News-Archiv: 2007

Samstag, 23. Juni 2007

(2007)

Großer DiabetesMARKT auf Bremer Marktplatz

Die Hansestadt Bremen ist diesjährige Gastgeberin für den 16. DiabetesMARKT der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS). Die Veranstaltung, die jährlich im Durchschnitt 15.000 Besucher anlockt, findet unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Jens Böhrnsen am Samstag, den 23. Juni 2007, auf dem Bremer Marktplatz statt.

Wie in jedem Jahr präsentieren sich an rund 30 Ständen Diabetes-Ärzte und -Experten, Gesundheitsorganisationen und Unternehmen. „Mit dem jährlich stattfindenden DiabetesMARKT wollen wir die Menschen auf das Risiko von Diabetes aufmerksam machen, aber gleichzeitig auf verschiedene Lösungswege hinweisen“, so Prof. Rüdiger Landgraf, Vorsitzender der DDS. Denn die Entwicklung der Volkskrankheit Diabetes ist erschreckend. Täglich wird bei mehr als 1.000 Menschen Diabetes neu entdeckt. Mittlerweile sind acht Millionen Deutsche – jeder zehnte Bundesbürger – betroffen. Und die Folge von Diabetes können verheerend sein: Sie reichen von schweren Sehschäden bis zum Herzinfarkt.

„Vor diesem Hintergrund wollen wir mit dem DiabetesMARKT insbesondere für einen vorbeugenden, Gesundheit erhaltenden Lebensstil werben“, so Landgraf. „Wer noch nicht betroffen ist, kann sich beispielsweise kostenlos den Blutzucker messen lassen. Denn häufig wird ein beginnender Diabetes erst entdeckt, wenn es zu spät ist.“

Auch Diabetiker können durch eine gezielte Änderung ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens ihre Lebensqualität erhöhen und das Risiko von schweren Folgeerkrankungen deutlich senken. Besucher können sich auf dem DiabetesMARKT neben Vorsorgemöglichkeiten aber auch über neue Therapieverfahren informieren und sich persönlich von Experten beraten lassen. Besonders attraktiv sind die zahlreichen kostenlosen Gesundheitschecks wie Blutzucker-, Blutfett- und Körperfettmessungen. Das Fußnetz Bremen bietet kostenfreie Fußuntersuchungen an. Und wer gegen Diabetes aktiv werden möchte, kann dies auf halbstündigen geführten Nordic Walking Touren tun. Auch zu so speziellen Themen wie „Diabetes im Alter“ und „Diabetes bei Kindern“ können Interessenten auf dem DiabetesMARKT der Stiftung DDS Informationen finden.

Der DiabetesMARKT wird offiziell um 10 Uhr durch Alt-Bürgermeister Henning Scherf eröffnet – mit Grußworten der anwesenden Präsidenten der Diabetes-Institutionen Deutscher Diabetiker Bund (DDB), Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG), und Deutsche Diabetes-Union (DDU) sowie des Vorsitzenden des Gastgebers DDS, Professor Dr. Rüdiger Landgraf.

Der DiabetesMARKT der DDS findet am Samstag, 23. Juni 2007, von 9:00 bis 17:00 Uhr auf dem Bremer Rathausplatz statt.

Weitere Informationen unter www.diabetesstiftung.de oder 0180 5211234 (0,12 €/min).

GPS-Schnitzeljagd Geocaching

(2007)

Awareness

Satelliten-Symposium

Die Unite for Diabetes Kampagne hatte Erfolg, die UN-Resolution zu Diabetes ist verabschiedet. Eine Aktion innerhalb der Kampagne setzte auf die GPS-Schnitzeljagd Geocaching, um die Unite-Message an den Mann zu bringen und will jetzt die Themen des kommenden Weltdiabetestages propagieren.

Seit einiger Zeit taucht das Internet wieder verstärkt im Wirtschaftsteil der Zeitungen auf, es wird über milliardenschwere Übernahmen berichtet wie zur Hoch-Zeit des Booms Ende der Neunziger. Ein Schlagwort, das in solchen Berichten selten fehlt, ist „Web 2.0“. Videobörsen wie You Tube, Selbstvorstellungsforen wie my Space, das Online-Spiel mit dem vielsagenden Namen Second Life und die Blogs genannten Online-Tagebücher zu quasi jedem Thema, das man sich vorstellen kann, sind Erscheinungsformen dieser neuen Welle der Netzbegeisterung. Was rückwärtsgewandte Kulturkritiker verständnislos belächeln als endgültige Übernahme des Menschen durch den Computer, ist in Wahrheit genau das Gegenteil: Die ultimative Vernetzung der Menschheit. Ein kleines, aber eindrucksvolles Beispiel dieser Vernetzung ist eine Aktion im Rahmen der Unite for Diabetes-Kampagne der internationalen Diabetes Föderation IDF. Die Idee der in der Diabetes-Epidemie vereinten Weltgemeinschaft wurde durch globale Kampagnen zum Mitmachen verdeutlicht, die das Internet ganz im Sinne des Web 2.0 nutzten.

Bewegungsschwelle senken

Der Unite for Diabetes Geocaching Challenge ist ein Teil dieser auf dem letztjährigen IDF-Kongress in Kapstadt gestarteten Unterstützungsaktion. Das Geocaching ist nichts anderes als eine Schnitzeljagd mit technischen Hilfsmitteln, nämlich einem GPS-Empfänger und eben dem Internet. Teilnehmer der Jagd verstecken Behälter irgendwo in der Landschaft oder auch der Stadt, stellen die entsprechenden GPS-Koordinaten ins Internet und ermöglichen es so den Teilnehmern der Jagd, diese Behälter zu suchen.

Ebenso wie die Stöcke beim Nordic Walking senkt auch das GPS-Gerät in der Hand die Schwelle, die für viele vor dem kleinsten Bisschen Bewegung und Aktivität an frischer Luft aufgebaut scheint. Wo Wandern oder Spazieren-Gehen zu langweilig klingt (und manchmal ja auch wirklich ist), verwandelt der Nordic Walking-Zauberstab Wandern in eine Sportart und Geocaching eben in ein Spiel. Ein Spiel, das zum Beispiel schon von einigen Tourismusbüros genutzt wird, um Besuchern einer Stadt oder Region anhand einer kleinen Schnitzeljagd mit GPS ein Urlaubsgebiet vorzustellen. Und jetzt eben, um auf die Diabetes-Epidemie aufmerksam zu machen.

Wandernde Botschafter

unite-for-diabetes-plakette
Einer der so genannten Travel Bugs

Bei der Unite for Diabetes Geocaching Challenge machte man sich zu Nutze, dass es bei den Koordinatenjägern Tradition ist, in den zu suchenden Behältern Kleinigkeiten zu hinterlassen, die von anderen Findern getauscht werden können. Neben Münzen, Figuren oder kleinen Geschenken sind dabei vor allem über das Internet verfolgbare Plaketten, so genannte Travel Bugs, verbreitet, die durch eine aufgeprägte Nummer eindeutig identifizierbar sind. Von dem Pharmaunternehmen MSD gesponsort wurden für die Challenge 20.000 dieser Plaketten mit dem blauen Unite for Diabetes-Ring versehen und an Geocacher geschickt, die sich für die Aktion registriert hatten. Jeder dieser Travel Bugs ist quasi ein Botschafter für eine Stadt in der Welt und für die Menschen mit Diabetes dort. Neben der Awareness für die Kampagne hat so jede Plakette noch ihr eigenes Ziel: Eine Reise von Versteck zu Versteck zu „ihrer“ Region, wo auch immer sie in der Welt liegen mag. Auf dem Weg dahin wird jede Bewegung des Travel Bugs durch Logbuch-Einträge in die Internet-Datenbank verfolgt, bis Anfang März waren so schon 40.000 solcher Einträge zusammengekommen.

War das erste Ziel der gesamten Aktion noch, um Unterstützung für die UN-Resolution für Diabetes zu werben, so geht es nach deren Annahme am 20. Dezember letzten Jahres jetzt um das Motto der ersten UN-Weltdiabetestages, um Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. In einem Foto-Wettbewerb sollen Geocacher, die einen Unite for Diabetes Travel Bug gefunden haben, ein Bild von sich mit der Plakette zu einem Thema einsenden. Das Thema ändert sich alle drei Monate bis zum 14. November, dann wird ein Gesamtsieger aus den Quartalsgewinnern ermittelt. Der Preis für den Gewinner der Aktion passt zum Geocachen: Es ist ein Garmin GPS-Gerät.

Insulintherapie häufig zu spät!

(2007)

Schlechte Blutzuckereinstellung trotz Insulin

In Deutschland haben viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trotz einer Insulintherapie zu hohe Blutzuckerwerte

Grund dafür ist, dass sich Patienten und Therapeuten häufig zu spät für eine Insulintherapie entscheiden und dann nicht immer die passende Therapieform wählen. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich der Veröffentlichung einer aktuellen bundesweiten Studie hin. Wenn Diät und Tabletten den Blutzucker nicht mehr ausreichend senken, spritzen viele Typ-2-Diabetiker zusätzlich Insulin. In Deutschland erhält jeder Fünfte diese Kombinationstherapie. Im Prinzip ist dies eine ideale Mischung: Die Tabletten stärken die körpereigenen Insuline, und was fehlt, wird über die Spritzen ergänzt. Dr. Petra Ott, Dresden, und weitere Wissenschaftler ermittelten in der „Diabetes in Germany (DIG)-Studie“ jedoch, dass Patienten mit der Kombinationstherapie die schlechtesten Blutzuckerlangzeitwerte haben.

Die DIG-Studie ist eine repräsentative Stichprobe von 4020 Diabetikern. Sie untersucht, wie Diabetes-Patienten in Deutschland versorgt werden und welche Therapieformen am günstigen für die Blutzuckerwerte sind. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die generell gute Versorgung der Patienten durch einen frühen Beginn der Insulintherapie verbessert werden könnte.

Dr. Petra Ott und ihre Kollegen führen die schlechten Ergebnisse der Kombinationstherapie darauf zurück, dass Ärzte den Beginn hinauszögern oder zu einer einmaligen Insulin-Injektion am Abend raten. Diese „Bedtime-Therapie“ erzielt zwar, wenn sie mit Langzeit-Insulinen durchgeführt wird, eine über den gesamten Tag andauernde gleich bleibende Wirkung. Das eigentliche Problem, die kurzen, aber hohen Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten, blieben jedoch bestehen, so Dr. Ott. Eine Intensivierte Konservative Insulintherapie (ICT) würde dies vermeiden. Sie setzt allerdings voraus, dass die Patienten vor jeder Mahlzeit ihren Blutzucker messen und lernen den Bedarf abzuschätzen. Vielen Typ-2-Diabetikern ist das zu kompliziert. Für sie gibt es eine vereinfachte Form, die mahlzeitenbezogene Insulintherapie. Dabei spritzen die Diabetiker nach festen Regeln vor den Mahlzeiten ein kurzwirkendes Kunstinsulin. Doch auch diese abgeschwächte Variante zur ICT wird zu selten eingesetzt. Die Expertin sieht vor allem bei jüngeren Diabetikern Handlungsbedarf. Bei ihnen waren die Werte trotz Kombinationstherapie am schlechtesten. Dabei ist eine gute Blutzuckereinstellung bei jüngeren Patienten besonders wichtig. Sie sind wegen der langen Lebenserwartung am stärksten von den Spätfolgen des Diabetes betroffen.

Diabetes-Lotsen leisten Betroffenen fundierte Hilfe

(2007)

Diabetes-Lotsen leisten Betroffenen fundierte Hilfe

In drei Wochenendseminaren werden gegenwärtig 23 „Diabetes-Lotsen“ ausgebildet.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) erwerben sich innerhalb der Bildungseinrichtung der Patientenorganisation, der Deutschen Diabetiker Akademie, Kenntnisse, die über die normale Selbsthilfetätigkeit hinausgehen. Auf diese Weise werden sie in die Lage versetzt, als Betroffene anderen Betroffenen ihr Wissen weiterzugeben.
Im Ausbildungsprogramm stehen die Seminare:

  • Diabetes und Krankheitsbewältigung
  • Rhetorik und Kommunikation
  • Angebote zum Selbstmanagement
  • Organisation und Aufgaben der Leistungserbringer

Menschen, die mit der Diagnose Diabetes mellitus konfrontiert werden, sind oft verunsichert und ängstlich. Das Grundwissen, das sie in den Schulungen erlangen, reicht meist nicht aus, um ein selbst bestimmtes Leben mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes zu führen. Arbeitsalltag und Familienleben sollen so wenig wie möglich darunter leiden.
Hier hilft der DDB seit mehr als fünf Jahrzehnten. Die Diabetes-Lotsen werden gebraucht, um den ständig steigenden Anforderungen, zum Beispiel im Umgang mit Behörden, gewachsen zu sein. Die Deutsche Diabetiker Akademie besteht seit fünf Jahren und hat bereits Moderatoren / Mediatoren sowie Sozialreferenten ausgebildet.
Der erste Kurs der Ausbildung zum Diabetes-Lotsen ist als Pilotprojekt zu betrachten. Er wird gefördert vom „Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus“. Es ist daran gedacht, etwa 300 Lotsen zu gewinnen, um bundesweit vor allem neu erkrankten Betroffenen helfen zu können.

Kontakt:
Rosmarie Johannes
Pressereferentin des DDB
Telefon: 0178 8957886
E-Mail: rosmariej@t-online.de

Leberverfettung und Diabetes

(2007)

Enger Zusammenhang zwischen Fettleber und Diabetes Typ 2

Folgen von Übergewicht und mangelnder Bewegung
Die Verfettung der Leber, eine häufige Folge von Übergewicht, ist eng mit Diabetes Typ 2 verknüpft. Einige Wissenschaftler betrachten sie sogar als Auslöser für die Insulinresistenz: die verminderte Wirkung des Blutzuckerhormons, die zum Diabetes führt. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich der Veröffentlichung neuer Studien hin.
Die Bedeutung der Fettleber wurde lange Zeit unterschätzt, meint Professor Dr. med. Michael Roden vom Hanusch-Krankenhaus, Wien. Der Grund: Die Diagnose war umständlich. Sie erforderte eine Gewebeprobe aus der Leber. Außerdem galt die Fettleber lange als harmlos. Zu Unrecht, denn neue Studien deuten nach Meinung des Hormon- und Stoffwechselexperten darauf hin, dass die Fettleber von zentraler Bedeutung für die Entstehung des Metabolischen Syndroms ist.
Das Metabolische Syndrom liegt bei bauchbetontem Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und erhöhtem Blutzucker vor. Die Folgen dieser Erkrankung sind vorzeitige Gefäßverkalkung sowie eventuell Herzinfarkt und Schlaganfall. Allein dies sei Grund genug, die Fettleber ernst zu nehmen.
Die Verfettung kann aber auch der Leber selbst schweren Schaden zufügen, warnt Professor Roden. Die Folgen sind die gleichen wie beim übermäßigen Alkoholgenuss: Zunächst kommt es zu einer Leberentzündung, die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH). Später kann das Organ vernarben. Es kommt dann zur tödlichen Leberzirrhose.
Einer Leberverfettung beugt man am besten durch die gleichen Maßnahmen vor, die auch einen Diabetes verhindern. Ausgewogene Ernährung und viel Bewegung könnten der Verfettung vorbeugen, berichtet Professor Dr. med. Burkhard Göke vom Klinikum Großhadern der Universität München. Ist die Leber bereits verfettet, zeigen erste Studien eine Verbesserung durch Medikamente, die auch in der Behandlung des Diabetes Typ 2 eingesetzt werden. Die bisherigen Ergebnisse seien vielversprechend, so Professor Göke. Doch die Teilnehmerzahlen der Studien waren zu gering für eine endgültige Empfehlung.

Angesichts der großen Bedeutung der Erkrankung müssten dringend weitere Studien folgen, fordert der Experte.
Ein anderer Behandlungsansatz ist hingegen gescheitert. Da das Fortschreiten der Fettleber zum NASH mit Sauerstoffradikalen in Verbindung gebracht wird, die bei vielen Stoffwechselreaktionen entstehen, sollten Radikalenfänger wie Vitamin E helfen. Die Studien haben nach Meinung von Professor Göke jedoch gezeigt, dass bei einer langfristigen Einnahme die negativen Effekte überwiegen.

Unfallrisiko Diabetes

(2007)

Unfallrisiko Diabetes

Bei Unterzucker gegensteuern
ADAC-Ratschläge für betroffene Autofahrer

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft leiden bundesweit sieben Millionen Menschen an einer Zuckerkrankheit. Experten schätzen, dass weitere drei Millionen nichts von ihrer Erkrankung wissen. Das ADAC-Ärzte-Collegium hat sich mit den Unfallrisiken von Diabetikern befasst und eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen.
Neben akuten Sehstörungen geht das größte Risiko von Unterzuckerung (Hypoglykämie) aus. Diese kann im schlimmsten Fall zur Bewusstlosigkeit führen.
Wer unter ungewöhnlich großem Durst, Schwächeanfällen und Sehstörungen leidet, sollte dringend seinen Blutzucker untersuchen lassen. Für bereits insulinpflichtige Fahrer gilt:

  • Beim geringsten Verdacht auf Unterzuckerung schnellstmöglich anhalten und den Blutzucker messen.
  • Bei Unterzuckerung rasch wirksame Kohlenhydrate (Traubenzucker) zu sich nehmen, später dann durch langsamer wirkende (Apfel, Brotscheibe) ergänzen.
  • Auf längeren Strecken etwa alle zwei Stunden Pausen machen, Mahlzeiten einhalten und lange Nachtfahrten vermeiden.
  • Nach ungewohnten körperlichen Anstrengungen nicht sofort losfahren, sondern vorher etwas essen (Apfel, Brotscheibe).
  • Diabetikerausweis, Blutzuckerteststreifen, Insulin, Spritzen, Notfallmedikamente (Glukagon) immer dabeihaben.
  • Regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen, insbesondere die Augen.

Grundsätzlich ist das Unfallrisiko von Diabetikern nicht höher als das der anderen Verkehrsteilnehmer, vorausgesetzt, die Erkrankten sind gut eingestellt und entsprechend geschult. Kommt es zu einem Unfall, bei dem Unterzuckerung als Ursache nachgewiesen wird, muss der Betroffene ein verkehrsmedizinisches Gutachten vorlegen, das seine Fahreignung beurteilt

Verkannte Gefahr fürs Herz

(2007)

Verkannte Gefahr für das Herz

Ergebnisse der weltweiten Erhebung „Shape of the Nations“ zeigen, dass das Wissen der Allgemeinbevölkerung um das kardiometabolische Risiko gering ausgeprägt ist.
Obwohl in Deutschland Herz-Kreislauf-Erkrankungen jedes Jahr für knapp die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich sind, kennt kaum einer der Betroffenen die eigenen Werte für HDL-Cholesterin oder Triglyzeride. Das ist ein Ergebnis der weltweiten Erhebung „Shape of the Nations“, die im Rahmen einer mehrjährigen Zusammenarbeit der World Heart Federation (WHF) und Sanofi-Aventis mit mehr als 11.300 Menschen in 27 Ländern durchgeführt wurde.
Zwar haben 43% der deutschen Risikopatienten den Begriff „kardiometabolisches Risiko“ schon einmal gehört – der europäische Durchschnitt liegt hier gerade einmal bei 33% -, doch weniger als 10% sehen hierbei einen Zusammenhang bestimmter Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei der befragten Allgemeinbevölkerung ist es um dieses Wissen noch schlechter bestellt. Diese Daten präsentierte Dr. med. Berndt von Stritzky, Sanofi-Aventis GmbH Deutschland, im Rahmen eines Presse-Workshops in Frankfurt.

Befragt danach, welche Faktoren zu den kardiometabolischen Risikofaktoren gehören, wurden eher die „Klassiker“ wie Übergewicht (42%), Rauchen (37%) oder Bluthochdruck (48%) aufgezählt, während die in jüngerer Zeit identifizierten Faktoren wie erhöhter Bauchumfang (10%), erhöhter Blutzucker (26%) und veränderte Blutfette weitaus seltener (erhöhte Triglyzeridwerte 34%) oder gar nicht (erniedrigtes HDL-Cholesterin) genannt wurden. Diese Risikofaktoren wurden allerdings häufiger aufgeführt, wenn man die Betroffenen direkt nach Risiken für Herzerkrankungen und Diabetes fragt. Auf diese Frage wurde ein erhöhter Blutzucker mehr als doppelt so häufig (58%), ein erhöhter Bauchumfang sogar sechsmal häufiger genannt (66%).

Aktiv werden – gezielt gegensteuern

„Inzwischen können von den befragten Risikopatienten 95% der Männer und 71% der Frauen Angaben zu ihrem Bauchumfang machen. Damit hat das Wissen um den eigenen Bauchumfang bei den Betroffenen mit Abstand Platz eins unter den kardiometabolischen Risikofaktoren, was u.a. auf die im letzten Jahr gestartete effiziente Aufklärungsarbeit der Initiative „Bauchumfang ist Herzenssache“ zurückgehen dürfte“, meinte von Stritzky.

Das zeige sich auch in der ärztlichen Praxis: Der durchschnittliche Anteil der Patienten, bei denen der Bauchumfang gemessen wurde, stieg nach der Auskunft der Hausärzte von 2005 bis 2006 von 12% auf 30% und liegt damit nur leicht unterhalb des EU- und weltweit erfassten Durchschnitts (35%). „Die Erhebung zeigt, dass es notwendig ist, das Wissen über diese Zusammenhänge zu verbessern, um das Bewusstsein für das damit verbundene Herz-Kreislauf-Risiko zu stärken und aktives Handeln zu fördern“, resümierte von Stritzky.
Nachdem 2005 die Aufklärung über das Risiko eines erhöhten Bauchumfangs im Vordergrund stand, geht die Initiative „Bauchumfang ist Herzenssache“ in diesem Jahr einen Schritt weiter. Unter dem Motto „Der Bauch kommt selten allein“ möchte sie das Bewusstsein dafür wecken, dass ein erhöhter Bauchumfang in der Regel mit weiteren Risikofaktoren wie erhöhtem Blutzucker, veränderten Blutfetten sowie Bluthochdruck verbunden ist.

Aktionspartner zum Welt-Herz-Tag 2006, bei dem die Frage „Wie jung ist Ihr Herz?“ im Mittelpunkt stand, waren die Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung e.V. sowie die Deutsche Herzstiftung e.V..

„Uns geht es mit diesem Aktionstag darum, der Öffentlichkeit zu vermitteln, wie wichtig es ist, diese Risikofaktoren, d.h. in erster Linie abdominale Adipositas und Bewegungsmangel, aktiv in den Griff zu bekommen, um den Alterungsprozess des Herzens zu verlangsamen. Dies ist eine kostengünstige, natürliche und nebenwirkungsfreie Möglichkeit, Herzerkrankungen und Schlaganfall wirksam vorzubeugen“, sagte Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Vorsitzender der Projektgruppe Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie e.V..

Diabetes-Vorhersage

(2007)

Diabetes-Risiko
„Mit sehr großer Präzision Diabetiker identifizieren“

Auch mit einfachen Variablen zum Ziel der präzisen Diabetes-Vorher- sage: Der DRS nutzt die breite Datenbasis der EPIC-Untersuchungen

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Der jetzt vorgestellte Deutsche Diabetes-Risiko-Score (DRS) vereint Präzision mit einfachen Fragen. Aufbauend auf den EPIC-Daten ermöglicht er vielleicht in Zukunft ein gezielteres Präventionsregime. Diabetes>News sprach mit Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, das den Score entwickelt hat.
Diabetes>News: Mit dem DRS haben Sie ein Screening-Werkzeug entwickelt, das das Risiko angibt, in den nächsten fünf Jahren an einem Diabetes zu erkranken, und zwar ohne komplizierte Fragen nach medizinischen Details. Wie beruhigen Sie Diabetes-Ärzte, die den als weich empfundenen Parametern wie Bewegung, Ernährung und Lebensstil nicht die Präzision von Blutzucker- oder Cholesterinmesswerten zutrauen?
Prof. Dr. Dr. Joost: Der DRS beruht auf einer sehr breiten Datenbasis (27.548 Studienteilnehmer, 849 inzidente Diabetesfälle), die alle wichtigen Risikofaktoren wie Alter und Bauchumfang einschließt. Datenerhebung und Fallsammlung war prospektiv, so dass der DRS wichtige wissenschaftliche Kriterien erfüllt. Er erlaubt damit den Vergleich und die quantitative Wertung der verschiedenen Risikofaktoren. Wir haben die Vorhersagegenauigkeit des DRS mit der von Blutzuckertests verglichen und konnten zeigen, dass der DRS Diabetes besser vorhersagt als ein Nüchtern-Blutzucker-Test. Damit ist der DRS bereits jetzt ein sehr präzises Screening-Werkzeug. Um die Empfindlichkeit des Tests noch weiter zu erhöhen, arbeiten wir derzeit an einer erweiterten Variante des Scores, die auch klinisch-chemische Parameter berücksichtigt.
Diabetes>News: Kann man das quantifizieren? Wie sind die Zahlen für die vorliegende Variante?
Prof. Dr. Dr. Joost: Der Test bietet eine 80prozentige Spezifität bei einer Selektivität von nahezu 80 Prozent. Das heißt, dass mit einem bestimmten Cut off der Punktwerte 80 Prozent der zukünftigen Diabetesfälle identifiziert werden bei ca. 20 Prozent falsch Positiven.

Diabetes>News: Der Risiko-Score wurde mit Daten der Potsdamer EPIC-Studie erstellt und an Daten der Heidelberger EPIC-Studie, der Tübinger Familienstudie für Typ-2-Diabetes und der Studie „Metabolisches Syndrom Berlin Potsdam“ validiert. Was waren die Anforderungen bei dieser Validierung, waren das die jetzt erreichten Sensitivitätswerte?
Prof. Dr. Dr. Joost: Wichtig ist, dass die Ergebnisse des DRS in unabhängigen, prospektiv angelegten deutschen Studienpopulationen bestätigt wurden. Die Validierung des DRS in der Heidelberger EPIC-Studie mit 23.398 Teilnehmern und 658 inzidenten Diabetesfällen führte zu exzellenten Ergebnissen. Besonders im kritischen Bereich mit dem höheren Risiko (bei Score-Werten ab 657 Punkte) weichen die Ergebnisse kaum ab. Das Risiko bei EPIC-Potsdam liegt hier bei 15,4 Prozent und bei der Heidelberger Studie bei 15,2 Prozent. Ich war selbst überrascht, wie gut das war.
Diabetes>News: Der Score ist durch die ausgewählten Parameter auch und gerade außerhalb der klinischen Praxis Punkte anwendbar – auch auf der berühmten Milchtüte?
Prof. Dr. Dr. Joost: Der Score hat jetzt zehn Fragen, die man natürlich auch auf eine Milchtüte drucken könnte. Aber bevor er auf einer Milchtüte abgedruckt wird, sollte man zunächst verschiedene Fragen abklären: Wer soll den Test machen, zieht die Person, die ihn durchführt, die richtigen Schlussfolgerungen und was will man letztlich erreichen? Wenn er dazu eingesetzt wird, um Personen, die ein hohes Risiko haben, dazu zu motivieren, das Risiko zu senken, dann muss das nicht unbedingt auf einer Milchtüte sein. Man könnte den Score auch über die Apotheken anbieten oder über die Krankenkassen an die Ärzte geben. Das sind Dinge, die wir überlegen und über die wir diskutieren. Solch eine Kampagne erfolgreich durchzuführen, ist nicht einfach. Einige Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, sind mit bestimmten menschlichen Verhaltensweisen verbunden: Wenn Sie Fragebögen an Risikopersonen schicken, dann antworten die Personen mit dem höchsten Risiko eher nicht, sondern versuchen ihr Risiko zu verdrängen. Sie bekommen dann also eine Selektion von Gesunden, die sowieso motiviert sind, sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Man muss also intensive Überlegungen anstellen, welche Maßnahmen man trifft, um dieses Risikosegment anzusprechen. Wir sind nicht so vermessen zu sagen „Mit unserem Score geht das besonders gut.“ Das war nicht unser Ansatz. Unser Ansatz war, zunächst einmal möglichst genau zu messen, möglichst genaue Zahlen zu haben und hierauf basierend ein Instrument zu entwickeln, das Hochrisikopersonen in Deutschland mit großer Präzision identifiziert. Denn dies ist die Voraussetzung für eine Implementierung von flächendeckenden Präventionsmaßnahmen. Unserer Meinung nach gab es ein solches Instrument in Deutschland bisher nicht.
Diabetes>News: Wie unterscheidet sich der Test von Screening-Fragebögen wie den acht Findrisk-Fragen der Deutschen Diabetes Stiftung?
Prof. Dr. Dr. Joost: Es ist einfach die Präzision. Der Findrisk ist eine Adaption des finnischen Fragebogens, dem weitere Parameter hinzugefügt worden sind. Diese sind als Risikofaktoren sinnvoll und bekannt, aber ihr quantitativer Beitrag zum Risiko ist geschätzt. Außerdem ist die Datenbasis des Originals Findrisk erheblich schmaler als unsere; eine Validierung des Findrisk-Scores in der deutschen KORA-Kohorte ergab eine sehr niedrige Sensitivität und Spezifität. Dagegen basiert der DRS meines Wissens nach auf einer der weltweit größten Datengrundlagen. Zudem haben wir eine prospektive Analyse durchgeführt. Bei einer prospektiven Studie werden Menschen zu ihrem Lebensstil und ihren Essgewohnheiten befragt, bevor sie die Erkrankung entwickelt haben. Diese Methodik ist zurzeit die exakteste in der Epidemiologie und wird für Risikoscores auch gefordert.
Diabetes>News: Und wie groß sind die Unterschiede zu ähnlichen Scores anderer Länder?
Prof. Dr. Dr. Joost: In den USA gibt es fünf Diabetes-Risiko-Scores, die auf prospektiven Studien basieren, die aber einen Blutzuckertest und Angaben zu Laborwerten erfordern. Ein ganz wesentlicher Unterschied liegt aber in der Berücksichtigung der Ballaststoffaufnahme. Die Ballaststoffaufnahme über Vollkornbrot ist ja etwas typisch deutsches. Wir konnten zeigen, dass es tatsächlich ein eindeutiger Risikofaktor ist, wenig Vollkornbrot zu essen. Die Frage nach dem Vollkornbrotverzehr kommt in den USA nicht vor. In Finnland wird nach dem Verzehr von Gemüse und Beeren gefragt. In unserer Studie gab es zumindest keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Gemüseverzehr und Diabetes-Risiko. Ein anderer Punkt ist, dass sehr wahrscheinlich genetische Unterschiede zwischen den Studienpopulationen verschiedener Länder bestehen. Ich halte es deshalb für fraglich, ob Scores, die in Finnland oder den USA entwickelt wurden, in Deutschland oder einer anderen europäischen Population die erforderliche Präzision der Vorhersage liefern.
Diabetes>News: Wird der Score dann in zwei Varianten angeboten werden, einer einfachen und einer mit klinischen Parametern?
Prof. Dr. Dr. Joost: Ja, das ist unser Ziel. Außerdem arbeiteten unsere Kooperationspartner aus Tübingen um Prof. Häring daran, Faktoren zu identifizieren, mit deren Hilfe man den DRS noch weiter präzisieren kann und anhand derer man gleichzeitig vorhersagen kann, ob eine Prävention erfolgreich sein wird oder nicht. Eine andere Idee für die Zukunft wäre, die Durchführung einer präventiven Pharmakotherapie mit Acarbose, Metformin oder andere Wirkstoffen vom Risiko abhängig zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass man eines Tages sagt, es gibt Personen, bei denen wirkt eine Lifestyle-Intervention nicht, denen ist geholfen, indem man ihnen ein Medikament gibt, das präventiv wirkt. Ich glaube, dass gute Risikoscores geeignet sind, zur Indikationsstellung beizutragen. Diese Bewertung kann dann aber ausschließlich von ärztlicher Seite erfolgen.
Diabetes>News: Nun gibt es ein einfach zu handhabendes Screening-Instrument. Wie soll es in der Praxis eingesetzt werden, wie ist beispielsweise die Kooperation mit der AG Prävention des Typ 2 Diabetes der DDG oder dem Nationalen Aktionsforum Diabetes, auf deren 2. Vollversammlung im März Sie referiert haben?
Prof. Dr. Dr. Joost: Es gibt zurzeit Gespräche mit dem Nationalen Aktionsforum, dem wir den Score zur Verbreitung und zur weiteren Verwendung gern zur Verfügung stellen.
Das Interview führte Marcus Sefrin.

B-Vitamine schützen Diabetiker

(2007)

Diabetiker brauchen mehr B-Vitamine

Sind Sie Diabetiker? Dann sollten Sie unbedingt auf eine gute Versorgung mit den B-Vitaminen B1, B6, B12 und Folsäure achten. Warum? Aktuelle Untersuchungsergebnisse zeigen, dass diese vier Vitamine vor Spätkomplikationen der Zuckerkrankheit wie beispielsweise Schäden an Nerven und Blutgefäßen schützen können.

Wie die Vitamine das machen, ist heute größtenteils aufgeklärt. Das Quartett arbeitet quasi Hand in Hand. Zum einen sorgen die drei Vitamine B6, B12 und Folsäure dafür, dass ein spezielles Eiweiß im Blut, das so genannte Homocystein, welches Blutgefäße schädigt, abgebaut wird. Hohe Homocysteinwerte im Blut sind speziell für Diabetiker gefährlich, weil sie langfristig das Risiko erhöhen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Zum anderen reduziert Vitamin B1 zuckerhaltige Eiweiße in den Körperzellen, die bei Diabetikern oft in großer Menge gebildet werden und ebenfalls eine Gefahr für die Blutgefäße darstellen.

Erhöhten Bedarf decken

B-Vitamine sind vor allem in Vollkorngetreide, Weizenkeimen, Nüssen, Innereien und grünem Blattgemüse enthalten. Diabetiker sollten deshalb auf eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Vollkornprodukten und Gemüse achten. Doch eine vollwertige Ernährung reicht nicht immer aus, um den Bedarf an B-Vitaminen bei Zuckerkranken zu decken. „Diabetiker verbrauchen deutlich mehr B-Vitamine als Gesunde und scheiden zudem größere Mengen dieser Vitamine aus“, sagte Dr. med. Martin Adler auf einem Expertentreffen in Köln. Dies führe dazu, dass Patienten mit Diabetes oftmals massiv mit B-Vitaminen unterversorgt seien. „50 Prozent der Diabetiker haben zu wenig Vitamin B6, B12 und Folsäure im Blut und 76 Prozent erreichen nicht die notwendigen Vitamin B1-Werte“, sagte Adler. Der Mediziner rät Zuckerkranken daher zu einer gezielten Nahrungsergänzung mit B-Vitaminen, um diabetischen Spätkomplikationen bestmöglich vorzubeugen. Der Bedarf an allen vier für Diabetiker wichtigen B-Vitaminen in optimaler Dosierung könne durch die langfristige Einnahme geeigneter diätetischer Lebensmittel gedeckt werden, sagte Adler.

Diabetisches Koma

(2007)

Diabetisches Koma
Tödliche Gefahr trotz besserer Behandlung

Ein Diabetisches Koma kann auftreten, wenn Diabetes Typ 1 zu spät erkannt wird oder ein Typ-2-Diabetiker auf Dauer zu wenig Insulin spritzt. Dieser lebensgefährliche Zustand tritt noch immer häufig auf. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer aktuellen Veröffentlichung hin. Darin erläutern Experten, wie heute Todesfälle vermieden werden – unter anderem durch den umsichtigen Einsatz des lebenswichtigen Hormons.
Obwohl die Symptome – Extremdurst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsabnahme – eindeutig sind, wird jede fünfte Diabetes Typ 1 in Deutschland erst entdeckt, wenn der Stoffwechsel entgleist ist.
Erbrechen, Bauchschmerzen und zunehmende Müdigkeit sind die Warnzeichen. Auffällig ist auch ein Geruch des Atems nach faulen Äpfeln oder Nagellack. Dann haben sogenannte Ketonkörper das Blut übersäuert und es besteht akute Lebensgefahr. Ketoazidose nennen Diabetologen diesen Zustand, der früher durch die rasche Gabe von Insulin in hoher Dosierung behandelt wurde. Oft zum Nachteil der Patienten, wie sich Professor Dr. med. Johannes Hensen, Hannover, einer der Autoren der Studie, erinnert. Denn die rasche Blutzuckersenkung kann eine tödliche Entgleisung im Stoffwechsel auslösen, das Disäquilibriumsyndrom.
Heute geben Notärzte dem Bewusstlosen zunächst gar kein Insulin. Erstmaßnahme ist ein Tropf mit Kochsalzlösung. Dies sei sinnvoll, weil der hohe Blutzucker die Flüssigkeit aus dem Gewebe gesogen habe, eine Folge des osmotischen Drucks, erläutert Professor Hensen.
Diese Gewebsaustrocknung ist die Ursache der Bewusstlosigkeit. Der Tropf verdünnt den Blutzucker. Dadurch sinkt der osmotische Druck und auch die Nieren arbeiten dann wieder normal.
Allein diese Maßnahme rettet die Patienten nicht, die sofort in eine Klinik eingewiesen werden. Doch auch dort sind die Ärzte zurückhaltend mit Insulin. Statt den Patienten eine hohe Dosis zu spritzen, wird das Insulin langsam über eine Medikamentenpumpe gegeben. Zwölf Stunden kann es dauern, bis die Ketoazidose behoben ist und weitere zwei Tage, bis die Patienten normale Blutzuckerwerte haben. Durch diese Methode konnte die Sterberate auf unter ein Prozent gesenkt werden, berichten die Experten.

Weitaus gefährlicher ist das Diabetische Koma bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Diese haben reichlich Insulin im Blut, das aber schlecht wirkt – die sogenannte Insulinresistenz. Auslöser des Komas sind akute Erkrankungen oder auch Medikamentenfehler. Der Blutzucker kann dann auf extrem hohe Werte steigen. Ketoazidose und damit der typischen Atemgeruch fehlen jedoch. Die Ärzte sprechen von einem hyperosmolaren Koma, das bei jedem vierten bis fünften Patienten auch heute noch tödlich endet.
Diese Gefahr lässt sich abwenden, wenn ältere Diabetiker regelmäßig den Blutzucker bestimmen, betont die DDG.