Impfungen bei Diabetes
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Herbstzeit und Corona: Jetzt gegen Grippe impfen

Menschen mit Diabetes sollten sich jetzt gegen Grippe impfen lassen. In diesem Jahr ist diese Impfung besonders wichtig, denn der Grippeerreger trifft auf das SARS-CoV-2-Virus („Coronavirus“). Eine Doppelinfektion sollten chronische Kranke unbedingt vermeiden.

„Diabetes schwächt das Immunsystem, daher gibt es keine Impfung, die unwichtig wäre“, erklärt der Diabetologe Dr. med. Udo Wegenast in einem Interview mit dem Magazin DIALOG im Oktober 2020. Im Herbst steht in seiner Freiburger Praxis die jährliche Grippeschutzimpfung an. „Hier fangen wir in jedem Jahr Ende September an. Man sollte nicht zu früh impfen, sonst reicht der Schutz nach hinten nicht aus“, sagt Wegenast. Der Freiburger Diabetologe schließt sich damit den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) an. Denn Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Grippeinfektionen. Hinzu kommt in diesem Jahr die besondere Corona-Situation. Es liegen keine Daten dazu vor, wie sich eine gleichzeitige Infektion mit Influenza und dem SARS-CoV-2-Virus auswirkt.

Kostenfreie Grippeschutzimpfung bei Diabetes

Jetzt gegen Grippe impfen, rät auch die Organisation diabetesDE allen Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Sie sollten sich, nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt, möglichst bald immunisieren lassen – und zwar unabhängig vom Alter. Nach der Impfung dauert es etwa zwei bis drei Wochen, bis der Schutz aufgebaut ist. Die Kosten für die Grippe-Impfung trägt bei Menschen mit Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen in der Regel die Krankenkasse.

„Wer unter einer chronischen Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus leidet, weist ein erhöhtes Risiko für eine Grippe mit schwerem Verlauf auf“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Die Gefahr, bei Grippe oder COVID-19 zusätzlich noch eine Lungenentzündung zu entwickeln, ist bei Menschen mit Diabetes ebenfalls höher“, sagt Professor Haak. Sowohl Grippe als auch COVID-19 können bei chronisch Erkrankten schwerer und länger als bei Gesunden verlaufen, da ihr Immunsystem bereits geschwächt ist. Auch Rückfälle treten bei ihnen häufiger auf als bei Stoffwechselgesunden.

Symptome einer Grippe und der COVID-19 Erkrankung sind ähnlich

Eine Virusgrippe und die durch das SARS-Cov-2 hervorgerufene Erkrankung COVID-19 können sich zunächst sehr ähnlich äußern: Typische Symptome sind

  • sehr plötzlich auftretendes hohes Fieber bis 40 Grad Celsius,
  • trockener Reizhusten,
  • heftige Kopf- und Gliederschmerzen
  • sowie ein starkes Erschöpfungsgefühl

Zu unterscheiden sind dagegen die Symptome eines vergleichsweise harmlosen grippalen Infekts: Er beginnt häufig mit Erkältungssymptomen wie Schnupfen und Halsschmerzen, die sich über einige Tage steigern können und dann wieder abflauen.

Weitere Impfungen, die bei Diabetes wichtig sind

Wenn die Patienten zur Grippeschutzimpfung in die Praxis kommen, bietet sich ein Blick in den Impfpass an. Fehlen hier weitere Impfungen, die aufgefrischt werden müssten? Welche sind das? „Wenn mich ein Patient fragt, welche Impfungen er benötigt, gehe ich mit ihm die STIKO Empfehlungen durch und wir schauen anhand des Impfpasses – sofern vorhanden –, welche Impfungen fehlen“, erklärt Dr, Udo Wegenast. „Bei Erwachsenen geht es vor allem um Auffrischungen: Tetanus und Diphterie müssen spätestens nach zehn Jahren aufgefrischt werden. Bei Diabetes ist dies besonders dringlich im Hinblick auf mögliche Wundinfektionen. Die Pneumokokken-Impfung ist ein weiteres Thema, sie wird bei Diabetes in jedem Alter empfohlen. Hier genügt ggf. eine einmalige Immunisierung“, so der Freiburger Diabetologe. Er empfiehlt auch die Zweifach-Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose), die allerdings von den Patienten meist als „sehr intensiv“ empfunden werde, so Wegenast. „Hier kommt es häufiger zu Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen und/oder lokalen Rötungen an der Einstichstelle.“

Quellen:

Medieninformation der Organsisation diabetesDE vom 10. September 2020

Interview im Magazin DIALOG (Oktober bis Dezember 2020), herausgegeben von der DIASHOP GmbH

Eigene Recherche