Leitlinien

DDG: Neue Ernährungstherapie empfohlen

Ziel ist die erfolgreiche Verringerung des Übergewichts bei Diabetes Typ 2

Wenn Typ 2 Diabetiker zugleich übergewichtig sind, ist das Risiko für Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen erhöht. Um das Gewicht zu verringern, reichen meistens Medikamente nicht aus. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat deshalb in Zusammenarbeit mit drei anderen Fachgesellschaften die bestehende Leitlinie zur kombinierten Ernährungs-,Bewegungs-, Verhaltens- und medikamentösen Therapie ergänzt. Die Fachgesellschaften empfehlen eine Ernährungstherapie in vier Stufen.

Nahezu 85% der Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig oder sogar adipös

Die WHO empfiehlt bei Diabetes und Übergewichtigkeit, das Gewicht um 10 bis 20 Prozent zu verringern. „Ein Ziel, das allein mit Medikamenten schwer zu erreichen ist. Betroffene sollten ihren Lebensstil ändern, das heißt regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining und energiearme Kost“, betont Professor Dr. med. Alfred Wirth, Ärztlicher Direktor der Teutoburger-Wald-Klinik, Bad-Rothenfelde.

Die neue Ernährungstherapie sieht eine individuelle Reduktionsdiät vor. In der ersten von vier Stufen verringern Übergewichtige ihren Fettkonsum auf weniger als 60 Gramm pro Tag. Der Deutsche nimmt durchschnittlich etwa doppelt so viel Fett am Tag zu sich. Innerhalb von sechs Monaten sollte so eine Gewichtsabnahme von vier Kilogramm möglich sein. Stufe zwei sieht vor, weniger Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte zu sich zu nehmen. Dies sind zum Beispiel Kartoffeln, Getreideprodukte, Fleisch oder Säfte. Eine Mischkost aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten führt bei extrem Adipösen jedoch oft noch nicht zum Erfolg. Deshalb sehen die Stufen drei und vier der von der DDG empfohlenen neuen Ernährungstherapie zusätzlich Formula-Produkte vor. Hierbei handelt es sich um einen Fertigdrink, eine Suppe oder einen Riegel, mit dem in Stufe drei 1 bis 2 Mahlzeiten pro Tag ersetzt werden sollen. Die Kalorienmenge der Formula-Produkte ist genau festgelegt. So fällt es den Betroffenen leichter, die exakte Energiemenge einzuhalten, die der Ernährungsplan vorgibt.

Professor Wirth betont, dass es zu diesen Formula-Produkten unterschiedliche Expertenmeinungen gibt. In Studien hätten sie jedoch gute Ergebnisse erzielt. Einige der Experten empfehlen soagr, in einer vierten Stufe sämtliche Mahlzeiten durch Formula-Produkte zu ersetzen. Dies sollte jedoch maximal für die Dauer von drei Monaten durchgeführt werden.

Dass eine Änderung des Lebensstils wirksam ist, bewiesen bereits die Einjahresdaten der „Look AHEAD Studie“: Adipöse Typ-2-Diabetes-Patienten, die ihren Lebensstil unter Anleitung änderten, reduzierten unter anderem stärker ihr Körpergewicht als Patienten, die eine Standardtherapie erhielten. Um die Lebensstiländerung dauerhaft durchzuhalten, empfiehlt Wirth, sich einer Therapiegruppe anzuschließen. Führen nach einem Jahr weder Medikamente noch die Ernährungs- und Bewegungstherapie zu der angestrebten Gewichtsabnahme, sollte ein operativer Eingriff vorgenommen werden.

Die aktualisierte Leitlinie steht im Internet unter www.adipositas-gesellschaft.de zur Verfügung.