Cardio-Metabolic Care

Cardio-Metabolic Care

Faktoren einer wirksamen Therapie
Egal ob Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Herzinsuffizienz oder Atherosklerose – für eine effektive Therapie dieser Krankheiten gilt es, zahlreiche Aspekte zu berücksichtigen. Beim 2. Schlossgespräch der Merck Pharma GmbH in Eltville standen Compliance, Sicherheit, Evidenz, Schutz und Forschung zur Diskussion.
Dass von einer antihypertensiven Therapie vor allem auch Diabetiker profitieren können, belegen mehrere große Hypertonie-Interventionsstudien (HOT, CAPPP, UKPDS, SYST-EUR, LIFE). Eine intensive Blutdruckkontrolle bei diesen Patienten kann sowohl die zerebrale als auch die kardiale Morbidität und Mortalität deutlich reduzieren, erklärte Prof. Dr. med. Stephan Jacob aus Villingen-Schwenningen. Häufig reiche jedoch eine Monotherapie nicht aus, um die gesteckten Blutdruckzielwerte zu erreichen. Dann seien sinnvolle Kombinationen gefragt: „Den Blutdruck senken können praktisch alle Substanzen. Die Auswahl sollte sich daher nach Zusatzkriterien richten und wohlüberlegt erfolgen.“
Bei der Entscheidung für eine bestimmte Wirkstoffkombination sollten neben der Blutdrucksenkung auch weitere Kriterien wie positive Zusatzeffekte auf Gefäße, Organe oder auf den Stoffwechsel beachtet werden. So habe die SYST-EUR-Studie gezeigt, dass gerade bei Diabetikern eine ausgeprägte Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen unter der Kombination von Enalapril und Nitrendipin auftrat.
Jacob wies ausdrücklich auf das Compliance-Problem bei einer patientengerechten Hypertoniebehandlung hin: Gerade Hypertoniker mit einem kardio-metabolischen Syndrom müssen aufgrund von Komorbiditäten meist sehr viele Tabletten einnehmen. „Bei der Auswahl der Antihypertensiva sollte deshalb auf die Verträglichkeit, die Zahl der Tabletten und die Häufigkeit der Einnahme geachtet werden. Die Compliance der Patienten geht mit steigender Tablettenanzahl und Einnahmehäufigkeit deutlich zurück.“ Hier könne der Einsatz von Fixkombinationen helfen, die Tablettenzahl zu begrenzen.
Herzinsuffizienztherapie im Wandel
Nach Ansicht von Prof. Dr. med. Erland Erdmann aus Köln fordern die aktuellen Analysen der CIBIS III-Studie die bisherigen Guidelines heraus: „Wir Kardiologen haben uns in der Vergangenheit zu häufig geirrt“, bedauerte Erdmann. CIBIS III war eine prospektive, randomisierte Multicenterstudie mit insgesamt 1.010 Patienten, von denen jeweils die Hälfte eine sechsmonatige Initialtherapie mit Bisoprolol und mit Enalapril erhielt. Unmittelbar nach Beendigung der Monotherapie wurde das jeweils andere Medikament in Kombination hinzugegeben.
Die Zusatzauswertung der bereits publizierten Daten ergab, dass während der ersten sechs Monate unter einer Monotherapie der plötzliche Herztod bei acht von 23 Todesfällen in der Gruppe auftrat, in der zuerst Bisoprolol verabreicht wurde. In der Gruppe, die initial Enalapril erhielt, waren es 16 plötzliche Herztode von insgesamt 32 Todesfällen. Dieser Trend setzte sich auch nach einem Jahr fort.
„Speziell die Patienten mit besonders belasteter Prognose, die unter Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, Niereninsuffizienz leiden, oder mit einem hohen Alter, haben einen Vorteil von der Betablockertherapie“, fasste Erdmann zusammen. Die CIBIS III-Studie sei ein weiterer Beweis für die wesentliche und lebensverlängernde Bedeutung der Betablockertherapie der chronischen Herzinsuffizienz. „Man darf davon ausgehen, dass bei einer geplanten Herzinsuffizienztherapie sowohl mit einem Betablocker als auch mit einem ACE-Hemmer angefangen werden kann. Das Risiko des plötzlichen Herztodes wird durch einen Betablocker deutlich vermindert.“ Zur umfassenden Information zum Thema Herzinsuffizienz empfahl Erdmann einen Besuch auf der gemeinsam von der Universität Köln und Merck gestalteten Internetseite www.cme-heartfailure.net.

Stiefkind der kardiovaskulären Forschung
Priv.-Doz. Dr. med. Knut Kröger vom Universitätsklinikum Essen beleuchtete aktuelle Forschungsvorhaben zum Thema periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). „Die pAVK ist eine typische Manifestation der Atherosklerose, die innerhalb der kardiovaskulären Forschung nahezu vergessen wird. Da die pAVK häufig nicht den bedrohlichen Charakter einer Herzerkrankung hat, gute Studien zur Prävention fehlen und der Kostendruck im Gesundheitssystem zum Sparen zwingt, wird auch die Therapie der pAVK oft vernachlässigt. Nur wenn eine Amputation droht, wird der Ruf nach einer wirksamen Prävention und Therapie der peripheren Atherosklerose laut“, meinte Kröger.
Aktuell werde die pAVK als Markerkrankheit für eine koronare Herzerkrankung wiederentdeckt. Klinische Studien belegten für Naftidrofuryl, dass es nicht nur die schmerzfreie Gehstrecke der Patienten mit einer intermittierenden Klaudikatio nahezu verdoppeln könne, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen signifikant steigere. „Die Leitlinien der kardiologischen Gesellschaften empfehlen Bewegung als Mittel der Wahl zur Sekundärprävention der Atherosklerose. Genau das ist Patienten mit einer schmerzhaft eingeschränkten Gehstrecke aber nicht möglich und so schafft die Verbesserung der Gehleistung durch Naftidrofuryl bei einem Teil dieser Patienten erst die Basis für eine vernünftige Sekundärprävention“, sagte Kröger.