News-Archiv: vor 2010

Patientenschutz

(2009)

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Besserer Schutz nach Behandlungsfehlern

Patientenrechte in Bürgerlichen Rechtsvorschriften verankern

Im März dieses Jahres folgte eine Delegation des Deutschen Diabetiker Bundes einer Einladung der SPD-Bundestagsfraktion in den Berliner Reichstag zu einem Expertengespräch. Thema war ein „Patientenrechtegesetz“. Vertreter der SPD-Bundestagsfraktion kündigten die Entwicklung einer entsprechenden Gesetzgebungsinitiative in der nächsten Legislaturperiode an.

In der Besprechung verwiesen die Politiker darauf, dass Patienten angesichts sich häufender schwerer Behandlungsfehler einen besseren Schutz als bisher benötigten. Mit den Vorbereitungen des Gesetzesentwurfes wurde der Bremer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Francke beauftragt. Es wurde in Aussicht gestellt, das Patientenrechtegesetz in bürgerlichen Rechtsvorschriften zu verankern. Dort sollen vorrangig materielle Schadensersatzansprüche und deren Durchsetzung einer gesetzlichen Regelung zugeführt werden.

Der Vorsitzende des Deutschen Diabetikerbundes, der Meininger Rechtsanwalt Dieter Möhler, beklagte in der anschließenden Diskussion, dass dieses Patientenrechtegesetz nach den vorliegenden Plänen lediglich wie eine Art „Reparaturwerkstatt“ funktionieren könne, wenn der eigentliche Schadensfall bereits eingetreten sei. Das Arzt-Patienten-Verhältnis müsse von Vertrauen geprägt bleiben. Die geplante Regelung sei zwar hinsichtlich der Einzelheiten durchaus begrüßenswert (Veränderung von Darlegungs- und Beweislast in Arzthaftpflichtfällen zugunsten des Patienten), käme aber für die Patienten in der Regel zu spät.

Rechtsanwalt Dieter Möhler weiter: Wenn die Anzahl der Behandlungsfehler zum Problem geworden sei, müsse nach den eigentlichen Ursachen geforscht werden: War der Zugang der Patienten zu aktuellen Therapiemöglichkeiten und Medikamenten in ausreichendem Umfang gewährleistet? Hätte man Behandlungsfehler verhindern können?

Trotz Notwendigkeit und Dringlichkeit ist vieles nicht mehr verordnungsfähig. Aus Sicht des Deutschen Diabetiker Bundes konnten die Initiatoren der Veranstaltung keine befriedigenden Antworten zu den Ursachen und Wirkungen geben.

Für den Deutschen Diabetiker Bund ist und bleibt auch künftig die Verordnung von wirkungsvollen Therapien und Medikamenten eine zwingende Notwendigkeit, um Behandlungsfehler auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Der Deutsche Diabetiker Bund bekundete seinen Entschluss, im Bezug auf die Stärkung der Patientenrechte inklusive einer Ausrichtung auf eine Prävention von Behandlungsfehlern bei allen Fraktionen des Deutschen Bundestages entsprechende Willensbekundungen einholen zu wollen.

Prof. Dr. Sawicki als befangen entlarvt

(2009)

Entwarnung: EU-Behörde sieht derzeit keine erhöhte Krebsgefahr durch Lantus

Mit Erleichterung hat der Deutsche Diabetiker Bund die aktuelle Mitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) zur Kenntnis genommen, wonach eine erhöhte Krebsgefahr durch das Analoginsulin Glargin (Handelsname: Lantus) nicht bewiesen sei. Nach eingehender Prüfung ist der EMEA-Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass die Studien wegen methodischer Schwächen zu widersprüchlich seien und nicht zu eindeutigen Ergebnissen kommen. Um den Verdacht endgültig ausräumen zu können, sollen weitere Untersuchungen auf den Weg gebracht werden.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Rechtsanwalt Dieter Möhler, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Mitverfasser der Studie, Prof. Dr. Peter Sawicki, durch seine Veröffentlichung Panik unter den Betroffenen ausgelöst habe. Hunderte von besorgten Anrufern mussten durch die Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter des DDB beruhigt werden.

Für Dieter Möhler beantwortet sich die Frage, warum Prof. Dr. Sawicki gerade jetzt mit diesen vermeintlichen Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen ist, wie von selbst. Prof. Dr. Sawicki ist Leiter des für die Kosten-Nutzenbewertung von Arznei-mitteln zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). In dieser Funktion ist er verantwortlich für eine gerade veröffentlichte Empfehlung an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Kostenerstattungspflicht von langwirksamen Insulinanaloga (und dazu gehört Lantus) aus dem Leistungs-katalog der Krankenkassen zu streichen. Im Übrigen ist soeben der Vorbericht „Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 – Nachfolgeauftrag“ erschienen. Da Prof. Dr. Sawicki seine Empfehlungen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses abgibt, muss er sich nun den Vorwurf eines Interessenkonfliktes gefallen lassen. Es ist ein Skandal, wenn IQWiG und Prof. Dr. Sawicki an einer Studie der AOK mitwirken und gleichzeitig in diesem Institut über die Kostenerstattungspflichten von Krankenkassen entscheiden. Von Unabhängigkeit kann in einem solchen Fall keine Rede mehr sein. Damit ist er in hohem Maße befangen. Dieter Möhler fordert deshalb, die Kosten-Nutzenbe-wertungen von Prof. Dr. Sawicki in seinem Institut neu aufzurollen.

Dieter Möhler weiter: „Wir verstehen das IQWiG als Verwaltungshelfer in diesem System. Auch bei diesem, als privat geltenden Auftrag, müssen die gesetzlichen Vorgaben wissenschaftlicher Ausarbeitungen sowie alters- und lebensspezifischer Besonderheiten unbedingt berücksichtigt werden.“ Die von der EMEA vorgenom-mene Ablehnung der Studie resultiert aus dem bewussten Übergehen gerade dieser Besonderheiten. Diese objektive Tatsache erregt bei uns Betroffenen die Besorgnis, dass die IQWiG-Darlegungen in dem Abschlussbericht nicht unparteilich, sondern einseitig „krankenkassenfreundlich“ sind. Das schließt eine Verwertbarkeit der IQWiG-Berichte aus, ebenso die weitere Mitwirkung von IQWiG-Mitarbeitern zu dem im Gemeinsamen Bundesausschuss anhängigen Insulinanaloga-Verfahrens.

Der Deutsche Diabetiker Bund wird beim unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess, wegen des vom IQWiG gesetzten „bösen Scheins der Befangenheit“ intervenieren. Eine weitere Mitwirkung von Prof. Dr. Sawicki im Verfahren zu den Insulinanalgo sollte unterbunden werden!

Ehrlich bleiben

(2009)

Zusatznutzen lang wirksamer Insulinanaloga anerkennen

Lang wirksame Insulinanaloga sind bisher Teil des Therapieangebotes auch für Menschen mit Diabetes Typ 2. Diese Insulinanaloga haben den Vorteil, dass sie meist nur einmal am Tag gespritzt werden müssen, damit der Grundbedarf an Insulin gedeckt ist. Studien haben ergeben, dass bedrohliche Unterzuckerungen mit lang wirksamen Insulinanaloga seltener vorkommen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE sind deshalb der Ansicht, dass lang wirksame Insulinanaloga die Diabetestherapie gerade bei Patienten verbessern, die unter nächtlichen Unterzuckerungen zu leiden haben. Außderdem erhöhen sie die Arzneimittelsicherheit.

Lang wirksame Insulinanaloga sind gentechnisch veränderte Insuline. Sie zerfallen sehr langsam nach dem Spritzen und wirken dadurch gleichmäßiger und länger. Viele Diabetiker kommen mit einer Injektion täglich aus, um ihren Grundbedarf an Insulin zu decken. Außerdem kommt ein zu starkes Absinken des Blutzuckerspiegels, die so genannte Hypoglykämie, im Vergleich zu herkömmlichen Verzögerungsinsulinen seltener vor.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) wird demnächst entscheiden, ob Gesetzliche Krankenkassen weiterhin lang wirksame Insulinanaloga in der Therapie des Diabetes Typ 2 erstatten. Grundlage dieser Entscheidung ist der kürzlich veröffentlichte Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Er benennt Studienergebnisse, nach denen Hypoglykämien bei lang wirksamen Insulinanaloga im Vergleich zu herkömmlichem Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) deutlich seltener vorkommen. Es ist nicht zu verstehen, dass dieser Zusatznutzen im Fazit des IQWiG-Berichtes keine Berücksichtigung findet!

Nach Meinung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und nach Meinung von diabetesDE bedeutet die geringere Hypoglykämie-Rate eine erhöhte Sicherheit für die Patienten und stellt deshalb einen belegbaren Zusatznutzen dar, der eindeutig im Bericht des IQWiG formuliert sein sollte, aber einfach weggelassen wurde.

Der Gemeinsame Bundesausschuss sollte seine Entscheidung daher auf der Grundlage der wissenschaftlichen Datenlage treffen.

Schwangerschaftsdiabetes

(2009) diabetes-news-pinguin

Wiederkehren des Diabetes nach einem Schwangerschaftsdiabetes verhindern

Diabetes-Präventionsstudie PINGUIN bis Ende 2010; Teilnahmemöglichkeit für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, bei dem Insulin gespritzt werden musste, verlängert

Das Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München verlängert die Möglichkeit bis zum Jahresende 2010, an der Diabetes-Präventionsstudie PINGUIN (Postpartale Intervention bei Gestationsdiabetikerinnen unter Insulintherapie) teilzunehmen! Das angestrebte Ziel besteht darin, mit Ernährungsberatung, Lebensstilintervention und dem Medikament Vildagliptin ein Wiederkehren des Diabetes nach einem Schwangerschaftsdiabetes zu verhindern oder zu verzögern. Vildagliptin ist bereits für die Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen und zeigt eine gute Wirksamkeit.

Die PINGUIN-Studie läuft seit Beginn des Jahres 2008. Bei den Teilnehmerinnen handelt es sich um eine Hochrisikogruppe von Frauen mit Gestationsdiabetes, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten. Vorausgegangene Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von zehn Jahren einen Diabetes entwickelt (Löbner et al., Diabetes 55:792, 2006). Bei Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten, um den Zuckerhaushalt im Normbereich zu halten, steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, innerhalb von 3 Jahren nach der Entbindung sogar auf 61% an.

Die ersten Teilnehmerinnen machen seit 18 Monaten bei der PINGUIN-Studie mit und vertragen das Studienmedikament Vildagliptin gut. Es gibt keine auffälligen Nebenwirkungen und noch keine Probandin hat einen Diabetes entwickelt.

Wie wichtig eine Intervention bei diesen Frauen ist, zeigt die Tatsache, dass drei Viertel der an der Studie teilnehmenden Frauen übergewichtig sind und einige sogar adipös. Bei Studienbeginn hatten viele bereits eine gestörte Glukosetoleranz. Eine Diabeteserkrankung bei nahen Verwandten ist sehr häufig. Eine weitere Zwischenauswertung bestätigt, dass etwa die Hälfte der Probandinnen keinerlei sportlicher Betätigung nachgeht und beim Aktivitätsmonitoring mit dem Schrittzähler unter der geforderten Minimalanforderung von 8000 Schritten pro Tag bleibt.

Diese ersten Ergebnisse zeigen im Rahmen der PINGUIN-Studie die Wichtigkeit einer Lebensstiländerung und Intervention. Faktoren wie Inaktivität und Übergewicht erhöhen das Risiko eines Typ-2-Diabetes oder eines erneuten Diabetes in einer folgenden Schwangerschaft. Das möchte das Institut für Diabetesforschung verhindern.

Teilnehmen können Frauen, die

  • während ihrer letzten Schwangerschaft einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatten
  • bis zum Studieneintritt abgestillt haben (Studieneintritt: frühestens ab Entbindung, spätestens neun Monate nach Entbindung)
  • mindestens 18 Jahre alt sind

Bei Interesse und für ausführliche Informationen wenden Sie sich bitte an

PINGUIN-Team
Forschergruppe Diabetes
Leitung: Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1
80804 München
Tel: 089 30682917
Fax: 089 30687509

Infos und Anmeldung (PDF 179KB)

Diabetes 2009

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„Diabetes 2009“ – ein voller Erfolg

Kongressmesse stieß bei Betroffenen und beim Fachpublikum auf eine riesige Resonanz

Zur Kongressmesse „Diabetes 2009“ in der Halle Münsterland kamen gut 2.000 Fachbesucher und mehr als 6.000 Gesundheitsinteressierte am Patiententag, der am Sonntag stattfand. Das ist eine ausgesprochen positive Bilanz der „Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln“ in Münster. „Die in ihrer Kombination aus Fachmesse, Kongress und Patiententag bundesweit einmalige Veranstaltung war damit ein voller Erfolg „, lautete das Fazit von Dr. Ursula Paschke, Geschäftsführerin des Messe- und Congress-Centrums Halle Münsterland.

Am Sonntag stand die dreitägige Messe Patienten und deren Angehörigen und allen Gesundheitsinteressierten offen. „Das Informationsbedürfnis der Besucher war enorm“, freute sich Thomas Arabin, Leiter des Geschäftsbereichs Eigenveranstaltungen. Der hohe Stellenwert des Patiententages lasse sich daran ermessen, dass renommierte Experten, die bereits auf dem Fachkongress referiert hatten, nun den Besuchern Rede und Antwort standen.

Mit mehr als 100 Ausstellern konnte die Messe neue Schwerpunkte setzen. Sie rückte die Lebensqualität von Diabetikern in den Vordergrund. „Neben den Anbietern von Pharmazeutika und Medizintechnik haben wir verstärkt Aussteller gewonnen, die Themen wie Ernährung oder Wellness abdecken“, erklärte Projektleiterin Christiane Eidmann. Im „Forum Prävention“ ging es dann auch um richtige Ernährung mit Gesundheitstests, die auf ein sehr großes Interesse der Besucher trafen. Viele Besucher ließen Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Fußdruck und Hörfähigkeit prüfen. Häufig übersehene Zusammenhänge wurden aufgedeckt: „Auch Parodontitis gehört zu den Folgekrankheiten eines Diabetes“, klärte Dr. Ludger Steinhaus, Zahnarzt aus Münster, auf.

Eine gewisse Sorglosigkeit der Menschen stellte Diabetesberaterin Marianne Stübbe vom Universitätsklinikum Münster fest: „Manche Besucher zeigten sich mit durchaus schon kritischen Messwerten noch zufrieden“, resümierte sie. In ihren Gesprächen wies sie auf die möglichen Gefahren hin.

Eine ebenfalls sehr positive Resonanz fand der Fachkongress am Freitag und Samstag. Themenschwerpunkte wie „Diabetes bei Kindern und Jugendlichen“, diabetische Augenerkrankungen, Neuropathie oder „Bewegung und Ernährung“ fanden Anklang beim Fachpublikum. Dazu zählten Ärzte, Apotheker und Diabetesberaterinnen.

Wissenschaft von der praktischen Seite präsentierten Meisterkoch Alfons Schuhbeck und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. Bei einer Kochshow am Freitagabend führte der Sternekoch sein Rezept für eine gesunde Ernährung vor: „Fleisch und Fisch lieber schonend garen statt heiß brutzeln. Das schont die Gefäße“.

Die eigene Gesundheit steht hoch im Kurs: Mehr als 6.000 Besucher kamen am Sonntag zum Patiententag der „Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln“.

Bluthochdruck

(2009)

Viel Salz, hoher Blutdruck!

Der Welt-Hypertonie-Tag richtet die Aufmerksamkeit auf Risikofaktoren für Bluthochdruck und betont dieses Jahr den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck. Der 17. Mai steht unter dem Motto „Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!“

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nr.1 – die Zahl der Betroffenen nimmt in einem besorgniserregenden Maße stetig zu. Mindestens 30 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits zu hohen Blutdruck. Man schätzt, dass bei den über 60-Jährigen jeder zweite einen zu hohen Bluthochdruck hat.

Bluthochdruck hat gravierende Folgen, denn er erhöht das Risiko deutlich, gefährliche (kardio-)vaskuläre Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Retinopathie, Demenz) zu erleiden. In Deutschland werden gegenwärtig rund 200.000 Schlaganfälle pro Jahr registriert, von denen 90.000 tödlich verlaufen. Wenn man bedenkt, dass 40 Prozent dieser Schlaganfälle und die daraus resultierenden Todesfälle durch eine bessere Blutdruckeinstellung verhindert werden könnten, wird deutlich, wie wichtig die Prävention ist. Die Prävention umfasst eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck. Leider ist die Dunkelziffer der Hypertonie nach wie vor sehr hoch, denn ein zu hoher Blutdruck macht normalerweise keine Symptome. Der Bluthochdruck wird oftmals erst gar nicht bemerkt. Über die Hälfte der Patienten ist nicht diagnostiziert und nur jeder dritte diagnostizierte Patient wird auch behandelt.

Auch die Prävention von Bluthochdruck steckt noch in den Kinderschuhen

Zwar sind die Ursachen der essentiellen Hypertonie multifaktoriell und nicht endgültig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren sind bekannt und könnten gut beeinflusst werden. Dazu gehört neben dem Rauchen und dem Übergewicht auch die salzreiche Kost. Was den wenigsten Menschen bekannt ist: Ein hoher Salzkonsum stellt einen Risikofaktor dar und kann zu Bluthochdruck führen.

Der Salzkonsum ist besonders problematisch, da wir oft unwissentlich „verstecktes“ Salz zu uns nehmen – und zwar via Konserven, Fertiggerichte oder Fastfood-Essen. Der durchschnittliche pro Kopf-Salzkonsum ist fast doppelt so hoch wie empfohlen. Nach Angaben der Welt-Hypertonie-Liga könnten jährlich weltweit 2,5 Millionen Todesfälle vermieden werden, wenn die Menschen ihren Salzkonsum auf maximal 6 Gramm/Tag halbieren würden. Der Welt-Hypertonie-Tag 2009 möchte darauf aufmerksam machen und das Bewusstsein für die Erkrankung Bluthochdruck schärfen. Das Motto des internationalen Aktionstages lautet: „Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!“

Die Erkrankung Bluthochdruck stellt eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft dar und ist bereits jetzt die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen. Der Bluthochdruck steht daher auch in diesem Jahr im Mittelpunkt des Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. in Wiesbaden unter der Kongresspräsidentschaft von Prof. Dr. med. Rainer E. Kolloch (Bielefeld). Im Rahmen der Kongresspressekonferenz am 20.04.2009 wurden die verschiedenen Aspekte der Hypertonie beleuchtet und Präventionsmaßnahmen dargestellt. Prof. Dr. med. Joachim Hoyer (Marburg), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. und der Deutschen Hypertonie Gesellschaft, wird auf der Pressekonferenz zur „weißen Gefahr“ sprechen – sein dringender Appell lautet: „Weniger Salz für alle!“

Durch konsequente Präventionsmaßnahmen können Bluthochdruck und die daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen vermieden werden. Am Welt-Hypertonie-Tag, am 17. Mai 2009, werden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen und kostenlose Blutdruckmess-Aktionen durchgeführt, zu denen die Deutsche Hochdruckliga aufgerufen hat (Liste unter www.hochdruckliga.de). Zudem hat die Hochdruckliga einen Informationsflyer zum Thema „Salz und Bluthochdruck“ erstellt, der ebenfalls online eingesehen und angefordert werden kann.

Diabetes News Welt Hypertonie Tag 2009

Infarktrisiko: Lipidwerte sagen nicht alles

(2009)

Das HDL-Dogma wankt – Menschen mit vererbt niedrigem Spiegel an HDL-Cholesterin sind nicht stärker herzgefährdet als andere – zumindest zeigt dies ein Experiment der Natur

Diabetiker haben bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Als wichtiger Risikofaktor gilt gemeinhin ein verändertes Blutfettprofil. Die gefährliche Konstellation besteht nach der Lehrmeinung in erniedrigten Blutspiegeln an HDL (High-Density-Lipoprotein, eine bestimmte Fraktion des Blutcholesterins), erhöhten Spiegeln für Triglyzeride und kleinen, dichten LDL-Partikeln (Low-Density-Lipoprotein). Schon vor 30 Jahren wurde die These vom reversen Cholesterintransport aufgestellt. Danach transportieren HDL-Teilchen gefäßverengendes Cholesterin aus der Gefäßwand zurück zur Leber. Sie sind der gefäßschützende Gegenspieler der LDL-Teilchen. „Ein Experiment der Natur“ bei Menschen, deren HDL-Spiegel genetisch bedingt niedrig sind, bringt diese pauschale Annahme ins Wanken.

KHK-Risiko sogar geringer als üblich

Dänische Forscher untersuchten Menschen mit einer bestimmten Genmutation (siehe unten), die besonders niedrige HDL-Spiegel aufweisen. Die Betroffenen hatten einen durchschnittlichen HDL-Spiegel von 41 mg/dl, gegenüber 58 mg/dl im Gesamtkollektiv von über 56000 Persoenen, aus denen diese Fälle stammten. Die Differenz von 17 mg/dl würde statistisch eine Erhöhung des KHK-Risikos um den Faktor 1,7 bedeuten. Jedoch lag das relative KHK-Risiko der Personen mit mutiertem Gen nur bei 0,93. Das eher erniedrigte Risiko war auch nicht mit niedrigen LDL-Spiegeln zu erklären; sie lagen im Normbereich.

Umgekehrt trifft auch die Annahme nicht immer zu, dass besonders hohe Spiegel an HDL-Cholesterin vor koronarer Herzkrankheit schützen. Die dänischen Forscher vermuten nun, dass es für das Gefäßrisiko gar nicht auf die Höhe des HDL-Cholesterins ankommt, sondern auf seine Qualität. Scheinbar gibt es gefäßschützende, aber auch entzündungsfördernde Varianten des Lipoproteins. Letztere würden die Atherosklerose fördern statt vermindern.

HDL über 60 mg/dl gilt als herzschützend

Die meisten Forscher sind aber der Meinung, dass die Ausnahmen nicht die Regel aufheben, wonach HDL über 60 mg/dl als kardioprotektiv angesehen wird. Der Grenzwert für niedriges HDL wird bei 40 mg/dl gesehen.

Selten: Vererbter HDL-Mangel

An der Entstehung der HDL-Teilchen, die überschüssiges Cholesterin aus der Gefäßwand abtransportieren und so die Gefäße schützen, ist das Gen und Protein ABCA1 beteiligt. Das Protein transportiert Cholesterin und Phospholipide aus dem Zellinneren von Makrophagen an die Oberfläche, wo dann das High-Density-Lipoprotein (HDL) gebildet wird. Bei Menschen mit der sehr seltenen Tangier-Erbkrankheit liegen reinerbig (homozygot) bestimmte Mutationen im Gen ABCA1 vor. Dies führt zu unmessbar niedrigen HDL-Blutspiegeln. Bei nur teilweiser Vererbung (Heterozygotie) entsteht der „familiäre HDL-Mangel“, die HDL-Spiegel sind deutlich erniedrigt. Triglyzeride sind nicht verändert.

Redaktion: Ralf Schlenger, Apotheker

Kritik an Frontal-21-Beitrag

(2009)

Kritik an Frontal 21

Wegener: Frontal21-Beitrag ignoriert vorgelegte Fakten zu Arzneimittelpreisen

Diabetes News Frontal 21

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) übt scharfe Kritik an dem Beitrag des ZDF-Magazin „Frontal 21“ zu den Medikamentenpreisen. „Warum verschweigt der Beitrag, dass die Pharmaindustrie zu weniger als 10% zu den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung beiträgt, die Preise seit Jahren rückläufig sind und sich die Preise in Europa schon durch unterschiedliche Mehrwertsteuersätze um bis zu 19% unterscheiden? Wie kann man suggerieren, dass mit 0,62 Prozent der GKV-Ausgaben das Gesundheitssystem saniert werden könnte?“ fragt der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Bernd Wegener.

Die Preise für Medikamente sind seit Jahren rückläufig. Das belegt der Arzneimittelpreisindex des wissenschaftlichen Instituts der AOK. Der Preisrückgang belief sich in 2007/2008 auf 5,6% im patentfreien Bereich und 1,5% bezogen auf den Gesamtmarkt. Die Effekte der Rabattverträge sind hierbei noch nicht einmal berücksichtigt. Die Preise nicht patentgeschützter Arzneimittel liegen laut einer Studie vom Juli 2008 inzwischen 24% unter dem Niveau in Frankreich und 16% unter dem Niveau in Großbritannien.

„Wie kann man da die Pharmaindustrie zum Preistreiber der Nation erklären?“, fragt Wegener. Die niedrigsten Mehrwertsteuersätze auf Arzneimittel liegen in Europa bei null Prozent – in Deutschland bei 19 Prozent. Schon deswegen müssen sich die Arzneimittelpreise erheblich unterscheiden.

Unternehmen müssen bei der Preisfestsetzung die Kaufkraft in den entsprechenden Ländern berücksichtigen. Daher kann es, wie bei allen anderen Produkten auch, keine einheitliche Preisfestsetzung in Europa geben.

In dem kritikwürdigen Beitrag von Frontal 21 wird ein Einsparpotential von einer Milliarde Euro genannt, wenn die 30 umsatzstärksten Medikamente an die jeweils niedrigsten Preise in Europa angeglichen würden. Ferner wird suggeriert, dass mit einer Angleichung der Medikamentenpreise in Europa Leistungseinschränkungen vermieden werden könnten. Diese eine angeblich einzusparende Milliarde Euro entspricht aber lediglich 0,62% der Ausgaben der GKV.

„Wie damit das Gesundheitssystem saniert werden soll, bleibt schleierhaft“, sagt Wegener. Die Fakten hatte die Redaktion auf dem Tisch, ignorierte sie aber. „Die Fakten passen wohl nicht ins Bild, stattdessen wird die Pharmaindustrie zu »einem Totengräber unseres Systems« erklärt – das ist ungerechtfertigt, unsachlich und einseitig“, so Wegener.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt mit seiner fast 60-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Arzneimittelforschung, -entwicklung, -zulassung, -herstellung und -vermarktung das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. Über 260 Unternehmen mit rund 72.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen. Dazu gehören klassische Pharma-Unternehmen, Unternehmen aus dem Bereich der Biotechnologie, der pflanzlichen Arzneimittel, der Homöopathie/Anthroposophie und Pharma-Dienstleister.

Übergewichtsrisiko verringern

(2009)

Übergewicht bei Kindern von Müttern mit Typ 1 Diabetes vorbeugen

Ergebnisse der BABYDIAB-Studie von der Forschergruppe Diabetes der TU München und dem Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München

Eine Typ 1 Diabetes-Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft erhöht nicht per se das Risiko der Kinder, später Übergewicht zu entwickeln. Vielmehr beeinflussen Faktoren, die mit einem mütterlichen Typ 1 Diabetes in Zusammenhang stehen, den Gewichtsverlauf der Kinder. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler von der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München bei einer Auswertung der BABYDIAB Studie. Untersucht wurde die Gewichtsentwicklung bis zum Alter von acht Jahren bei Kindern, die eine Mutter mit Typ 1 Diabetes haben im Vergleich zu Kindern einer nicht-diabetischen Mutter.

Aus einer früheren Auswertung der BABYDIAB Studie ist bereits bekannt, dass Kinder von Müttern mit Typ 1 Diabetes häufiger mit einem erhöhten Geburtsgewicht zur Welt kommen. Außerdem ergab eine Auswertung von Daten zweier Studien des Instituts für Diabetesforschung und des Forschungsinstituts für Kinderernährung, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes ihre Nachkommen seltener und kürzer stillen. Beide Faktoren erhöhen das Risiko der Kinder, später übergewichtig zu werden. Die Ergebnisse der BABYDIAB Studie weisen daraufhin, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes der Entwicklung von Übergewicht bei ihren Kindern vorbeugen können: Zum einen sollen sie versuchen, die Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft zu optimieren, damit das Geburtsgewicht des Kindes im Normbereich bleibt. Anzustreben ist ein HbA1c zwischen 5,7% und 7%. Zum anderen sollten schwangere Frauen mit Typ 1 Diabetes ermutigt und unterstützt werden, ihre Babys entsprechend den Empfehlungen der nationalen Stillkommission zu stillen. Das bedeutet, dass Mütter ihre Kinder bis zu sechs Monate voll stillen und mit der Einführung der Beikost nicht sofort abstillen sollten.

Literatur
Hummel S, Pflüger M, Kreichauf S, Hummel M, Ziegler AG. Predictors of Overweight during Childhood in offspring of Parents with Type 1 Diabetes. Diabetes Care, 2009
Schoen et al. Breastfeeding Duration in Families with Type 1 Diabetes Compared to Non-Affected Families: Results from BABYDIAB and DONALD Studies in Germany Breastfeeding Medicine 2008, Volume 3, Number 3: 171-175
Hummel S, Winkler C, Schoen S, Knopff A, Marienfeld S, Bonifacio E, Ziegler AG. Breast feeding habits in families with type 1 diabetes. Diabet Med 2007, 24: 671-676
Hummel M, Marienfeld S, Huppmann M, Knopff A, Voigt M, Bonifacio E, Ziegler AG. Fetal growth is increased by maternal type 1 diabetes and HLA DR4-related gene interactions. Diabetologia 2007, 50: 850-858

Folgeschäden bei Diabetes

(2009)

Diabetikern fehlt Gefäßschutz durch Vitamin B1

Diabetiker scheiden mehr Vitamin B1 aus als Gesunde. Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente

Schäden an Nieren, Nerven und Augen zählen zu den gefürchteten Spätfolgen des Diabetes. Doch der chronisch erhöhte Blutzucker ist nicht alleine schuld – zumindest nicht direkt. Er sorgt auch dafür, dass der Löwenanteil des zugeführten Vitamin B1 bei Diabetes über die Nieren ausgeschieden wird, statt im Körper zu bleiben. Vitamin B1 (Thiamin) ist notwendig, um den Organismus von gefäßschädigenden Abbauprodukten zu entgiften.

Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente. Zwei aktuelle klinische Studien mit Diabetikern stellten positive Effekte hochdosierter Vitamingaben auf eine vorhandene Albuminurie bzw. Polyneuropathie fest. Eine weitere Studie erklärt den Mechanismus, und warum das Labor selbst extreme Thiamindefizite oft nicht entdeckt.

Mit Vitamin B1 gegen neuropathische Schmerzen

Diabetische Polyneuropathie ist ein Folge angegriffener Nerven und Blutgefäße. Symptome sind Schmerzen oder auch Schmerzlosigkeit in den Füßen, Missempfindungen, Muskellähmungen. Eine Studie der Gießener Universitätsklinik untersuchte, ob die Gabe des Vitamin-B1-Ablkömmlings Benfotiamin gegen die Symptome hilft. Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe von Vitamin B1, die der Körper wesentlich besser aufnimmt als das wasserlösliche Vitamin selbst. Die Diabetiker erhielten sechs Wochen lang täglich 300 oder 600 mg Benfotiamin, oder Plazebo. Nach dieser Zeit hatte sich der Neuropathische Symptomen Score (NSS) in der Patientengruppe, die das Studienprotokoll eingehalten hatte, signifikant gebessert. Ein Zufallsergebnis war also ausgeschlossen. Tendenziell wurden auch Schmerzen reduziert: „Benfotiamin lindert auch ohne zusätzliche Gabe anderer Wirkstoffe die Schmerzen deutlich“, sagte der Endokrinologe Prof. Reinhard Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Gießen. Die deutlicheren Erfolge erzielte jeweils die höhere Dosis mit 600mg Benfotiamin. Die Verträglichkeit beider Dosierungen war gut.

Diabetes geht an die Nieren

Hilft auch die Gabe von Vitamin B1 selbst gegen diabetische Folgeschäden? Das Vitamin wird lediglich in „physiologischen“ Dosen von bis zu 1 mg vollständig vom Körper aufgenommen. Als Hochdosiertes Thiamin vermag dennoch in experimentellen Studien der Entwicklung einer Mikroalbuminurie (Übermäßige Ausscheidung von Bluteiweiß bei einer Nierenschädigung) vorzubeugen.

Inwieweit dies auch beim Menschen der Fall ist, untersuchte eine Forschergruppe der Diabetesklinik in Lahore/Pakistan. In der kleinen Studie bekamen 40 Typ-2-Diabetiker mit erhöhter Albuminausscheidung nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) entweder für drei Monate täglich 3 x 100 mg Thiamin oder ein wirkstofffreies Plazebo. Weder Arzt noch Patient wussten, wer einen Wirkstoff (Verum) und wer Plazebo erhält (Doppelblindstudie). In der Verumgruppe sank die Albuminausscheidung im Urin hochsignifikant um 17,7mg pro 24 Stunden, während sich unter Plazebo kein signifikanter Effekt zeigte. Man untersuchte noch weitere stoffwechselrelevante Zielgrößen, doch auf Blutzucker, Blutfette und Blutdruck hatte die Vitamintherapie keinen Einfluss. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. „Hochdosierte Thiamingaben können die Behandlung früher Stadien diabetischer Nehropathie verbessern“, resümieren die Forscher.

Thiamin hilft, gefäßschädigende Stoffe abzubauen

Das B-Vitamin Thiamin (Aneurin) spielt eine zentrale Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Thiamin ist auch für die Funktion eines wichtigen Entgiftungsenzyms, der Transketolase, unentbehrlich. Dieses Enzym bremst die zerstörerische Wirkung des erhöhten Blutzuckers. Fehlt Thiamin, ist dieser Entgiftungsprozess gestört. Zudem ist Vitamin B1 maßgeblich an der Erregungsleitung im Nervensystem beteiligt. Wegen der begrenzten Speicherkapazität und der hohen Umsatzrate muss Thiamin täglich in ausreichender Menge aufgenommen werden. Die empfohlene physiologische Zufuhr liegt bei täglich 1,1 bis 1,5 mg. Zur Vorbeugung und Therapie von Gefäßschäden werden wesentlich höhere Dosierungen eingesetzt.

Vitamin B1 bremst Glukosegiftigkeit

Die Konzentration des wasserlöslichen Vitamins im Bluplasma liegt bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes rund 75% niedriger als bei Gesunden, fanden britische Forscher heraus. Ursache des Thiamin-Defizites sei eine übermäßig gesteigerte Ausscheidung über die Nieren: Gegenüber Gesunden war diese bei Typ-1-Diabetikern 24-fach und bei Typ-2-Diabetikern 16-fach erhöht.

„Hohe Blutzucker-Konzentrationen unterdrücken in vitro die Expression eines Thiamin-Transporters in der Niere“, erklärte Dr. James Larkin aus der britischen Arbeitsgruppe. „Dieses Molekül begrenzt normalerweise die Thiamin-Ausscheidung. Fehlen Thiamin-Transporter, geht das Vitamin über den Urin verloren.“ Es unterbleibt die genügende Aktivierung der Transketolasen, somit wird das körpereigene Entgiftungssystem für Zwischen- und Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels ausgebremst.

Dies alles deutet darauf hin, dass der Weg von einem schlecht eingestellten Zuckerstoffwechsel hin zu mikrovaskulären Komplikationen wohl über den Verlust von Vitamin B1 führt, meinen die Forscher. Schädliche Effekte der Blutglukose auf die Gefäße nehmen zu. Für diesen Zusammenhang spricht auch der Anstieg von Blut-Markern für Gefäßschäden und Adernverkalkung bei Diabetikern mit Thiaminmangel. Die therapeutische Gabe von Vitamin B1 bzw. vitaminähnlicher Stoffe wie Benfotiamin kann die Aktivität der Transketolase um das Drei- bis Vierfache steigern – eine aussichtsreiche Option zur Vorbeugung und Behandlung diabetischer Gefäßkomplikationen.

Thiaminmangel maskiert sich selbst

Eine Erklärung, warum die starken Vitamin- B1-Verluste bei Diabetikern bisher weithin unbekannt waren, liefern die Wissenschaftler gleich mit: Bei der konventionellen Bestimmung des Thiamins, der Messung des Thiamin-Effekts in den Erythrozyten, wird der Mangel maskiert. Denn rote Blutkörperchen sind in der Lage, bei Thiaminmangel die Bildung von Transportproteinen zu steigern, die Thiamin in die Blutkörperchen einschleusen. Über diese ausgleichenden Mechanismen scheinen aber die gefährdeten Gewebe von Diabetikern, wie beispielsweise Nieren, Augen und Nerven, nicht zu verfügen. Hier kommt es zum Thiaminmangel auch in den Zellen – mit komplexen Stoffwechselstörungen als Folge.