Basisschulung reicht bei Diabetes nicht immer aus

DDG fordert mehr problemspezifische Schulungen

Basisschulung reicht bei Diabetes nicht immer aus

Die meisten Menschen mit Diabetes leiden an Begleit- oder Folgeerkrankungen. Um das Risiko schwerer Komplikationen des Diabetes wie Unterzucker oder Amputationen zu senken, fordert die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) mehr problemspezifische Schulungen für Diabetiker. Solche Schulungen ermöglichen an Diabetes erkrankten Menschen, mit Begleit- und Folgeerkrankungen besser umzugehen und weitere Komplikationen sicherer zu verhindern.

Ein häufiges Problem ist die individuelle Wahrnehmung des Unterzuckers: Rund ein Drittel aller Patienten mit Diabetes Typ 1 hat regelmäßig zu niedrige Blutzuckerwerte. Nur wenn die Betroffenen die Unterzuckerung rechtzeitig erkennen, können sie schnell handeln und gegensteuern. Denn eine mögliche Folge der Unterzuckerung ist Bewusstlosigkeit. Um eine Unterzuckerung zu vermeiden, müssen sie rechtzeitig ausreichend Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Um die Patienten hierfür zu sensibilisieren, gibt es in Deutschland zwei problemspezifische Schulungsangebote:

  • Das Blutglukosewahrnehmungstraining für Typ-1-Diabetiker (BGAT)
  • und Hypoglykämie – Positives Selbstmanagement (HyPOS)

„HyPOS“ wurde von der Arbeitsgruppe um Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der DDG, entwickelt. Eine Modellrechnung zeigte, dass die Teilnehmer dieser Schulung die Kontrolle ihres Blutzuckers mit dem Programm verbessern und dadurch Kosten in der Diabetes-Therapie eingespart werden können. „Auch die modifizierte HyPOS-Fassung, die wir für den stationären Bereich entwickelt haben, erreichte in ersten Studien gute Ergebnisse“, berichtet Professor Dr. phil. Norbert Hermanns, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin in der DDG.

„Am meisten gefürchtet ist jedoch das diabetische Fußsyndrom“, erklärt Dr. Kulzer. Diese Erkrankung kann als Folge des Diabetes mellitus auftreten: Bis zu zehn Prozent aller Diabetes-Patienten haben im Verlauf ihrer Erkrankung schlecht heilende Wunden an den Füßen. In einigen Fällen müssen diese ganz oder teilweise amputiert werden. Um dem Fußsyndrom vorzubeugen, existiert das BARFUSS-Schulungsprogramm. Dieses ist noch nicht publiziert, zeigte in ersten Studien aber positive Effekte: Die Füße waren sensibler und weniger druckempfindlich. Die DDG zertifizierte BARFUSS bereits, nicht jedoch das Bundesversicherungsamt (BVA).

Weitere Schulungen – unter anderem für Neuropathie (Neuros) oder erektile Dysfunktion (Wenus) – sind noch nicht ausgewertet und deshalb von DDG und BVA noch nicht anerkannt. „Für Patienten mit diabetesspezifischen Folgekomplikationen gibt es noch zu wenige Schulungen“, meint Dr. med. Michael Krichbaum, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin in der DDG. Besonders bei diabetesbedingten Gefäßerkrankungen und psychischen Problemen fehlen Behandlungsprogramme. Mit BGAT und HyPOS stehen zwar zwei effiziente Schulungen zur Verfügung – zusätzliche seien jedoch notwendig, um Kosten für Patienten und Kostenträger einzusparen und schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.