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Intermediärinsuline

Sehr häufig verwendete Insulinpräparate mit mittellanger Wirkung. Intermediärinsuline gehören zu den Verzögerungsinsulinen, also zu den Insulinen mit verlängerter Wirkung. Sie nehmen eine Mittelstellung zwischen den kurzwirkenden Alt-Insulinen und den ultralang wirkenden Insulinen ein.

Insulinrezeptor

Bindungsstelle für Insulin. Insulinrezeptoren finden sich sowohl an Zellen von Organen an denen Insulin Wirkung entfaltet (z.B. Leber, Fett und Muskel) aber auch an Zellen, an denen Insulin keine bisher nachweisbare Wirkung hat (z.B. Blutzellen). Chemisch handelt es sich bei Insulinrezeptoren um Zuckereiweißkörper, die der Außenhaut der Zelle aufsitzen. Bildlich gesprochen kann man den Insulinrezeptor als Schloß bezeichnen, das durch den „Schlüssel“ Insulin aufgeschlossen wird, um der Glucose den Weg in die Zelle zu ermöglichen. Insulin kann (wie übrigens alle Hormone) seine Wirkung nur über eine Bindung an den Rezeptor entfalten.

Insulinresistenz

(resistance = Widerstand) Normalerweise bedeutet Resistenz Widerstandskraft (z.B. gegen Infekte). Unter Insulinresistenz versteht man im übertragenen Sinne Widerstand des Körpers gegen Insulin. Dies führt dazu, dass erst mit einer größeren Insulinmenge Wirkungen erzielt werden, die bei fehlender Insulinresistenz schon von kleineren Mengen erreicht werden. So ist die Insulinresistenz dann anzunehmen, wenn nach mindestens 2 Tagen der Insulinbedarf 200 IE pro Tag beträgt. Ursache der Insulinresistenz ist häufig die Bildung von Insulinantikörpern. In diesem Falle hängen sich die Antikörper an die Insulinteilchen an, wodurch Insulin hinsichtlich seiner Wirkung neutralisiert wird. So wird verständlich, warum erst hohe Insulinmengen eine Wirkung entfalten können. Einen etwas anderen Mechanismus hat die Insulinresistenz des übergewichtigen Diabetikers (Diabetes mellitus Typ-2b). Hier liegt die Ursache für die verminderte Insulinwirkung in einer Störung der Insulinbindungsstellen (= Insulinrezeptoren). Insulin wird zwar an die Bindungsstelle angelagert, aber die Signalweitergabe zur Glukoseaufnahme in die Zelle unterbleibt. Dies bedeutet, dass Insulin in seiner Wirksamkeit erheblich eingeschränkt wird. Diesen Mangel versucht die Bauchspeicheldrüse durch eine Mehrproduktion an Insulin auszugleichen. Dies führt dazu, dass sehr viele übergewichtige Diabetiker überhöhte Blutinsulinspiegel haben (Hyperinsulinismus). Die überhöhten Insulinspiegel bewirken aber eine Abnahme der Insulinbindungsstellen und somit eine weitere Einschränkung der Insulinwirkung. Über diesen Mechanismus (fehlende Signalantwort auf Insulin an der Insulinbindungsstelle, vermehrte Insulinausschüttung durch die Bauchspeicheldrüse, Abnahme der Zahl von Insulinbindungsstellen) erklärt sich die paradoxe Tatsache, dass der Typ-2b-Diabetiker zwar höhere Blutinsulinspiegel hat als der Gesunde, aber dennoch erhöhte Blutzuckerwerte bietet. Die genaue Ursache der geschilderten Störung ist bislang nicht ausreichend erforscht. Jedenfalls weiß man, dass sie sich unter Gewichtsabnahme erheblich bessern kann. Das wichtigste Behandlungsprinzip bei Typ-2b-Diabetikern ist somit die Gewichtsabnahme.

Insulinpumpe

Kleines Gerät, das kontinuierlich über 24 Stunden (Basalrate) sowie auf Knopfdruck (Bolus) Normalinsulin abgibt. Die Abgabe sowohl der Basalrate als auch des Bolus erfolgt über einen im Unterhautfettgewebe liegenden dünnen Katheter, wodurch die bei der ICT mit Spritze oder Pen üblichen häufigen Injektionen entfallen. Seltene andere Zugangswege für das Insulin sind die Vene (= intravenös) bzw. die Bauchhöhle (= intraperitoneal). Die weit überwiegende Anzahl der heute verwendeten Insulinpumpen werden an beliebiger Stelle in bzw. unter der Kleidung getragen. Sogenannte implantierbare Pumpen, die nach Art von Herzschrittmachern in das Körpergewebe eingepflanzt werden, kommen selten zur Anwendung. Da alle derzeit zur Verfügung stehenden Pumpenmodelle nicht in der Lage sind, den Blutzucker zu messen, nimmt der Pumpenträger die Blutzuckerbestimmung wie auch die Wahl der Insulindosis selber vor (siehe auch ICT). Voraussetzung für eine Insulinpumpenbehandlung ist neben dem sicheren Beherrschen der ICT auch eine spezielle Pumpenschulung.

Insulinödeme

Meist zu Beginn einer Insulinbehandlung zu beobachtende Wassereinlagerung (= Ödeme) an den abhängenden Körperpartien (z.B. Beine), aber auch im Gesicht. Die Ursache der Ödembildung ist nicht eindeutig bekannt. Sie liegt möglicherweise in einer durch Insulin verminderten Kochsalzausscheidung. Durch den dadurch erhöhten Kochsalzgehalt des Körpers wird vermehrt Wasser zurückbehalten. Insulinödeme bilden sich meist ohne besondere Maßnahmen trotz Fortsetzung der Insulinbehandlung von selbst zurück.

Insulinbedarf

Diejenige Menge an Insulin (in internationalen Einheiten), die ein insulinpflichtiger Diabetiker pro Tag spritzen muß, um eine gute Diabeteseinstellung zu haben. Der Insulinbedarf ist eine veränderliche Größe, die von verschiedenen Faktoren wie Körpergewicht, Diabetesdauer, Gesundheitszustand (z.B. Fieber) und Ausmaß körperlicher Aktivität beeinflußt wird.

Insulinantikörper

Antikörper sind Eiweiße, die der Organismus zur Abwehr von Substanzen oder Mikroorganismen bildet, die er als fremd empfindet. Antikörperbildung ist somit eine wichtige Schutzmaßnahme zur Krankheitsabwehr. Da der Organismus aber nicht nur gegen Bakterien und Viren Antikörper bildet, sondern gegen alles was ihm fremd erscheint, bildet er auch Antikörper gegen von außen zugeführtes (und damit fremdes) Insulin. Die Antikörperbildung gegen Insuline ist um so stärker, je mehr das verwendete Insulin sich vom menschlichen Insulin unterscheidet. Somit wird verständlich, dass Rinderinsulin zwangsläufig zu einer stärkeren Antikörperbildung führen muß als Humaninsulin. Antikörper haben die Eigenart sich mit der Substanz, gegen die sie gebildet werden, zu einem Komplex zu vereinen. Im Falle des Insulins kann daraus eine Verminderung der Wirkung (Insulinresistenz) resultieren. Erfolgt diese Komplexbildung überschießend, so kommt es zu Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien).

Insulinallergie

Bei Allergien handelt es sich um Überempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Stoffe, im Falle der Insulinallergie also um Überempfindlichkeitsreaktionen auf Insulin. Vom zeitlichen Ablauf werden zwei Formen unterschieden: allergische Reaktionen vom Sofort-Typ, sowie Allergien vom verzögerten Typ. Sofortreaktionen entstehen durch im Körper bereits vorhandene Antikörper (siehe bei Insulinantikörper) und führen innerhalb kurzer Zeit nach Insulininjektion zu allergischen Erscheinungen. Ist die Reaktion örtlich begrenzt, so entstehen am Injektionsort Schmerzen. Schwellung und Rötung, gelegentlich Gewebsuntergang. Seltener sind Kreislaufreaktionen. Die Reaktion vom verzögerten Typ setzt mit „Wartezeit“, meist erst nach 2-4 Tagen ein. Hierbei entstehen um die Injektionsstelle schmerzende, derbe und gerötete Schwellungen, die sich in 4-5 Tagen von selbst zurückbilden. Der Begriff der Insulinallergie wird meist ungenau verwendet. Gemeint ist in der Regel die allergische Reaktion auf das verwendete Insulinpräparat. Dieses Insulinpräparat enthält aber neben Insulin auch zahlreiche andere Substanzen wie Verzögerungsstoffe, Stabilisatoren, Desinfektionsmittel. Grundsätzlich sind allergische Reaktionen gegen alle diese Substanzen möglich, so dass es erforderlich ist, Tests durchzuführen, um die „schuldige Substanz“ zu identifizieren.

Insulin-Analoga

Insulin, das gentechnologisch oder chemisch verändert ist. Dadurch soll z.B. eine schnellere Resorption und damit eine früher einsetzende Wirkung im Blut erreicht werden. Bsp.: Lispro-Insulin: schnellerer Wirkeintritt und kürzere Wirkdauer wie Altinsulin.

Insulin

Hormon, das in den B-Zellen der Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Die bei Stoffwechselgesunden täglich von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulinmenge liegt zwischen 25 und 40 E. Insulin besteht aus zwei Eiweißketten, die über Doppelschwefelbrücken miteinander verbunden sind. Wichtigste Wirkung des Insulins ist die Blutzuckersenkung. Daneben bewirkt Insulin unter anderem eine Hemmung des Zuckerneuaufbaues aus Bruchstücken von Zuckerbausteinen (z.B. bestimmte Eiweißanteile, Lactat) in der Leber sowie eine Hemmung des Fettabbaues. Zur Behandlung des Diabetes mellitus steht Insulin in verschiedenen Zubereitungen von verschiedenen Herstellern zur Verfügung. Hinsichtlich der Herkunft wird Schweine-, Rinder- und Humaninsulin unterschieden. Die weitere Unterscheidung erfolgt nach der Schnelligkeit des Wirkungseintritts und nach der Wirkdauer: Normal- oder Altinsuline haben einen raschen Wirkungseintritt und eine kurze Wirkdauer. Den Depot-Insulinen sind Verzögerungsstoffe zugemischt, die eine Wirkungsverlängerung hervorrufen. Depot-Insuline haben in der Regel einen trägen Wirkungseintritt.