News-Archiv: 2007

Preis für Tübinger Wissenschaftler

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Diabetesrisiko deutscher und italienischer Kinder

Untersuchung zur Diabetes-Häufigkeit bei in Deutschland lebenden italienischen Kindern und Jugendlichen

Preis für Tübinger Wissenschaftler

In Deutschland lebende deutsche Kinder und Jugendliche erkranken signifikant häufiger am Typ 1 Diabetes als in Deutschland lebende italienische Kinder und Jugendliche. In Deutschland lebende italienische Kinder und Jugendliche erkranken gleich häufig am Typ 1 Diabetes wie in Italien lebende italienische Kinder. Dies sind die Ergebnisse einer Migrationsstudie zur Pathogenese (Entstehung) des Typ 1 Diabetes. Im Blickfeld der Wissenschaftler stand hierbei die Frage, welche Rolle die genetische Disposition im Vergleich zu äußeren Einflussvariablen spielt.

Bei der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Hamburg wurde Dr. Stefan Ehehalt von der Tübinger Universitätskinderklinik für die Untersuchung mit dem wissenschaftlichen Förderpreis der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) ausgezeichnet.

Aus den Studienergebnissen lässt sich folgern, dass italienische Kinder und Jugendliche das Erkrankungsrisiko ihres Herkunftslandes beibehalten. Es spielt keine Rolle, ob die Kinder und Jugendlichen aus einer Region mit hoher oder niedriger Inzidenzrate (Häufigkeit von Neuerkrankungen) stammen. Dies spricht dafür, dass genetische Faktoren eine dominierende Rolle bei der Entstehung des Typ-1-Diabetes spielen. Das gemeinsame Forschungsprojekt der Kinderdiabetologie am Uniklinikum Tübingen (Leiter Priv. Doz. Dr. Andreas Neu) zur epidemiologischen Annäherung an die Pathogenese des Typ 1 Diabetes mellitus entstand in Kooperation mit zwei italienischen Forschern, den Brüdern Dres. Muntoni (Sardinien). Die Recherchen wurden von Pavle Popovic (Doktorand) durchgeführt.

Der Preis wird einmal jährlich von der AGPD verliehen und wurde gestiftet durch die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Er ist mit 8.000 Euro dotiert. Das Geld wird für die Weiterentwicklung des Projekts verwendet.

Kongress für Telemedizin

(2007)

Kongress für Telemedizin

Diabetes>News war vor Ort und fand Optimismus und interessante Projekte.
Erstmals fand parallel zur CeBIT auch ein Kongress für Telemedizin statt. Diabetes>News war vor Ort und fand Optimismus und interessante Projekte.
Irgendwie denkt man nicht sofort an Medizin, wenn man das Wort CeBIT hört. Die immer noch weltgrößte Computermesse hat sich zwar in den letzten Jahren zu einem Verbraucherspektakel entwickelt, aber als Gesundheits-Show hat sie sich nicht hervorgetan. Um Show ging es auch in diesem Jahr nicht bei der Premiere von TeleHealth, doch der Fachkongress mit angegliederter Ausstellung fand im Rahmen der CeBIT im Kongresszentrum der Deutschen Messe in Hannover statt und beeindruckte statt mit Tanz und Trara durch eine Vielzahl von vorgestellten Projekten.
Die stammten aus allen Bereichen, die sich unter dem breiten Begriff Telemedizin finden, die einzelnen Sessions an den zwei Tagen waren überschrieben mit Telediagnostik, Telemonitoring, Sensorik & Datenübertragung, Datenbanken und Expertensysteme. Und natürlich durfte auch das am meisten diskutierte Telemedizin-Thema derzeit auf der Veranstaltung nicht fehlen, die elektronische Gesundheitskarte.
Sie hielt sich allerdings dezent im Hintergrund und wurde nur in den eröffnenden Worten von Gesundheitsstaatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder pflichtbewusst erwähnt, „die Durchlässigkeit der Versorgungsstrukturen muss sich im Datenfluss widerspiegeln“, machte er eine Idee hinter dem Großprojekt klar. Das stehe momentan an der „praktischen Schwelle“, für die nächste Auflage des Kongresses 2008 erwartete Schröder keine Prototypen mehr, sondern die endgültigen Dienste, die bei der Gesundheitskarte zum Einsatz kommen. Als wichtigen Faktor nannte er die Interoperabilität der Systeme und verglich „Ein Telefonsystem mit zwei Teilnehmern ist relativ banal. Mit Millionen ist es ein wichtiger Faktor.“
Diabetiva-Projekt nutzt Telemedizin

Prof. em. Dr. med. Arnold Gries

Irgendwo zwischen zwei und Millionen angesiedelt ist momentan noch ein telemedizinisches Betreuungsprojekt für Diabetiker mit besonderem kardiovaskulärem Risiko, das Prof. em. Dr. med. Arnold Gries auf der Tagung vorstellte. Es handelt sich um ein von der Taunus Betriebskrankenkasse zusammen mit dem Düsseldorfer Anbieter PHTS Telemedizin im Rahmen eines Vertrages zur integrierten Versorgung für Diabetiker eingesetztes System mit dem Namen Diabetiva®, das zunächst auf Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt begrenzt ist.
Ziel sei allerdings eine flächendeckende Versorgung in ganz Deutschland, so Gries in Hannover. Der ehemalige Direktor des Deutschen Diabetes Zentrums Düsseldorf ist Mitglied des medizinischen Beirates von PHTS Telemedizin und machte das Ziel des Projekts klar: Schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder diabetischem Fuß vorzubeugen. Folgeerkrankungen, „die wir früher Spätschäden genannt haben, die aber manchmal gar nicht so spät kommen“, wie er zu bedenken gab.
In der Praxis funktioniert die Versorgung so: Zunächst wird in der Arztpraxis ein kontinuierliches Glukosemonitoring-System von Medtronic angelegt, mit dem über einen Zeitraum von 72 Stunden die Blutzuckerwerte aufgezeichnet werden. Während dieses Zeitraums muss der Patient in vorgefertigten Formularen seine Lebensgewohnheiten dokumentieren: Nahrungsaufnahme, Insulingabe, Bewegung. Diese Daten werden von dem Facharzt an das telemedizinisch gestützte und damit ambulant einsetzbare interaktive Beratungsprogramm KADIS® (Karlsburger Diabetes-Management System) weitergeleitet, mit dem Institut für Diabetes „Gerhard Katsch“ Karlsburg besteht eine Zusammenarbeit. Dort werden Informationen ausgewertet und die optimale Diabetes-Einstellung für den jeweiligen Patienten wird computergestützt erstellt.
Die Analyse wird dann wieder dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt, der mit dem Patienten die Therapie festlegt. Diese Langzeitmessung erfolgt einmal jährlich. „Das Telemedizinische Zentrum ist nicht der Therapeut!“, kam Gries einer oft geäußerten Kritik an solchen Systemen zuvor. Für eine optimale Therapie erhalten die Patienten ein Blutzuckermessgerät von PHTS Telemedizin, mit dem sie regelmäßig ihre Blutzuckerwerte jederzeit per Telefon an das Telemedizinische Zentrum von PHTS in Düsseldorf übermitteln können.

Bei multimorbiden Patienten werden dort auch regelmäßig EKGs ausgewertet. Das Telemedizinische Zentrum ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr mit Ärzten und medizinischem Fachpersonal besetzt. All diese Daten werden von PHTS Telemedizin in einer elektronischen Patientenakte erfasst. Bei Abweichungen von therapeutischen Zielwerten gibt es ein Alarmzeichen und das Zentrum nimmt mit dem Patienten Kontakt auf. Es fordert auch per Telefon Daten ein und fragt nach Lebensqualität, Medikation oder Symptomatik. Reminder- und Schulungsfunktion nennt Gries diese Tätigkeiten.
Über die Plattform „Medical Record Online“ (MROL) sind alle behandelnden Ärzte eines Patienten miteinander vernetzt, alle können auf die übermittelten Werte zugreifen und sich schnell und umfassend über den Krankheitsverlauf informieren. Darüber hinaus ermöglicht MROL Auswertungen des Krankheitsverlaufes. Fragen wie „Wie entwickelt sich der Blutzucker während der Tages- und Nachtzeit?“ oder „Wie verändert er sich infolge der gewählten Therapie?“ sollen so beantwortet werden. Studien aus dem Institut für Diabetes Karlsburg belegen, dass der HbA1c innerhalb von nur drei Monaten durch die telemedizinisch gestützte Behandlung signifikant verbessert werden kann.
Grenzenloses Teamwork im Prähospital
Was Projekte wie Diabetiva verhindern wollen, managt das Mobimed System schon seit 20 Jahren ebenfalls mit Mitteln der Telemedizin: Den akut kardial gefährdeten Patienten. Beim Herzinfarkt gilt „time is crucial, time is muscle“, verdeutlichte Prof. Dr. Bengt Arne Sjöqvist, Gesundheitsinformatiker und Vizepräsident der schwedischen Firma Ortivus den Hintergrund. „Telekardiologie, das ist nicht nur das Senden eines EKGs“ betonte er am Anfang seiner Ausführungen und erinnerte daran, dass der erste Tag des Telehealth-Kongresses am 19. März fast mit dem Tag des ersten Telekardiograms, den 22.3.05, zusammenfiel.
Wohlgemerkt des letzten Jahrhunderts, denn niemand anderes als der Niederländer Willem Einthoven, Professor für Physiologie an der Universität Leiden und für seine grundlegenden Arbeiten zum Elektrokardiogram 1924 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, sandte an diesem Tag auch die erste Fernversion des EKG vom Untersuchungsraum in sein Büro. Heute geht es jedoch um mehr als um die Bequemlichkeit eines Pioniers, es geht um das Teilen von Informationen, um die Unterstützung von Entscheidungen in der kritischen Phase des Herzinfarkts, eine Stunde entspricht 50 Prozent Mortalität, zitierte Sjöqvist eine schottische Studie.
Ein Sensor funkt über Bluetooth seine Werte, darunter ein 12-Kanal EKG, an einen Handcomputer, welcher mit einer beliebigen Kommunikationstechnologie wie dem Handy-Standard GPRS die Daten an ein Krankenhaus schickt. „Grenzenloses Teamwork im Prähospital“ nennt er das Prinzip, schon auf dem Weg im Rettungswagen die richtigen Entscheidungen zu ermöglichen.
Und die schon auf der Fahrt ins Hospital gewonnenen Informationen direkt in die elektronische Patientenakte zu übernehmen, also eben nicht bei Null anzufangen, sobald der Patient durch die Tür kommt. In Schweden sind bereits 70 Prozent der Rettungswagen mit dem System ausgerüstet, mehr als 6.000 Ambulanzfahrzeuge europaweit sind es laut Sjöqvist. Und er konnte auch Erfolgszahlen berichten: Von 1995 bis 2005 ist die 30-Tages Mortalität nach Myokardinfarkt in Schweden um 10, laut einer anderen Untersuchung sogar um 30 Prozent gesunken. Nicht nur, aber eben auch wegen Telemedizin, wie sich Sjöqvist und sicher auch die anderen Experten mitten auf der CeBIT sicher sind.

Eine ALLIANZ für Diabetes

(2007)

Eine ALLIANZ für Diabetes

„UNite for Diabetes“, die weltweite Kampagne der Internationalen Diabetesföderation (IDF), die im Dezember 2006 zur einstimmigen Verabschiedung einer UN-Resolution zu Diabetes geführt hat, findet mit dem diesjährigen Weltdiabetestag am 14. November 2007 ihren Höhepunkt. Es ist gelungen, die Vereinten Nationen zu überzeugen, dass nicht nur Infektionskrankheiten, sondern auch eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus hohe Aufmerksamkeit benötigt, da es sich hierbei um die weltweit größte und am stärksten wachsende Zivilisationskrankheit handelt.

Diabetes geht ALLE etwas an. Diesem Gedanken folgend haben sich weltweit zahlreiche Organisationen, Institutionen, Firmen etc. zusammengefunden, um aktiv auf diese wichtige Erkrankung hinzuweisen. Am 14. November 2007 werden auf der ganzen Welt Lichter erstrahlen, um ein Zeichen zu setzen. Viele Monumente und bekannte Gebäude werden im „UNite for Diabetes“-blau leuchten. Die Farbe blau steht für unseren Planeten, sie steht für die Vereinten Nationen und sie steht für den weltweiten Kampf gegen Diabetes. Zum ersten Mal wird der Weltdiabetestag auch als Tag der Vereinten Nationen begangen. Eine Allianz, die weltweit Aufmerksamkeit erregen und damit jedem Einzelnen die enorme Bedeutung des Krankheitsbilds Diabetes bewusst machen wird!

Deutschland nimmt an dieser Aktion ebenfalls mit einem symbolträchtigen Gebäude teil: Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 steht die Allianz Arena als Schauplatz des Eröffnungsspiels für ein mitreißendes, aber friedliches und respektvolles Miteinander von Menschen verschiedenster Nationen. Der „UNite for Diabetes“-Gedanke wird von der Allianz Arena unterstützt und so wird am 14. November 2007 die Arena in blauem Licht erstrahlen, um den Weltdiabetestag zu begehen. „Wir sind sehr glücklich, dass wir die Unterstützung der Allianz Arena in München gewinnen konnten,“ sagt Prof. Eberhard Standl, Präsident der Deutschen Diabetes-Union und der Internationalen Diabetesföderation, Region Europa. „Wir stehen damit in einer Reihe mit dem Empire State Building in New York, den Niagarafällen und dem Opernhaus in Sydney.“ Auch für Peter Kerspe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Allianz Arena, war es selbstverständlich hier aktiv mitzuwirken. „Gerade im Hinblick darauf, dass laut Studie ca. 50% aller Menschen mit Diabetes nichts von Ihrer Krankheit wissen, wollen wir an diesem Weltdiabetestag zusammen mit der Deutschen Diabetes-Union e.V. in Deutschland ein Zeichen setzen.“

Neben zahlreichen Events um und am Weltdiabetestag selbst, wird die zentrale Veranstaltung in Deutschland am 18. November 2007 von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr in Saarbrücken (Congresshalle, Hafenstraße 12 in 66111 Saarbrücken) von der Deutschen Diabetes-Union durchgeführt.

Besser messen in Comics

(2007)

„Besser messen“-Broschüre kommt gut an


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Hilfen zum Blutzuckermessen im Diabetesalltag bewährt

Oft genug landet die Flut von Informationsbroschüren unbesehen im Papierkorb. Anders bei der Broschüre der Kampagne „Besser messen – Aktiver leben“: Sie wird nicht nur gern gelesen, sondern vermittelt die Zusammenhänge so anschaulich, dass Menschen mit Diabetes die Tipps und Tricks zur Blutzuckerselbstkontrolle direkt im Alltag ausprobieren. „Die Broschüre „Besser messen bei Diabetes“ ist sehr übersichtlich und leicht verständlich und hat mich dazu angeregt, mich intensiver mit meinem Diabetes zu befassen“, lautet eine der vielen positiven Zuschriften an das „Besser messen“-Aktionsbüro.
Seit Anfang 2007 gibt es den Ratgeber, der von einem Expertengremium zusammen mit LifeScan, Hersteller von Blutzuckermesssystemen der Marke OneTouch® Ultra® , entwickelt wurde. Bisher wurden rund 20.000 Broschüren von Menschen mit Diabetes, Arztpraxen und diabetologischen Schwerpunkteinrichtungen bestellt.
Seit zweieinhalb Jahren klärt die Initiative „Besser messen – Aktiver leben“ Menschen mit Diabetes über den Nutzen und die Chancen situationsangepasster Blutzuckerselbstkontrolle auf. Dabei ermutigt sie unter anderem mit speziellen Servicematerialien zu einem aktiven, selbstbestimmten Leben mit Diabetes.
Die Broschüre „Besser messen bei Diabetes“ erklärt Insulinbehandelten, was die Messwerte in bestimmten Alltagssituationen bedeuten und welche Handlungen sich daraus für eine gute Stoffwechseleinstellung ableiten lassen. Individuelle Blutzuckermesskarten, die für verschiedene Therapieformen entwickelt wurden, liefern Interpretationshilfen für die einzelnen Messergebnisse.

Besser messen in Comics

„Die Aufmachung Ihrer Broschüre „Besser messen bei Diabetes“, mit den bildlichen Darstellungen, finde ich sehr gut und ansprechend“, ist nur eine von vielen Reaktionen begeisterter Leser. Die comicartigen Beispiele ganz alltäglicher Situationen erklären leicht verständlich, warum zu bestimmten Zeitpunkten gemessen werden soll. Auch die Bildfolgen zur Bewegung sind aus dem Leben gegriffen, so dass sie jeder mit eigenen Aktivitäten vergleichen kann.
Damit lässt sich gut nachvollziehen, warum Werte zu hoch oder zu niedrig sind. Die Broschüre kommt bei Menschen mit Diabetes so gut an, dass Diabetesberaterinnen sie regelmäßig als Anschauungsmaterial in der Schulung einsetzen.
Auch die therapiespezifischen Blutzuckermesskarten werden gern in der Beratung genutzt: „Anhand der Blutzuckermesskarten wird das richtige Verhalten rund um die Messung besprochen. Ihre Aufteilung nach Therapieformen eignet sich gut, um persönliche Therapieziele zu erarbeiten,“ so Dr. Astrid Tombek, leitende Diabetesberaterin am Diabetes Zentrum Mergentheim.

Mut zum Ausprobieren!

Dass die Broschüre Tipps bereit hält, die sich im Alltag gut aufgreifen lassen, bestätigt auch Leonard Schmitz, Leiter der Diabetes-Selbsthilfegruppe in Bedburg: „Wir haben in unserer Gruppe eine Anregung zum Thema Bewegung gleich in die Tat umgesetzt und eine Nordic-Walking-Schnupperstunde veranstaltet. Vorher und nachher haben alle den Blutzucker gemessen, um zu sehen, wie die Bewegung den Blutzuckerspiegel senkt.“
Den Motivationseffekt beobachtet auch Silke Kodym, Diabetesberaterin aus Rathenow: „Viele meiner Patienten probieren die Tipps zum Blutzuckermessen aus der Broschüre aus. Die Ergebnisse besprechen wir dann gemeinsam. So lernen sie, wozu Blutzuckerselbstkontrolle gut ist und können sie zielgerichteter einsetzen. Die „Besser messen“-Materialien sind für uns eine wirkliche Hilfe und tragen dazu bei, die eigenständige Therapieführung zu verbessern.“
Die „Besser messen“-Materialien und weitere Informationen zur Kampagne gibt es im Internet unter www.bessermessen-aktiverleben.de. Interessierte können die kostenlose Broschüre „Besser messen bei Diabetes“ bestellen beim Aktionsbüro „Besser messen – Aktiver leben“, c/o Circle Comm GmbH, Ober-Ramstädter-Straße 96, 64367 Mühltal, Telefon: 06151 3608796, Fax: 06151 3608799 oder per E-Mail: service@bessermessen-aktiverleben.de

Kontinuierliches Glukose-Monitoring

(2007)

Abbott erhält europäische CE-Zulassung für den FreeStyle Navigator®

Abbott erhält europäische CE-Zulassung für den FreeStyle Navigator, das kontinuierliche Blutzuckerüberwachungssystem – Abbott gab am 06. Juni 2007 bekannt, dass das Unternehmen das europäische CE-Zeichen (Conformité Européenne) als Zulassung für das kontinuierliche Blutzuckerüberwachungssystem FreeStyle Navigator für Diabetiker erhalten hat 

Die Weltgesundheitsbehörde WHO schätzt, dass 180 Millionen Menschen weltweit unter Diabetes leiden und dass diese Zahl sich wahrscheinlich bis zum Jahre 2030 verdoppelt haben wird. Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die auftritt, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genug Insulin produziert, oder wenn der Körper das produzierte Insulin nicht wirksam nutzen kann. Für Millionen Diabetiker gehört die regelmäßige Überprüfung ihres Blutzuckers zum Alltag. Die meisten Menschen, die Insulin nehmen, prüfen ihren Blutzuckerwert mindestens vier Mal am Tag, häufig sogar öfter. Das FreeStyle Navigator System ist so konzipiert, dass es den Blutzuckerspiegel diskret einmal pro Minute ohne die immer wiederkehrenden Schmerzen und Umstände eines herkömmlichen Blutzuckertests misst. Mit der Frühwarnung, die den Patienten auf mögliche kommende Hochs bzw. Tiefs aufmerksam macht und dank der minütlichen Erfassung des Blutzuckerspiegels (das entspricht 1440 Messungen pro Tag) bietet das FreeStyle Navigator System ein vollständigeres Bild über den derzeitigen Blutzuckerwert der Person und ob er sich gerade nach oben oder nach unten bewegt.

Bei Diabetikern gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kürze hypoglykämischer (niedriger Blutzuckerspiegel) bzw. hyperglykämischer (hoher Blutzuckerwert) Zustände und einer guten Diabetes-Einstellung und einer Verringerung des Risikos für eine Reihe schwerer, kurz- und langfristiger Komplikationen des Diabetes. Abbotts FreeStyle Navigator System bietet eine Reihe entscheidender Vorteile für den Diabetiker. Das System überwacht den Blutzuckerspiegel, indem es einmal pro Minute den Blutzuckerwert misst und an den ungefähr mobiltelefon-großen Empfänger weitergibt, der am Gürtel, in einer Kleidungstasche oder in der Handtasche getragen werden kann. Er warnt auch, bevor der Blutzuckerspiegel zu hoch bzw. zu niedrig wird, zeigt fünf verschieden ausgerichtete Pfeile an, die den Trend verdeutlichen und leicht verständlich zeigen, ob der Blutzucker gerade steigt oder fällt und speichert vergangene Daten und Informationen zum Verlauf des Blutzuckerspiegels. Das FreeStyle Navigator System umfasst einen Wegwerf-Messfühler, der bis zu fünf Tage lang getragen und dann gewechselt werden kann, einen Sender mit einer Reichweite von 3m und einen Funkempfänger mit eingebautem FreeStyle® Blutzuckermessgerät.

„Die ersten Reaktionen auf Abbotts neues, kontinuierliches Blutzuckerüberwachungssystem sind sehr vielversprechend“, sagte Dr. med. Thomas Danne, Professor am Diabetes-Zentrum auf der Bult in Hannover, Deutschland. „Dieses neue System für Diabetiker hat ein enormes Potenzial, da es die wichtigsten Bedürfnisse des Diabetikers befriedigt, indem es frühzeitig vor Hochs bzw. Tiefs warnt und in kurzen Abständen Informationen über den jeweiligen Blutzuckerspiegel bietet“, fügte Danne hinzu. „Das FreeStyle Navigator System bietet dem Diabetiker eine große Menge neuer Informationen, dank derer er vorbeugend handeln kann, statt nur zu reagieren. Das ist ein großer Fortschritt für die Diabetesbehandlung“, sagte Chip Hance, Senior Vice President Diabetes Care Operations bei Abbott. „Diese Technologie ist ein Beispiel für Abbotts innovativen Ansatz bei der Blutzuckerprüfung und auch für unser Engagement, die Technologie im Zusammenhang mit Diabetes einfacher und handhabbarer zu gestalten.“ Das kontinuierliche Blutzuckerüberwachungssystem FreeStyle Navigator ist für erwachsene Diabetiker im Alter ab 18 Jahren indiziert. Das System kann zur kontinuierlichen Blutzuckerüberwachung eingesetzt werden, doch sollte zur Bestätigung einer Hypoglykämie bzw. bevorstehenden Hypoglykämie bzw. vor der Injektion von Insulin ein Blutzuckertest (Messung per Fingereinstich) durchgeführt werden.

Ergebnisse der klinischen Studie

Die Genauigkeit, Sicherheit und Wirksamkeit des FreeStyle Navigator Systems wurde in zwei unabhängigen zulassungsentscheidenden klinischen Untersuchungen, einer fünftägigen klinikinternen Studie und einer Studie mit Type 1 und Type 2 Diabetespatienten zuhause, nachgewiesen.

Fünftägige klinikinterne Studie: Abbott führte eine Untersuchung zur Genauigkeit des FreeStyle Navigator Systems mit 58 Patienten im Alter von 18 bis 64 Jahren durch. Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt erwiesener Genauigkeit und Stabilität nach fünf Tagen. Mithilfe eines Clarke-Fehlerrasters wurden die Messungen eines Laborreferenzsystems und die kontinuierlichen Messungen des FreeStyle Navigator Systems zu bestimmten Zeitpunkten verglichen, wobei 98,3 Prozent der Messungen in den beiden höchsten Genauigkeitsbereichen (Zone A und B) lagen.

Studie zum Hausgebrauch: Bei einer Untersuchung zur Sicherheit und Wirksamkeit des FreeStyle Navigator Systems setzten 123 Personen mit Type 1 und Type 2 Diabetes das Gerät zuhause über einen Zeitraum von insgesamt 40 Tagen ein, wobei sie den Messfühler am hinteren Oberarm bzw. am Bauch trugen. Während der ersten Hälfte der Studie waren die kontinuierlichen Blutzuckerwerte für den Anwender nicht einzusehen (verdeckte Phase), danach, in der zweiten Studienhälfte, waren die Werte sichtbar (unverdeckte Phase). Die Clarke-Fehlerraster-Auswertung ergab, dass 96,8 Prozent der Werte in den höchsten Genauigkeitsbereichen lagen. Die Type 1 Diabetiker der Studie verbrachten in der unverdeckten Phase der Untersuchung signifikant weniger Zeit in einem hypoglykämischen Zustand.

Informationen zum FreeStyle Navigator System

Das FreeStyle Navigator System besteht aus drei Teilen: einem Messfühler, einem Sender und einem Empfänger. Der Messfühler, der fünf Tage lang einfach unter der Haut getragen und dann ersetzt wird, ist an einem Kunststoffhalter befestigt und wird mit einem Klebestreifen wie ein Patch auf die Haut geklebt. Der Sender wird an den Kunststoffhalter geknipst und übermittelt die Blutzuckerwerte per Funk an den Empfänger, der ungefähr die Größe eines Mobiltelefons hat. Das System misst den Blutzuckerspiegel ganz diskret einmal pro Minute, warnt bei zu hohen bzw. zu niedrigen Blutzuckerwerten, die vom Arzt bzw. Patienten vorgegeben werden können, und bietet auch eine Vorwarnung, die anzeigt, dass der Blutzuckespiegel in 10, 20 bzw. 30 Minuten wahrscheinlich zu hoch bzw. zu niedrig sein wird. Das System speichert die Blutzuckerwerte auch bis zu 60 Tage lang, so dass diese anschließend vom Anwender bzw. vom ärztlichen Personal ausgewertet werden können.

Diabetologen unter Preis

(2007)

Diabetologen unter Preis
Unhaltbare Situation für das Jahr 2008 befürchtet

Diabetikern in Deutschland droht die medizinische Unterversorgung.
Grund ist ein drohendes Praxissterben infolge der geplanten Honorarreform für ärztliche Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese hat deutliche, finanzielle Abwertungen ärztlicher Honorare in der Diabetologie zur Folge. Darauf macht Dr. Eva-Maria Fach, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes niedergelassener Diabetologen (BVND), aufmerksam: "Die Nachfrage nach ärztlicher diabetologischer Versorgung steigt, aber unsere Honorare werden voraussichtlich um ein Drittel gekürzt. Das halten viele Praxen nicht mehr durch."
Ein Drittel weniger Praxisumsatz
Insbesondere seien Diabetologen betroffen, die im hausärztlichen Bereich überwiegend auf Überweisung tätig werden; aber auch fachärztlich tätige Kollegen dürften unter der geplanten Veränderung des so genannten "Einheitlichen Bewertungsmaßstabs" (EBM) 2008 leiden. Der EBM regelt über ein Punktesystem, wie viel Honorar Ärzte für Leistungen innerhalb der GKV bekommen.
Das Punktesystem sieht eine drastische Minderung der Diabetologen-Honorierung im kommenden Jahr vor: Damit ist eine Reduzierung um ein Drittel der bisherigen Praxisumsätze im kommenden Jahr absehbar. Die betriebswirtschaftlich sinnvolle Fortsetzung vieler Praxen steht zur Debatte. Und damit die Unterversorgung der Diabetiker in Deutschland. Zur Aufrechterhaltung der ambulanten Versorgung fordern die 1100 niedergelassenen Diabetologen von den gesetzlichen Versicherern eine deutliche Anhebung des Punktevolumens, dass ihren Umsatz bestimmt.

Viele Patienten könnten ihren Arzt verlieren
"Der Aufwand für die Beratung der Diabetespatienten ist enorm hoch und unabdingbar für die Lebensqualität vieler Patienten. Die Diabetologen werden daher nicht tatenlos zusehen, wenn die Bewertungsinstanzen der Versicherungen hier den falschen Maßstab anlegen", unterstreicht Dr. Fach. Die nächste Sitzung des zuständigen Bewertungsausschusses findet Ende November statt. Dann könnte sich entscheiden, ob die ärztliche Betreuung der rund acht Millionen Diabetiker im Jahre 2008 einen dramatischen Wandel erfährt.

Therapieintensivierung – Qual der Wahl

(2007)

Therapieintensivierung – Qual der Wahl

Die 1-Jahres Daten der insgesamt dreijährigen 4-T Studie vergleichen drei Möglichkeiten des Insulinstarts miteinander. Vor- und Nachteile hatte jedes Regime.
Auf der Amsterdamer EASD-Tagung wurden die 1-Jahres Daten der britischen 4-T Studie präsentiert, die drei verschiedene Analoginsulin-Regime vergleicht an 708 Typ-2 Diabetikern, die mit Sulfonylharnstoff und Metformin unzureichend eingestellt waren. Die Studienvisiten waren angepasst an die Initiierung einer Insulintherapie in der niedergelassenen Praxis, denn "der Einstieg in das Insulin wird mehr und mehr von Niedergelassenen vorgenommen werden", erklärte Dr. Jonathan Levy die in Deutschland schon übliche Praxis auch europaweit zum Trend.
In 58 Zentren wurden die Patienten mit im Schnitt 62 Jahren und neun Jahren Diabetesdauer randomisiert auf zwei Mal täglich morgens und abends biphasisches Insulin Aspart 30, drei Mal täglich zu den Mahlzeiten Insulin Aspart oder einmal täglich Insulin Detemir zur Nacht, jeweils zusätzlich zur oralen Therapie. Blutzuckerselbstmessungen wurden entsprechend den Regimen vorgenommen. Die Studie wurde unabhängig entwickelt und ausgewertet von der Oxford Diabetes Trial Unit und finanziert von Novo Nordisk.

Dosis sola facit venenum
Alle drei Regime verbesserten die Stoffwechselkontrolle gegenüber der oralen Therapie alleine. Von einem durchschnittlichen Ausgangswert von 8,6 (8,4 im basalen Arm) sank der HbA1c um 1,4 im prandialen Arm, um 1,3 mit biphasischem Insulin und um 0,8 mit Basalinsulin. Allerdings war nur ein kleiner Teil der Population in der Lage, einen HbA1c-Zielwert von 6,5 oder weniger zu erreichen, bei der basalen Therapie waren es 8,1 Prozent, bei der biphasischen 17,0 und bei der prandialen 23,9 Prozent.
Ein Drittel der Patienten auf der basalen Therapie bekam nach Maßgabe des Protokolls eine zweite Injektion. Für dieses Ergebnis wurden im prandialen Arm im Schnitt 0,61 Einheiten Insulin pro Kilo Körpergewicht und Tag verwendet, im biphasischen 0,53 und im basalen nur 0,49. Das Hypoglykämierisiko war am niedrigsten bei basaler und am höchsten bei prandialer Therapie.

Prof. Dr. Rury Holman präsentierte die 4-T Ergebnisse

Ebenso nahmen die Patienten unter Basalinsulin mit im Schnitt 1,9 Kilo am wenigsten zu, unter prandialer Therapie waren es 5,7 und unter biphasischer Therapie 4,7 Kilo.
"Wir sprechen hier nicht von gleichen Behandlungen", betonte Studienleiter Prof. Dr. Rury Holman bei der Vorstellung dieser Ergebnisse, vielmehr brächten die drei Therapien einen deutlich unterschiedlichen Aufwand mit sich. Er wies darauf hin, dass man gerade bei einer solchen lebenslangen Therapie Nutzen und Risiko abwägen müsse. Die Jahre 2 und 3 der Studie erlauben auch ein zweites Insulin und werden laut Holman die Frage beantworten, zu welchen Bedingungen die Patienten, die schon jetzt den Zielwert erreicht haben, ihn weiter erreichen werden und ob ein anderes Insulinregime die Patienten, die nach einem Jahr nicht im Zielbereich lagen, dorthin führen kann.

Telemedizin

(2007)

TeleHealth

Internationale Kongressmesse für telemedizinische Anwendungen und Technologien (Hannover, 19. bis 20. März 2007) TeleHealth startet mit hochkarätigem Kongressprogramm

  • Schwerpunkte: chronische Krankheiten, Gesundheitsvorsorge, häusliche Pflege
  • Mehr als 30 Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Workshops
  • Rund 500 internationale Führungskräfte aus dem Kranken- und Pflegemanagement sowie von Krankenkassen erwartet
Wir sind dabei!
Diabetes-News präsentiert das online-Diabetestagebuch im Rahmen der TeleHealth
auf dem Stand:

Die TeleHealth ist europaweit die erste Veranstaltung, die sich ausschließlich mit telemedizinischen Produkten und Anwendun- gen auseinandersetzt. Dabei fokussiert die Deutsche Messe AG als Veranstalterin die Schwerpunkte chronische Krankheiten, häusliche Pflege und Gesundheitsvorsorge. Damit nimmt sie einen äußerst attraktiven Markt ins Visier: Nach aktuellen Studien verursachen die chronisch Kranken (das sind rund 20 Prozent aller Kranken) 80 Prozent der Kosten im Gesundheits- system, Tendenz steigend. Ein Großteil der Kosten wird hierbei durch administrative Leistungen verursacht.

Experten sehen in der Telemedizin das zentrale Service- und Informationsinstrument zur Steuerung und Optimierung des Informationsflusses zwischen Patient, Krankenhaus und niedergelassenem Arzt – und prognostizieren der Branche erhebliche Wachstumschancen. Voraussetzung für dieses Wachstum ist jedoch unter anderem eine internationale Standardisierung im Sinne der Interoperabilität der Systeme – auch dieses Thema wird die TeleHealth umfassend behandeln.

„Mit der TeleHealth schaffen wir deshalb eine äußerst attraktive Plattform für Führungskräfte in Krankenhäusern, Spezialkliniken, Reha-Zentren, Altenpflegezentren sowie bei Krankenkassen und den privaten Pflegediensten“, ist Ernst Raue als verantwortlicher Vorstand bei der Deutschen Messe AG überzeugt. Zur Erstveranstaltung werden rund 500 Kongressteilnehmer und 50 Aussteller erwartet. Ziel der Deutschen Messe AG ist es, den führenden europäischen Branchentreff für Telemedizin in Hannover zu etablieren. Dies sehen die Organisatoren insbesondere auch durch die Parallelität zur CeBIT gewährleistet. „Mit der Durchführung der TeleHealth während der CeBIT erreichen wir von Beginn an eine hohe Fachbesucherqualität und -quantität und damit die maximale Wahrnehmung des Themas in der Fachwelt sowie die Anwesenheit hochrangiger politischer Entscheidungsträger“, erläutert Raue die Synergien, die sich aus dem gemeinsamen Veranstaltungstermin ergeben. Bei der TeleHealth haben Internationalität und Netzwerkbildung oberste Priorität. „Wir wollen internationale Entscheider aus dem Gesundheitswesen, der Wirtschaft, aus Forschung und Entwicklung, aus den Verbänden sowie aus der Politik zusammenführen“, erläutert Raue das Konzept. „Durch die Kombination von Kongress, Ausstellung, Firmenvorträgen und Get-together bietet die TeleHealth direkten Erfahrungsaustausch auf höchstem internationalem Niveau“, so der Vorstand weiter.

Die Gliederung des Kongressprogramms am 19. und 20. März

Die Eröffnungsveranstaltung am Montag, 19. März, steht unter dem Motto „TeleHealth 2007 – Redefining Health“. Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder, Bundesministerium für Gesundheit, wird den Kongress eröffnen. Als Redner zur Eröffnungsfeier hat unter anderem der Wirtschaftstheoretiker Leo A. Nefiodow zugesagt. Auf das anschließende Einführungsreferat „Vom Krankheitswesen zur Personal Health“ von Dr. Martin Denz, Vizepräsident der European Health Telematics Association, Brüssel, folgen die Themenblöcke Telediagnostik und Telemonitoring. Den Abschluss des ersten Kongresstages bildet die Highlight-Session „Continuity of Care“, eine Veranstaltung, die die Deutsche Messe gemeinsam mit der Continua Health Alliance durchführt. In der Continua Health Alliance haben sich zahlreiche große Unternehmen wie Dell, IBM, Pfizer, Roche oder Astra Zeneca mit dem Ziel zusammengeschlossen, durch telemedizinische Lösungen ein besseres Gesundheitsmanagement zu ermöglichen. Am Abend des 19. März sind alle Kongressteilnehmer ab 18.30 Uhr zur TeleHealth-Abendveranstaltung eingeladen, bei der das Branchen-Networking im Vordergrund steht.

Der zweite Kongresstag, Dienstag, 20. März, beginnt mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kommunikationstechnologie im Spannungsfeld zwischen Mensch und Technik – Chancen und Risiken“. Anschließend folgen die Themenblöcke Sensorik und Datenübertragung, Datenbanken sowie Expertensysteme. Auch der Kongress-Dienstag schließt wieder mit einer Veranstaltung „Continuity of Care“ in Kooperation mit der Continua Health Alliance.

Parallel zum Kongress präsentieren rund 50 führende Unternehmen innovative telemedizinische Technologien und Anwendungen im Foyer des Convention Center. Gleichzeitig laden die ausstellenden Firmen die Kongressteilnehmer zu Firmenvorträgen ein. Weiterhin bietet die CeBIT im Public Sector Parc in Halle 9 mit dem Thema „eHealth“ einen umfassenden Ausstellungsbereich, der sich unter anderem mit der digitalen Verwaltung von Gesundheitsdaten befasst.

Die Deutsche Messe erwartet zur ersten TeleHealth rund 500 internationale Entscheider aus dem Gesundheitswesen, der Wirtschaft, aus Forschung und Entwicklung, aus den Verbänden sowie aus der Politik. Neben den umfassenden Informationen zu aktuellen und zukünftigen Möglichkeiten der Telemedizin hat die Netzwerkbildung oberste Priorität. „Unser Ziel ist es, den führenden europäischen Branchentreff für Telemedizin in Hannover zu etablieren“, so Ernst Raue, verantwortlicher Vorstand bei der Deutschen Messe für die TeleHealth.

Weitere Informationen zum gesamten Programm der TeleHealth 2007 unter www.telehealth.de und zur CeBIT unter www.cebit.de.

Wenn Wohlstand krank macht

(2007)

Wenn Wohlstand krank macht

Chronische Erkrankungen schwächen Wirtschaftswachstum

  • Wachsender Wohlstand führt weltweit zu dramatischem Anstieg chronischer Erkrankungen
  • PwC-Studie: Arbeitsausfall verschlingt drei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung
  • Prävention bringt Unternehmen hohe Rendite

Der wachsende Wohlstand in den Industrie- und Schwellenländern wird in den kommenden Jahren zu einem dramatischen Anstieg chronischer Erkrankungen führen. Die ökonomischen Folgen sind gravierend: „Bis 2015 werden schätzungsweise drei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung durch die Folgen von Wohlstandskrankheiten verloren gehen, wenn die Investitionen in Gesundheitsprävention nicht deutlich steigen“, betont Harald Schmidt, Partner bei PricewaterhouseCoopers (PwC), Leiter des Geschäftsbereichs Healthcare. Der Kampf gegen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden und andere chronische Erkrankungen ist nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe, sondern fordert auch die Unternehmen heraus. Derzeit investiert zwar gut die Hälfte der vom PwC Health Institute befragten multinationalen Konzerne in unternehmensinterne Präventionsprogramme, wie aus der Studie „Working Towards Wellness: Accelerating the Prevention of Chronic Diseases“ hervor geht. „Angesichts der hohen Rendite, die Gesundheitsinvestitionen bringen, ist diese Quote jedoch erstaunlich niedrig: Der Studie zufolge erhalten Unternehmen für jeden Dollar oder Euro, den sie für Präventionsmaßnahmen ausgeben, drei zurück“, so Schmidt. Für die Studie wurden unter anderem Interviews mit 30 multinationalen Konzernen geführt sowie gut 130 Fallstudien zur Gesundheitsprävention in Unternehmen analysiert.

Weltweit mehr Menschen übergewichtig als unterernährt

Chronische Erkrankungen sind nicht mehr auf die entwickelten Industriestaaten beschränkt, sondern treten mittlerweile auch massiv in Schwellenländern wie China und Indien, teilweise aber auch in ärmeren Staaten auf. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für chronische Leiden zählen neben Rauchen und Stress insbesondere mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung. Bereits heute sind weltweit mehr Menschen übergewichtig als unterernährt. Allein in den USA ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jeder zweite Einwohner deutlich zu schwer. In China und Indien wird die Zahl der Übergewichtigen bis 2015 um voraussichtlich 66 beziehungsweise 44 Prozent steigen.

Chronische Erkrankungen sind Haupt-Todesursache

Chronische Erkrankungen waren 2005 für rund 60 Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich. Bis 2015 wird die Zahl der Menschen, die an Herzerkrankungen, Krebs oder anderen chronischen Leiden sterben, voraussichtlich um 17 Prozent von heute 35 Millionen auf 41 Millionen steigen. Zum Vergleich: Die Zahl der Todesfälle durch Infektionskrankheiten, Unterernährung und mangelhafte medizinische Versorgung bei Geburten wird im gleichen Zeitraum um drei Prozent sinken.

Bislang haben sich die Gesundheitssysteme nicht ausreichend auf diese Entwicklung eingestellt. Im Jahr 2004 lag der Anteil der Präventionsausgaben an den gesamten Gesundheitsausgaben der OECD-Staaten lediglich bei drei Prozent. Auf der anderen Seite sind die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch chronische Erkrankungen entstehen, enorm. Kaufkraftbereinigt verlieren bis 2015 allein China schätzungsweise 550 Milliarden, Russland rund 300 Milliarden und Indien über 200 Milliarden US-Dollar durch Behandlungsaufwendungen, Arbeitsausfall und andere krankheitsbedingte Belastungen.

Prävention zahlt sich für Unternehmen aus

Auf Unternehmensebene verursachen chronische Krankheiten nicht nur Kosten durch Fehlzeiten, sondern auch durch die dauerhafte Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz. Zusammen genommen belaufen sich die Ausfallkosten auf schätzungsweise zwei Prozent der gesamten Personalausgaben.

Doch macht sich die Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz über die Senkung des Krankenstands hinaus bezahlt. „Je stärker das Engagement eines Unternehmens für die Gesundheit seiner Mitarbeiter ist, desto attraktiver wird es als Arbeitgeber“, betont Schmidt. Das gilt insbesondere in Ländern, in denen es keine oder zumindest keine ausreichende staatliche Gesundheitsversorgung gibt. So nannten in einer PwC-Umfrage 90 Prozent der US-Unternehmen die Kostensenkung als wichtiges Ziel der Gesundheitsprävention, fast 70 Prozent gaben aber auch eine höhere Mitarbeiterbindung und -motivation als Beweggründe an. „Doch angesichts der akuten Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland ist absehbar, dass Unternehmen auch hierzulande künftig mehr Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter übernehmen müssen als bisher“, erwartet Schmidt.

Mitarbeiter müssen mitmachen

Den meisten multinationalen Unternehmen ist das Problem chronischer Erkrankungen bewusst. Der PwC-Studie zufolge veröffentlichten 15 der 20 weltweit größten Konzerne im vergangenen Jahr einen Corporate Responsibilty Report, von denen 14 die Verbesserung der Gesundheit ihrer Mitarbeiter explizit als Ziel nannten. Allerdings bringen Präventionsangebote wenig, wenn die Mitarbeiter sie nicht annehmen. In einigen der untersuchten Unternehmen beteiligten sich weniger als zehn Prozent der Belegschaft an Vorsorgemaßnahmen und Gesundheitsprogrammen, in anderen über 70 Prozent. Als wesentliche Erfolgsfaktoren identifiziert die Studie eine gezielte, umfassende und dauerhaft angelegte Informationskampagne, eine feste Verankerung der Gesundheitsprävention in der Unternehmenskultur und nicht zuletzt eine aktive Beteiligung des Managements an Vorsorge- und Fitnessprogrammen.

Rauchende Diabetiker

(2007)

Rauchende Diabetiker

Blutgefäße im Kreuzfeuer toxischer Substanzen
Diabetiker, die gerne Gebratenes oder Gegrilltes essen und dann auch noch rauchen, muten ihren Blutgefäßen eine Flut an gefäßschädigenden Substanzen zu und potenzieren dadurch ihr an sich schon stark erhöhtes Risiko für Adernverkalkung.
Wie ein Forscherteam um Dr. Simona Petrule vom Herz- und Diabeteszentrum NRW der Diabetesklinik Bad Oeynhausen in einer Studie nachwies, die bei der diesjährigen Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft DDG (16. bis 19. Mai 07) in Hamburg vorgestellt wurde, hat bereits eine Zigarette 30 Minuten nach dem Rauchen einen messbar negativen Einfluss auf die Funktion der Blutgefäße. Nahmen die Studienteilnehmer drei Tage lang vor dem Rauchen den Vitaminabkömmling Benfotiamin ein, konnte den negativen Effekten vorgebeugt werden.
Die Wissenschaftler vermuten, dass ein Teil des gefäßschädigenden Einflusses des Rauchens auf den hohen Gehalt an so genannten AGEs zurückzuführen ist.
AGEs (kurz für advanced glycation endprodukts) sind verzuckerte Eiweißmoleküle, die dem Körper schweren Schaden zufügen können und insbesondere für Diabetiker von großer Relevanz sind. Denn bei Zuckerkranken werden die toxischen Substanzen in Folge des erhöhten Blutzuckerspiegels vermehrt im Körper produziert und maßgeblich für die Entstehung der gefürchteten Folgeerkrankungen an Blutgefäßen und Nerven verantwortlich gemacht.
Werden AGEs dann auch noch von außen zugeführt, z.B. durch das Rauchen oder über die Nahrung – besonders AGE-reich ist z.B. Gegrilltes und Gebratenes – ist das für Diabetiker eine zusätzliche Belastung.

Benfotiamin ist eine Vorstufe vom Vitamin B1, die in experimentellen Untersuchungen die AGE-Bildung hemmt. Der Wirkstoff wird seit vielen Jahren erfolgreich und ohne nennenswerte Nebenwirkungen in der Behandlung diabetischer Nervenleiden (Polyneuropathien) eingesetzt.
„Die aktuellen Erkenntnisse sollen sicherlich nicht dazu verleiten, statt aufs Rauchen zu verzichten, vor der Zigarette Benfotiamin einzunehmen und sich dann sicher zu fühlen“, kommentierte die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB) die Studienergebnisse. „Aber es ist ein weiterer Hinweis, dass der als Nervenschutzstoff bewährte Biofaktor die Blutgefäße vor AGEs schützt und so einen wichtigen Beitrag zur Arteriosklerose-Prävention bei Diabetikern leisten könnte“, so die Experten von der GfB.