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Transplantat aus Fischhaut heilt chronische Wunden

Chronische Wunden heilen bei Menschen mit Diabetes häufig langsam, manchmal gar nicht. Im Wundheilungszentrum des Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen wurde nun erforscht, wie ein Transplantat aus Fischhaut die Wundheilung unterstützen kann. Alle Patienten konnten erfolgreich behandelt werden.

Chronische Wunden sind langwierig

Bei Manfred Voigt (81) fing es klein an, mit einer Verletzung zwischen den Zehen. Die Wunde wollte und wollte nicht heilen. Alle zwei Tage ging er zum Verbandwechel, doch über Monate besserte sich der Fuß nicht. Bis er ins Wundheilungszentrum des Diabeteszentrums am HDZ NRW, Bad Oeynhausen kam. Dort wurde er mit einer neuen Therapie behandelt: Auf seine Wunde legten die Ärzte ein Transplantat, das aus Fischhaut gewonnen wird. Dies brachte endlich den gewünschten Erfolg.

Wundverschlüsse bei allen Patienten gelungen

Wie das Transplantat aus Fischhaut die Wundheilung unterstützen kann, untersucht ein Ärzteteam im Bad Oeyenhausener Wundheilungszentrum in einer Studie. Nun haben die Ärzte eine Zwischenbilanz gezogen. Bisher konnten sie bei allen im Diabeteszentrum behandelten Patienten erfolgreiche Wundverschlüsse verzeichnen. „Sowohl erste Forschungsergebnisse als auch die Erfahrungen im klinischen Alltag deuten an, dass diese Art der Zellmigration und -proliferation möglicherweise gegenüber anderen Therapieformen überlegen sein könnte, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe und betont: „Weitere Studienergebnisse müssen abgewartet werden.“

Fischhaut regt die menschliche Haut zum Wachsen an

Offensichtlich hat die eingesetzte Fischhaut die Fähigkeit, Hautzellen besonders dazu anzuregen, wieder zu wachsen. Das Transplantat selbst hat Ähnlichkeit mit einem Knäckebrot. Es wird überlappend auf die gesäuberte Wunde gelegt und mit einem Verband fixiert. Das skandinavische Produkt stammt vom dort beheimateten atlantischen Dorsch. Das Material ist ähnlich wie die menschliche Haut mit Poren durchsetzt und wirkt antibakteriell. Diese Merkmale scheinen, ebenso wie die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, die Stammzellvermehrung und Wundheilung zu fördern.

Chronische Wunden möglichst früh behandeln

Chronische Wunden können sich zum Beispiel aus einem diabetischen Fußsyndrom entwickeln – als Folge einer gestörten Wundheilung. Auch Wunden bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder einem sog. „offenen Bein“ (Ulcus cruris venosum) können chronisch werden. Je mehr Zeit vergeht, umso größer wird das Infektionsrisiko – eine Amputation droht. Wer länger als drei Monate an einer offenen Wunde leidet, sollte sich in die Hände von Experten begeben, raten die Ärzte aus Bad Oeyenhausen. Vorzugsweise helfen solche Einrichtungen, die als ambulantes oder stationäres Wundheilungszentrum zertifiziert sind.

Therapie muss individuell erfolgen

Eine individuelle Begutachtung der Wunde ist das A und O der Therapie, so Prof. Tschöpe. Welche Behandlungsform am besten geeignet ist, hängt von der Art und Tiefe der Wunde ab, von der möglichen Grunderkrankung des Patienten, aber auch vom Ort der Verletzung. In vielen Fällen helfen bereits viel Ruhe und ein korrekt angelegter Vakuumverband, um die Durchblutung anzuregen und die Wunde zu entlasten. Abgestorbenes Gewebe kann mit einer Madentherapie bereinigt, vorhandenes mit Stammzellen angeregt werden.

Quelle: Pressemitteilung des HDZ NRW vom 16. Oktober 2017.