Neue Forschungsergebnisse zu Fettleibigkeit

Nach Einschätzungen einer britischen Studie sterben stark übergewichtige Männer bis zu 10 Jahre früher

Eine neue Studie der Cass Business School zeigt, dass ein junger, stark übergewichtiger Mann mit einem Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) von über 40 bzw. einem Taille-zu-Höhe-Verhältnis (Waist to Height Ratio, WHtR) von über 0,74 vermutlich mehr als 10 Jahre, wahrscheinlich sogar an die 20 Jahre früher stirbt als ein Mann mit optimalen Werten. Diese Zahlen beziehen sich auf Nichtraucher. Die Studie beruht auf in Großbritannien erhobenen Daten und stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer geringeren Lebenserwartung her.

Für ihre Forschungsarbeit „A study into the detrimental effects of obesity on life expectancy“, die die Cass Business School gemeinsam mit dem Berufsstand der Aktuare veröffentlicht hat, führte die Schule versicherungsmathematische Berechnungen mittels BMI- und WHtR-Werten (BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]) durch, um die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die Sterblichkeitsrate zu messen.

Dr. Ben Rickayzen, Koautor der Studie und Leiter der Fakultät für Aktuarswissenschaften und Versicherungswesen an der Cass Business School sagt: „Die vorliegende Studie befasst sich mit einem Thema, das das britische Gesundheits- und Versicherungssystem sowie die Sozialpolitik in Großbritannien gleichermaßen betrifft und die jüngste Regierungspolitik in ihrer umfassenden Ernährungskampagne bestätigt. Nach neuesten Berichten der englischen Gesundheitsbehörde sind etwa 24% der Bevölkerung fettleibig. Fettleibigkeit ist ein relativ neues Phänomen. Die Medizin kann dieses durch Ernährungs- und Sportprogramme bis zu einem gewissen Grad abfangen, die höheren Gesundheitsausgaben wird jedoch die Gesellschaft tragen. Sollte die Anzahl der Fettleibigen zudem weiter steigen, rechnen die Krankenkassen mit noch größeren Belastungen, da Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zunehmen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Starke Fettleibigkeit vermindert besonders bei Männern die Lebenserwartung. Eine 30-jährige Frau mit einem BMI von 45 bzw. einem WHtR von über 0,8 stirbt durchschnittlich 13 Jahre früher. Im Vergleich zu einer Frau mit normalen Werten entspricht dies einer Verringerung der Lebenserwartung um 23%. Ein Mann stirbt im Durchschnitt 20,8 Jahre früher, was einem Verlust von 42% der ursprünglichen Lebenserwartung entspricht. Diese Ergebnisse beruhen auf einer relativ kleinen Stichprobe und sind deshalb nicht ohne Vorbehalt zu betrachten.

Selbst Männer mit nur leichtem Übergewicht haben eine verringerte Lebenserwartung! Ein 30-Jähriger mit einem BMI von 34 stirbt durchschnittlich 4 Jahre früher, eine gleichaltrige Frau mit gleichem BMI nur 2 Jahre früher. Die gute Nachricht ist jedoch, dass übergewichtige Männer und Frauen ihre Lebenserwartung steigern können, indem sie ihren BMI oder WHtR reduzieren. Beispielsweise lebt ein 30 Jahre alter Mann 2,3 Jahre länger, wenn er statt 107 nur noch 97 kg wiegt. Die Forschungsergebnisse lassen somit vermuten, dass eine einfache Gewichtabnahme die Lebenserwartung steigert.