Welt-Nierentag am 13. März

Nierenfunktion testen – aber richtig!

Ein sinnvoller Gesundheitstest für Diabetiker ist die Messung des Mikroalbumins im Urin – sofern der Teststreifen dafür geeignet ist.

Diabetiker haben ein hohes Risiko für Erkrankungen der Nieren: Es übersteigt das von Nichtdiabetikern um das 4,6-fache. Das Risiko für eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) ist sogar um das 12-fache höher. Etwa ein Drittel aller Diabetiker entwickelt im Lauf der Erkrankung eine diabetische Nephropathie (Nierenkrankheit): Die Nieren verlieren dabei langsam ihre Filterfunktion. Die Nephropathie entsteht meist aufgrund jahrelang schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel. Das Risiko für diese Folgeerkrankung lässt sich drastisch senken, wenn der Stoffwechsel optimal eingestellt ist. Auch wenn die Nephropathie schon besteht, sind eine normnahe Blutzuckereinstellung und eine konsequente Blutdruckeinstellung auf niedrige Werte wichtig.

Eiweiß im Urin kündigt Folgeschäden an

Das erste Zeichen der Nephropathie ist eine messbare Eiweißausscheidung im Urin. Von einer Mikroalbuminurie spricht der Arzt, wenn 20 bis 200 mg Albumin (Bluteiweiß) pro Liter oder 30 bis 300 mg Albumin in 24 Stunden ausgeschieden werden. Eine Mikroalbuminurie ist bei 30 bis 40 Prozent der Patienten mit Typ-1-Diabetes nachweisbar und tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Ohne spezifische Behandlung entwickeln bis zu 80 Prozent der Typ-1-Diabetiker mit Mikroalbuminurie innerhalb von zehn bis 15 Jahren eine so genannte Makroalbuminurie. Das ausgeschiedene Eiweiß wird dabei nicht „größer“ („makro“, griechisch groß oder weit), sondern mehr: Mehr als 300 mg Eiweiß passieren in 24 Stunden die Nieren. Aus der Makroalbuminurie entsteht bei jedem zweiten Typ 1 Diabetiker innerhalb von zehn Jahren eine Niereninsuffizienz.

Bei Typ-2-Diabetikern ist es so, dass die meisten eine Mikroalbuminurie schon bei Diagnosestellung aufweisen. Mit abnehmender Nierenfunktion entwickeln oder verstärken sich Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (Dyslipoproteinämie) und weitere diabetestypische Komplikationen. Bei hochgradigem Nierenversagen wird eine Nierentransplantation beziehungsweise eine künstliche Blutwäsche notwendig (Dialyse).

Welche Teststreifen für die Nierenfunktion?

Geringe Eiweißverluste unterhalb des Schwellenwertes der Mikroalbuminurie gelten als normal. Ein Verdacht auf eine diabetische Nephropathie liegt vor, wenn bei einem Diabetiker in zwei von drei Morgen-Urinproben (im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen) mehr als 20 mg Albumin nachgewiesen werden.

Das Problem bei der Selbstmessung: Viele normale Mehrfach-Teststreifen, die gleichzeitig z.B. Eiweiß, Blut, Zucker, Leukozyten messen sollen, weisen eine leichte Mikroalbuminurie gar nicht nach. Die maßgebliche Schwelle – eine Albuminausscheidung von 20 bis 200 mg/l oder 30 bis 300 mg/24 Stunden – identifizieren sicher nur spezielle Mikroalbuminurie-Teststreifen (wie z.B. Micral-test®, Microalbustix®). Um beginnende Nierenerkrankungen bei Menschen mit Diabetes oder hohem Blutdruck frühzeitig zu erkennen, empfiehlt die Deutschen Diabetes-Gesellschaft, diesen Test jährlich durchzuführen.

Harnteststreifen für Diabeteskontrolle ungeeignet

Geeignete Harnteststreifen auf Eiweiß sind also in der Früherkennung von Folgeschäden sinnvoll. Diabetiker sollten mit Harnteststreifen aber nicht ihre Therapie kontrollieren, auch wenn diese Zucker nachweisen. „Für die Therapiekontrolle bei Menschen, die gegen einen Diabetes behandelt werden, sind sie nicht ausreichend exakt. Außerdem erfassen sie keine Unterzuckerungen“, erklärte Prof. Martin Schulz auf einer Fortbildung für Apotheker. Die erhaltenen Harnzuckerwerte lassen nur bedingt einen Rückschluss auf Überzuckerungen zu. Ist bei Diabetes zu viel Glukose im Blut gelöst, wird diese zwar über die Niere mit dem Harn ausgeschieden. Aber der Zucker im Urin schwankt in Abhängigkeit von Trinkmenge und der individuellen Nierenschwelle. Diese verändert sich z.B. im Alter oder bei einer Schwangerschaft. Zudem ist der Test auf Zucker im Harn anfällig für Störungen, etwa durch große Mengen Vitamin C. Der genaue Zuckergehalt im Blut lässt sich nur mit der direkten Blutzuckermessung bestimmen.