Schilddrüsenerkrankungen sind häufig Autoimmunerkrankungen
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Diabetes: Die Schilddrüse leidet mit

Menschen mit Diabetes haben häufig auch eine Schilddrüsenerkrankung. Deshalb sollten sie die Schilddrüse mindestens einmal jährlich kontrollieren lassen. Besonders wichtig ist dies für Kinder mit Typ-1-Diabetes wie eine niederländische Studie gezeigt hat.

Kleines aber wichtiges Organ

Sie hat die Form eines Schmetterlings und sitzt vor der Luftröhre, unter dem Kehlkopf. Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit wichtigen Aufgaben. Die Hormone, welche sie produziert, sind an wichtigen Steuerungsprozessen im Körper beteiligt – unter anderem im Herz-Kreislaufsystem und der Verdauung. Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, dass die Schilddrüse gut funktioniert, denn von den ausgeschütteten Hormonen hängt  es ab, wie die Zellen Sauerstoff und Zucker aufnehmen. Damit hat das kleine Organ auch Einfluss auf die Blutzuckerwerte.

Jeder zweite Diabetiker hat Schilddrüsenprobleme

Daten der Universität Jena* zeigen, dass etwa jeder zweite Typ-1-Diabetiker auffällige Schilddrüsenwerte hat. Am häufigsten tritt bei den Betroffenen eine chronische Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyroiditis) auf. Das ist kein Zufall, denn ebenso wie bei Typ-1-Diabetes handelt es sich beim „Hashimoto“ um eine Autoimmunerkrankung. In diesem Fall entwickelt der Organismus Autoantikörper gegen das Schilddrüsengewebe – unbehandelt wird es nach und nach zerstört. Die Folge: eine Unterfunktion der Schilddrüse. „Heiße Knoten“ können dagegen zu einer Überfunktion führen. Diese Fehlfunktionen beeinflussen den Stoffwechsel und müssen unbedingt erkannt und behandelt werden.

Kinder mit Diabetes haben ein stark erhöhtes Risiko

Einmal jährlich sollten Menschen mit Diabetes deshalb untersuchen lassen, ob ihre Schilddrüse noch „im Lot“ ist. Besonders wichtig ist dies bei Kindern mit Typ-1-Diabetes. Sie haben ein stark erhöhtes Risiko, innerhalb von fünf Jahren nach Diagnosestellung an der Schilddrüse zu erkranken, wie eine kürzlich veröffentlichte niederländische Studie gezeigt hat. Die Forscher der Universität Utrecht werteten die Daten von 915 Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes unter 19 Jahren aus. Diese hatten ein 14-fach erhöhtes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen gegenüber Gleichaltrigen ohne Diabetes.

Wenn Unterzuckerungen, hohe Werte oder Blutzuckerschwankungen scheinbar unerklärlich sind, sollte man deshalb immer an die Schilddrüse denken. Die relevanten Werte (Serum-TSH und TPO-Antikörper) können mittels eines Bluttestes einfach gemessen werden.

* Hunger-Battefeld W et al. Autoimmunthyreopathie bei Patienten mit Typ 1 Diabetes mellitus. Diabetologie und Stoffwechsel 2012; 7(6): 442-449

** Farzani SF et al. Chronic comorbidities in children with type 1 diabetes: a population-based cohort study. Arch Dis Child doi:10.1136