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Depressionen bei Diabetes: Neue Therapie hilft

Diabetiker mit einer psychischen Erkrankung können von einer neuen Kurzzeit-Verhaltenstherapie profitieren: „DIAMOS – Diabetesmotivation stärken“ wurde von Psychologen entwickelt und nun in einer Studie erfolgreich untersucht.

Das Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim hat ein Therapieprogramm speziell für Menschen mit Diabetes entwickelt, die Anzeichen einer erhöhten Depressivität zeigen. „DIAMOS“, so der Name des neuen Programms, soll die Diabetesmotivation stärken und Betroffenen ermöglichen, besser mit ihrer chronischen Erkrankung zu leben.

Kurzzeit-Therapie bei Diabetes und Depression

DIAMOS ist eine von Psychologen angeleitete Gruppentherapie. Sie besteht aus fünf Kursbausteinen à 90 Minuten. Zudem werden die Teilnehmer viermal im Laufe eines Jahres telefonisch kontaktiert. Ziel des Programmes ist es, eine bestehende Depression zu reduzieren bzw. eine Depression zu verhindern, bevor sie behandlungsbedürftig wird. Mit Unterstützung des Psychologen lernen die Teilnehmer, Probleme im Zusammenhang mit dem Diabetes zu identifizieren und Lösungsstrategien zu erarbeiten. Gleichzeitig sollen negative Einstellungen verändert und Ressourcen aktiviert werden. „Zu häufigen Stressquellen zählt etwa die mangelnde Fähigkeit, ‚Nein‘ zu sagen oder ein übertrieben perfektionistischer Umgang mit Diabetes“, erläutert Studienleiter Privatdozent Dr. phil. Dipl. Psych. Bernhard Kulzer. Auch die Verheimlichung des Diabetes am Arbeitsplatz kann stark belasten, weiß der DDG Experte. „Am Ende der DIAMOS-Intervention steht eine Vereinbarung über konkrete Schritte, wie man die Belastungen im Alltag reduzieren kann“, so Kulzer.

Wirksamkeit in Studie* bestätigt

DIAMOS kann Diabetespatienten vor Depressionen schützen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im Januar 2015 in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht wurde. Dafür wurden 214 Patienten mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe nahm an fünf Sitzungen einer Diabetesschulung teil, die andere an der DIAMOS-Therapie. Nach zwölf Monaten untersuchten die Wissenschaftler, wie sich Schulung bzw. Therapie auf die Teilnehmer ausgewirkt hatten. „Sowohl die Diabetesschulung als auch die DIAMOS-Kurzzeittherapie verbesserten das Selbstmanagement und die Zufriedenheit der Patienten in vergleichbarem Maße“, bilanziert Kulzer. „Aber was die Reduktion depressiver Symptome und diabetesbezogener Belastungen betrifft, war DIAMOS eindeutig effektiver als die Schulung.“ So lag die Wahrscheinlichkeit, eine behandlungsbedürftige Depression zu entwickeln, bei den Teilnehmern der Kurzzeit-Therapie 37 Prozent niedriger.

Depressionen bei Diabetes erkennen

Diabetes ist eine chronische Erkrankung, welche die Lebensqualität und das Wohlbefinden beeinträchtigen kann. Etwa jeder dritte Diabetiker läuft Gefahr, im Verlauf dieser chronischen Erkrankung zusätzlich eine Depression zu entwickeln. Wer Anzeichen einer Depression bemerkt, sollte seinen Hausarzt oder Diabetologen aufsuchen. Ein Fragebogen-Test, der unter www.diabetes-psychologie.de/downloads/PAID.pdf zum Download bereitsteht, gibt eine erste Orientierung, ob eine Gefährdung vorliegt.

* N. Hermanns et al: The Effect of a Diabetes-Specific Cognitive Behavioral Treatment Program (DIAMOS) for Patients With Diabetes and Subclinical Depression: Results of a Randomized Controlled Trial. Diabetes Care 2015 38:181-182