News-Archiv: vor 2010

Neue Forschungsergebnisse zu Fettleibigkeit

(2009)

Nach Einschätzungen einer britischen Studie sterben stark übergewichtige Männer bis zu 10 Jahre früher

Eine neue Studie der Cass Business School zeigt, dass ein junger, stark übergewichtiger Mann mit einem Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) von über 40 bzw. einem Taille-zu-Höhe-Verhältnis (Waist to Height Ratio, WHtR) von über 0,74 vermutlich mehr als 10 Jahre, wahrscheinlich sogar an die 20 Jahre früher stirbt als ein Mann mit optimalen Werten. Diese Zahlen beziehen sich auf Nichtraucher. Die Studie beruht auf in Großbritannien erhobenen Daten und stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer geringeren Lebenserwartung her.

Für ihre Forschungsarbeit „A study into the detrimental effects of obesity on life expectancy“, die die Cass Business School gemeinsam mit dem Berufsstand der Aktuare veröffentlicht hat, führte die Schule versicherungsmathematische Berechnungen mittels BMI- und WHtR-Werten (BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]) durch, um die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die Sterblichkeitsrate zu messen.

Dr. Ben Rickayzen, Koautor der Studie und Leiter der Fakultät für Aktuarswissenschaften und Versicherungswesen an der Cass Business School sagt: „Die vorliegende Studie befasst sich mit einem Thema, das das britische Gesundheits- und Versicherungssystem sowie die Sozialpolitik in Großbritannien gleichermaßen betrifft und die jüngste Regierungspolitik in ihrer umfassenden Ernährungskampagne bestätigt. Nach neuesten Berichten der englischen Gesundheitsbehörde sind etwa 24% der Bevölkerung fettleibig. Fettleibigkeit ist ein relativ neues Phänomen. Die Medizin kann dieses durch Ernährungs- und Sportprogramme bis zu einem gewissen Grad abfangen, die höheren Gesundheitsausgaben wird jedoch die Gesellschaft tragen. Sollte die Anzahl der Fettleibigen zudem weiter steigen, rechnen die Krankenkassen mit noch größeren Belastungen, da Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zunehmen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Starke Fettleibigkeit vermindert besonders bei Männern die Lebenserwartung. Eine 30-jährige Frau mit einem BMI von 45 bzw. einem WHtR von über 0,8 stirbt durchschnittlich 13 Jahre früher. Im Vergleich zu einer Frau mit normalen Werten entspricht dies einer Verringerung der Lebenserwartung um 23%. Ein Mann stirbt im Durchschnitt 20,8 Jahre früher, was einem Verlust von 42% der ursprünglichen Lebenserwartung entspricht. Diese Ergebnisse beruhen auf einer relativ kleinen Stichprobe und sind deshalb nicht ohne Vorbehalt zu betrachten.

Selbst Männer mit nur leichtem Übergewicht haben eine verringerte Lebenserwartung! Ein 30-Jähriger mit einem BMI von 34 stirbt durchschnittlich 4 Jahre früher, eine gleichaltrige Frau mit gleichem BMI nur 2 Jahre früher. Die gute Nachricht ist jedoch, dass übergewichtige Männer und Frauen ihre Lebenserwartung steigern können, indem sie ihren BMI oder WHtR reduzieren. Beispielsweise lebt ein 30 Jahre alter Mann 2,3 Jahre länger, wenn er statt 107 nur noch 97 kg wiegt. Die Forschungsergebnisse lassen somit vermuten, dass eine einfache Gewichtabnahme die Lebenserwartung steigert.

Wenn Arzneimittel zu Mineralstoff-Räubern werden

(2009)

Wenn Arzneimittel zu Vitamin- und Mineralstoff-Räubern werden

Wirkstoff-Check im Internet

Stuttgart (ots) – Viele Arzneimittel, die gerade chronisch Kranke wie Diabetiker oder Bluthochdruck-Patienten über Jahre hinweg einnehmen, können die Vitamin- oder Mineralstoff-Versorgung des Körpers erheblich stören und so Mangelzustände an diesen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen verursachen. „In der Praxis werden Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Biofaktoren kaum beachtet“, beklagt die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Dabei seien damit ernstzunehmende Gesundheitsrisiken verbunden, die sich leicht vermeiden ließen, warnen die Wissenschaftler.

Aus diesem Grund hat die Gesellschaft für Biofaktoren im Internet unter www.gf-biofaktoren.de einen Wirkstoff-Check mit einer Auswahl der wichtigsten Vitamin- oder Mineralstoff-raubenden Medikamente veröffentlicht. Hier kann sich jeder informieren, welche Arzneimittel die Aufnahme oder Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen, welche Mangelsymptome und Gesundheitsstörungen das zur Folge haben kann und wie man gegensteuert.

Die Liste reicht von dem sehr häufig verordneten Diabetes-Medikament Metformin über Wirkstoffe gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen bis zur Anti-Baby-Pille. Insbesondere B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium werden häufig Opfer der medikamentösen Behandlung.

„Werden Defizite an diesen Biofaktoren nicht ausgeglichen, kann die Therapie unter Umständen zum Bumerang werden“, warnen die Experten von der GfB: Ein Mangel an B-Vitaminen und Magnesium sei beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch Blutbildungsstörungen, Nervenerkrankungen, depressive Verstimmungen und nachlassende geistige Fähigkeiten können Folgen einer Unterversorgung mit diesen essentiellen Stoffen sein. „Besteht ein Mangel, sollte der entsprechende Biofaktor durch ein Präparat ergänzt werden“, raten die Wissenschaftler von der GfB. So könne eine notwendige medikamentöse Behandlung leicht abgesichert und ein überflüssiges Risiko verhindert werden. Zusätzlich sollte natürlich immer auf eine ausgewogene, biofaktorenreiche Ernährung geachtet werden – auch hierzu findet man Informationen im Internetportal der GfB: www.gf-biofaktoren.de.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

(2009)

Wie viele Einstiche verträgt eine Kinderseele?

Es kann jedes Kind treffen, von einer Minute auf die andere, ohne große Vorwarnung: zuckerkrank!

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 2.000 Kinder neu an dieser unheilbaren Krankheit. Der Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist eine Autoimmunkrankheit, bei der es zu einer Selbstzerstörung der insulinproduzierenden ß-Zellen kommt, die Ursache hierfür ist bis heute immer noch ungeklärt. In der breiten Öffentlichkeit ist die Zuckerkrankheit bei Kindern meist unbekannt, obwohl in Deutschland jeden Tag 3 – 4 neu diagnostizierte kleine Patienten hinzukommen – über 25.000 Kinder und Jugendliche sind bereits davon betroffen. Besorgniserregend ist der ständige, rapide Anstieg des kindlichen Diabetes: In den letzten 10 Jahren hat sich die Zuckerkrankheit bei Kindern verdoppelt!

Bis noch vor einigen Jahrzehnten war der Diabetes Typ 1 eine tödliche Diagnose und erst die Entdeckung und Herstellung des Insulins vor 90 Jahren brachte die Wende. Aber bis heute muss das Insulin jeden Tag gespritzt werden. Eine Behandlung, die besonders Kinder hart trifft. Je besser der Diabetes behandelt wird, umso sicherer sind die Kinder vor den fatalen Spätfolgen wie Erblindung, Amputation, Nieren- und Nervenschäden. Aber eine gute Behandlung erfordert, dass täglich mehrmals Insulin gespritzt wird, bis zu 8 Injektionen am Tag, oft auch nachts – so kann es ein, dass zuckerkranke Kinder bis zu ihrem 15. Lebensjahr 27.000 Mal eine Spritze ertragen müssen. Vor jeder Spritze muss am Finger ein Blutstropfen entnommen werden, damit die Höhe des Zuckers im Blut gemessen werden kann. Viele Kinder wehren sich gegen die Spritze, aber die Eltern müssen das lebensnotwendige Insulin spritzen. So spielt sich der Alptraum jeden Tag aufs Neue ab: Das Kind läuft vor der Spritze weg, versteckt sich und muss festgehalten werden. Das belastet das Eltern-Kind-Verhältnis sehr. Viele Eltern sind schon nach einiger Zeit der lebenslangen Behandlung erschöpft und ausgebrannt.

Aber das Insulin ist nur ein Teil der Behandlung. Ebenso wichtig ist die Umstellung der Ernährung. Das Essen muss abgewogen, berechnet und eingeteilt werden. Spontane Süßigkeiten gehören bei Kindern mit Diabetes der Vergangenheit an. Für die Mutter eines 4-jährigen zuckerkranken Mädchens ist dies eine der größten Belastungen: „Wenn im Kindergarten spontan etwas gefeiert wird, sitzt meine Tochter tapfer aber traurig daneben und isst ihre eigene Mahlzeit“.

Obwohl die medizinische Behandlung Fortschritte bringt, bleiben die seelischen Folgen der Krankheit meist ungelöst. Betroffene Familien brauchen besonders nach der gravierenden Diagnose und bei den vielen psychischen und sozialen Belastungen, denen sie Tag für Tag ausgesetzt sind, intensive Unterstützung, damit sie die Kraft nicht verlieren, die Kinder bestmöglichst zu versorgen.

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Genau hier wirkt die Stiftung „Dianiño – Kindern mit Diabetes eine Zukunft“ durch konkrete Maßnahmen entlastend und unterstützend. Dianiño kümmert sich aktiv um erkrankte Kinder, betroffene Familien und betreut sie in akuten Notfällen bei ihren Sorgen und Problemen. Durch diese Hilfe kann oft weiteres Leid verhindert werden.

Körperliche Aktivitäten langfristig erhöhen

(2009)

Bewegungsprogramme sind sinnvoll für Menschen mit Diabetes

Bochum – Regelmäßige körperliche Aktivitäten gehören zur Therapie des Diabetes Typ 2. Doch der Weg vom Bewegungsmuffel zum Alltagssportler kann steinig sein. Um Patienten dabei zu unterstützen, sich mehr zu bewegen, bieten Sportmediziner vielerorts so genannte Bewegungsschulungen an. Dass sich die Teilnahme an einem solchen Programm auch langfristig lohnt, haben Wissenschaftler der TU München nun für das Schulungsprogramm „wie Diabetiker zum Sport kommen (DiSko)“ nachgewiesen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der Schulung stellen sie in einem aktuellen Übersichtsartikel vor.

Die Wissenschaftler untersuchten körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit von 55 Menschen mit Diabetes Typ 2 mit DiSko-Schulung im Vergleich zu 37 Patienten ohne praktische Einweisung in ein Bewegungsprogramm. Nach einem Jahr waren die Schulungsteilnehmer viel sportlicher als die Vergleichsgruppe. Sie hatten die Dauer ihrer körperlichen Aktivität von durchschnittlich 6 auf 10 Stunden in der Woche erhöht – insbesondere im Alltag und in der Freizeit mit Rad fahren, Walking oder Nordic Walking.

Die Leistungsfähigkeit der Schulungsteilnehmer im Sechs-Minuten-Gehtest nahm durchschnittlich um 50 Meter zu. Zudem hatten sie – anders als die Vergleichspatienten – durchschnittlich 1,5 Kilogramm Körpergewicht verloren. Auch die Referenten, die deutschlandweit bisher 12.000 Patienten nach dem Programm geschult haben, sind überwiegend mit der Schulung zufrieden: 80% stuften die Umsetzbarkeit als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Durch ein regelmäßiges Ausdauertraining können Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker positiv beeinflussen und so krankheitsbedingten Folgeschäden vorbeugen. Sie haben nachweislich ein geringeres Risiko für diabetesbedingte Nerven- oder Augenschädigungen. Auch das Risiko für Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sinkt.

Die DiSko-Schulung dauert 90 Minuten und wurde von der AG Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) entwickelt. Ihr Kernstück sind vier Themen zu Bewegungsmöglichkeiten und zur Motivation. Eine halbstündige, ärztlich geführte Bewegungsübung mit vorheriger und anschließender Blutzucker- und Pulsmessung ist ebenfalls Bestandteil des Programms. Seit 2003 wurden deutschlandweit über 1200 DiSko-Referenten ausgebildet, die Patienten mit Diabetes Typ 2 im Rahmen der herkömmlichen Patientenschulungen zusätzlich praxisorientiert zu mehr körperlicher Aktivität anleiten.

Weitere Tipps für mehr Bewegung im Alltag, zur Ernährung und über Diabetes mellitus sind im Internet auf der Seite www.diabetesde.org von der neuen Organisation diabetesDE für Menschen mit Diabetes aufbereitet.

Weil überflüssig bis schädlich

(2009)

„Diabetiker-Lebensmittel“ vor dem Aus

Spezielle Diät-Lebensmittel für Diabetiker verschwinden bald aus den Regalen. Das forderten Experten schon lange

Über Jahre haben strenge Diäten mit dem Verbot von Zucker und genauem Abzählen von Broteinheiten (BE) den Diabetiker-Alltag geprägt – und belastet. Um den „Zuckerkranken“ das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, brachte die Industrie spezielle Lebensmittel auf den Markt, von „Diät“-Marmeladen, -Brotaufstrichen, -Fruchtsäften, bis hin zu „Diabetiker“-Weinen und -Bieren. Einer Studie zufolge konsumiert ein Großteil der Diabetiker heute noch regelmäßig solche speziellen Diätprodukte.

Fachleute lehnen Diätlebensmittel für Diabetiker ab

Lebensmittel speziell für Diabetiker gelten jedoch heute unter Experten als unnütz, mitunter gar schädlich. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und Ernährungsexperten wie Dr. med. Monika Toeller vom Deutschen  Diabetes-Zentrum der Universität Düsseldorf fordern schon lange ihre Abschaffung, aus mehreren Gründen:

  • Das totale Zuckerverbot ist wissenschaftlich völlig überholt. Wie in der Allgemeinbevölkerung sollte die Aufnahme freier Zucker beim Diabetiker 10% der Gesamtenergie nicht überschreiten.
  • Ansonsten gelten für Diabetiker inzwischen die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für den Rest der Bevölkerung. Günstig ist eine „mediterran“ geprägte Kost mit einem hohen Anteil von ballaststoffreichem Obst, Gemüse Hülsenfrüchten, wenig rotem Fleisch, eher Fisch, mehr einfach ungesättigten Fetten wie Olivenöl. Fette sollen nicht mehr als 35% der Gesamtenergie ausmachen. Ein normales Körpergewicht ist anzustreben.
  • Vielen Diabetikern ist nicht bewusst, dass ihre „Diät“-Lebensmittel zu viel ungünstige Fette enthalten, zu kalorienreich und überdies relativ teuer sind. Sie halten womöglich vom Verzehr gesünderer Lebensmittel (s.o.) ab.

Wie es zu dem Zuckerverbot kam …

Bei der Stoffwechselkrankheit Diabetes produziert der Körper entweder gar kein Insulin mehr (Typ 1) oder nur noch in abnehmendem Umfang, verbunden mit geringerer Wirkung auf die Zellen, die Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen (Insulinresistenz Typ 2). Beide Formen des Krankheitsbildes bewirken, dass mit der Nahrung aufgenommene oder aus ihr gebildete Zuckerstoffe nicht als Energielieferanten oder Energiespeicher verwertet werden. Vielmehr reichert sich Zucker im Blut an und wird ungenutzt im Urin wieder ausgeschieden.

Daraus leitete man ursprünglich als Behandlungsprinzip ab, die Zuckerzufuhr mit der Nahrung streng zu begrenzen oder ihn durch Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose zu ersetzen.

… und warum es heute „out“ ist

Diese Strategie greift jedoch aus zwei Gründen zu kurz, wie man heute weiß:

  • Der überhöhte Blutzucker ist nicht in erster Linie die Folge der Zufuhr von zu viel Süßem, sondern er entsteht durch Stoffwechselstörungen im eigenen Körper. Was der Mensch an purem Zucker über die Ernährung aufnimmt, ist wenig im Vergleich zu dem, was bei manifestem Diabetes auf das Konto mangelnder Insulinbildung und der Insulinresistenz geht.
  • Diabetes mellitus ist mehr als eine „Zuckerkrankheit“. Die metabolische Störung betrifft auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Maßnahmen, die nur auf den Zuckerhaushalt zielen, reichen nicht aus. Vor allem bei Typ-2-Diabetikern existieren Stoffwechselstörungen schon lange, bevor der Blutzucker anhaltend steigt und die Krankheit diagnostiziert wird. Um Diabetes vorzubeugen und zu behandeln, müssen sich individuelle Ernährungsmuster ändern. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind hierfür nicht erforderlich.

Was plant der Gesetzgeber?

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz plant eine Anpassung der nationalen Diätverordnung an den wissenschaftlichen Kenntnisstand. Der Entwurf zur Änderung der Diätverordnung sieht eine ersatzlose Streichung des § 12 mit spezifischen Regelungen für so genannte Diabetiker-Lebensmittel vor.

Die deutsche Diabetes-Organisation diabetesDE unterstützt das Vorhaben und dringt auf die rasche Umsetzung der Änderung der Diätverordnung. Die Übergangsfrist für so genannte Diabetiker-Lebensmittel solle so kurz wie möglich gehalten werden, um rasch die notwendige Klarheit für Menschen mit Diabetes zu gewährleisten. diabetesDE plädiert überdies dafür, die Angabe von Broteinheiten (BE) auf Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs im europäischen Markt abzuschaffen. Die lediglich didaktische Benennung „BE“ finde sich nur noch in sehr begrenzten Gruppen in Deutschland. Stattdessen plädiert diabetesDE für die Angabe von Gramm Kohlenhydraten neben den anderen Nährstoffen auf allen verpackten Lebensmitteln, wie in den EU-Entwürfen vorgesehen.

Jetzt auch wissenschaftlich belegt

(2009)

Lachen ist gesund!

Lachen ist für Diabetiker die beste Zusatzmedizin, haben amerikanische Forscher jetzt gezeigt.

Eine definierte Zusatzportion Heiterkeit am Tag, in Form eines lustigen Films, hebt das gute Cholesterin und kann das Infarktrisiko senken. Messbare Veränderungen am Hormonhaushalt am Beispiel des Diabetes Typ 2 haben amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie erstmals belegen können.

Was wir schon immer ahnten …

Einflüsse der Psyche auf die körperliche Gesundheit werden seit zwei Jahrzehnten von der Wissenschaft erforscht. Ein Ergebnis, das nicht verwundert ist: Heiterkeit kann seelische Spannungen lösen, mobilisiert Lebensenergien und stabilisiert das emotionale Gleichgewicht. Neu ist, dass sie sich positiv auf den Hormonhaushalt auswirkt. Beispielsweise stimuliert schon die Vorfreude auf einen lustigen Film die Ausschüttung von Wachstumshormon und von Endorphinen, wie Forscher der Universität Loma Linda in Kalifornien herausfanden. Gleichzeitig sinkt die Ausschüttung von Stresshormonen.

Die auf einer Tagung der American Physiological Society in New Orleans vorgestellte Untersuchung belegt jetzt erstmals den günstigen Effekt von Freude und Heiterkeit auf eine Diabeteserkrankung. Gemeinsam mit dem Diabetesspezialisten Stanley Tan untersuchten die Forscher zwanzig Menschen mit Diabetes mellitus, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck. Die Hochrisiko-Patienten benötigten nicht nur mehrere Blutzuckermedikamente, sondern auch Blutdruck- und Cholesterinsenker. Der Hälfte der Patienten, der Gruppe L („Lachen“) verordneten die Ärzte zusätzlich eine halbe Stunde Heiterkeit täglich – in Form eines lustigen Films.

… Heiterkeit ist gesund!

Positive Auswirkungen zeigten sich schon nach zwei Monaten: Die »Lachtherapie« hatte nicht nur die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin gesenkt. Auch Blutfette und entzündungsfördernde Botenstoffe wie das CRP – beide fördern die Arterienverkalkung – gingen zurück. Nach einem Jahr war die Konzentration des vorteilhaften HDL-Cholesterins in Gruppe L um ein sattes Viertel angestiegen. Der Entzündungsmarker CRP war um zwei Drittel abgefallen, 40% mehr als in der Vergleichsgruppe, deren Teilnehmer keine Videos gesehen hatten.

Die Humorstudie von Berk und Tan ist nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ernstzunehmende klinische Forschung. Nichts spricht dagegen, dergleichen in die Diabetes-Therapie zu integrieren.

Neue Leitlinie

(2009)

Neue Patientenleitlinie zu Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin www.azq.de hat am 20. Januar 2009 die Konsultationsfassung der Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie „Typ-2-Diabetes: Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen“ online gestellt. Die Leitlinie steht seitdem bis zum 20. Februar 2009 zur öffentlichen Kommentierung bereit.

Grundlage der Broschüre sind die wissenschaftlich begründeten Empfehlungen aus der ärztlichen Leitlinie und die Erfahrung der beteiligten Patientenvertreter im Umgang mit der Erkrankung. So enthält die Patientenleitlinie nicht nur eine laienverständliche Übersetzung der Empfehlungen aus der Leitlinie. Viele praktische Hinweise sollen das Arzt-Patienten-Gespräch unterstützen und Betroffenen dabei helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und einer Verschlechterung nach Möglichkeit vorzubeugen. Die Autoren der Patientenleitlinie sind Vertreter des Deutschen Diabetiker Bundes e. V., der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V.. Die Redaktion und Koordination lag in den Händen des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin.

Die Patientenleitlinie zur NVL „Typ-2-Diabetes – Prävention und Behandlungsstrategien für Netzhautkomplikationen“ ist unter der Adresse: www.versorgungsleitlinien.de frei zugänglich. Wir laden alle am Thema interessierten Personen aus Fachkreisen und der Selbsthilfe sowie interessierte Laien dazu ein, das Angebot der Kommentierung während der öffentlichen Konsultationsphase wahrzunehmen.

Von Interesse sind dabei Fragen wie

  • Sind in der Patientenleitlinie alle für Patienten wichtigen Aspekte berücksichtigt?
  • Ist die Patientenleitlinie verständlich?
  • Gibt es Änderungs- oder Ergänzungsvorschläge?

Für Meinungen und Anregungen kann ein elektronisches Rückmeldeformular verwendet werden: www.versorgungsleitlinien.de. Es ist aber auch möglich, alle Kommentare und Anregungen unter dem Betreff „PL Netzhautkomplikationen“ per E-Mail an die Adresse nvl@azq.de zu senden.

Patienten-Leitlinien sind Teil des Programms für Nationale Versorgungsleitlinien www.versorgungsleitlinien.de. Dieses Programm steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Organisationen zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte ärztliche Versorgung darzustellen.

Magenband anerkannt

(2009)

Magenbänder zur Rückbildung eines Diabetes 2

LAP-BAND(TM) ist in Europa das erste Adipositas-Interventions-System zur Gewichtsgewichtsreduktion, das bei Typ-2-Diabetes eine Rückbildung oder Verbesserung erzielen konnte

Mediziner fordern eine stärkere Berücksichtigung von Magenbändern bei der Behandlung von adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Das LAP-BAND(TM) AP System von Allergan zur Behandlung der Adipositas hat als erstes Gewichtsreduktionssystem, das eine Rückbildung oder Verbesserung eines bereits bestehenden Typ-2-Diabetes bewirkt, eine offizielle europäische Zulassung erhalten. Der Type-2-Diabetes hat pandemische Ausmaße angenommen[i] und das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist bei adipösen Personen gegenüber dem Rest der Bevölkerung um den Faktor 10 erhöht. Adipositas liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 vor. Adipositas und Typ-2-Diabetes werden im nächsten Jahrzehnt wahrscheinlich die größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme darstellen.[ii] Nachhaltiges Abnehmen kann durch den gegenwärtigen Lebensstil und die derzeitigen pharmakologischen Ansätze bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes mit nur wenig Erfolg erreicht werden.[iii],[iv],[v]

„Der Type-2-Diabetes wird immer mehr zu einem Problem, da die Prävalenz von schwerer oder krankhafter Adipositas in der Bevölkerung steigt. Der nachweislich erfolgreiche Einsatz von Magenband-Verfahren bei diesen Patienten kommt daher genau zur rechten Zeit. Damit steht uns eine leistungsstarke Behandlungsalternative zur Verfügung, mit der wir das Problem der Morbidität und Mortalität, die mit der Kombination von Diabetes und Adipositas (»Diabesity«) einhergeht, angehen können. Der Begriff »Diabesity« wurde von Shape Up America kreiert, um die direkte Beziehung zwischen Diabetes und Adipositas zu umreißen“, so Dr. Jonathan Pinkney, Consultant Senior Lecturer und Diabetologe, Cornwall.

„Das Einsetzen eines Magenbands ist eine sehr wirksame Behandlungsoption bei ausgewählten Patienten mit Adipositas, die mit herkömmlichen Methoden zur Gewichtsreduktion nicht an Gewicht verlieren. Die Anerkennung eines Medizinprodukts von der Art des LAP-BAND(TM) AP Systems durch die europäischen Gesundheitsbehörden ist ein wichtiger Fortschritt für die Ärzteschaft und die adipösen Patienten in unseren Bemühungen um eine effektive Behandlung des Typ-2-Diabetes.“

Das operative Einsetzen eines Magenbands ist bereits eine etablierte Methode, mit der ein nachhaltiges Abnehmen erzielt werden kann. Im Jahr 2006 empfahl das National Institute of Clinical Excellence bariatrische Operationen wie das Einsetzen eines Magenbands als Behandlungsoption für adipöse Menschen mit einem BMI zwischen 35kg/m2 und 40kg/m2 und Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck sowie für Menschen mit einem BMI über 40kg/m2.[vi] Paul Super, ein auf Adipositasintervention spezialisierter bariatrischer Chirurg, sagt: „Es gibt viele Menschen, die, obwohl sie von einem Magenband profitieren würden, derzeit nicht zur Durchführung des Eingriffs überwiesen werden. In Anbetracht dieser neuen Entwicklung sollten Ärzte, die adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes behandeln, das operative Einsetzen eines Magenbands ernsthaft als Option in Erwägung ziehen. Der Eingriff kann solchen Patienten dabei helfen, ihr Gewicht zu reduzieren und unter Kontrolle zu halten. Bezeichnenderweise macht die erweiterte Kennzeichnung für das LAP-BAND(TM) AP System deutlich, dass dessen Nutzen über die reine Gewichtsreduktion hinaus anerkannt wird und auch die Rückbildung oder Behandlung des Typ-2-Diabetes mit einschließt. Diese wichtige Änderung der Kennzeichnung bestätigt die Erkenntnisse, die zeigen, dass das Anlegen eines Magenbands die Behandlung des Typ-2-Diabetes erleichtern könnte.“

Der TÜV SÜD – eine benannte Stelle der Europäischen Union, die für die Zertifizierung von Medizinprodukten verantwortlich ist, hat das LAP-BAND(tm) AP System als erstes Medizinprodukt für die Adipositasintervention anerkannt, das in Europa offiziell für die Gewichtsreduktion zugelassen wurde, weil die damit erreichte Gewichtsreduktion zur Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes führt. So ist jetzt in der Gebrauchsanweisung des LAP-BAND(TM) AP Systems bzw. der Kennzeichnung festgehalten, dass die Gewichtsreduktion in Zusammenhang mit dem LAP-BAND(tm) AP System nachweislich zu einer Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes geführt hat. Die Daten, die zur Erweiterung der Produktkennzeichnung geführt haben, stammen aus einer wegweisenden, zweijährigen, randomisierten, kontrollierten klinischen Studie. Diese Studie hat gezeigt, dass bei Patienten, die mit dem LAP-BAND(TM)AP System an Gewicht abgenommen hatten, die Wahrscheinlichkeit der Rückbildung des Typ-2-Diabetes fünf Mal höher war als bei Patienten mit konventioneller Diabetestherapie (73% gegenüber 13%). Es handelt sich hierbei um die erste randomisierte, kontrollierte Studie, in der eine chirurgisch herbeigeführte Gewichtsreduktion mit der konventionellen Therapie zur Behandlung des Typ-2-Diabetes bei adipösen Patienten verglichen wurde. Diese Resultate bestätigen die Ergebnisse vorangegangener Beobachtungsstudien.[vii]

Informationen zu Allergan, Inc.

Das 1950 gegründete Unternehmen Allergan, Inc., mit Sitz in Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien, ist ein in verschiedenen Spezialbereichen tätiges Gesundheitsunternehmen, das innovative Pharmazeutika, biologische Produkte und Medizingeräte entdeckt, entwickelt und vermarktet. So verhilft das Unternehmen Menschen zu größtmöglicher Lebensqualität – sie können klarer sehen, sich freier bewegen und sich optimaler selbst verwirklichen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 8.000 Mitarbeiter und betreibt hochmoderne F&E-Einrichtungen und Produktionsstätten von Weltklasse. Neben seiner Forschungsorganisation, die das gesamte Spektrum von der Entdeckung bis zur Entwicklung abdeckt, ist Allergan mit seinen globalen Marketing- und Vertriebsfähigkeiten in über 100 Ländern vertreten.

Was ist das LAP-BAND(TM) AP System?

Bei dem LAP-BAND(TM)AP System handelt es sich um ein System, das eine Langzeitgewichtsreduktion unterstützt und die mit schwerer und krankhafter Adipositas einhergehenden Gesundheitsrisiken senkt. Im Gegensatz zur Magen-Bypass-Operation wird bei diesem Verfahren der Magen nicht aufgeschnitten und geklammert und es wird auch keine Umleitung des Darmes vorgenommen. Der Eingriff ist reversibel.[viii],[ix],[x] Unter Verwendung von laparoskopischen (Schlüsselloch-) Techniken wird ein aufblasbares Silikonband um den oberen Abschnitt des Magens des Patienten gelegt, so dass eine kleine Tasche entsteht. Das Wirkprinzip des LAP-BAND(TM)AP Systems beruht auf einer Verkleinerung der Kapazität des Magens des Patienten, die dazu führt, dass sich früher ein Sättigungsgefühl einstellt. Das LAP-BAND(TM)AP System ist anpassbar, d. h., das aufblasbare Band kann enger oder weiter gestellt werden und hilft so dem Patienten, ein Maß an Sättigung zu erreichen und gleichzeitig eine gesunde Ernährung beizubehalten.

Biografien

Dr. Jonathan Pinkney ist ein Diabetologe beim Royal Cornwall Hospitals NHS Trust.

Herr Paul Super ist ein auf die Behandlung von Übergewicht spezialisierter Chirurg am Heartlands Hospital in Birmingham. Herr Super setzt durchschnittlich 20 Patienten pro Woche in seinen NHS- und Privatpraxen ein Magenband ein.

Weitere Informationen zur Gewichtsreduktion erhalten Sie unter: www.weightloss4diabetes.co.uk

Literatur
[i] Diabetes – the policy puzzle: is Europe making progress? FEND & IDF Europe report, second edition. 2008
[ii] Zimmet P, Alberti KG, Shaw J. Global and societal implications of the diabetes epidemic. Nature. 2001;414(6865):782-787.
[iii] Khan MA, St Peter JV, Breen GA, Hartley GG, Vessey JT. Diabetes disease stage predicts weight loss outcomes with long-term appetite suppressants. Obes Res.2000;8(1):43-48
[iv] Zimmet P, Shaw J, Alberti KG. Preventing type 2 diabetes and the dysmetabolic syndrome in the real world: a realistic view. Diabet Med. 2003;20(9): 693-702.
[v] Wing RR, Marcus MD, Epstein LH, Salata R. Type II diabetic subjects lose less weight than their overweight nondiabetic spouses. Diabetes Care. 1987; 10(5):563-566
[vi] Obesity: guidance on the prevention, identification, assessment and management of overweight and obesity in adults and Children. NICE Guideline December 2006
[vii] Dixon, JB, O’Brien, PE et al. Adjustable gastric banding and conventional therapy for type 2 diabetes: a randomized controlled trial. JAMA. Vol 299 (3) January 2008
[viii] Chapman A, Game P, OBrien P, Maddern G, Kiroff G, Foster B, Ham J. Executive summary: Laparoscopic adjustable gastric banding for the treatment of obesity: Update and re-appraisal. Australian Safety and Efficacy Register of New Interventional Procedures-Surgical (ASERNIP-S) Report No. 31, Second Edition. Adelaide, South Australia: ASERNIP-S, June 2002.
[ix] Parikh MS, Shen R, Weiner M, Siegel N, Ren CJ. Laparoscopic bariatricsurgery in super-obese patients (BMI>50) is safe and effective: a review of 332 patients. Obes Surg. 2005 Jun-Jul;15(6):858-63
[x] Chapman AE, Kiroff G, Game P, Foster B, O’Brien P, Ham J, Maddern GJ. Laparoscopic adjustable gastric banding in the treatment of obesity: a systematic literature review. Surgery 2004;135:326-351

Potenzprobleme

(2009)

Potenzprobleme – Vorboten des Infarkts

Potenzprobleme weisen auf Gefäßschäden hin, die Jahre später zum Herzinfarkt führen können.

Lässt bei älteren Männern die Fähigkeit zur Erektion nach, kann dies ein erstes Anzeichen für Gefäßschäden im ganzen Körper sein. Die Betroffenen sollten sich deshalb vom Spezialisten untersuchen lassen, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Eine Ursache – viele Erkrankungen

Erektionsstörungen und Herzkreislauferkrankungen haben viel gemeinsam: Sie nehmen im Alter zu und treten häufiger bei Diabetikern, Rauchern und Männern mit hohem Blutdruck oder hohen Cholesterinspiegeln auf. Das deutet auf die gemeinsame Wurzeln hin, eine zunehmende Funktionsstörung des Endothels. Diese hauchdünne Zellschicht ist nicht, wie man früher glaubte, bloß eine „Tapete“, die die Blutgefäße von innen auskleidet. Das Endothel und sein Signalgeber, das Stickstoffmonoxid, halten den Blutfluss aufrecht. Sie stellen die Gefäße weit, regulieren die Blutgerinnung und halten Ablagerungen fern. Das gilt für die Herzkranzgefäße, wo ein Herzinfarkt entstehen kann, genauso wie für die so genannten Helixarterien, durch die das Blut in die Schwellkörper des Penis fließt.

Potenzprobleme als Vorboten für Herz-Kreislauferkrankungen

Interessanterweise gehen Erektionsstörungen den Herz-Kreislauferkrankungen, der häufigsten Todesursache, meist um Jahre voraus. In einer an der Universität des Saarlandes durchgeführten Studie berichteten vier von fünf Patienten mit zunehmender Herzschwäche über Potenzstörungen, deren Beginn bis zu sieben Jahre zurücklag. „Erektile Dysfunktion ist eindeutig ein Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen“, so Studienleiter Prof. Böhm. Deshalb sollten betroffene Männer das Problem nicht alleine mit Potenzpillen „kurieren“, sondern regelmäßig die Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen überprüfen lassen: Blutzucker, Blutdruck, Blutfette, Belastbarkeit des Herz-Kreislaufsystems usw. Der Vorsorgecheck beim Hausarzt deckt diese Risikofaktoren mühelos auf.

Blutdrucksenker als Potenzmittel?

Therapeutisch kommen nach diesen Befunden Wirkstoffe, die die Endothelfunktion verbessern, womöglich auch zur Behandlung von Potenzproblemen infrage. Normalerweise werde beispielsweise ACE-Hemmer und Sartane (letztlich Hemmstoffe des Eiweißes Angiotensin II) gegen hohen Blutdruck und bei Herzinsuffizienz verordnet. Man weiß, dass Angiotensin II nicht nur den Blutdruck steigert, sondern auch nach dem Geschlechtsverkehr den Penis erschlaffen lässt. Im Tierexperiment kann Angiotensin II eine Erektion verhindern – es sei denn, die Tiere wurden zuvor mit Angiotensin-II-Hemmstoffen behandelt. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartane) sind kürzlich in größeren Studien an Patienten mit Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen verglichen worden. Derzeit wird ausgewertet, ob sich bei den Teilnehmern auch eine eventuell vorhandene erektile Dysfunktion gebessert hat. Ein nächster Schritt wäre zu prüfen, ob sich die Medikamente gezielt gegen Potenzstörungen einsetzen lassen. Doch heute ist das noch Zukunftsmusik.

Kindern und Jugendlichen droht schlechtere Behandlung

(2009)

Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 droht schlechtere Behandlung

Fazit des IQWiG zu kurz wirksamen Insulinanaloga fehlerhaft

Kurz wirksame Insuline ermöglichen Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 ein fast normales Leben. Sie erhalten bisher entweder kurz wirksames Humaninsulin oder künstlich hergestelltes Insulin. Das heutige breite Therapieangebot hat messbare gesundheitliche Vorteile. Trotzdem könnte eines der Medikamente ?die kurz wirksamen Insulinanaloga ?schon bald nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, warnen diabetesDE und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetelogie (AGPD) der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Grund dafür ist ein kürzlich veröffentlichter Vorbericht des Instituts für Gesundheitswesen (IQWiG), in dem es den Zusatznutzen dieser Insulinart für Kinder und Jugendliche verneint. Die Diabetes-Experten fordern, dass das Institut in seinem Abschlussbericht den tatsächlichen Bedarf chronisch kranker junger Patienten berücksichtigt und das Therapieangebot erhalten bleibt.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen zurzeit unterschiedlich schnell und unterschiedlich lang wirkende Insuline. Diese ermöglichen eine Anpassung der Diabetes-Therapie an den Tagesablauf und damit ein altersgerechtes Heranwachsen. Die Therapievielfalt zahlt sich aus: In den letzten 15 Jahren habe sich der Stoffwechsel bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 messbar verbessert, betonen die Diabetes-Experten in einer Stellungnahme. So sei der Anteil der Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Normalbereich liegen, in diesem Zeitraum von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen.

Der aktuelle Vorbericht des Instituts für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Thema ?Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1? berücksichtige dies nicht: Der Nutzen kurzwirksamer Analoga sei nicht ausreichend belegt, um eine Erstattungsfähigkeit durch die Gesetzlichen Krankenkassen zu sichern, so das IQWiG. Nach Meinung der AGPD ist die Schlussfolgerung jedoch fehlerhaft: Aufgrund ethischer Bedenken bezüglich langfristiger pharmakologischer Studien mit Kindern und Jugendlichen liegt wenig Datenmaterial vor. Das IQWiG orientiert sich in seinem Bericht deshalb an Zielgrößen und Untersuchungen erwachsener Menschen. Er erfülle damit zwar formale Kriterien, so die AGPD, bilde jedoch nicht die Realität der pädiatrischen Diabetologie und den Bedarf chronisch kranker junger Menschen ab. Andere nationale Organisationen ? wie beispielsweise das National Institute for Health an Clinical Excellence in Großbritannien (NICE) ? bewertet das vorliegende Datenmaterial anders und empfiehlt kurz wirksame Insulinanaloga als Standard.

Die Experten der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen haben in einer ausführlichen Stellungnahme ihre Begründungen zum Vorbericht dem IQWiG zukommen lassen. Das Institut würdigt zurzeit die schriftlichen Stellungnahmen und erarbeitet einen Abschlussbericht für den Gemeinsamen Ausschuss (G-BA). Sollte das IQWiG bei seinem Ergebnis bleiben und der G-BA sich dieser Meinung anschließen, werden kurz wirksame Insulinanaloga zukünftig nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Die Diabetes-Experten von diabetesDE, AGPD und DDG fordern, das bisherige Therapie-Angebot zu erhalten, da es nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen spürbar verbessert. Es spart dem Gesundheitswesen auch viel Geld: Die Folgen von konstant normalen Blutzuckerwerten im Kindesalter sind deutlich weniger Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus. Insbesondere Fußamputationen, Nierenversagen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Blindheit lassen sich damit bei den erwachsenen Diabetes-Patienten vermeiden. Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Rund 25 000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland mit der bisher unheilbaren Erkrankung.

Weitere Informationen

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft / diabetesDE vom 07.07.2009 zum Vorbericht „Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 (Auftrag A08-01)“, verfasst vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).
Im Internet: http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/