Angehörige, die Menschen mit Diabetes begleiten
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Typ-1-Diabetes ist nicht nur eine Kinderkrankheit

Vier von zehn Menschen mit Typ-1-Diabetes sind bei der Diagnose älter als 30 Jahre. Diese Zahlen haben englische Wissenschaftler kürzlich veröffentlicht. Bei Patienten im mittleren Lebensalter solle daher eine sorgfältige Abgrenzung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes erfolgen, empfehlen die Forscher.

Nicht nur Kinder und Jugendliche erkranken an Typ-1-Diabetes

In Deutschland erkranken immer mehr Kinder und Jugendliche an Typ-1-Diabetes. Vor allem jüngere Kinder sind zunehmend betroffen, erläutern Prof. Dr. Thomas Danne und Dr. Ralph Ziegler im Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017*. Trotzdem ist Typ-1-Diabetes keine typische Kinderkrankheit, sondern auch im mittleren Lebensalter zwischen 30 und 60 Jahren keine Seltenheit. Dies zeigt eine englische Studie, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht wurden**. Hier waren vier von zehn Menschen mit Typ-1-Diabetes bei der Diagnose älter als 30 Jahre.

Fehldiagnosen bei Typ-1-Diabetes im mittleren Lebensalter

Bei Kindern und Jugendlichen wird die Diagnose in der Regel eindeutig und schnell gestellt. Wenn sie sehr viel trinken, ständig zur Toilette müssen, sich müde und abgeschlagen fühlen sowie Gewicht verlieren, liegt die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes nahe. Kommen stark erhöhte Blutzuckerwerte hinzu, steht die Diagnose fest. Anders bei Erwachsenen: Hier ist es schwieriger, zwischen den beiden häufigen Diabetestypen Typ 1 und Typ 2 zu unterscheiden. „In ca. der Hälfte der Fälle, in denen Typ-1-Diabetes festgestellt wird, zeigt sich auf lange Sicht, dass es sich doch um den wesentlich häufigeren Typ-2-Diabetes handelt. Noch häufiger kommt es jedoch zum umgekehrten Fall: aufgrund des Alters wird anfangs Typ-2-Diabetes diagnostiziert, der sich dann aufgrund ungewöhnlich schneller Verschlechterung doch als Typ-1-Diabetes entpuppt“, schreibt der Diabetesinformationsdienst München in einer Presseinformation (23.2.18).

Vier von zehn Menschen bei der Typ-1-Diagnose älter als 30 Jahre

Englische Forscher haben die Altersverteilung bei der Diagnose Typ-1-Diabetes nun genauer unter die Lupe genommen. Sie untersuchten, wie viele Menschen eine genetische Veranlagung für Typ-1-Diabetes haben und in welchem Alter sich der Typ-1-Diabetes tatsächlich manifestierte. Für die Studie wurden Biobank-Daten aus Großbritannien von rund 380.000 helhäutigen Europäern bis 60 Jahre herangezogen. Das Ergebnis: Von 380.000 Personen waren insgesamt 13.250 über alle Altersgruppen hinweg an Typ-1-Diabetes erkrankt. Bei 42 Prozent der Betroffenen hatte sich dieser Diabetes in einem Alter von über 30 Jahren ausgebildet.

Typ-1-Diabetes ist keine Kinderkrankheit

Die englischen Forscher empfehlen Ärzten, die Diagnose Typ-1-Diabetes immer in Betracht zu ziehen, wenn bei neu erkannten Diabetespatienten die Blutzuckerkontrolle schwierig bleibe – besonders bei schlanken Patienten. Zudem empfehlen sie, den genetischen Risiko-Score zur Abgrenzung der Diabetestypen zu nutzen. Er kann ergänzend zur Messung von Biomarkern wie C-Peptid oder Insel-Autoantikörpern herangezogen werden.

*Thomas Danne, Ralph Ziegler: Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 20017, Seite 121 ff.

**Thomas, J.N. et al.: Frequency and phenotype of type 1 diabetes in the first six decades of life: a cross-sectional, genetically stratified survival analysis from UK Biobank. In: Lancet Diabetes Endocrinol, 2018, 6:122-29