Diabetes und Rauchen

Diabetes und Rauchen

Beim rauchenden Diabetiker addieren sich Gefäßrisiken

Diabetische Lungen und Gefäße altern schneller, die des Rauchers ebenso. Raucht ein Diabetiker, vereint er zwei Risikofaktoren für eine abnehmende Lungen- und Gefäßfunktion in sich. Hinzu kommt, dass Rauchen auch noch die Diabetesentwicklung fördert.
Die Lungen „altern“ umso schneller, je schlechter die Stoffwechseleinstellung ist. Dies gilt auch schon für noch Gesunde, aber umso mehr für Diabetiker und bei ihnen wiederum umso stärker, je länger die Krankheit besteht. Ursache sind vermutlich Veränderungen der kleinsten Gefäße, wie sie auch bei einer diabetischen Retinopathie, Neuropathie und Nephropathie eintreten. Experten sprechen von der „diabetischen Pneumopathie“.
Diabetische Lungen altern schneller
Nutzbares Lungenvolumen und Lungenelastizität nehmen beim Diabetiker schneller ab als beim Gesunden, erklärte Prof. Hans-Willi Breuer, Görlitz, auf einem Ärztesymposium. Ein wichtiges Maß der Lungenfunktion ist die Einsekundenkapazität (FEV1 – das Volumen, das nach maximaler Einatmung in einer Sekunde ausgeatmet werden kann). Die Sekundenkapazität wird schmerzlos beim Arzt geprüft, indem man so kräftig es geht, in das Mundstück des Spirometers bläst. Auch viele Hausärzte können diese Untersuchung durchführen.
Beim Gesunden wird der Wert für FEV1 ca. 30 Milliliter jährlich kleiner. Bei Typ 2 Diabetikern wurde in der Freemantle Diabetes Study während sieben Jahren ein durchschnittliches Absinken des FEV1 um 71 ml pro Jahr beobachtet – mehr als das Doppelte. Auch die maximale Atemstromstärke (PEF, Peak Expiratory Flow) nahm beim Diabetiker schneller ab.

Hoher Blutzucker – schlechtere Lungenwerte?

Der Zusammenhang lässt sich in Zahlen fassen:
Bei einem Anstieg des HbA1c um ein Prozent fiel das maximal ausatembare Lungenvolumen (forcierte Vitalkapazität FVC) um vier Prozent (Davis WA Diabetes Care 2004; 27:752-7). Sogar bei Patienten ohne bekannten Diabetes findet sich eine signifikante Beziehung zwischen eingeschränkter Lungenfunktion und dem Blutzuckerspiegel (Lange P, Eur Resp J 1989;2:14-9).
Eine Studie an über 1600 Nichtdiabetikern zwischen 40 und 60 Jahren zeigte ebenfalls, dass die Lungenfunktion (FEV1, FVC) umso schlechter war, je höher der 2-Stunden-Blutzucker (nach dem Essen), der HbA1c und je höher die Insulinresistenz (3. NHANES-Studie; McKeever TM, Am J Epidemiol 2005;161:546-556).
Diejenigen (gesunden) Patienten, deren Lungenfunktion (Vitalkapazität) während neun Jahren deutlich abnahm, erkrankten mit höherer Wahrscheinlichkeit an Diabetes, und zwar unabhängig von Alter, Gewicht und Größe (Hsin Chieh Yeh, Diabetes 2002; Suppl 2, 262).

Ursache: Gefäßveränderungen in der Lunge
Aber wieso und wie hängt die zusammen? Man nimmt an, dass die zunehmende Ausatmungs- und Atemstromstörung eine chronische Diabetesfolge ist. Sie scheint sogar die Sterblichkeit an Diabetes vorherzusagen (Davis WA. et al.; Diabetes Care 2004;27:752-757).
Wahrscheinlich hängt der Zuckerstoffwechsel mit der Lungenfunktion in ähnlicher Weise zusammen wie mit anderen diabetesbedingten Veränderungen der kleinen Blutgefäße, erklärt Prof. Hans-Willi Breuer, Görlitz. Untersucht man die Fähigkeit der Lungenbläschen (Alveolen) zum Gasaustausch mit dem Blut, findet man beim Diabetiker, dass weniger Gas (z.B. Sauerstoff) von den Alveolen in die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) übergeht.
Der gestörte Gastransport (Diffusionskapazität) betrifft vor allem Diabetiker in fortgeschrittenen Stadien. Aus diesen Mikrozirkulationsstörungen lässt sich auf eine Art „diabetische Mikroangiopathie der Pulmonalgefäße“ schließen, so Breuer. „Neben einer diabetischen Retinopathie, Neuropathie und Nephropathie existiert somit auch eine diabetische Pneumopathie.“

Rauchen fördert die Insulinresistenz

Auf der anderen Seite ist hinreichend bekannt, dass auch Lungen und Gefäße des Rauchers schneller altern. Oxidativer Stress durch Einatmen von Zigarettenrauch zerstört Lungengewebe und führt zu chronischer Entzündung in den Atemwegen – aber auch in den Gefäßen.
Das Ausmaß der Gefäßschädigung zeigt die Tatsache, dass Raucher generell gegenüber Nichtrauchern ein um über 70 Prozent erhöhtes Risiko für eine koronare Herzerkrankung (KHK) aufweisen. Diese starke Risikoerhöhung trifft bei Diabetikern auf die Patientengruppe, deren Mortalität ohnehin zu 75 bis 80 Prozent durch kardiovaskuläre Komplikationen bedingt ist.
Rauchende Diabetiker sind doppelt gefährdet
Hinzu kommt, dass Aktivrauchen nachgewiesenermaßen die Insulinresistenz fördert, erklärte Dr. Tobias Raupach, Göttingen. In Studien hatten Raucher ein doppelt so hohes Diabetesrisiko wie Nichtraucher. Rauchen löst im Herz-Kreislauf-System ähnliche Probleme aus wie Diabetes:

  • oxidativer Stress
  • Entzündungsvorgänge
  • Endothel-Dysfunktion (Gefäße können sich nicht mehr bedarfsgerecht erweitern)
  • eine Thrombozyten- Aktivierung (die Verklumpungsneigung der Blutplättchen steigt)

„All diese pathologischen Prozesse sind auch bei Diabetikern im Gange“, betonte Raupach. Bei Diabetikern verstärkt das Rauchen also direkt und indirekt (über die Verstärkung des Diabetes) die Entstehung mikrovaskulärer Komplikationen (wie Retinopathie und Nephropathie) und potenziell tödlicher makrovaskulärer Folgeschäden.
Weniger Glimmstängel – mehr Gesundheit
Aus all dem folgt, dass der Tabakentwöhnung beim Diabetiker eine besondere Bedeutung zukommt. Voraussetzung einer anhaltenden Abstinenz ist und bleibt ein realistischer Vorsatz, betonte der niedergelassene Pneumologe Dr. Thomas Hering, Berlin. Der optimale Therapieansatz gegen die Suchtkrankheit besteht in der Kombination von unterstützender Beratung und Medikation. Beides zusammen kann die Erfolgsraten des bloßen Entschlusses vervielfachen.

Nach dem Rauchstopp:
Nach 20 Minuten:
Die Körpertemperatur normalisiert sich. Die Herzschlagfrequenz und der Blutdruck gleichen sich dem eines Nichtrauchers an.
Nach 24 Stunden:
Der Kohlenmonoxid-Gehalt im Blut sinkt. Die Blutgefäße und Organe bekommen mehr Sauerstoff. Dadurch fühlt man sich fitter.
Nach 1 bis 2 Tagen:
Geruchs- und Geschmackssinn verbessern sich. Das Atmen fällt leichter und das Herzinfarktrisiko sinkt.
Nach 3 bis 9 Monaten:
Der Raucherhusten geht merklich zurück. Der Kreislauf stabilisert sich, Immunsystem und Lungenfunktion werden gestärkt.
Nach 1 bis 2 Jahren:
Das Herzinfarktrisiko geht um die Hälfte zurück.
Nach 10 Jahren:
Das Lungenkrebsrisiko ist halbiert.
Nach 15 Jahren:
Das Risiko von Herinfarkt und Schlaganfall gleicht dem von Nichtrauchern.