Rauchen und Körpergewicht

Warum nehmen Ex-Raucher zu?

Um dies zu klären, startete die Uni Dresden einen Rauchentwöhnungskurs der besonderen Art

Das Problem ist lange bekannt: Wer mit dem Rauchen aufhört, wird leicht im Anschluss mit einer Gewichtszunahme „bestraft“. Untersuchungen haben gezeigt, dass Ex-Raucher nach sechsmonatiger Abstinenz durchschnittlich fünf Kilo an Körpergewicht zugelegt haben. Nach fünf Jahren bringen etwa jede fünfte Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige Raucher führen diese Effekte auf einen spürbar gesteigerten Appetit zurück.

Zwickmühle gerade für Diabetiker

Für Diabetiker ist das Dilemma besonders groß: Einerseits sollten sie dem blauen Dunst ade sagen, weil Rauchen die vom Blutzucker eh schon angegriffenen Gefäßwände schädigt, Insulinresistenz fördert und das Risiko für Infarkte steigert. Letztlich sterben die meisten Zuckerkranken an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andererseits sollen Diabetiker ihr Körpergewicht auf Normalmaß bringen und halten, weil Übergewicht dieselben Risiken verstärkt, Diabetes und Herz-Kreislauf-Gefahr fördert. Daher stellt eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp eine zusätzliche Hürde für die Entwöhnungswilligen dar.

Obgleich das Dilemma lange bekannt ist, zeigen die verfügbaren Entwöhnungsprogramme für Raucher kaum Möglichkeiten auf, eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Das Rauchfrei-Therapieprogramm

Dies wollen Forscher des Universitätsklinikums Dresden ändern. In einer Studie mit freiwilligen Teilnehmern wollen sie herausfinden, wie sich die Gefahr der Gewichtszunahme während und nach einer Raucherentwöhnung senken lässt. Dazu bieten sie in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der Technischen Universität eine Entwöhnungsbehandlung an. Untersucht werden sollen 75 Raucher vor und nach dem Rauchstopp und drei bzw. sechs Monate danach. Der Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm, dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. In Gruppensitzungen, Telefongesprächen und mit Hilfe eines Pakets von Materialien werden die Teilnehmer fundiert über die Rauchentwöhnung und ihre Fallstricke aufgeklärt und auf ihrem Weg aus dem blauen Dunst unterstützt.

Entwöhnung im Dienst der Wissenschaft

Während der Studie werden bei den Probanden die Blutspiegel bestimmter Hormone gemessen, wie Insulin, Leptin und Ghrelin. Diese Hormone sind an der Appetitregulation beteiligt und ihre Ausschüttung wird durch Nikotinzufuhr bzw. Rauchstopp verändert. Das „Speicherhormon“ Insulin fördert den Aufbau von Fett. Das im Magen gebildete Hormon Ghrelin regt den Appetit an, während Leptin hier als Gegenspieler auftritt.

Veränderungen im Haushalt dieser appetitregulierenden Botenstoffe könnten die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp erklären, meinen die Forscher. Außerdem ist bekannt, in welchen Hirnregionen Informationen über Hunger und Sättigung verarbeitet werden (z.B. Hypothalamus, Lobus frontalis). Mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Kernspintomographie wird daher auch untersucht, wie diese Hirnstrukturen bei Nikotinentzug reagieren und wie sie zusammenwirken.

Zertifizierter Kurs

Das Rauchfrei-Programm, in dessen Rahmen die Untersuchungen stattfinden, wurde von den Krankenkassen zertifiziert. Sie übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten. Die Studienteilnehmer erhalten außerdem eine Aufwandsentschädigung. Entwöhnungswillige Nikotinjünger aus dem Raum Dresden können sich gerne unter der Telefonnummer 0351 46342205 melden.