Bewegung

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Das Stadium daheim

Mit Bewegung einfach mal anzufangen ist das Ziel der Aktion „Trimm Dich fit“, die im Juli gestartet wurde. Statt olympischer Hochleistungen geht es dabei um einfache Übungen, die in den Alltag integriert werden.Typ-2-Diabetiker probieren das von Daniel Schnelting (links im blauen T-Shirt) und Dr. med. Thomas Wessinghage (daneben in Weiß) entwickelte Trich-Dich-fit-Programm aus.

Über Bewegung nicht nur reden, das ist das Motto des alljährlichen Laufs im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Ganz in diesem Sinne ist auch eine Aktion, die die Barmer Krankenkasse und Roche Diagnostics jetzt in Frankfurt am Main ins Leben gerufen haben, natürlich mit einem eigenen Wahlspruch: „Trimm Dich fit – Schritt für Schritt zu besseren Blutzuckerwerten“.

Auch wenn mit Ex-Europameister Dr. med. Thomas Wessinghage und dem aktuell schnellstem Deutschen, dem Typ-1-Diabetiker Daniel Schnelting, gleich zwei Top-Athleten den Aktionstag am Main leiteten, ist das Programm genau das Gegenteil von Hochleistungssport und Olympia-Vorbereitung, es geht um Bewegung für Anfänger. Wessinghage, heute ärztlicher Direktor der Medical Park-Kliniken Bad Wiessee und Bewegungsexperte, hat mit Schnelting zu „Trimm Dich fit“ einen gleichnamigen Pass entwickelt, der fünf einfache Übungen umfasst und Typ-2-Diabetiker einlädt, ihre im Laufe der Zeit entwickelten Vorurteile und Ängste vor Bewegung ganz praktisch abzubauen. Für einen solchen Einstieg in ein aktiveres Leben rät Wessinghage so zu beginnen, dass man sich nach der Bewegung besser fühlt als vorher – auch wenn das anfangs nur drei Minuten sind. „Man kommt nach Hause und sagt: Das war aber schön!“ gibt der 5.000-Meter-Europameister von 1982 als Marschroute aus, damit die Anfangsmotivation nicht gleich nach der ersten Einheit „Sport“ schon wieder dahin ist. Dementsprechend sind auch die Übungen im Pass, es beginnt mit dem Storchengang, aufrecht stehen und im ruhigen Wechsel die Knie bis auf Hüfthöhe anheben ist gefragt, am besten 20 mal pro Seite. „Im Eilschritt“ geht es dann weiter, dahinter verbergen sich zehn Schritte im zügigen Tempo, gefolgt von zwanzig Schritten etwas langsamer.

Auf die Bewegung kommt es an

Die rund 20 Diabetiker, die der Einladung zum Aktionstag gefolgt waren, machten ihre Übungen am Mainufer und bildeten mit ihren „Eilschritten“ einen bemerkenswerten Kontrast zu den vorbeisausenden Joggern und Radfahrern. Wer sich durch solche Klasseunterschiede stören lässt, ruft sich am besten die Worte Wessinghages ins Gedächtnis: Nachhaltigkeit von Aktivität kommt von Einfachheit und Integrierbarkeit in den Alltag, Regelmäßigkeit, nicht das Super-Training einmal alle 14 Tage zählen. Und so werden im „Trimm Dich fit-Pass“ auch zu jeder Übung „Alltag aktiv“-Tipps gegeben, der Storchengang muss zum Beispiel nicht im Park mit den Joggern gemacht werden, das geht auch beim Telefonieren oder Zähne Putzen. Die Eilschritte wiederum sind ideal, um noch bei Grün über die Ampel zu kommen, bevor die umspringt. Sport? Nein, auf die Bewegung kommt es an.

Biofeedback selbst gemacht

Im Pass gibt es nicht nur die Bewegungstipps, sondern auch Hinweise, wie man dem Körpergefühl auf die Sprünge helfen kann. Dessen Fehlen sei, so Wessinghage, das Problem des Typ-2-Diabetikers, er ist damit genau das Gegenteil des Leistungssportlers. So erzählte Top-Leichtathlet Schnelting in Frankfurt, dass er genau merkt, wenn seine Werte nicht stimmen – dann passt auch die Leistung nicht.

Der 200-Meter-Meister kennt auch präzise den Effekt von Sport auf seinen Stoffwechsel, allein die Umstellung von „normalem“ Training auf ein intensiveres Trainingslager dauere eine Woche und gehe einher mit einer auf rund die Hälfte reduzierten Insulinmenge. Damit auch die Bewegungsanfänger ein Gefühl für die Wirkung selbst kleiner Dosen Aktivität bekommen, gibt es im Pass Felder zum Eintragen des Blutzuckers vor und nach allen fünf Übungen sowie des Pulses vor und nach der Übung „Treppensteigen“. Auch die Anzahl der Schritt sollte mit einem Schrittzähler erfasst werden, die Dauer der Übung und das Befinden werden ebenfalls notiert – genug Möglichkeiten für die Ambitionierten, sich für das nächste Mal eine Steigerung vorzunehmen. „Die moderne Überschrift über das Ganze wäre Biofeedback“, sagt Wessinghage, auf den Körper zu hören ist auch Ziel der Übung.

Am längeren Hebel

Die Trimm-Dich-fit-Aktion selbst ist ein Schritt auf dem langen Weg zu nichts Geringerem als einem gesunden Lebensstil. „Wir sind nicht in der Lage, mit dem Wohlstand adäquat für unseren Organismus umzugehen“, formulierte Wessinghage in Frankfurt, mit anderen Worten: Unser Alltag macht uns krank.

Nach ein paar Jahrzehnten dieses Alltags lernt man dann Wörter wie „Risikofaktoren“, „Hypertonie“ oder „Cholesterinspiegel“ kennen und glaubt sich in den Fängen der Doktoren und der Pillen. „Die Lösung des Problems ist nicht allein über die Medizin zu erreichen“, betont er, vielmehr gebe es drei Säulen: Disziplinierte Ernährung, Bewegung und moderne medizinische Therapie. Er zitierte eine vor wenigen Jahren im New England Journal of Medicine publizierte Studie, die die Konversion von Risikopatienten zu Typ-2-Diabetikern mit einer Metformin-Therapie oder Bewegung über vier Jahre untersuchte; ein Drittel der Teilnehmer unter dem Pharmakon konnten vor der Krankheit bewahrt werden, sogar zwei Drittel aber durch eine Umstellung der Lebensweise. „Unser Hebel ist doppelt so groß wie der der Medizin“, schlussfolgerte Wessinghause für „seine“ Sache. Bei nur 500 Kilokalorien zusätzlichem Verbrauch beginnen schon die positiven Effekte auf die Risikofaktoren, betont der Bewegungsexperte, das entspricht zwei Mal zehn Minuten Gassi mit dem Hund. Das Optimum liegt bereits bei dreieinhalb Stunden zügigem Gehen pro Woche, dann könne man alle Herz-/Kreislaufwerte beeinflussen, wobei einzig der Kalorienverbrauch wichtig sei, nicht die Intensität der Bewegung. „Wenn ich mich schnell bewege, bin ich nur früher fertig“, fasste Wessinghage augenzwinkernd zusammen und gab auch gleich noch eine Eselbrücke mit, um sich den Richtwert von dreieinhalb Stunden pro Woche zu merken: Solange sieht der durchschnittliche Deutsche auch fern – am Tag.

Interessierte können den Trimm-Dich-fit-Pass telefonisch beim Accu-Chek-Kunden-Service-Center bestellen. Der Accu-Chek-Kunden-Service ist wochentags zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar unter: 0180 2000165 (6 Cent pro Gespräch, mit dem Handy je nach Tarif mehr)

Redaktion: Marcus Sefrin