Diabetes und Nervenerkrankungen

„Diabetische Polyneuropathie“ – was ist das?

Die Schädigung von Nervenzellen durch Diabetes wird „diabetische Neuropathie“ genannt. Etwa die Hälfte aller Menschen mit Diabetes ist betroffen.

Die Nerven steuern in unserem Körper viele bewusste und unbewusste Vorgänge

  1. Betätigung von Muskeln (motorische Nerven)
  2. verschiedene Empfindungen (sensorische Nerven) wie Berührung und Vibration, Temperatur, Schmerz, außerdem ohne bewusste Einflussmöglichkeit
  3. vegetative Prozesse (autonome Nerven) wie z.B. Schwitzen, Verdauung, Herzschlag.

Die Symptome einer Polyneuropathie sind abhängig davon, welche Nerven geschädigt sind. Weil in der Regel viele verschiedene Nerven geschädigt werden spricht man auch von einer „Polyneuropathie“.

Sie beginnt meist an den Füßen, führt dann anfangs zu Missempfindungen und Schmerzen, die sich in Ruhe und in der Wärme verstärken (z.B. nachts im Bett). Mit Fortschreiten der Schädigung verschwinden die Beschwerden; Druck, Schmerz und Hitze werden gar nicht mehr gespürt. Treten trockene Haut (autonome Schädigung der Schweißbildung) und Muskelschrumpfung mit Fehlstellung (motorische Schädigung) hinzu spricht man vom „Diabetischen Fußsyndrom“.

Arten der „Polyneuropathie“ 

1.) Senso-motorische Polyneuropathie:

Sie bezeichnet eine Schädigung der sensorischen und motorischen Nervenfasern

Die Störung der sensorischen Nervenfunktion äußert sich in einer Störung der Gefühlsqualitäten (Vibration, Druck, Warm-/Kaltempfinden und Schmerz), die der motorischen Nervenfunktion durch eine Lähmung. Die wichtigsten Untersuchungstechniken sind die Prüfung der Vibrationsempfindlichkeit mit der Stimmgabel und die Prüfung der Reflexe mit dem Reflexhammer.

2.) Autonome Neuropathie:

Sie bezeichnet die Schädigung des autonomen, unbewussten Nervensystems, welches die inneren Organe steuert

Anzeichen können sein: ein ständig erhöhter Puls, Durchfall oder Verstopfung, Blasenentleerungsstörungen, starker Blutdruckabfall nach dem Aufrichten, Erektionsstörungen beim Mann. Die Untersuchungstechniken sind aufwendig und werden meist von den jeweiligen Organspezialisten durchgeführt.

Behandlungsmöglichkeiten 

Eine gute Blutzuckereinstellung steht im Vordergrund. Sie kann die Entwicklung einer Nervenschädigung verhindert oder deutlich verzögert werden, Schmerzen bessern sich meist deutlich. Bisher wurden aber keine Medikamente entwickelt, die zur Heilung einer Polyneuropathie führen. Schmerzmittel und Medikamente mit Wirkung auf das Zentralnervensystem, wie antidepressiv wirksame Medikamente vermögen Missempfindungen und Schmerzen symptomatisch zu behandeln. Außerdem sind physikalische Maßnahmen geeignet, die Schmerzen zu lindern: kalte oder warme Wickel, Wechselbäder und Kneipp`sche Güsse. In speziellen Fällen kann auch die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) helfen. Die Behandlung der Organkomplikationen ist oft komplizierter und wird meist von den entsprechenden Spezialisten eingeleitet, bedarf jedoch der Überwachung und Koordination des Hausarztes oder Diabetologen.