Sport ohne Grenzen – Diabetikersport? Aber ja!

Sport ohne Grenzen – Diabetikersport? Aber ja!

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Sport ist gesund und für Viele ein selbstverständlicher Bestandteil der Freizeit und des aktiven Lebens – bis zur Diagnose Diabetes. Nicht resignieren, heißt die Devise!

Menschen mit Diabetes können dank moderner Insulintherapie praktisch alle Sportarten ausüben. Allerdings müssen sie einige Regeln beachten und Erfahrungen sammeln.
Bei körperlicher Aktivität steigt der Energiebedarf. Die Energie kommt

  • aus den Glykogenspeichern von Leber und Muskeln, die Traubenzucker freisetzen,
  • aus der Neubildung (Glukoneogenese) von Zucker in der Leber,
  • aus den Fettdepots, die Fettsäuren „verbrennen“.

Dabei wird bei niedrigerer Belastung, relativ gesehen, mehr Fett abgebaut als bei höherer Belastung; da aber der absolute Umsatz von Traubenzucker und Fett als Brennstoff mit der Belastung wächst, wird bei Hochbelastung auch absolut mehr Fett verbraucht. Beim Gesunden macht der Stoffwechsel bei körperlicher Tätigkeit alles richtig: Er schüttet weniger Insulin und mehr Glukagon aus; dadurch setzt die Leber mehr Zucker frei; die Insulinempfindlichkeit steigt, Zucker gelangt besser in die Muskeln. Der Blutzucker bleibt im Normbereich. Nach der Aktivität füllt der Stoffwechsel die Speicher in Muskulatur und Leber wieder auf.

Beim Diabetiker ist die automatische Blutzuckerregelung gestört

Der Energieverbrauch durch Aktivität schickt den Blutzucker beim Diabetiker in den Keller. In welchem Ausmaß, das hängt nicht nur von Art, Dauer und Intensität der Bewegung ab. Einfluss haben insbesondere der Zeitpunkt und Kohlenhydratanteil der letzten Nahrungsaufnahme und natürlich eine blutzuckersenkende Medikation – entweder orale Antidiabetika oder Insulin, wobei jeweils der Zeitpunkt der Einnahme bzw. der Injektion, die Dosis und das Wirkprofil des Medikamentes eine Rolle spielen. (Vorsicht: langanhaltende Blutzuckersenkung durch Glibenclamd). Maßgeblich ist auch der Ausgangsblutzucker, der vor und nach – ggf. auch während – jeder Aktivität zu bestimmen ist. Ein guter Trainingszustand lässt die Schwankungen im Blutzucker schwächer ausfallen. Der Insulin spritzende Diabetiker muss beachten, dass körperliche Aktivität die Insulinwirkung verstärkt. Es besteht Unterzuckerungsgefahr! Daher muss die Insulindosis vermindert und/oder es müssen kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel gegessen werden. Aber: Etwas Insulin wird immer benötigt. Sonst kommt es zum Blutzuckeranstieg mit der Gefahr der Ketoazidose.

Praktische Tipps für Diabetiker unter intensivierter Insulintherapie (Basal-/Bolusinsulin)

  • Eine Sporteinheit = 20 Minuten halbmaximale Belastung oder 60 Minuten 30%ige Belastung.
  • Faustregel: 1 Sporteinheit senkt den BZ um ca. 60 mg/dl.
  • Bei adäquater Insulinversorgung kann Sport (wie Insulin) zur Senkung überhöhter BZ-Werte genutzt werden. Beispiel: aktueller BZ 250 mg/dl; 1 Std. halbmaximale Belastung (ruhiges Joggen) 2 Std. nach dem Frühstück; BZ nachher 100 mg/dl.
  • Hypoglykämieprophylaxe durch Weglassen von Insulin vorm Essen: Bei normalem BZ-Ausgangswert kann für eine 1-stündige halbmaximale Belastung am Vormittag oder Abend das Mahlzeiteninsulin für Frühstück bzw. Abendessen weggelassen werden. Voraussetzung: Die Aktivität ist geplant und wird durchgeführt.
  • Hypoglykämieprophylaxe durch Einnahme von zusätzlichen „Sport-BEs“ Beispiel: Aktueller BZ im Normbereich. Kurzfristige Entscheidung zu einer Joggingrunde. 3 Sport-BEs einnehmen (z.B. 1 BE Saft und eine Banane).

Der Muskelauffüll-Effekt

Nach mehrstündigen oder ganztätigen Aktivitäten werden in der Nacht die Glykogenspeicher in Muskeln und Leber wieder aufgefüllt. Die Insulinwirkung ist verstärkt. Daher muss das Basalinsulin für die folgende Nacht um 20-30% reduziert werden.

Grundregeln für sporttreibende Diabetiker:

  • Die Reaktion auf sportliche Aktivität ist individuell. Faustregeln sind nur pauschal. Jeder Diabetiker muss die Reaktion für sich selbst herausfinden!
  • BZ-Messung vor, (während), nach dem Sport
  • Bei geplanter Aktivität: Insulindosis reduzieren
  • Sport-BEs, wenn keine Insulinanpassung möglich oder sinnvoll ist
  • Immer Traubenzucker in der Sportkleidung mitführen
  • Mitsportler über Unterzuckerrisiko und Gegenmaßnahmen informieren
  • Bei Insulinmangel kein Sport – zuerst Insulin spritzen, viel trinken