Führerschein und Diabetes

Für die Voraussetzungen zum Erwerb des Führerscheins und für die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit ergeben sich für Menschen mit Diabetes viele Fragen. Z.B. was ist bei bei einem  Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis zu beachten? Wann erfolgt eine Meldung an die Führerscheinstelle bei Neuerkrankung? Unter welchen Umständen kommt es bei Diabetespatienten zum Entzug der Fahrerlaubnis?

Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis bei Diabetes

  • Wer einen Führerschein beantragt (Fahrzeuggruppe 1), muss den Diabetes nicht angeben, wenn nicht danach gefragt wird.
  • Wer aber LKW, Bus oder Taxi fahren (Fahrzeuggruppe 2) möchte, muss immer ein ärztliches Gutachten vorlegen und würde sich strafbar machen, wenn er einen Diabetes verschweigt.

Für akut oder chronisch kranke Menschen wie Diabetiker gelten besondere Bestimmungen. Diese sind nachzulesen in der zuletzt ab 1.5.1014 aktualisierten „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung“, veröffentlicht von der Bundesanstalt für Straßenwesen („BASt“) .

Dort sind unter 3.5 die Begutachtungskriterien bei Diabetes aufgeführt.

Interessant dazu ist die Stellungnahme von RA Oliver Ebert, Ausschuss Soziales der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG).

www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/Stellungnahme_Ausschuss_Soziales_Fahreignung_15_05_2014.pdf

Wenn Sie neu an Diabetes erkranken: Diabetes mellitus gehört nicht zu den meldepflichtigen Krankheiten. Eine muss nicht an die Verkehrsbehörde bzw. Fahrerlaubnisbehörde gemeldet werden.

Was passiert nach einem Verkehrsunfall bei Diabetes?

Kommt es z.B. zu einem verschuldeten Unfall, kann eine Meldung an die Fahrerlaubnisbehörde erfolgen: Wird bei der Unfallaufnahme der Verdacht auf eine Unterzuckerung erweckt, wird dies durch die Polizei protokolliert und kann bei der Klärung der Schuldfrage eine Rolle spielen. Es ergeht eine Meldung an die Fahrerlaubnisbehörde, die eine ärztliche Begutachtung anordnen kann.

Wann droht Diabetikern der Entzug der Fahrerlaubnis?

Zum Entzug der Fahrerlaubnis können krankheits- oder behandlungsbedingte Komplikationen führen, wie z.B.

  • Neigung zu schweren Stoffwechselentgleisungen
  • Unterzucker-Wahrnehmungsstörung
  • labile Stoffwechsellage bei Neueinstellung oder Umstellungen
  • Glaukom, Retinopathie u.a. Augenkrankheiten

Sollte es durch Über- oder Unterzuckerung jedoch zu einem Unfall kommen, wird ein medizinisches Gutachten verlangt. Die Kosten der Untersuchungen trägt der Fahrer selbst. Nach einer strukturierten Diabetesschulung und dokumentierter mehrmonatiger stabiler Blutzuckereinstellung kann das Führen eines Fahrzeugs unter Auflagen wieder gestattet werden.

 

Fahrzeuggruppen für Diabetiker nach Führerscheinklassen

Fahrzeuggruppe 1 (leichte bzw. langsame Kraftfahrzeuge)

A
Al
B
M
L
T

Motorräder,
Leichtkrafträder
Kraftwagen bis 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht (PKW)
Kleinkrafträder, Fahrräder mit Hilfsmotor,
Traktor bis 32 km/h, selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis 25 km/h,
Traktor über 32 km/h, selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis 40 km/h

Alle Fahrzeuge dürfen Anhänger bis 750 kg führen. Schwerere Anhänger erfordern die durch ein zusätzliches E gekennzeichnete Fahrerlaubnis.

Fahrzeuggruppe 2

C
Cl
D
D1

Kraftwagen über 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht (LKW, unbeschränkt)
Kraftwagen von 3,5 t bis 7,5 t zulässiges Gesamtgewicht
Bus mit mehr als 16 Fahrgastplätzen
Bus mit mehr als 8 aber höchstens 16 Fahrgastplätze