Glutenunverträglichkeit: Diagnose auch ohne Eingriff möglich

Diabetes verhindern
© drubig-photo – fotolia.com
Wer an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, hat ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen. Dazu gehört auch Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Bisher war bei für die Diagnose eine Magenspiegelung notwendig. Bei Kindern geht es auch ohne diesen Eingriff, wie eine neue Studie zeigt.

Eine echte Glutenunverträglichkeit ist selten

Immer mehr Menschen klagen über eine vermeintliche Glutenunveträglichkeit und meiden deshalb bestimmte Getreidesorten. In den meisten Fällen ist dies unbegründet, denn eine “echte” Getreideunveträglichkeit (medizinisch: Zöliakie) ist eher selten. Bei den Erkrankten lösen bestimmte Getreidesorten wie Roggen, Weizen oder Gerste heftige Beschwerden wie Durchfall aus. Unbehandelt kann die Dünndarmschleimhaut geschädigt werden. Eine Heilung gibt es nicht, einzige Therapie ist der konsequente Verzicht auf Lebensmittel, die Gluten enthalten.

Diagnose: Blutuntersuchung plus Magenspiegelung

Die Erkrankung beginnt häufig schon im Kindesalter. Schätzungsweise ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind betroffen. Viele von ihnen sind zugleich an Typ-1-Diabetes erkrankt – ebenfalls eine Autoimmunerkrankung. Wenn bei einem Kind der Verdacht auf eine Glutenunverträglicheit besteht, wird zunächst das Blut auf bestimmte Auto-Antikörper und genetische Risikomarker untersucht. Fällt diese Blutuntersuchung positiv aus, wird zur Sicherheit eine Magenspiegelung unter Vollnarkose durchgeführt, bei der Gewebe aus dem Dünndarm entnommen wird.

Zuverlässige Diagnose auch ohne Magenspiegelung möglich

Auf diese belastende Untersuchung kann verzichtet werden, wie eine neue Studie unter der Leitung von Dr. Sybille Koletzko, Dr.von Haunerschen Kinderspital München, gezeigt hat. Deren Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Gastroenterology online veröffentlicht. Daten von mehr als 700 Kindern und Jugendlichen aus 33 Ländern flossen in die Untersuchung ein. Alle jungen Patienten wiesen positive Zöliakie-Autoantikörper im Blut auf. Die Studie hat gezeigt, dass eine zuverlässige Zöliakie-Diagnose auch ohne Magenspiegelung unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist:

  • Vorliegen eines sehr hohen tTGA-IgA-Wertes (Autoantikörper gegen Gewebe-Tansglutaminase)
  • in Kombination mit der positiven Bestimmung genetischer Risikomarker (HLA-DQ2/DQ8)
  • sowie Zöliakie-typische Beschwerden
„Das erspart vielen Kindern die belastende Magenspiegelung mit Narkose. Außerdem führt das zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem, da neben der Magenspiegelung auch die teure genetische Analyse nicht notwendig ist“, erklärt Prof. Koletzko, Leiterin der Kindergastroenterologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU-Klinikum.

* Werkstetter KJ et al. and on behalf of the ProCeDE study group: Accuracy in Diagnosis of Celiac Disease Without Biopsies in Clinical Practice. Gastroenterology 2017, DOI: http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.06.002

Kategorisiert in: , , ,

Dieser Artikel wurde verfasst von Heidi Buchmüller