BdSN Checkliste Urlaub

Reisen mit Diabetes

Checkliste: Urlaubsplanung für Diabetiker

Diabetes ist kein Hindernis für einen schönen Urlaub, wenn Sie sich Zeit nehmen für die Reise-Vorbereitungen. Denn sowohl Unterzuckerung als auch Überzucker, der zu Stoffwechselentgleisungen führen kann, sollten vermieden werden. Um Ihnen bei Ihren Reise-Vorbereitungen zu helfen, hat der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) eine Checkliste erstellt, was Sie bei der Urlaubsplanung berücksichtigen sollten. Egal ob Kurztrip oder ausgedehnte Reise, ob aktive Entdeckungstour oder Entspannung am Strand – mit diesen Tipps wird jeder Urlaub auch mit Diabetes zu einem ungetrübten Urlaubserlebnis.

Allgemeines

  • Wenn Sie sich im Urlaub mehr bewegen als sonst, kann dies zu Blutzuckerschwankungen führen. Dies sollten Sie bei der Blutzuckermessung und Medikamenteneinstellung denken.
  • Um eine mögliche Unterzuckerung zu vermeiden, überlegen Sie sich schon vor der Reise, wie und wo Sie sich mit Zwischenmahlzeiten versorgen können. Sie können sich auch selbst ausreichend mit Reiseproviant versorgen, beispielsweise mit Knäckebrot oder Getränken. Hierbei müssen Sie allerdings je nach Urlaubsziel die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Auch zur Überbrückung unerwarteter Verzögerungen der (Weiter-) Reise sollte der Proviant ausreichen.
  • Auch im Urlaub müssen Sie wie zu Hause täglich Ihre Füße kontrollieren. Bereits kleine Verletzungen, Blasen oder Risse können bei Diabetikern schnell zu Entzündungen und damit zum diabetischen Fußsyndrom führen.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Insulin spritzen und sich intensiver Sonneneinwirkung aussetzen. Trifft die heiße Sonne auf die frische Injektionsstelle, kann die Insulinwirkung beschleunigt werden und so möglicherweise zu einer Unterzuckerung führen. Das Insulin darf keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Graben Sie es notfalls am Strand im Sand ein oder verwenden Sie eine Kühltasche – vermeiden Sie in diesem Fall jedoch einen direkten Kontakt des Insulins mit dem Eisbeutel!
  • Nicht nur für Diabetiker gilt: Sprechen Sie vor Ihrer Reise mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihren Impfstatus und lassen Sie eventuell fehlende Impfungen vornehmen.
  • Auch wenn Sie die Sprache Ihres Urlaubslandes sprechen, kann es hilfreich sein, sich wichtige Begriffe in der jeweiligen Landessprache zu notieren, wie z.B. die Namen bestimmter Lebensmittel oder Redewendungen wie „Ich bin …“, „Ich habe …“, „Ich brauche …“ oder einzelne Worte wie „Diabetiker“, „Unterzuckerung“, „Insulin“, „Medikamente“, „Spritzen“ oder „Arzt“.

Krankenversicherung

Bei Reisen ins Ausland sollten Sie unbedingt spätestens 6 Wochen vor Beginn der Reise Kontakt zu Ihrer Krankenversicherung aufnehmen, da der Versicherungsschutz nur im Inland gilt. Durch die europäische Krankenversicherungskarte gilt der Versicherungsschutz in der europäischen Union. Bei Reisen in Länder außerhalb der EU-Mitgliedsstaaten empfiehlt es sich, eine zusätzliche private Auslandsreisekrankenversicherung mit Krankenrücktransport abzuschließen.

Kofferpacken

Wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen ist es wichtig, dass sie beim Packen zwischen Handgepäck und Hauptgepäck unterscheiden, da es im Frachtraum, in dem das Hauptgepäck während des Fluges lagert, zu extremen Temperaturunterschieden kommen kann, die sowohl Insulin als auch die Enzyme in den Blutzuckerteststreifen schädigen können.

Ins Handgepäck, das Sie während des Fluges bei sich tragen, gehören deshalb

  • Gekühltes Insulin für die gesamte Reise
  • Pen oder Spritzen
  • Glucagonspritze, wenn benötigt
  • Blutzuckermessgerät und alle Teststreifen
  • Blutzuckertagebuch
  • Acetonteststreifen
  • Ausreichend Pennadeln und Lanzetten je nach Dauer des Fluges
  • Abwurfbehälter
  • Not-Broteinheiten
  • Diabetesausweis (in verschiedenen Sprachen), um bei den Kontrollen nachweisen zu können, dass die Flüssigkeit im Handgepäck (Insulin) für die Reise notwendig ist. Der Ausweis sollte in der jeweiligen Landessprache und in englischer Sprache verfasst sein.

In das Hauptgepäck packen Sie

  • Ersatzpen, Einmalpen oder Einmalspritze
  • Ersatz-Blutzuckermessgerät und Ersatzbatterien
  • BE-Tabelle
  • Pennadeln und Lanzetten
  • Kühlbox fürs Insulin
  • Andere Medikamente (z.B. Durchfalltabletten, Schmerztabletten, Insektenabwehr, Pflaster, Fieberthermometer)

Der individuelle Bedarf ist natürlich von Diabetiker zu Diabetiker unterschiedlich und hängt auch von der Länge des Fluges ab. Sollten Sie unsicher sein, welche Punkte dieser Auflistung für Sie relevant sind, sprechen Sie bitte vor dem Flug mit Ihrem Arzt.

Zeitzonen und Zeitverschiebung

Die Zeitzonen-Verschiebung beeinflusst Ihren Insulinbedarf unterschiedlich: Bei Flügen in den Westen werden die Tage länger und es kann zur Insulinmangelversorgung und so zu einer Überzuckerung mit der Gefahr einer Stoffwechselentgleisung kommen. Um die „Insulinlücken“ mit der Ortszeit am Reiseziel in Einklang zu bringen, wird mehr Insulin benötigt. Bei Flügen in den Osten hingegen werden die Tage kürzer und es kann leichter zu einer Unterzuckerung kommen, da für den Tag weniger Insulin als gewöhnlich benötigt wird.

Beträgt die Zeitverschiebung bei Ihrer Reise weniger als 6 Stunden, können Sie den Insulinbedarf mit schnell wirksamem Bolusinsulin regeln, das Sie beispielsweise zur zusätzlichen Mahlzeit im Flugzeug spritzen können. Liegt die Zeitverschiebung bei über 6 Stunden, sollten sie Ihren Insulinbedarf mit dem Basalinsulin regulieren, das sie regelmäßig spritzen. Hierbei wird das Insulin vorsichtig erhöht oder verringert. Falls Sie Insulin spritzen oder Tabletten nehmen, die die Insulinausschüttung fördern, sprechen Sie auf jeden Fall vor der Reise mit Ihrem Arzt über die genaue Anpassung.

Jetlag

Unser biologischer Rhythmus wird von der Drehung der Erde durch die Licht- und Dunkelphasen bestimmt. Bei Reisen durch mehrere Zeitzonen kann die innere Uhr gestört werden und es kommt zum „Jetlag“. Der Anpassungsprozess kann 3 bis 5 Tage dauern und zu zahlreichen Symptomen führen, wie gestörter Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Übelkeit. Diese Symptome sind schwer von einer Über- oder Unterzuckerung zu unterscheiden, so dass die regelmäßige Blutzuckermessung einen noch größeren Stellenwert bekommt.

Messen Sie Ihren Blutzucker immer dann, wenn Sie sich unsicher fühlen, spätestens jedoch nach drei Stunden. Generell gilt: Sprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und Diabetologen ab und lassen Sie sich von ihm darüber beraten, wie Sie Ihre Medikamenteneinstellung im Urlaub am besten der veränderten Situation anpassen.

Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung Diabeteskranker weiter zu verbessern.