht bereits seit über 12 Jahren für Menschen ab 65 Jahren zur Verfügung und hat sich bei diesem Personenkreis bewährt. Er enthält eine wirkungsverstärkende Substanz (MF59), die die Reaktion des Immunsystems auf Impfungen steigert und dazu führt, dass bei den geimpften Senioren mehr Antikörper gegen Grippeviren gebildet werden als bei Standardimpfstoffen. Auf diese Weise wird auch bei dieser Gruppe trotz schwächerem Immunsystem ein besserer Schutz gegen die Grippe erzielt. Hinzu kommt, dass dieser Impfstoff auch dann noch schützt, wenn plötzlich leicht veränderte Grippeviren kursieren sollten. Ein weiteres wichtiges Argument für die Impfung ist die Auswertung von Fallkontrollstudien, die bei entsprechend geimpften Senioren im Vergleich zu Ungeimpften einen erheblichen Rückgang akuter stationärer Klinikaufenthalte aufgrund von Grippe-Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Schlaganfällen und akuten Herzerkrankungen während der Grippesaison gezeigt hat. Die Impfung ist gut verträglich. MF59 besteht im Wesentlichen aus Squalen, einer Substanz, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Die Substanz wird nach der Impfung vollständig im Körper abgebaut.

Weitere Informationen unter: www.influenza.de