Sehbehinderung bei Diabetes
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Wechselnde Sehschärfe kann Diabetes bedeuten

Wenn die Sehschärfe tagsüber schwankt, kann dies auf eine Diabeteserkrankung hindeuten. Die richtige Diagnose stellt der Augenarzt – vorausgesetzt, man geht regelmäßig zur Untersuchung. Hoffnung setzen Experten jetzt auf ein neues Untersuchungsverfahren.

An der Netzhaut zeigt sich Diabetes früh

Die Retina (also die Netzhaut) wird auch als Fenster ins Gefäßsystem bezeichnet. Hier zeigen sich schon früh Veränderungen, die bei Diabetes aufgrund hoher Blutzuckerwerte entstehen können. Oft wissen Patienten mit diesen Veränderungen gar nichts von ihrer Diabeteserkrankung. Dabei gibt es Anzeichen, die schon früh darauf hindeuten. Verändert sich die Sehschärfe innerhalb des Tages, kann das ein Warnzeichen für Diabetes sein.

Schwankende Sehschärfe kann auf Diabetes hindeuten

„Zu uns kommen jede Woche Patienten in die Augenklinik, die unter Schwankungen der Sehschärfe im Tagesverlauf leiden“, sagt Professor Dr. med. Gabriele Lang, Universitäts-Augenklinik Ulm. Typisch ist die Aussage: „Heute früh habe ich noch verschwommen gesehen, jetzt ist es wieder besser“, sagt die Expertin. Oder eine neue, optimal angepasste Brille passt plötzlich nicht mehr. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn in vielen Fällen liegt die Ursache bei Blutzuckerschwankungen, die auf einen bisher nicht entdeckten Diabetes hinweisen.  „Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen“, rät Gabriele Lang.

Sehschärfe regelmäßig überprüfen lassen

Der Augenarzt kann mit einer einfachen und schmerzlosen Spiegelung des Augenhintergrundes schon kleinste Veränderungen an den Gefäßen erkennen. Im frühen Stadium lassen sich diese Veränderungen leicht behandeln. Kritisch wird es, wenn der Diabetes nicht behandelt wird bzw. die Blutzuckereinstellung unzureichend ist. Dann kann der hohe Blutzucker zunehmend die kleinen Blutgefäße schädigen, welche die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer diabetischen Retinopathie. Sie verläuft schmerzlos – bis sich erste Symptome zeigen, kann sie schon weit fortgeschritten sein. Daher sollten Menschen mit Diabetes mindestens einmal im Jahr zur Augenuntersuchung gehen.

Neue, schonende Untersuchungsmethode

Um das Ausmaß der Netzhautschädigung zu erfassen, führen Augenärzte heute eine Fluoreszenzangiographie durch. Hier wird ein Farbstoff in die Armvene gespritzt. Ein neues Untersuchungsverfahren könnte dies in Zukunft überflüssig machen. Mit der OCT-Angiographie „können wir innerhalb von zehn Sekunden ein Bild von den Mustern der Netzhautgefäße machen,
indem die Bewegung der roten Blutkörperchen gemessen wird“, erklärt Gabriele Lang. Vorgestellt wurde das neue Verfahren beim Kongress der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) Anfang Oktober 2016 in Berlin.