News-Archiv: vor 2010

Stoffwechsel-Gedächtnis

(2009)

Unvergesslicher Diabetes

Stoffwechsel-Gedächtnis „lernt“ schädlichen Zuckerabbau

Gelernt ist gelernt. – Was für den Schüler die Basis des Erfolgs darstellt, ist für den Zuckerkranken allem Anschein nach die Basis schlimmer Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Augenschäden, Nervenschäden und Herzinfarkt: Wie US-amerikanische und britische Wissenschaftler in der renommierten Fachzeitschrift „Diabetic Medicine“ berichteten, hat auch unser Stoffwechsel ein Gedächtnis.

Dieses Stoffwechsel-Gedächtnis merkt sich quasi bei erhöhten Blutzuckerspiegeln krankhafte Stoffwechselwege. Schon in einem sehr frühen Stadium des Diabetes „lernt“ der Körper schädliche Zuckerabbauwege, welche Folgeschäden an Nerven, Blutgefäßen und Organen entstehen lassen. Sind diese Prozesse einmal initiiert, laufen sie auch dann weiter ab, wenn der Blutzucker später wieder gut eingestellt ist. Als Verursacher dieses Stoffwechselgedächtnisses ist eine durch den erhöhten Blutzucker ausgelöste irreversible Verzuckerung von Eiweiß-Molekülen in den Zellen anzusehen. Durch sie wird eine Kaskade an zerstörerischen Prozessen in Gang gesetzt. Unter anderem werden toxische Zucker-Eiweiß-Verbindungen, so genannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts), gebildet, die massiv die Folgeschäden des Diabetes vorantreiben.

„Für den Diabetiker bedeutet das, dass Frühdiagnose und intensive Frühtherapie für die Prognose ganz entscheidend sind“, kommentierte die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Primäre Maßnahme ist eine konsequent gute Blutzuckereinstellung. Eine weitere Strategie gegen den folgenschweren Lernprozess des Stoffwechsels und die Begleiterkrankungen des Diabetes sehen die Autoren in einer medikamentösen Unterdrückung der AGE-Bildung.

Ermutigende Nachrichten kommen hier aus der Biofaktoren-Forschung: „Studien zeigten, dass eine Vorstufe vom Vitamin B1, das Benfotiamin, die Bildung von AGEs im diabetischen Stoffwechsel wirksam hemmt“, erklärte die GfB. Benfotiamin aktiviere nach Ausführung der Wissenschaftler von der GfB ein körpereigenes Entgiftungsenzym, das den Zuckerabbau auf einen harmlosen Stoffwechselweg leitet. Dadurch werden im Frühstadium des Diabetes die Lernvorgänge unterbunden, aber auch in einem späteren Stadium noch die zur Gefäß-, Nerv- und Organschädigung beitragenden Mechanismen verzögert. Die vitaminähnliche Substanz wird schon seit vielen Jahren erfolgreich in der Prävention und Therapie diabetischer Nervenerkrankungen (Neuropathien) eingesetzt. Experimentell konnte Benfotiamin auch diabetische Nieren- und Augenschäden verhindern.

Literatur
Diabet. Med. 24, 582-586 (2007) – Weitere Infos: www.gf-biofaktoren.de

Gesundheitsrisiko verringern

(2009)

Macht Gesundheitspolitik krank?

Ärzte gegen Steuerverschwendung des Gesundheitsministeriums

Bertram Steiner, Sprecher der Gruppe „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“: „Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verschwendet Steuergelder, um für die SPD Wahlkampf zu machen. Das BMG versucht im Vorwahlkampf, auf Kosten des Steuerzahlers die gescheiterte Gesundheits- und Honorarreform schönzureden“. Steiner hat die Gruppe „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“ im Online-Ärztenetzwerk „Hippokranet.de“ gegründet.

Diabetes-News Gesundheitspolitik Macht Krank

Die Anzeigenserie des Gesundheitsministeriums scheint eine verzweifelte Reaktion auf die in immer mehr Arztpraxen des Landes hängenden Plakate der „Aktion 15 Prozent für die SPD“ zu sein, die von anderen Ärzten im gleichen Netzwerk gestartet wurde, sagt der Berliner Zahnarzt. Seine Gruppe hat eine Gegenversion der Anzeige ins Internet gestellt, die ebenfalls von Arztpraxen geladen, ausgedruckt und in die Wartezimmer der Praxen gehängt werden wird.

„Im System der gesetzlichen Krankenversicherung fließt viel Geld. Insgesamt 150 Mrd. Euro. Doch für die niedergelassenen Ärzte gibt es davon nur etwa 15 Prozent. Eineinhalb Zehntel für die Ärzte, die für Sie Tag und Nacht da sind, wenn Sie sie brauchen. Der Rest wird für die Krankenhäuser, für Medikamente und anderes, vor allem für eine undurchsichtige Bürokratie verbraucht. Eine Bürokratie, unter der die Ärzte und die Patienten leiden“, heißt es unter anderem in der Anzeige, die unter der URL www.hippokranet.de/wahlkampf zu laden ist.

„Die Ärzte appellieren an die Vernunft aller Bundesbürger: Ergreifen Sie die Chancen, die eine Bundestagswahl bietet. Machen Sie durch Ihre Wahl deutlich, dass Sie nicht mehr bereit sind, das von dieser Regierung angerichtete Chaos hinzunehmen“, appelliert die „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“ an die Patienten: „Wir haben noch Abermillionen Patientenkontakte bis zur Wahl. Die werden zehntausende von Kollegen zur Patientenaufklärung über die gescheiterte Gesundheitspolitik der großen Koalition nutzen, Tag für Tag“, kündigt Steiner an

Das Online-Netzwerk Hippokranet.com ist die gemeinsame Forums- und Netzwerkplattform der Fachinformationsdienste Facharzt.de, Hausarzt.de und zaend.de. Insgesamt sind hier weit über 40.000 Nutzer registriert, es finden sich in unzähligen Gruppen mehrere 100.000 Beiträge. Einzigartig im Internet: Die Plattform wird seit Jahren von ihren eigenen Lesern finanziert. Mehr als 7.000 Abonnenten zahlen freiwillig für die Nutzung, die sie problemlos auch kostenlos haben könnten.

Neue Wirkstoffe gesucht

(2009)

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Prof. Dr. Hannelore Daniel vom Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie in ihrem Labor am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München (Bild: TUM)

Suche nach neuen Wirkstoffen – Ziel: Zuckeraufnahme im Darm hemmen

Neue Wege bei der Diabetes-Prävention

Ernährungsforscher, Gesundheitspolitiker und Mediziner haben ein gemeinsames gesundheitspolitisches Ziel: Sie wollen die beiden Geißeln der Zivilisationsgesellschaft – Übergewicht und Diabetes – eindämmen. Am Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie der TU München (TUM) startete ein Forschungsprojekt, das neue Wege zur Vorbeugung von Diabetes finden soll. Dieses Projekt zur Entdeckung neuer Präventionsmöglichkeiten wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen seiner Projekte zur Biomedizinischen Ernährungsforschung 3 Jahre lang mit insgesamt 1,1 Millionen Euro gefördert.

Der Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie der Technischen Universität München unter Leitung von Frau Prof. Hannelore Daniel geht gemeinsam mit Kollegen anderer Forschungseinrichtungen und Biotech-Firmen der Frage nach, welche physiologischen Möglichkeiten es gibt, um die Blutzuckerregulation zu stabilisieren. Die neue Fragestellung lautet: Gibt es außer der Veränderung des Ernährungsverhaltens auch noch andere Präventionsstrategien, um die Zuckerkrankheit zu vermeiden? Deshalb untersuchen die Forscher die Wirkung von Nahrungsinhaltsstoffen auf die Zucker-Transporter in den Darmzellen. Ließe sich ein Wirkstoff finden, der die Aufnahme von Glukose durch die molekular gut charakterisierten Glukosetransporter hemmt, hätte man ein (vom Ernährungsverhalten unabhängiges) Mittel gegen die gefährlichen überschießenden Blutzuckeranstiege gefunden, die aus dem Konsum von Lebensmitteln mit rasch verfügbaren Zuckern herrühren. Die mit diesem neuen Präventionsmittel vermeidbaren Schwankungen tragen langfristig zum Entstehen von Diabetes bei. Der schwankende Glukosetransport im Darm stört das empfindliche Blutzuckergleichgewicht, macht in der Folge Körperzellen unempfindlich gegenüber Insulin und fördert so den Niedergang der Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse.

In einer Partnerschaft mit der Firma Bioactive Foods unter Leitung von Dr. Hennig Vollert, Prof. Wolfgang Blaschek vom Pharmazeutischen Institut der Universität Kiel sowie dem Max-Planck-Institut für Biophysik und der Firma IonGate Biosciences in Frankfurt werden geeignete Inhaltsstoffe aus Obst und Gemüse isoliert und charakterisiert. Die Wechselwirkung der Substanzen mit den Glukosetransportern wird in einer ersten Stufe mit einer Reihe von Screening-Systemen untersucht. In den weiteren Entwicklungsstufen sollen so identifizierte, potente Naturstoffe dann an Versuchspersonen auf die Blutzuckerverläufe nach Glukosebelastungen und auf ihre Verträglichkeit geprüft werden.

Wenn das Forschungsprojekt erfolgreich abgeschlossen ist, soll eine industrielle Umsetzung folgen, so Prof. Daniel von der TUM: „Unser langfristiges Ziel ist es, Nahrungsmittel zu entwickeln, die die Verwertung von Zucker aus der Nahrung verringern und damit der Entwicklung von Übergewicht und Diabetes entgegnen können.“

Prävention

(2009)

Durch normale Blutzucker- und Blutdruckwerte vorbeugen

Nierenschäden als Folge des Diabetes sind vermeidbar

Erkranken aufgrund eines Diabetes mellitus die Nieren, hat dies einen großen Einfluss auf Lebenszeit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes. Leiden Betroffene an der so genannten diabetischen Nephropathie, drohen ihnen nicht nur Nierenversagen und Dialyse. Auch das vorzeitige Sterberisiko ist erhöht. Neue Forschungserkenntnisse könnten zukünftig Therapien ermöglichen, die bis ins hohe Alter die Nierenfunktion erhält. Schon heute gibt es Wege, die Niere zu schützen. Darauf weisen diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer aktuellen Veröffentlichung hin.

Bis zu 50 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden nach längerer Diabetesdauer unter einer mehr oder weniger ausgeprägten diabetischen Nephropathie. Das erste Anzeichen ist das Auftreten von Eiweiß im Urin. Denn es gelingt der Niere nicht mehr, dieses im Blut zurück zu halten, da ihre Filter, die Glomeruli, durchlässig geworden sind. Die Poren in den Filtern werden von spezialisierten Fußzellen gebildet. Ihre Schädigung ist vermutlich der Beginn der Nephropathie. Professor Dr. med. Gunter Wolf von der Universität Jena informiert in einem aktuell veröffentlichten Übersichtsartikel über neue Erkenntnisse aus der Forschung, die zukünftig die diabetische Nephropathie verhindern oder sogar heilen könnten.

Der Artikel von Professor Dr. med. Gunter Wolf in der Fachzeitschrift „Der Diabetologe“ bestätigt jedoch auch, dass an Diabetiker schon heute ihre Nieren bis ins hohe Alter schützen können: Neuere Untersuchungen an großen Patientengruppen zeigen, dass langfristig gute Blutzuckerwerte zumindest das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen. Ebenso wichtig ist es, den häufig parallel auftretenden hohen Blutdruck zu behandeln. Eine Therapie mit Medikamenten aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Angiotensin-Blocker ist hier Standard. Diese greifen direkt in die Regulierung des Blutdrucks ein, an der die Nieren maßgeblich beteiligt sind.

Um die nierenschützende Wirkung der Medikamente zu steigern, werden heute höhere Dosierungen als noch vor einigen Jahren eingesetzt. Der Versuch, die Wirkung durch die Kombination beider Substanzklassen weiter zu verbessern, ist jedoch in einer aktuellen Studie gescheitert. Ein weiterer, neuer Wirkstoff gegen den hohen Blutdruck ist das Aliskiren. Wird es mit einem Angiotensin-Blocker kombiniert, sinkt die Eiweißausscheidung über die Niere. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob dies langfristig hilft, die Nieren von Menschen mit Diabetes gesund zu halten.

Die gesunde und funktionsfähige Niere ist in der Diabetes-Therapie ein wichtiges Therapieziel. Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und diabetesDE sind Diabetiker die größte Patientengruppe, die jedes Jahr neu mit einem Nierenersatzverfahren behandelt werden muss. Zurzeit erhalten etwa 20.000 der an Diabetes Erkrankten eine Dialyse.

BdSN nimmt Stellung

(2009) berufsverband-der-diabetologischen-schwerpunktpraxen-in-nordrhein_0

Diabetes-Heilung nicht möglich

Berufsverband BdSN nimmt Stellung zu fehlerhaftem Bericht

Diabetes Mellitus Typ 2 ist nicht heilbar. Dies unterstreicht der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN). Der Verband nimmt damit Stellung zu einem kürzlich in mehreren Zeitungen erschienen Artikel zu einer angeblich möglichen Heilung der Diabetes mellitus. In dem Bericht stellt ein Chirurg des Monheimer St.-Josef-Krankenhauses die Behauptung auf, Diabetes Typ 2 sei durch eine so genannte Adib-Operation heilbar. Bei dieser Operation werden Teile des Magens und des Dünndarms entfernt, damit der Körper anschließend den Insulinhaushalt wieder selbstständig regulieren kann.

BdSN-Vorstandsmitglied Dr. Matthias Kaltheuner: „Wir würden uns freuen, wenn es anders wäre, aber leider ist eine Heilung des Diabetes derzeit einfach nicht möglich.“ Operationen der beschriebenen Art sollten nur unter bestimmten Umständen durchgeführt werden, erklärt Dr. Kaltheuner. Den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft zufolge muss massives Übergewicht bestehen: „Eine Adib-OP sollte bei einem Diabetiker nur dann durchgeführt werden, wenn der Body Mass Index (BMI) über 35 liegt. Alle Adib-Operationen bei Menschen, die einen niedrigeren BMI aufweisen, sind ethisch äußerst fragwürdig“, erklärt Dr. Hans-Jürgen Kissing, ebenfalls im Vorstand des BdSN. Einen BMI von 35 hätten beispielsweise eine 90kg schwere und 1,60 Meter große Frau oder ein 113kg schwerer Mann mit einer Körpergröße von 1,80 Meter. Darüber hinaus sei laut der Leitlinie vor der Operation ein 6 bis 12-monatiges Programm zur Gewichtsreduktion durchzuführen. Erst wenn der BMI trotzdem nicht unter 35 sinke, komme eine Adib-OP in Frage. „Durch diese Maßnahmen soll auch die Mitarbeit der Patienten nach dem Eingriff gesichert werden, die dann beispielsweise auf eine spezielle Ernährung achten müssen“, verdeutlicht Dr. Kissing weiter.

Dr. Kaltheuner benennt die Risiken: „Bei Adib-OPs kommt es nicht selten zu Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Herz-/Kreislaufprobleme. Immerhin ein Prozent der Patienten stirbt nach einem solchen Eingriff.“ Zudem bestünden keinerlei Langzeitdaten: „Selbst wenn die OP auf kurze Sicht eine attraktive Lösung zu sein scheint, wissen wir nichts darüber, wie es den Patienten, die heute operiert werden, in 10 oder 20 Jahren geht und inwieweit sich die Symptome des Diabetes wieder verstärken“, gibt der Diabetologe zu bedenken. „Solch eine OP kann bestenfalls dafür sorgen, dass die Patienten auf weniger Medikamente angewiesen sind oder vielleicht sogar zunächst ohne Präparate auskommen. Doch die Veranlagung zum Diabetes bleibt weiter bestehen“, erläutert Dr. Kaltheuner. Was nach erfolgreicher OP käme, sei in Wirklichkeit eine „Remission“ des Diabetes: „Die Symptome des Diabetes sind zwar erst einmal verschwunden, doch eine Genesung hat also nicht stattgefunden.“

Nach dem Bericht in der Neuen Rhein Zeitung war es in einigen diabetologischen Schwerpunktpraxen verstärkt zu Nachfragen zur Adib-OP gekommen. „Wir möchten durch unsere Stellungnahme Missverständnisse aus dem Weg räumen und Unklarheiten beseitigen“, so Dr. Kaltheuner. „Die beste Maßnahme, um mit Diabetes langfristig beschwerdefrei zu leben, ist immer noch eine Umstellung der Lebensweise auf mehr Bewegung und gesündere Lebensmittel.“

Neue Ansätze in der Diabetes-Forschung

(2009)

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Professor Dr. Elmar Peschke, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Weltweit ist die Wissenschaft auf der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes mellitus, weil eine stetig ansteigende Anzahl Menschen von dieser meist als Wohlstandskrankheit auftretenden Erkrankung betroffen ist. Allein in Deutschland sind es nahezu acht Millionen Patienten, denen jede neue Erkenntnis über den Diabetes zugutekommt. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Anatomie und Zellbiologie) haben einen neuen Ansatz gefunden, der möglicherweise in eine neue Therapieform münden kann.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Elmar Peschke entdeckten unter anderem, dass bei Diabetikern im Vergleich zum Gesunden das Hormon Melatonin deutlich verringert im Blut zu finden ist. Da Melatonin einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Insulinproduktion nimmt, sieht Professor Peschke in diesen Erkenntnissen einen neuen Ansatz für weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die dann in eine neue Therapie des Diabetes münden könnten. In Zellexperimenten konnten die Wissenschaftler belegen, dass Melatonin die stimulierte Insulinsekretion hemmt.

Melatonin ist ein Hormon, welches vor allem in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen maßgeblich beeinflusst. Die Melatoninkonzentration ist nachts am höchsten. Jetlag und Schichtarbeit sind mit gestörter Synthese und Ausschüttung von Melatonin verbunden. Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann zu Schlafstörungen führen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Melatoninproduktion ab. Die Arbeitsgruppe um Professor Peschke fand heraus, dass die Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse Melatoninrezeptoren aufweisen, die möglicherweise auf die tagesrhythmische Insulinproduktion Einfluss nehmen. Der enge funktionelle Zusammenhang zwischen Insulin und Melatonin sowie die wechselseitige Beeinflussung gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Arbeitsgruppe und begründet die Hoffnung, dass sich perspektivisch aus dieser Kenntnis Therapiestrategien ergeben könnten.

Das Langzeitforschungsprojekt der Arbeitsgruppe Peschke „Zeitstrukturen endokriner Systeme“ wird von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig auch in den kommenden fast vier Jahren gefördert, damit diese ergebnisreiche Forschung fortgesetzt werden kann. Das ist das Ergebnis einer soeben erfolgten Evaluierung durch eine externe Kommission, die das Projekt positiv begutachtet und der Union der Akademien Deutschlands zur Weiterführung empfohlen hat. Der Evaluierungskommission konnten 48 Publikationen und 71 Kurzpublikationen sowie 3 Endokrinologie-Bände vorgelegt werden, die im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind. Projektbegleitend wurden ferner 42 Kolloquien mit internationaler Beteiligung durchgeführt, die gemeinsam von der halleschen Universität mit der Sächsischen Akademie veranstaltet wurden und der Öffentlichkeit zugänglich waren. Bereits seit 2000 unterstützt die Sächsische Akademie (Landesakademie für die Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen) die Projektarbeit. Geldgeber sind je zur Hälfte der Bund und das Land Sachsen-Anhalt. Ingesamt werden etwa zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgereicht, davon etwa 600.000 Euro in den kommenden Jahren bis Ende 2012. Von den Fördergeldern werden zwei Wissenschaftler und eine technische Mitarbeiterin sowie Verbrauchsmaterialien bezahlt.

Professor Elmar Peschke freut sich über die positive Begutachtung und die Fortsetzung der Förderung: „Wir sehen darin eine Anerkennung unserer wissenschaftlichen Arbeit und sehen uns bestärkt, unsere wissenschaftlichen Ansätze weiter zu verfolgen.“ Mittlerweile knüpfen zahlreiche Forschergruppen, unter anderem in den Vereinigten Staaten und in Schweden, an die in Halle erzielten Ergebnisse an. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen, unter anderem in „Nature genetics“, wird auf die halleschen Erkenntnisse Bezug genommen. Perspektivisch wollen die halleschen Forscher vorrangig klären, durch welche Mechanismen ein gestörter Melatoninhaushalt auf die Entstehung des Diabetes mellitus Einfluss nehmen könnte. Von einer klinischen Anwendung der Erkenntnisse am Patienten ist die Wissenschaft allerdings noch weit entfernt. „Viel Forschungsarbeit“, sagt Professor Elmar Peschke, „liegt noch vor uns.“

Viele „Insulinskeptiker“ sind gar keine

(2009)

Therapiebarrieren bei Diabetes

Viele Diabetiker stehen der angeratenen Insulintherapie gespalten gegenüber. Sie ahnen den Nutzen, haben aber Angst davor.

Wie schwer vielen Patienten der Einstieg in eine Insulintherapie fällt, davon haben manche Ärzte gar keine Vorstellung, sagt Diplom-Psychologin Susan Woods. Sie selbst äußert dafür volles Verständnis: „Viele Patienten scheuen einen Eingriff in ihr Lebenskonzept, was psychologisch vollkommen verständlich und legitim ist. Sie möchten ihr Leben im Grunde so weiter führen wie bisher, ohne einschneidende Umstellungen, Diäten, Vorschriften, Einschränkungen. Sie fürchten, durch eine komplizierte Therapie fremdbestimmt zu werden.“

Die Hürden vor der Insulintherapie

Wovor der insulinpflichtig gewordene Diabetiker zurückscheut, weiß man aus Studien recht genau.

  • Die Angst vor der Injektion spielt meist keine so dominante Rolle, wie oft behauptet.
  • Viele Patienten fürchten, dass sie der Umgang mit Spritzen und Insulineinheiten überfordert.
  • Ähnlich viele fühlen sich stigmatisiert, wenn sie sich durch Spritzen oder Blutzuckermessen in der Öffentlichkeit als zuckerkrank „outen“ müssen.
  • Noch mehr Patienten haben Angst vor Unterzuckerungen (Hypoglykämien).
  • Innerlich steht die Spritze symbolisch für eine unheilbar gewordene Krankheit.
  • Viele Patienten verbergen ihr Gefühl von Scham, bei der Tablettentherapie, beim Abnehmen und all den anderen Ratschlägen „versagt“ zu haben. Die Scham führt zur Verweigerung.
  • Viele Patienten wissen nicht genug über Diabetes: In einer Studie glaubten 36% der neu diagnostizierten und 24% der länger erkrankten Patienten, die Krankheit gehe einfach vorüber. 22% nahmen an, Diabetes habe keinen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit. Und neuen von zehn waren sich nicht darüber bewusst, dass Diabetes die Lebenserwartung verkürzt. Warum also eine mühselige Therapie auf sich nehmen?

Unterm Strich resultiert aus diesen Faktoren eine „psychologische Insulinresistenz“. Man verweigert sich der Insulintherapie.

Viele „Insulinskeptiker“ glauben eigentlich an den Nutzen der Insulintherapie

Meist steht hinter der „psychologischen Insulinresistenz“ gar keine pure Verweigerung, sondern eine ambivalente Haltung, die es zu erkennen und zu akzeptieren gilt. Die selben Patienten, die der Insulintherapie aus psychologischen Gründen skeptisch gegenüber stehen, ahnen, dass ihnen die Spritze helfen würde. Sie haben sich informiert, haben die Botschaft ihres Arztes im Grunde verstanden, erwarten eigentlich ein positives Ergebnis. Weil aber die Angst vor der Veränderung so stark ist, verstärken sich die eigenen Schuld- und Schamgefühle. Dieser Mechanismus gilt zumindest für einen Teil der Patienten.

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Petrak et al, Psychosoziale Charakteristika von oral behandelten Patienten
mit wenig kontrolliertem Diabetes II, ADA 2006

Manche Ärzte bedrängen die Patienten

Unterm Strich haben die Patienten ein negatives Bild von den Veränderungen, die eine Therapieumstellung mit sich bringt. Ganz anders ihr therapeutisches Gegenüber. Der Arzt sieht medizinische Gründe: bessere Blutzuckerkontrolle, Vermeiden von Folgeschäden etc. Er will dem Patienten helfen, ihn motivieren, gewinnen, überzeugen, verändern. Er drückt ihm sein positives Bild der Therapie regelrecht auf. „Das macht die Kommunikation schwierig, weil sie auf verschiedenen Ebenen läuft“, so Woods. „Der Einstieg in die Insulintherapie ist bei psychologischen Widerständen eben ein psychologischer Vorgang, der vom Arzt Fingerspitzgefühl erfordert.“ Der Arzt muss das negative Bild und die Angst des Patienten vor der Veränderung aufgreifen, um sie zu überwinden.

Empfehlungen richtig dosieren, nicht eintrichtern

Natürlich muss Beratung über medizinische Grundlagen sein (s.o.). Aber sie darf beim ambivalenten Insulinskeptiker nicht im Vordergrund stehen, ist Woods überzeugt. „Am ehesten wird diejenige Therapie umgesetzt, die einem Menschen ermöglicht, seinen Lebensplan weitgehend beizubehalten.“ Das bedeutet eine Art Gratwanderung, vor allem, was die Basistherapie angeht. Sie verlangt vom Patienten – völlig zurecht und medizinisch gut begründet -, sich ausreichend zu bewegen, sich gesund zu ernähren und weitgehend Normalgewicht anzustreben. Die Insulintherapie ist im Vergleich kein so großer Einschnitt, wie viele Patienten glauben.

  • Die vermeintlich „schmerzliche Injektion“ ist nach den ersten Erfahrungen kein Problem.
  • Der Umgang mit Insulin und Pens und Einheiten lässt sich in Schulungen erlernen.
  • Eine Insulintherapie ist eine „naturnähere“ Behandlung als z.B. Sulfonylharnstoff-Tabletten.
  • Unterzuckerungen sind zwar eine reale Gefahr der Insulintherapie (aber auch von Sulfonylharnstoff-Tabletten), aber ein lösbares Problem: Die Nutzen-Risiko-Abwägung fällt ab einem bestimmten Zeitpunkt zugunsten der Insulintherapie aus.
  • Als Diabetiker ist man nicht stigmatisiert, sondern in guter Gesellschaft: „Millionen Leidensgenossen können nicht irren!“

Kostenfrage

(2009)

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Rechtsanwalt Dieter Möhler

„Therapiehinweis“ Ezetimib

Therapiehinweis schadet der Gesundheit von Diabetikern

Therapiehinweise sollen insbesondere bei hochpreisigen Wirkstoffen oder Therapieprinzipien das Wirtschaftlichkeitsgebot konkretisieren. Therapiehinweise müssen von den Vertragsärzten (der gesetzlichen Krankenkassen) beachtet werden. Ezetimib wird zur Senkung von erhöhten Blutfettwerten eingesetzt, wenn die Behandlung mit einem Statin nicht ausreicht. In diesen Fällen wird Ezetimib zusätzlich zum Statin eingesetzt.

Der am 17.12.2009 dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Entscheidung vorliegende Therapiehinweis zu Ezetimib lässt die Verordnung des Cholesterinsenkers nur noch in seltenen Fällen zu. Typ-2-Diabetiker mit zu hohen Cholesterinwerten gehören zu der Patientengruppe, deren Therapie durch diesen Therapiehinweis eingeschränkt wird. Ein nicht konsequent behandelter Cholesterinwert lässt gerade bei Typ-2-Diabetikern das sowie so erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko noch einmal steigen.

„Dies wird billigend in Kauf genommen“, sagt Rechtsanwalt Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes. Er beantragt, den Therapiehinweis nicht in die Arzneimittelrichtlinie aufzunehmen. „Juristisch ist es möglich, dass so genannte themenbezogene Vertreter schriftlich Anträge einreichen“, erläutert Möhler. Der Antrag des Deutschen Diabetiker Bundes ist der erste, der jemals von einer Patientenorganisation im Bezug auf die Arzneimittel-Richtlinie gestellt wurde. Die Erweiterung der Anlage 4 der Arzneimittel-Richtlinie soll verhindert werden. Sollte jedoch der Therapiehinweis zu Ezetimib vom Gemeinsamen Bundesausschuss in die Richtlinie aufgenommen werden, können nur noch wenige Patienten das blutfettsenkende Medikament Ezetimib von ihren Ärzten verschrieben bekommen.

Patienten mit einer schweren Fettstoffwechselstörung – eben Typ-2-Diabetiker – sind von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen. „Im Regen stehen dann Diabetiker, die auf die Standardbehandlung mit Statinen nicht ausreichend ansprechen, das heißt, die (inter)national empfohlenen Cholesterinwerte nicht erreichen.“ Daher beantragt Dieter Möhler, diesen Therapiehinweis ersatzlos zu streichen.

Rechtliches

„Gegen den Therapiehinweis sprechen verfahrensrechtliche Argumente“, erläutert der DDB-Vorsitzende und Rechtsanwalt, „vor allem aber die Tatsache, dass dieser Therapiehinweis wie ein Verordnungsausschluss wirkt“. Das entspricht weder dem Sinn von Therapiehinweisen noch dem in der Zulassung erteilten Anwendungsgebiet des Medikaments. „Einerseits wird beklagt, das deutsche Gesundheitswesen schneide im europäischen und internationalen Vergleich zunehmend schlechter ab. Andererseits entfernt man sich mit der Verabschiedung solcher Therapiehinweise immer weiter von internationalen medizinischen Qualitätsstandards.“

Für den Fall, dass der Antrag auf Streichung des Therapiehinweises abgelehnt wird, legt Möhler vorsichtshalber gleich nach und fordert, den Text so abzufassen, dass die Behandlung mit Ezetimib „… Patienten mit schweren Fettstoffwechselstörungen (zum Beispiel Diabetikern) vorbehalten (bleibt), die … ein hohes Risiko für Ereignisse (wie Herzinfarkt oder Schlaganfall) haben. Möhler: „In dieser Sache muss sich der DDB für die berechtigten Interessen von Diabetikern und ihren Angehörigen einsetzen.“

Forschung

(2009)

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Prof. Wieland Kiess

Dick durch Gene

Unter 500.000 Genvarianten den Dickmachern auf der Spur

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben gemeinsam mit europäischen Kollegen die Klärung der Funktion von Genen im Bezug auf das Dick-Sein vorangebracht. „Zusammen mit Forschern vor allem aus Lille und London haben wir fast 500.000 Genvarianten des menschlichen Erbgutes betrachtet und untersucht, welche Gene sich bei den dicken Menschen gleichen und wo sie sich von Schlanken unterscheiden“, erklärt Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig.

Über erste Ergebnisse berichtete jetzt die international renommierte Fachzeitschrift „Nature Genetics“. Was Kiess sowie seine Kollegen Dr. Antje Körner von der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche und Dr. Peter Kovacs vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) sehr stolz macht: Es ist bereits das 3. Mal, dass das hoch angesehene Blatt die Forschungen des internationalen Konsortiums mit einer Veröffentlichung geadelt hat.

Neue Wege gegangen

In der jüngsten Untersuchungsreihe haben die Wissenschaftler einen neuen Weg eingeschlagen. „Bislang haben wir immer ein Gen untersucht, von dem wir annahmen, dass es für frühkindliches Übergewicht und massive Fettleibigkeit bei Erwachsenen verantwortlich sein könnte“, erläutert Kiess. So hatte das internationale Konsortium bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass eine Veränderung des so genannten FTO-Gens für etwa 22 Prozent der genetisch bedingten Übergewichts- und Adipositasfälle verantwortlich ist. Schon in diesem Zusammenhang lag die Folgerung nahe, dass im genetischen Netzwerk weitere veränderte Gene die Ausbildung von Übergewicht maßgeblich beeinflussen müssten. Die neuen Untersuchungen setzten genau an dieser Stelle an: Jeweils ca. 500.000 Genvarianten des Erbgutes der rund 15.000 Probanden wurden miteinander verglichen.

Menschenvergleich

Ein Computer berechnete dabei, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich zwei Menschen gleichen. „Erwartet wird in der Regel ein Unterschied von ca. 0,2 Prozent“, so Kiess. Die Forscher stießen jedoch bei einzelnen Genvarianten teilweise auf sehr viel größere Unterschiede, wenn sie die Gene von Dicken und Schlanken miteinander verglichen. Dazu nutzten sie ein Analysegerät im französischen Lille, mit dem die menschliche Erbbotschaft als Muster dargestellt werden kann. Die aus den vorliegenden Proben hervorgegangenen Muster stellten sie schließlich nebeneinander und verglichen sie. Dabei waren und sind vor allem die Daten von Kindern, zu denen die Leipziger Forschergruppe wesentlich beigetragen hatte, für die Wissenschaftler hoch interessant! „Bei dicken Kindern schlägt die genetische Komponente stärker zu Buche als bei fettleibigen Erwachsenen, bei denen sich die Einflüsse in Richtung Essgewohnheiten und Alltagsverhalten verschieben“, berichtet Kiess. Die Ergebnisse der Untersuchungen und die daraus resultierenden stabilen Datensätze sind laut Kiess „Grundlage für eine Riesenwelle von Arbeit“. Denn nachdem nun weitere Gene abgegrenzt wurden, die einer genaueren Betrachtung unterzogen werden müssen, kann die Forschung in Richtung polygene Erkrankungen weitergehen. Für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Leipzig ergeben sich dadurch hervorragende Perspektiven: „Die Mannschaft in Leipzig macht gute Arbeit und das ist vor allem der tollen Zusammenarbeit der Mediziner hier am Universitätsklinikum, aber auch den Wissenschaftlern am Herzzentrum, den Biochemikern, den Bioinformatikern und vielen anderen zu verdanken, mit denen wir kooperieren“, unterstreicht der Klinikdirektor.

Es habe sich erneut gezeigt, dass es richtig gewesen sei, auch im Zusammenspiel mit der Stadt die Kinder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. In der weiteren Zusammenarbeit mit den Kollegen auf europäischer und internationaler Ebene sei absehbar, dass die Universität Leipzig ihren Spitzenplatz in der Adipositasforschung festigen und weiter ausbauen wird.

Metformin

(2009)

Wirkstoff des Monats: Metformin

Normalisiert überhöhten Blutzuckerspiegel

Diabetes Typ II ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit in Deutschland und weltweit. Bei dieser Krankheitsvariante sinkt die Empfindlichkeit des Körpers auf das „Anti-Zucker-Hormon“ Insulin. Die daraus relutierende Folge ist ein überhöhter Blutzuckerwert. Die Erkrankung beruht in der Regel auf einem ungesunden Lebenswandel, sie trifft vor allem Menschen mit Übergewicht.

Während sie früher meist erst im Erwachsenenalter auftrat, leiden heute auch immer mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ II. Häufig verläuft der Diabetes Typ II in der Anfangsphase ohne Symptome. Erste Anzeichen können ständige Müdigkeit oder eine Verschlechterung des Sehvermögens sein. Die Überzuckerung des Blutes führt zu Veränderungen der Blutgefäße, die ihrerseits gravierende Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme und Nervenschäden auslösen können.

Die ersten und wichtigsten Therapiemaßnahmen bei einem Diabetes Typ II sind Gewichtsreduktion und Sport. Sinken die Blutzuckerwerte dadurch jedoch nicht ab, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Meist ist Metformin das Mittel der Wahl. Metformin normalisiert den Blutzucker, indem es an mehreren Stellen in dessen Stoffwechsel eingreift: Er reduziert die körpereigene Zuckerproduktion in der Leber, er erhöht die Sensibilität des Muskel- und Fettgewebes für Insulin und er verhindert die Aufnahme von Zucker aus dem Darm in das Blut. Metformin verringert den Blutzuckerspiegel durchschnittlich um 20%.

Bei Metformin besteht keine Gefahr einer gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie). Zu seinen unerwünschten Wirkungen gehören insbesondere Übelkeit, Blähungen, Durchfall und ein metallischer Geschmack im Mund. Eine sehr seltene, aber äußerst schwerwiegende Komplikation ist die Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure. Da Metformin bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht angewendet werden darf, ist der Wirkstoff bei älteren Patienten meistens kontraindiziert. Metformin wird sowohl als Monopräparat als auch in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten verwandt.

Metformin kam im Jahr 1973 auf den deutschen Markt. Dem unabhängigen Marktforschungsinstitut INSIGHT Health zufolge liegt sein Umsatzvolumen derzeit bei 51 Millionen Euro pro Jahr. Das erste Metformin-Generikum gab es 1993. Mittlerweile entfällt auf die preisgünstigen Generika mit diesem Wirkstoff nach Umsatz ein Marktanteil von rund 95%.

www.progenerika.de/de/12583627184204766/show/publik/wirkstoff.html