News-Archiv: vor 2010

Hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

(2009)

Studien-Zwischenergebnis zur Kombinationstherapie Insulin plus Pioglitazon

Kombinierte Therapie hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Berlin – Eine Ursache des Diabetes Typ 2 besteht in der Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber der biologische Wirkung von Insulin. Ist diese Insulinresistenz ausgeprägt, wirkt auch das zugeführte Insulin im Rahmen einer Diabetes-Therapie nicht effektiv genug. Sogenannte Insulin-Sensitizer erhöhen die Insulin-Empflindlichkeit wieder. Seit 2007 ist in Deutschland eine kombinierte Therapie des Wirkstoffes Pioglitazon mit Insulin zugelassen. Die kürzlich veröffentlichte Zwischenauswertung einer laufenden Studie zeigt, dass diese Kombination effektiv und sicher ist.

Ärzte können die Kombination aus Insulin plus Insulin-Sensitizer Pioglitazon bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und einer ausgeprägten Insulinresistenz einsetzen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei ihnen die Standard-Kombination Insulin und Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht möglich ist. Diesen Patienten gelingt es trotz sehr hoher Insulindosen nicht, den Blutzucker langfristig zu normalisieren.

An der laufenden Studie beteiligen sich mehr als 4000 Patienten, die mit der Kombination Insulin und Pioglitazon behandelt werden. Die Befunde wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben. Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 2086 Patienten aus 408 diabetologischen Studienzentren zeigt positive Ergebnisse: „Die Blutzuckerwerte sanken um nahezu einen Prozentpunkt von 8,22 auf 7,26 Prozent“, erläutert Erstautor Privatdozent Dr. med. Rainer Lundershausen, Erfurt. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE empfehlen 6,5 Prozent als Ziel in der Diabetestherapie. Gleichzeitig benötigten die Patienten 22 Prozent weniger Insulin. Eine weitere günstige Begleiterscheinung der Behandlung waren bessere Blutdruck- und Blutfett-Werte der Studienteilnehmer. Die Therapie war mehrheitlich gewichtsneutral: Einige stark Übergewichtige nahmen deutlich ab, während einige andere Patienten an Gewicht zulegten.

Die meisten Patienten vertrugen die Kombination der beiden Medikamente gut. Bei jedem siebten Patienten kam es zu Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Ödeme bildeten sich aber unter der Therapie mit einem harntreibenden Mittel zurück. Kein Patient musste die Therapie deshalb abbrechen. Andere, bereits bekannte Komplikationen von Pioglitazon, wurden nicht beobachtet. Insbesondere können neben Wassereinlagerungen auch Herzschwäche oder erhöhte Anzahl von Knochenbrüchen bei Frauen auftreten.

Erhalten Patienten die Kombinationstherapie zum ersten Mal, sollte der Arzt die Insulindosis individuell reduzieren, um Unterzuckerungen vorzubeugen. diabetesDE und die DDG empfehlen, diese Patienten in den ersten Wochen intensiv zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Auftreten von Herzinsuffizienzsymptomen. „Die Auswertungen zeigen, dass Pioglitazon in Kombination mit Insulin schneller zur Wirkung kommt als in der Pioglitazon-Monotherapie“, betont Diabetologe Lundershausen. Entscheidend für einen unproblematischen Einstieg in diese Therapieform sei deshalb die kontinuierliche Anpassung der Insulindosis.

Zugelassene Insulin-Sensitizer sind in Deutschland Rosiglitazon und Pioglitazon. Sie erhöhen unter anderem die Insulinempfindlichkeit von Leberzellen, Muskulatur und Fettgewebe: Die Zellen nehmen dadurch mehr Zucker auf. Die Leber hingegen schränkt ihre Glukoseproduktion ein. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel sowohl nüchtern als auch nach Mahlzeiten.

Technologie zur Wundbehandlung

(2009)

Diabetes mellitus – eine Massenerkrankung

Alle 2 Sekunden entwickelt ein Mensch Diabetes. Alle 10 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Alle 30 Sekunden wird eine Amputation an den unteren Gliedmaßen als Folge von Diabetes vorgenommen. Diabetes mellitus ist zu einer weltweit verbreiteten Massenerkrankung geworden. Laut der „International Diabetes Federation“ sind aktuell 246 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Anzahl der Diabetes-Kranken bis zum Jahr 2025 auf 380 Millionen steigen wird.

2007 zählte Deutschland als einziges EU-Land zur Gruppe der 5 Länder mit den meisten Diabetikern. Angeführt wird diese Liste von Indien mit 40,9 Millionen Diabetikern, gefolgt von China mit 39,8 Millionen, die Vereinigten Staaten mit 19,2 Millionen, Russland mit 9,6 Millionen und Deutschland mit 7,4 Millionen Diabetikern. Bezogen auf den Anteil der Diabetiker an der Bevölkerung nimmt Deutschland mit 9% (7,4 Millionen Diabetiker bei 82 Millionen Deutschen) die unrühmliche Spitzenposition aus der Gruppe dieser 5 Länder ein. Platz 2 in diesem Negativranking wird von Russland mit 6,8% eingenommen, dicht gefolgt von den USA mit 6,1%. Platz 4 belegt Indien mit 3,4% und Platz 5 belegt China mit 2,9%. Die Anzahl der Diabetiker wächst jährlich um 7 Millionen weiter – so die Aussage des „International Diabetes Federation“.

Typen und Ursachen von Diabetes mellitus

Man unterscheidet Diabetes Typ1, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes sowie andere spezifische Diabetes Typen. Während es sich beim Typ1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, findet man die Ursachen für den Typ 2 vor allem in der Fettleibigkeit von Menschen sowie in deren mangelnde Bewegung. Und: Mehr als 90% der Diabetiker sind Typ-2 Diabetiker.

Und die Folgen von Diabetes?

Der Tod von jährlich 3,8 Millionen Menschen wird den Folgen von Diabetes zugeordnet. Damit ist Diabetes die vierthäufigste Todesursache. Fast alle Typ-2-Diabetiker haben auch Bluthochdruck, welcher weitere Spätfolgen vor allem an den Augen, den Nieren und den großen Blutgefäßen nach sich ziehen kann. Beispielsweise Diabetische Retinopathie, eine Erkrankung der Netzhaut des Auges. Geschädigt werden kleine Blutgefäße, was zu einer Minderung der Sehschärfe sowie einer Einschränkung des Gesichtsfeldes führt und bis zur Erblindung führen kann. In Europa und Nordamerika ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren.

Weitere Folgeerkrankungen sind bspw. Neuropathie (Erkrankungen des peripheren Nervensystems), Herzinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Apoplex (plötzliche Durchblutungsstörungen), Niereninsuffizienz oder auch Amputationen. 70 Prozent der Amputationen in Deutschland betreffen Diabetiker. In Zahlen heißt das 40.000 Amputationen an Diabetikern in Deutschland jährlich.

Und die Behandlungsmöglichkeiten?

Bei Typ-2 Diabetikern wird vor allem eine Gewichtsabnahme sowie vermehrte Bewegung als Therapie angeraten. Doch wenn nun bereits die Amputation oder Erblindung droht? Einige Unternehmen haben sich auf die Behandlung solcher Patientengruppen spezialisiert:

Tissue Therapies

Das an der ASX in Sydney gelistete Unternehmen Tissue Therapies hat sich auf Wundbehandlungen spezialisiert. Auf Wunden, die schlecht oder gar nicht heilen. Wie bei vielen Diabetikern. Die zugrundeliegende VitroGro®-Technologie befindet sich derzeit in klinischen Tests, u.a. in Toronto, Kanada.

Aktuell findet eine Studie in Toronto zur Behandlung von Diabetes- und Venen-Geschwüren statt. Zwischenergebnisse des 1. in dieser kanadischen Studie (10 Patienten) behandelten Patienten zeigten eine 29%ige Reduktion des Diabetes-Geschwürs innerhalb von 6 Wochen, nachdem konventionelle Behandlungsmethoden über einen Behandlungszeitraum von über 2 Jahre nicht anschlugen. Das Unternehmen Thissue Therapies wertet dieses Resultat als sehr bemerkenswert, denn bei diesem Patienten (Raucher, Langzeitdiabetiker, Bluthochdruck, zahlreiche Diabetes-Geschwüre) war bereits eine Amputation aufgrund eines Diabetes-Geschwürs vorgenommen worden und es war vor dem Behandlungsbeginn erwogen worden, den Fuß aufgrund der anhaltenden Schmerzen, sozialen Isolation sowie der reduzierten Mobilität zu amputieren. Bei einem weiteren 60-jährigen Diabetiker (auch Dialyse-Patient), welchem bereits untere Gliedmaßen als Folge von Diabetes amputiert worden waren, reduzierte sich das Fußgeschwür um 32% innerhalb von 6 Wochen.

pSivida Ltd.

pSivida Ltd, ein gelistetes australisch-amerikanisches Unternehmen, ist spezialisiert auf „Trägersysteme“ für Medikamente, welche nur langsam und über einen längeren/langen Zeitraum an den Körper abgegeben werden sollen. Das Produkt IluvienTM wurde zur Behandlung von diabetischem Makulaödem entwickelt. Ein diabetisches Makulaödem ist bei Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, die häufigste Ursache für eine Verschlechterung der Sehschärfe. Iluvien wird in den hinteren Teil des Auges mit einer Nadel injiziert und kann dann über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren entsprechende Medikamente im Auge freisetzen.

Rauchen und Körpergewicht

(2009)

Warum nehmen Ex-Raucher zu?

Um dies zu klären, startete die Uni Dresden einen Rauchentwöhnungskurs der besonderen Art

Das Problem ist lange bekannt: Wer mit dem Rauchen aufhört, wird leicht im Anschluss mit einer Gewichtszunahme „bestraft“. Untersuchungen haben gezeigt, dass Ex-Raucher nach sechsmonatiger Abstinenz durchschnittlich fünf Kilo an Körpergewicht zugelegt haben. Nach fünf Jahren bringen etwa jede fünfte Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige Raucher führen diese Effekte auf einen spürbar gesteigerten Appetit zurück.

Zwickmühle gerade für Diabetiker

Für Diabetiker ist das Dilemma besonders groß: Einerseits sollten sie dem blauen Dunst ade sagen, weil Rauchen die vom Blutzucker eh schon angegriffenen Gefäßwände schädigt, Insulinresistenz fördert und das Risiko für Infarkte steigert. Letztlich sterben die meisten Zuckerkranken an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andererseits sollen Diabetiker ihr Körpergewicht auf Normalmaß bringen und halten, weil Übergewicht dieselben Risiken verstärkt, Diabetes und Herz-Kreislauf-Gefahr fördert. Daher stellt eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp eine zusätzliche Hürde für die Entwöhnungswilligen dar.

Obgleich das Dilemma lange bekannt ist, zeigen die verfügbaren Entwöhnungsprogramme für Raucher kaum Möglichkeiten auf, eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Das Rauchfrei-Therapieprogramm

Dies wollen Forscher des Universitätsklinikums Dresden ändern. In einer Studie mit freiwilligen Teilnehmern wollen sie herausfinden, wie sich die Gefahr der Gewichtszunahme während und nach einer Raucherentwöhnung senken lässt. Dazu bieten sie in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der Technischen Universität eine Entwöhnungsbehandlung an. Untersucht werden sollen 75 Raucher vor und nach dem Rauchstopp und drei bzw. sechs Monate danach. Der Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm, dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. In Gruppensitzungen, Telefongesprächen und mit Hilfe eines Pakets von Materialien werden die Teilnehmer fundiert über die Rauchentwöhnung und ihre Fallstricke aufgeklärt und auf ihrem Weg aus dem blauen Dunst unterstützt.

Entwöhnung im Dienst der Wissenschaft

Während der Studie werden bei den Probanden die Blutspiegel bestimmter Hormone gemessen, wie Insulin, Leptin und Ghrelin. Diese Hormone sind an der Appetitregulation beteiligt und ihre Ausschüttung wird durch Nikotinzufuhr bzw. Rauchstopp verändert. Das „Speicherhormon“ Insulin fördert den Aufbau von Fett. Das im Magen gebildete Hormon Ghrelin regt den Appetit an, während Leptin hier als Gegenspieler auftritt.

Veränderungen im Haushalt dieser appetitregulierenden Botenstoffe könnten die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp erklären, meinen die Forscher. Außerdem ist bekannt, in welchen Hirnregionen Informationen über Hunger und Sättigung verarbeitet werden (z.B. Hypothalamus, Lobus frontalis). Mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Kernspintomographie wird daher auch untersucht, wie diese Hirnstrukturen bei Nikotinentzug reagieren und wie sie zusammenwirken.

Zertifizierter Kurs

Das Rauchfrei-Programm, in dessen Rahmen die Untersuchungen stattfinden, wurde von den Krankenkassen zertifiziert. Sie übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten. Die Studienteilnehmer erhalten außerdem eine Aufwandsentschädigung. Entwöhnungswillige Nikotinjünger aus dem Raum Dresden können sich gerne unter der Telefonnummer 0351 46342205 melden.

Blutzuckerselbstkontrolle

(2009)

Teuer und nicht sexy

Technisches, Praktisches und Erstaunliches erfuhren die Teilnehmer eines Symposiums zur Blutzuckermessung im Rahmen der DDG-Herbsttagung in Berlin. So unter anderem, dass es ein solches Symposium auf dem EASD-Kongress nicht gab – trotz jährlicher Kosten von 700 Millionen Euro.

Man stelle sich das einmal vor: Auf der nächsten DDG-Tagung würde statt über die Leistung bei Blutzuckersenkung und Ereignisvermeidung über die Farbe der Tablette diskutiert werden – undenkbar. Für den Bereich der Blutzuckermessgeräte scheint Prof. Dr. med. Lutz Heinemann dies nicht für komplett ausgeschlossen zu halten, denn gleich zum Beginn des von ihm moderierten Symposium „Blutzuckermessung – Magie der Zahlen“ auf der DDG Herbsttagung drückte er seine Freude aus, „dass man sich weniger über die Farbe des Gehäuses unterhält denn über die Güte der Messung.“

Das von Menarini Diagnostics unterstützte Symposium informierte in drei Vorträgen über den richtigen Zeitpunkt, das richtige Messgerät und den richtigen Wert der Blutzuckermessung – und wie sehr sich die Koryphäen der Szene über eine solche Veranstaltung freuen, zeigt, dass das Thema im Alltag des Medizinbetriebs wohl wirklich ein wenig abseits steht.

Wann misst man postprandial?

Dr. med. Guido Freckmann vom Ulmer Institut für Diabetes-Technologie versuchte eine Antwort auf die Frage, wann man postprandial den Blutzucker messen sollte. Noch vorher müsse man aber wissen, welche postprandialen Werte man denn erreichen will, sonst könne man die Messung auch weglassen, warnte Freckmann.

Seine Gruppe hat dazu Untersuchungen an 24 Gesunden gemacht, die Standardabweichung des Werts sei bei Gesunden zwei Stunden nach einer Mahlzeit am geringsten, sein Maximum erreiche der Blutzucker bei ihnen zwischen 35 und 55 Minuten nach dem Essen. „Was sehr einheitlich ist, ist dass Gesunde rasant hoch und rasant runter gehen“, die höchsten Werte lagen um die 160. Bei gleicher Mahlzeit waren in entsprechenden Versuchen an Diabetikern die Blutzucker-Ausschläge nach dem Frühstück am höchsten, hier sei sogar bei kurzwirksamen Analoga ein Spritz-Ess-Abstand ratsam, so Freckmann. Nach seiner Erfahrung kann man mit Messungen vor dem Essen sowie eine, zwei und dreieinhalb Stunden nach der Mahlzeit die Blutzucker-Kurve ähnlich gut erfassen wie mit kontinuierlichen Glukose-Messsystemen. Für Maxima sei der Ein- oder Eineinhalb-Stunden Wert wahrscheinlich besser als der Zwei-Stunden-Wert, fasste er die Ergebnisse zusammen.

Messbare Erfolgsgeschichte

Über den „bunten Zoo“ der Blutzuckermessgeräte und die vielfältigen möglichen Einflussfaktoren auf deren Genauigkeit referierte der Labormediziner Dr. med. Christoph Niederau aus Dortmund. Als „gute Nachricht“ und „schönen Erfolg“ bezeichnete er die Entwicklungsgeschichte der Patientengeräte, deren Variationskoeffizienten seien „gut akzeptabel“. Unter den zahlreichen potentiellen Einflussfaktoren auf die Güte der gesamten Blutzucker-Messung hob Niederau Grundlegendes wie durch zu starkes Drücken bei Blutgewinnung hinzukommendes Gewebswasser hervor, aber auch eher Unbekanntes wie die in allen Beipackzetteln zu Messgeräten zu findende Warnung vor einem eingeschaltetem Handy in der Nähe des Geräts wegen elektromagnetischer Strahlung.

Auch eine Anekdote am Rande erzählte der Dortmunder Mediziner zum Thema Einflussfaktoren: Ein Hersteller von Messgeräten evaluiere seine Produkte zum Beispiel in den peruanischen Anden, da dort ein niedriger Sauerstoff-Partialdruck und Menschen mit einem hohen Hämatokrit zusammen vorzufinden sind. Eine gute Schulung, so der Labormediziner zum Schluss, sei aber ein viel beeindruckenderer Faktor als alle technischen Details für die Messgenauigkeit: Niederau zeigte eine Studie von Skeie und Kollegen, in der von Patienten aufgenommene Messreihen mit denen des technischen Personal verglichen wurden; die Werte der Fachkräfte lagen deutlich näher beieinander als die der Patienten. Während die Fachkräfte in der Studie zwischen 0 und 20 Prozent über dem mit einer Referenzmethode gemessenem Wert lagen, streuten die Patienten zwischen plus und minus 40 Prozent.

Wenig Daten

Heinemann selbst wies in seinem Vortrag mit dem Untertitel „Sind alle Messgeräte gleich?“ darauf hin, dass man bei einer Recherche nach Studien zum Thema Blutzuckermessung kaum Publikationen findet. Einige Fragestellungen, die er gerne einmal beantwortet hätte, nannte der Düsseldorfer Diabetestechnik-Experte:

  • Wie hoch ist die dem verwendeten Enzym und anderen Herstellungsfaktoren geschuldete Variabilität zwischen den verschiedenen Chargen der Teststreifen, auch jetzt in der Ära „ohne Codierung“?
  • Wie verändert sich die Leistung mit der Lebensdauer der Geräte?

Auch eine Clamp-Studie mit Blutzuckermessgeräten wünscht Heinemann sich, da gerade deren Richtigkeit und Präzision bei einem definiertem Glukosewert unter- und oberhalb des üblichen Bereichs 80 bis 200 mg/dL interessant seien. „Das Thema Blutzuckermessung ist nicht sexy genug“, fasst er die Lage zusammen, auf dem letztjährigen EASD-Kongress in Rom habe es zum Beispiel keine einzige Session zu diesem Komplex gegeben – bei rund 700 Millionen Euro Kosten in Deutschland im Jahr sei das erstaunlich.

Er wies auch darauf hin, dass mitnichten alle in Deutschland auf dem Markt befindlichen Geräte die Iso-Norm 15197 erfüllen müssen, lediglich ein CE-Zeichen ist Pflicht. Heinemann plädierte für einen Führerschein für Blutzuckermessgeräte, ganz wie beim Auto mit Theorie- und Praxis-Teil, inklusive dem Thema „Was tue ich mit dem Wert?“. Ein Plädoyer anderer Art erwartet Heinemann auch demnächst: Gerüchteweise komme der Iqwig-Vorbericht zur Blutzucker-Selbstkontrolle Anfang 2009.

Saisonale Grippe

(2009)

Saisonale Grippeimpfung – für chronisch Kranke ein Muss

Im Zuge der Impfung bestimmter Bevölkerungsgruppen gegen die Neue Grippe Typ H1N1 – die Schweinegrippe – sollte die Impfung gegen die jährlich auftretende, saisonale Grippe nicht vergessen werden. Der Kreis der Personen, für die die beiden Formen der Grippeimpfung empfohlen werden, unterscheidet sich zum Teil. Eine Gruppe, für die in jedem Fall beide Impfungen – gegen die Schweinegrippe und die saisonal auftretende Grippe – empfohlen wird, ist die Gruppe der Menschen mit chronischen Erkrankungen. Doch gerade dieser besonders stark durch die Grippe gefährdete Personenkreis hat sich hier bisher nachlässig gezeigt – zu wenige ließen sich in den letzten Jahren gegen die saisonale Grippe impfen.

Nur jeder vierte chronisch Kranke gegen saisonale Grippe geimpft

Während sich gut die Hälfte der Über-60-Jährigen, für die die saisonale Grippe ebenfalls eine besonders große Gefahr darstellt, jedes Jahr impfen lässt (56% im Winter 2007/2008), sind von den chronisch kranken Menschen nur wenig mehr als ein Viertel vor der saisonalen Grippe geschützt (28% im Winter 2007/2008). Dabei kann die Infektion gerade für diese Gruppe sehr gefährlich sein, warnt Dr. Peter Lehmann, der als Internist in München häufig Grippeerkrankungen behandelt: „Bei chronisch Kranken ist die körpereigene Abwehr oft geschwächt, deshalb erkranken sie schwerer und sie leiden häufiger unter Komplikationen einer Grippe als gesunde Menschen“, so der Grippe-Experte.

Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe zählen laut Dr. Lehmann Lungenentzündungen, schwere Bronchitis, Herzinfarkte und Schlaganfälle. „Außerdem kann sich die chronische Erkrankung durch eine Grippe erheblich verschlimmern“, sagt Dr. Lehmann. So kann es zum Beispiel bei Asthma-Erkrankungen durch eine Grippe zu besonders schweren Asthma-Attacken kommen. Asthmatiker gehören daher wie auch Menschen mit chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und angeborener oder erworbener Immunschwäche zu dem Personenkreis, für den eine Impfung gegen die saisonale Grippe ausdrücklich von den Gesundheitsbehörden empfohlen wird. „Wer an einer chronischen Erkrankung leidet und noch nicht gegen saisonale Grippe geimpft ist, sollte dies umgehend nachholen“, rät Lehmann daher.

Die Impfung gegen die saisonale Grippe ist gut verträglich

Standard-Grippeimpfstoffe sind bei gesunden, jüngeren Erwachsenen gut wirksam. Bei chronisch Kranken kann jedoch die Schutzwirkung der Impfung mit einem gewöhnlichen Grippeimpfstoff etwas geringer ausfallen. Grund ist das schwächere Immunsystem bei dieser Gruppe, das in manchen Fällen zur Folge hat, dass nach der Impfung weniger Antikörper gegen die Grippeerreger gebildet werden. Deswegen auf die Impfung zu verzichten, wäre aber völlig falsch, meint Dr. Lehmann: „Ein etwas geringerer Schutz gegen die Grippe ist in jedem Fall besser als gar keiner – gerade bei diesen besonders gefährdeten Patienten.“

Vorteile durch wirkungsverstärkten Impfstoff

Vorteile bei Menschen mit geringerer Immunfunktion bietet der Einsatz eines wirkverstärkten Grippeimpfstoffs (Fluad®). Ein solcher Impfstoff steht bereits seit über 12 Jahren für Menschen ab 65 Jahren zur Verfügung und hat sich bei diesem Personenkreis bewährt. Er enthält eine wirkungsverstärkende Substanz (MF59), die die Reaktion des Immunsystems auf Impfungen steigert und dazu führt, dass bei den geimpften Senioren mehr Antikörper gegen Grippeviren gebildet werden als bei Standardimpfstoffen. Auf diese Weise wird auch bei dieser Gruppe trotz schwächerem Immunsystem ein besserer Schutz gegen die Grippe erzielt. Hinzu kommt, dass dieser Impfstoff auch dann noch schützt, wenn plötzlich leicht veränderte Grippeviren kursieren sollten. Ein weiteres wichtiges Argument für die Impfung ist die Auswertung von Fallkontrollstudien, die bei entsprechend geimpften Senioren im Vergleich zu Ungeimpften einen erheblichen Rückgang akuter stationärer Klinikaufenthalte aufgrund von Grippe-Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Schlaganfällen und akuten Herzerkrankungen während der Grippesaison gezeigt hat. Die Impfung ist gut verträglich. MF59 besteht im Wesentlichen aus Squalen, einer Substanz, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Die Substanz wird nach der Impfung vollständig im Körper abgebaut.

Weitere Informationen unter: www.influenza.de

Abnehmen mit Wassertrinken

(2009)

Wassertrinken vor dem Essen wirkt!

Forum Trinkwasser informiert: Wassertrinken ist doppelt gut beim Abnehmen

Wer vor dem Essen einen halben Liter Wasser trinkt, isst anschließend weniger und verbraucht außerdem mehr Kalorien. Forscher der Virginia Tech, Blacksburg/USA, erbrachten erstmals den Nachweis, dass Wassertrinken vor der Mahlzeit dazu führt, dass weniger Kalorien aufgenommen werden (1). Zusätzlich erhöht es den Energieverbrauch bei Übergewichtigen (2), wie eine vom Forum Trinkwasser unterstützte Studie der Charité zeigt. Normalgewichtige profitieren von diesem Effekt sogar noch stärker (3), so dass Wassertrinken vor dem Essen sogar eine Vorbeugemaßnahme sein kann, die das Dickwerden verhindern hilft.

Bisher wurde nur angenommen, dass das Wassertrinken vor dem Essen das Hungergefühl durch den gefüllten Magen reduziert. Diese Vermutung haben Forscher aus den USA nun bei übergewichtigen und adipösen Personen untersucht. Sie erhielten ein aussagekräftiges Ergebnis: Nach dem Trinken von einem halben Liter Wasser vor dem Essen reduzierte sich die Kalorienzufuhr durch das folgende Frühstück um durchschnittlich 75 Kilokalorien (1). Was zunächst wenig erscheint, wird zu einer Summe von 27.375 Kilokalorien, wenn man den Effekt auf ein Jahr hochrechnet. Diese Kalorienmenge entspricht dem Kalorienaufkommen, das in 3 Kilogramm Fett steckt!

Zusätzlich belegte eine Studie, dass auch normalgewichtige, ältere Probanden nach dem Wassertrinken weniger essen (4).

Wassertrinken vor dem Essen spart also nicht nur Kalorien, sondern es kurbelt auch den Kalorienverbrauch an: Wer etwa 2 Gläser Wasser vor dem Essen trinkt, verbraucht zusätzliche Kalorien (2). Bei 1,5 bis 2 l Leitungswasser täglich lässt sich ein Mehrverbrauch von bis zu 100 Kilokalorien hochrechnen.

Das regelmäßige Trinken von Leitungswasser vor einer Mahlzeit hat also gleich zwei positive Effekte: Das Hungergefühl wird überlistet, wodurch weniger gegessen wird, und der Kalorienverbrauch erhöht sich.

Literatur
(1) Davy et al. J Am Diet Assoc. 2008; 108
(2) Boschmann et al. J Clin Endocrinol Metab. 2007; 92
(3) Boschmann et al. J Clin Endodrinol Metab. 2003; 88
(4) Van Walleghen et al. Obesity. 2007; 15

 

Neue Forschungsergebnisse zu Fettleibigkeit

(2009)

Nach Einschätzungen einer britischen Studie sterben stark übergewichtige Männer bis zu 10 Jahre früher

Eine neue Studie der Cass Business School zeigt, dass ein junger, stark übergewichtiger Mann mit einem Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) von über 40 bzw. einem Taille-zu-Höhe-Verhältnis (Waist to Height Ratio, WHtR) von über 0,74 vermutlich mehr als 10 Jahre, wahrscheinlich sogar an die 20 Jahre früher stirbt als ein Mann mit optimalen Werten. Diese Zahlen beziehen sich auf Nichtraucher. Die Studie beruht auf in Großbritannien erhobenen Daten und stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer geringeren Lebenserwartung her.

Für ihre Forschungsarbeit „A study into the detrimental effects of obesity on life expectancy“, die die Cass Business School gemeinsam mit dem Berufsstand der Aktuare veröffentlicht hat, führte die Schule versicherungsmathematische Berechnungen mittels BMI- und WHtR-Werten (BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]) durch, um die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die Sterblichkeitsrate zu messen.

Dr. Ben Rickayzen, Koautor der Studie und Leiter der Fakultät für Aktuarswissenschaften und Versicherungswesen an der Cass Business School sagt: „Die vorliegende Studie befasst sich mit einem Thema, das das britische Gesundheits- und Versicherungssystem sowie die Sozialpolitik in Großbritannien gleichermaßen betrifft und die jüngste Regierungspolitik in ihrer umfassenden Ernährungskampagne bestätigt. Nach neuesten Berichten der englischen Gesundheitsbehörde sind etwa 24% der Bevölkerung fettleibig. Fettleibigkeit ist ein relativ neues Phänomen. Die Medizin kann dieses durch Ernährungs- und Sportprogramme bis zu einem gewissen Grad abfangen, die höheren Gesundheitsausgaben wird jedoch die Gesellschaft tragen. Sollte die Anzahl der Fettleibigen zudem weiter steigen, rechnen die Krankenkassen mit noch größeren Belastungen, da Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zunehmen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Starke Fettleibigkeit vermindert besonders bei Männern die Lebenserwartung. Eine 30-jährige Frau mit einem BMI von 45 bzw. einem WHtR von über 0,8 stirbt durchschnittlich 13 Jahre früher. Im Vergleich zu einer Frau mit normalen Werten entspricht dies einer Verringerung der Lebenserwartung um 23%. Ein Mann stirbt im Durchschnitt 20,8 Jahre früher, was einem Verlust von 42% der ursprünglichen Lebenserwartung entspricht. Diese Ergebnisse beruhen auf einer relativ kleinen Stichprobe und sind deshalb nicht ohne Vorbehalt zu betrachten.

Selbst Männer mit nur leichtem Übergewicht haben eine verringerte Lebenserwartung! Ein 30-Jähriger mit einem BMI von 34 stirbt durchschnittlich 4 Jahre früher, eine gleichaltrige Frau mit gleichem BMI nur 2 Jahre früher. Die gute Nachricht ist jedoch, dass übergewichtige Männer und Frauen ihre Lebenserwartung steigern können, indem sie ihren BMI oder WHtR reduzieren. Beispielsweise lebt ein 30 Jahre alter Mann 2,3 Jahre länger, wenn er statt 107 nur noch 97 kg wiegt. Die Forschungsergebnisse lassen somit vermuten, dass eine einfache Gewichtabnahme die Lebenserwartung steigert.

Wenn Arzneimittel zu Mineralstoff-Räubern werden

(2009)

Wenn Arzneimittel zu Vitamin- und Mineralstoff-Räubern werden

Wirkstoff-Check im Internet

Stuttgart (ots) – Viele Arzneimittel, die gerade chronisch Kranke wie Diabetiker oder Bluthochdruck-Patienten über Jahre hinweg einnehmen, können die Vitamin- oder Mineralstoff-Versorgung des Körpers erheblich stören und so Mangelzustände an diesen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen verursachen. „In der Praxis werden Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Biofaktoren kaum beachtet“, beklagt die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Dabei seien damit ernstzunehmende Gesundheitsrisiken verbunden, die sich leicht vermeiden ließen, warnen die Wissenschaftler.

Aus diesem Grund hat die Gesellschaft für Biofaktoren im Internet unter www.gf-biofaktoren.de einen Wirkstoff-Check mit einer Auswahl der wichtigsten Vitamin- oder Mineralstoff-raubenden Medikamente veröffentlicht. Hier kann sich jeder informieren, welche Arzneimittel die Aufnahme oder Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen, welche Mangelsymptome und Gesundheitsstörungen das zur Folge haben kann und wie man gegensteuert.

Die Liste reicht von dem sehr häufig verordneten Diabetes-Medikament Metformin über Wirkstoffe gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen bis zur Anti-Baby-Pille. Insbesondere B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium werden häufig Opfer der medikamentösen Behandlung.

„Werden Defizite an diesen Biofaktoren nicht ausgeglichen, kann die Therapie unter Umständen zum Bumerang werden“, warnen die Experten von der GfB: Ein Mangel an B-Vitaminen und Magnesium sei beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch Blutbildungsstörungen, Nervenerkrankungen, depressive Verstimmungen und nachlassende geistige Fähigkeiten können Folgen einer Unterversorgung mit diesen essentiellen Stoffen sein. „Besteht ein Mangel, sollte der entsprechende Biofaktor durch ein Präparat ergänzt werden“, raten die Wissenschaftler von der GfB. So könne eine notwendige medikamentöse Behandlung leicht abgesichert und ein überflüssiges Risiko verhindert werden. Zusätzlich sollte natürlich immer auf eine ausgewogene, biofaktorenreiche Ernährung geachtet werden – auch hierzu findet man Informationen im Internetportal der GfB: www.gf-biofaktoren.de.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

(2009)

Wie viele Einstiche verträgt eine Kinderseele?

Es kann jedes Kind treffen, von einer Minute auf die andere, ohne große Vorwarnung: zuckerkrank!

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 2.000 Kinder neu an dieser unheilbaren Krankheit. Der Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist eine Autoimmunkrankheit, bei der es zu einer Selbstzerstörung der insulinproduzierenden ß-Zellen kommt, die Ursache hierfür ist bis heute immer noch ungeklärt. In der breiten Öffentlichkeit ist die Zuckerkrankheit bei Kindern meist unbekannt, obwohl in Deutschland jeden Tag 3 – 4 neu diagnostizierte kleine Patienten hinzukommen – über 25.000 Kinder und Jugendliche sind bereits davon betroffen. Besorgniserregend ist der ständige, rapide Anstieg des kindlichen Diabetes: In den letzten 10 Jahren hat sich die Zuckerkrankheit bei Kindern verdoppelt!

Bis noch vor einigen Jahrzehnten war der Diabetes Typ 1 eine tödliche Diagnose und erst die Entdeckung und Herstellung des Insulins vor 90 Jahren brachte die Wende. Aber bis heute muss das Insulin jeden Tag gespritzt werden. Eine Behandlung, die besonders Kinder hart trifft. Je besser der Diabetes behandelt wird, umso sicherer sind die Kinder vor den fatalen Spätfolgen wie Erblindung, Amputation, Nieren- und Nervenschäden. Aber eine gute Behandlung erfordert, dass täglich mehrmals Insulin gespritzt wird, bis zu 8 Injektionen am Tag, oft auch nachts – so kann es ein, dass zuckerkranke Kinder bis zu ihrem 15. Lebensjahr 27.000 Mal eine Spritze ertragen müssen. Vor jeder Spritze muss am Finger ein Blutstropfen entnommen werden, damit die Höhe des Zuckers im Blut gemessen werden kann. Viele Kinder wehren sich gegen die Spritze, aber die Eltern müssen das lebensnotwendige Insulin spritzen. So spielt sich der Alptraum jeden Tag aufs Neue ab: Das Kind läuft vor der Spritze weg, versteckt sich und muss festgehalten werden. Das belastet das Eltern-Kind-Verhältnis sehr. Viele Eltern sind schon nach einiger Zeit der lebenslangen Behandlung erschöpft und ausgebrannt.

Aber das Insulin ist nur ein Teil der Behandlung. Ebenso wichtig ist die Umstellung der Ernährung. Das Essen muss abgewogen, berechnet und eingeteilt werden. Spontane Süßigkeiten gehören bei Kindern mit Diabetes der Vergangenheit an. Für die Mutter eines 4-jährigen zuckerkranken Mädchens ist dies eine der größten Belastungen: „Wenn im Kindergarten spontan etwas gefeiert wird, sitzt meine Tochter tapfer aber traurig daneben und isst ihre eigene Mahlzeit“.

Obwohl die medizinische Behandlung Fortschritte bringt, bleiben die seelischen Folgen der Krankheit meist ungelöst. Betroffene Familien brauchen besonders nach der gravierenden Diagnose und bei den vielen psychischen und sozialen Belastungen, denen sie Tag für Tag ausgesetzt sind, intensive Unterstützung, damit sie die Kraft nicht verlieren, die Kinder bestmöglichst zu versorgen.

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Genau hier wirkt die Stiftung „Dianiño – Kindern mit Diabetes eine Zukunft“ durch konkrete Maßnahmen entlastend und unterstützend. Dianiño kümmert sich aktiv um erkrankte Kinder, betroffene Familien und betreut sie in akuten Notfällen bei ihren Sorgen und Problemen. Durch diese Hilfe kann oft weiteres Leid verhindert werden.

Körperliche Aktivitäten langfristig erhöhen

(2009)

Bewegungsprogramme sind sinnvoll für Menschen mit Diabetes

Bochum – Regelmäßige körperliche Aktivitäten gehören zur Therapie des Diabetes Typ 2. Doch der Weg vom Bewegungsmuffel zum Alltagssportler kann steinig sein. Um Patienten dabei zu unterstützen, sich mehr zu bewegen, bieten Sportmediziner vielerorts so genannte Bewegungsschulungen an. Dass sich die Teilnahme an einem solchen Programm auch langfristig lohnt, haben Wissenschaftler der TU München nun für das Schulungsprogramm „wie Diabetiker zum Sport kommen (DiSko)“ nachgewiesen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der Schulung stellen sie in einem aktuellen Übersichtsartikel vor.

Die Wissenschaftler untersuchten körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit von 55 Menschen mit Diabetes Typ 2 mit DiSko-Schulung im Vergleich zu 37 Patienten ohne praktische Einweisung in ein Bewegungsprogramm. Nach einem Jahr waren die Schulungsteilnehmer viel sportlicher als die Vergleichsgruppe. Sie hatten die Dauer ihrer körperlichen Aktivität von durchschnittlich 6 auf 10 Stunden in der Woche erhöht – insbesondere im Alltag und in der Freizeit mit Rad fahren, Walking oder Nordic Walking.

Die Leistungsfähigkeit der Schulungsteilnehmer im Sechs-Minuten-Gehtest nahm durchschnittlich um 50 Meter zu. Zudem hatten sie – anders als die Vergleichspatienten – durchschnittlich 1,5 Kilogramm Körpergewicht verloren. Auch die Referenten, die deutschlandweit bisher 12.000 Patienten nach dem Programm geschult haben, sind überwiegend mit der Schulung zufrieden: 80% stuften die Umsetzbarkeit als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Durch ein regelmäßiges Ausdauertraining können Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker positiv beeinflussen und so krankheitsbedingten Folgeschäden vorbeugen. Sie haben nachweislich ein geringeres Risiko für diabetesbedingte Nerven- oder Augenschädigungen. Auch das Risiko für Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sinkt.

Die DiSko-Schulung dauert 90 Minuten und wurde von der AG Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) entwickelt. Ihr Kernstück sind vier Themen zu Bewegungsmöglichkeiten und zur Motivation. Eine halbstündige, ärztlich geführte Bewegungsübung mit vorheriger und anschließender Blutzucker- und Pulsmessung ist ebenfalls Bestandteil des Programms. Seit 2003 wurden deutschlandweit über 1200 DiSko-Referenten ausgebildet, die Patienten mit Diabetes Typ 2 im Rahmen der herkömmlichen Patientenschulungen zusätzlich praxisorientiert zu mehr körperlicher Aktivität anleiten.

Weitere Tipps für mehr Bewegung im Alltag, zur Ernährung und über Diabetes mellitus sind im Internet auf der Seite www.diabetesde.org von der neuen Organisation diabetesDE für Menschen mit Diabetes aufbereitet.