Kochsalz und Bluthochdruck
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Verzicht auf Kochsalz kann krank machen

Wer einen hohen Blutdruck hat, sollte sich beim Salzkonsum zurückhalten, um die Blutdruckwerte  positiv zu beeinflussen. Zu wenig Kochsalz im Essen birgt ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, beweist eine große Datenanalyse aus Kanada. Menschen ohne Bluthochdruck müssen danach weniger auf ihren Salzkonsum achten.

Zu viel Salz gleich Bluthochdruck? Das stimmt nicht immer.

Die Deutschen lieben ihr Essen deftig und salzig. Täglich höchstens sechs Gramm Kochsalz, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Tatsächlich nehmen Männer im Schnitt 10 Gramm Salz über das Essen auf, Frauen 8,5 Gramm. Dies kann den Blutdruck in die Höhe treiben und damit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankung erhöhen. „Das im Kochsalz enthaltene Natrium bindet Wasser und erhöht damit das Blutvolumen. Der Druck in den Gefäßen wird höher und damit auch der Blutdruck, so eine vereinfachte Erklärung eines komplexen Vorgangs,“ erläutert Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Doch die Rechnung „Zu viel Salz gleich Bluthochdruck“ geht nicht immer auf, wie eine Studie aus Kanada jetzt zeigt, die in der renommierten Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde*.

Unter drei Gramm Kochsalz wird es gefährlich

Forscher der McMaster University in Hamilton, Kanada, haben in einer großen Analyse die Daten von insgesamt 135.000 Menschen aus 49 Ländern verglichen. Dabei wurde die tägliche Urinausscheidung von Natrium in Beziehung zu den Herz-Kreislauf-Ereignissen und Gesamttodesfällen gesetzt. In ihrer Auswertung unterschieden sie zwischen Menschen mit und ohne Bluthochdruck. Bei Hochdruckpatienten stieg die Rate an Herzinfarkt und Schlaganfall erwartungsgemäß an, wenn sie mehr als vier bis fünf Gramm Natrium aufgenommen hatten. Bei Menschen ohne Bluthochdruck hatte diese Salzmenge keinen negativen Einfluss. Die Forscher stellen auch fest: Unter drei Gramm Kochsalz pro Tag waren die Herz-Kreislauf-Ereignisse und Todesfälle bei allen Patienten erhöht – ob mit oder ohne Bluthochdruck.

Nur wer Bluthochdruck hat, muss auf Kochsalz achten

„Die Lancet-Arbeit zeigt uns, zu wenig Salz – unabhängig davon ob der Mensch einen erhöhten oder einen normalen Blutdruck hat – sollte man auch nicht zu sich nehmen. Aber das Problem stellt sich angesichts der Produktionsbedingungen und Ernährungsgewohnheiten in Deutschland nicht“, so Professor Dr. med. Matthias Weber, DGE-Mediensprecher von der Johannes Gutenberg- Universität Mainz. „Bluthochdruckpatient sollten nach wie vor Salz meiden oder nur sparsam verwenden. Dies gilt auch für Patienten mit Herzinsuffizienz. Menschen mit normalem Blutdruck müssen weniger auf Ihren Salzkonsum achten.“

* Mente A et al.: Associations of urinary sodium excretion with cardiovascular events in individuals with and without hypertension: a pooled analysis of data from four studies. Lancet 2016. 388:465 ff.