Rekordbeteiligung

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43. EASD-Kongress in Amsterdam

Studien, Forschung, Leitlinien – der EASD-Kongress 2007 in Amsterdam glänzte durch eine Vielzahl von Beiträgen und eine Rekordbeteiligung. Die offizielle Statistik der EASD spricht von einer Rekordbeteiligung, rund 12.000 Teilnehmer fanden den Weg in die Grachten-Metropole. RISC erweitert Prioritäten

Die in Amsterdam präsentierte RISC-Studie der European Group for the Study of Insulin Resistance (EGIR) untersuchte erstmals mit den Goldstandards des euglykämischen, hyperinsulinämischen Clamps und des OGTT die Insulinresistenz und die Insulinantwort gleichzeitig bei 1.500 gesunden Freiwilligen in 14 Ländern. Hauptbefund der Untersuchung: Insulinresistenz ist nicht der einzige zugrundeliegende Faktor am Anfang des kardiometabolischen Risikos. Adipositas, Bauchumfang, hohe Insulinantwort und Insulinresistenz, „sie alle tragen dazu bei“, sagte Prof. Dr. Mark Walker bei der Vorstellung der Ergebnisse, alle vier Merkmale sagen unabhängig voneinander den kardiovaskulären Risikoscore voraus. Die körperliche Aktivität wurde statt per Fragebogen über ein für fünf Tage am Rumpf befestigtes Accelerometer bestimmt, „je aktiver, umso Insulin-sensitiver“, fasste der Forscher der englischen Uni Newcastle den Befund zusammen. Und hierbei ginge es nicht um die Intensität oder die Länge inaktiver Phasen, es ist die Gesamtaktivität, die zählt. „Es gibt Vorteile, wenn man zur Arbeit zu Fuß geht“, machte Walker dieses Ergebnis anschaulich.

Eröffnung durch Entdecker des Adipositas-Gens

Unter den „großen“ Vorlesungen des Kongresses seien hier nur zwei hervorgehoben: Zum einen die Eröffnungsvorlesung von Prof. Dr. Andrew Hattersley, der mit einem Trip durch die noch kurze Geschichte der Erforschung genetischer Grundlagen des Diabetes faszinierte. Der Molekularmediziner aus Exeter zeichnete dabei den Weg nach, wie aus den jetzt über 40.000 Menschen ihrer britischen Gen-Datenbank das erste Adipositas-Gen FTO entdeckt wurde. Bei Geburt gibt es noch keinen Unterschied, aber bereits im Alter von sieben Jahren unterscheidet sich der BMI nach dem durch dieses Gen bestimmten Risiko. „Das war es, was man schon immer dachte – jetzt ist es Realität!“ betonte Hattersley. Auch erfolgversprechende Forschung aus dem Bereich des monogenetischen Diabetes schilderte er und forderte die Mediziner auf, bei jedem Patienten, der unter sechs Monate alt ist und Diabetes hat, die DNA zu sequenzieren. „Das ist entscheidend wichtig, deren Leben kann sich verändern!“ appellierte Hattersley.

IDF empfiehlt pp Glukose unter 140

In einer auf dem EASD-Kongress vorgestellten neuen Evidenz-basierten Leitlinie empfiehlt die Internationale Diabetes Föderation IDF unter anderem eine engere Kontrolle der postprandialen Glukosewerte bei Diabetikern. Die Autoren fanden Belege des Evidenzlevels 1+, dass postprandiale Hperglykämie ein unabhängiger Risikofaktor für makrovasculäre Erkrankungen ist. Konkret sollten Menschen mit Diabetes den 2-Stunden-Wert unter 140 mg/dL (7,8 mmol/L) zu halten versuchen. Für eine möglichst zeitnahe Kontrolle dieser Vorgabe empfiehlt das Papier die Blutzucker-Selbstmessung. Die Leitlinie beinhaltet auch Informationen zu einer Reihe von Medikamenten, die spezifisch den postprandialen Glukosewert beeinflussen. Sie nennt unter den traditionellen Therapien a-Glucosidase-Inhibitoren, Glinide und schnell wirksame, biphasische und inhalative Insuline sowie Humaninsulin. Unter den neuen Wirkstoffklassen weist die Leitlinie auf die postprandiale Blutzuckersenkung von GLP-1 Agonisten, DPP-4-Hemmern sowie den bisher nur in den USA zugelassenen Amylinanaloga wie Pramlintide hin.