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Infarktrisiko über den Urin testen

In einer großen Studie haben amerikanische Wissenschaftler kürzlich einen Zusammenhang zwischen Nierenerkrankungen und Herzinfarktrisiko aufgedeckt. Wie hoch das Infarktrisiko ist, kann eine Urinuntersuchung zeigen.

Zusammenhänge bei Folgeerkrankungen des Diabetes

Hohe bzw. stark schwankende Blutzuckerwerte können auf Dauer die kleinen und großen Gefäße des Körpers schädigen. Alle Organe des Körpers sind betroffen, und häufig lassen sich Zusammenhänge erkennen. So gilt das Auge als „Fenster des Gefäßsystems, weil sich hier Gefäßschäden schon früh zeigen. Bei ca. 30 % der Typ-1-Diabetiker treten eine Retinopathie (Augenerkrankung) und eine Nephropathie (Nierenerkrankung) gleichzeitig auf*. Bei Männern zeigen sich Gefäßschädigungen zudem sehr früh an den Sexualorganen. Eine Erektionsstörung kann bei ihnen auf eine koronare Herzerkrankung oder eine diabetische Neuropathie (Nervenschädigung) hindeuten.

Infarktrisiko abschätzen durch Urinuntersuchung

Amerikanische Wissenschaftler von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health haben kürzlich die Ergebnisse einer großen Untersuchung** veröffentlicht, in der sie den Zusammenhang zwischen Nierenerkrankungen und dem Auftreten von Herzinfarkten nachgewiesen haben. Die Daten von mehr als 600.000 Patienten über fünf Jahre gingen in die aufwändige Analyse ein. Die Wissenschaftler setzten Nierenfunktionswerte wie die urinbasierte Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) und die Protein-Kreatinin-Ration in Beziehung zu kardiovaskulären Ereignissen (wie tödlicher und nicht-tödlicher Infarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz). Dabei stellten sie einen Zusammenhang vor allem bei den tödlichen Infarkten und der Herzinsuffizienz fest, weniger bei koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfall.

Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) häufiger überprüfen

Als besonders aussagekräftiger Wert zur Risikoabschätzung erwies sich die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR), welche über den 24-Stunden-Sammelurin gemessen werden kann. Die US-Wissenschaftler empfehlen Ärzten, diesen Wert auch bei Patienten mit noch normaler Filtrationsrate (eGFR) häufiger zu testen, um etwas über den Zustand der Nieren und das kardiovaskuläre Risiko zu erfahren.

* Hans-Peter Hamm: Diabetes und Augenerkrankungen. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2014 (Herausgeber: DiabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe), Seite 108.

** Kunihiro Matsushitates et al. Estimated glomerular filtration rate and albuminuria for prediction of cardiovascular outcomes: a collaborative meta-analysis of individual participant data; Lancet Diabe Endocrinol 2015; online 28. Mai