Diabetesrisiko auch vom Alter abhängig

Diabetesrisiko auch altersabhängig

Studie zeigt ein erhöhtes Risiko für Typ 2-Diabetes mellitus in der älteren deutschen Bevölkerung

Das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf und das Helmholtz Zentrum München haben festgestellt, dass im europäischen Vergleich die ältere deutsche Bevölkerung ein hohes Diabetesrisiko hat. Männer im Alter von 55 bis 74 Jahren haben dabei ein doppelt so hohes Risiko wie Frauen, an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken. In der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen entwickeln Männer doppelt so häufig einen Typ 2-Diabetes wie Frauen. Dieses Ergebnis ist Teil der Nachfolgeuntersuchung des bevölkerungsbezogenen KORA Surveys, die von Herrn Dr. Rathmann und Mitarbeitern des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in Kooperation mit Frau Dr. Meisinger und Mitarbeitern vom Helmholz Zentrum in München durchgeführt wurde.

In den Jahren von 1999 bis 2001 wurde in der Region Augsburg eine repräsentative Stichprobe der älteren Bevölkerung (55-74 Jahre) gezogen. Mit einem oralen Zuckerbelastungstest (OGTT) sollte eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Anzahl von Menschen mit Diabetes ermittelt werden. Der OGTT ist der „Goldstandard“ zur Diabetes-Diagnose in epidemiologischen Studien. Wenn im Ergebnis des oralen Zuckerbelastungstests der Blutzuckerwert nicht mehr normal ist, aber auch noch nicht die Grenzwerte für Diabetes überschreitet, bezeichnet man das als „Prädiabetes“.

Die Folgeuntersuchung nach 7 Jahren förderte folgende Ergebnisse zutage

  1. 10,5% der Teilnehmer entwickelten innerhalb von 7 Jahren einen Typ 2-Diabetes, ohne einen vorherigen Prädiabetes gezeigt zu haben. Hierunter befanden sich etwa doppelt so viele Männer wie Frauen.
  2. Von den Patienten, die zu Beginn einen Prädiabetes sowohl mit einem erhöhten Nüchternblutzucker zwischen 110 und 125 mg/dl als auch einem erhöhten 2-Stundenwert im OGTT (140 bis 199 mg/dl) aufwiesen, entwickelte etwa die Hälfte einen manifesten Diabetes.
  3. Als weitere Risikofaktoren für die Diabetesentwicklung zeigten sich insbesondere ein erhöhter Bauchumfang (Männer >=102 cm, Frauen >=88 cm), starkes Übergewicht (Body mass index über 30 kg/m2) sowie das Vorhandensein eines Diabetes bei mindestens einem Elternteil (genetische Belastung). Zudem zeigt die Studie, dass Rauchen die Progression der Diabetes-Erkrankung vielleicht unterstützen könnte.

Die Daten der KORA-Studie zeigen den erhöhten Bauchumfang als wichtigen Faktor für das höhere Diabetesrisiko bei Männern: Im Durchschnitt wurden bei Männern 10 cm mehr Bauchumfang gemessen als bei Frauen. Die so genannte abdominale Adipositas (zentrale Fettleibigkeit, „zuviel an innerem Bauchfett“) geht mit Insulinresistenz (d.h. einer Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin) einher. Ursache ist die Stoffwechselaktivität des Bacuhfetts, das eine Reihe von Substanzen produziert, die u. a. den Blutzucker nachteilig beeinflussen können. Um das Risiko für einen Typ 2 Diabetes möglichst frühzeitig zu erkennen, sollte daher nicht nur das Körpergewicht, sondern auch der Bauchumfang gemessen werden. Damit kann zum ersten Mal die Häufigkeit von Typ 2 Diabetes mellitus in der älteren deutschen Bevölkerung eingeschätzt werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass vor allem ältere deutsche Männer im europäischen Vergleich ein hohes Risiko haben, einen Typ 2 Diabetes mellitus zu entwickeln,“ so Dr. Wolfgang Rathmann vom DDZ. „Unsere Studie zeigt den oralen Glukosetoleranztest nicht nur zur Sicherung der Diagnose, sondern auch zur Risiko-Vorhersage als nützliches Instrument,“ ergänzt PD Dr. Christa Meisinger vom Helmholtz Zentrum München.

An der Erstuntersuchung in den Jahren 1999 bis 2001 hatten insgesamt 1.353 zufällig ausgewählte Personen teilgenommen, an der zwischen 2006 und 2008 durchgeführten Nachfolgeuntersuchung 887. Die Ergebnisse verdeutlichen den Wert von Kohortenstudien für die epidemiologische Forschung: Durch die langjährige Beobachtung der Personen können Erkrankungsrisiken bestimmt werden und so neue Vorhersage- und Vorsorgemöglichkeiten entwickelt werden.