Kategorie-Archiv: Diabetes vorbeugen

Testen Sie Ihr Diabetesrisiko

Ganz ohne aufwändige Labortests kann jeder sein aktuelles Risiko an Diabetes zu erkranken durch zwei Risikotests ermitteln, die auf die deutsche Bevölkerung zugeschnitten sind. Diese sind zuverlässig und einfach durchzuführen. Die Wertigkeit der Risikofaktoren ist durch Studien belegt worden.

Das frühzeitige Erkennen eines hohen Diabetesrisikos ermöglicht eine rechtzeitig einsetzende wirksame Vorbeugung.

FINDRISK – Diabetes frühzeitig erkennen

Der FINDRISK-Fragebogen besticht durch Einfachheit, ist in Minutenschnelle erledigt. Er ist Teil eines dreischrittigen Konzeptes für ein nationales Präventionsprogramm.

Acht einfache Fragen zielen auf die wichtigsten Risiken für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes:

Alter, BMI, Taillenumfang, Körperliche Aktivität, Ernährungsgewohnheiten, vorhandener Bluthochdruck, Blutzucker, Diabetes in der Familie?

Das Beantworten der acht Fragen ergibt eine Punktzahl, die aussagt, ob die Person

  • mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht erkannter Diabetiker ist (über 20 Punkte),
  • ein erhöhtes Risiko besitzt, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken (11-20 Punkte)
  • als Nicht-Risikoperson gilt (weniger als 11 Punkte).

Der Test FINDRISK wird in Deutschland als Papier-Fragebogen ausgelegt (z.B. Apotheken, Wartezimmer) und in Printmedien, über Krankenkassen und kann auch online direkt ausgefüllt werden (www.diabetes-risiko.de).

Deutscher Diabetes-Risiko Test online

Ein ähnlicher Test wird vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE) als Fragebogen und online angeboten:

Er heißt Deutscher Diabetes-Risiko-Test und ermittelt aus den Angaben über Geschlecht, Alter, Taillenumfang (alternativ Größe,Gewicht), Bluthochdruck, Körperliche Aktivität, Fleischverzehr, Vollkornprodukteverzehr, Kaffeegenuss, Alkohol, Rauchen ebenfalls einen Risikoscore, der angibt, wie hoch das Risiko ist innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Diabetes zu entwickeln. Der Test kann ebenfalls direkt online ausgefüllt werden (www.dife.de)

Es werden gleichzeitig Tipps angeboten, wie das Risiko zu senken ist.

 

 

 

 

Primärprävention des Typ-2-Diabetes

Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes kann der potenziell für Typ-2-Diabetes gefährdete Mensch selbst einen großen Teil zur Gesunderhaltung seines Körpers beitragen und präventive Maßnahmen ergreifen. Denn eine ausgewogene, fettarme, ballaststoffreiche richtig dosierte Ernährung sowie ein auf den Menschen persönlich abgestimmtes Bewegungsprogramm helfen, einer Diabeteserkrankung des Typ 2 vorzubeugen. Bewährt hat sich dabei besonders der Ansatz des Ernährungsmediziners Prof. Schuszdiara die Energiedichte der Nahrungsmittel gering zu halten („Satt essen und abnehmen“).

Insulinresistenz verhindern – Typ-2-Diabetes vermeiden

Eine Primärprävention soll bereits in der prädiabetischen Phase (bevor sich die Erkrankung überhaupt ausbricht) verhindern, dass die Körperzellen gegen das körpereigene Insulin resistent werden und eine Störung der Insulinabgabe aus der Bauchspeicheldrüse auftritt. Das Ziel ist folglich, einem Auftreten des Typ-2-Diabetes entgegenzuwirken.

Eine finnische sowie eine amerikanische Studie belegen diesen Ansatz mit Zahlen. Prof. Toumilehto und seine finnischen Kollegen konnten in ihrer DPS-Studie zeigen, dass sich bei den 522 übergewichtigen Teilnehmern, bei denen bereits eine Glukosetoleranzstörung festgestellt wurde, nach drei Jahren das Risiko einer Diabetesneuerkrankung um 58% reduzierte, wenn sie an der Ernährungs- und der Bewegungstherapie teilnahmen. Der Erfolg war dabei wesentlich höher als bei der Kontrollgruppe, die weniger aufwendig betreut wurde.

Schon 5 Prozent Gewicht abnehmen hilft

Ausgesprochen positiv hat sich ein Gewichtsverlust um 5 % des Körpergewichts ausgewirkt. Im amerikanischen Diabetespräventionsprogramm (DPP) wurde dieses Ergebnis einer 58%igen Risikoreduzierung bestätigt. Allerdings wurde in dieser Studie neben der behandelten Gruppe und der Kontrollgruppe noch eine dritte Gruppe getestet. Dieser Gruppe wurde Metformin (Antidiabetikum) verabreicht. Diese Gruppe zeigte nicht so deutliche Erfolge wie die Ernährungs- und Bewegungstherapiegruppe, jedoch war auch hier eine 31%ige Senkung des Risikos, dass der Diabetes weiter fortschreitet, zu verzeichnen.

Die Studien waren relativ kostenintensiv, trotzdem waren sie auch kosteneffektiv. (The DPP-Research Group, Diabetes care, 2012)

Gesunde Ernährung und mehr Bewegung sind das beste Rezept

Bemerkenswert ist, dass eine gesündere Lebensweise das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlicher senken kann als verabreichte Wirkstoffe wie Metformin oder Acarbose. Dies macht deutlich, dass besonders auch bei stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen frühzeitig auf eine Ernährungsumstellung und eine Bewegungstherapie gesetzt werden muss, um dem Typ- 2-Diabetes bei jungen Menschen vorzubeugen.

Aktuelle Studien zur Primärprävention des Diabetes mellitus Typ 2:

Für Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren mit hohem Risiko für späteren Typ-2-Diabetes, ohne bereits Diabetiker zu sein gibt es die

Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie (PLIS).

Die PLIS-Studie untersucht, inwieweit Menschen mit einem mäßigen oder sehr hohen Risiko für eine baldige Diabeteserkrankung von Ernährungsberatung und stärkerer körperlicher Aktivität profitieren. Die Studie wird vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) an 7 Standorten in Deutschland durchgeführt.

Ihr persönliches Risiko an Typ2 Diabetes zu erkranken können Sie hier testen: www.diabetes-risiko.de

Warum Diabetes vorbeugen?

Der Diabetes mellitus verursacht Leid, eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität und unzureichend behandelt eine erheblich verminderte Lebenserwartung.

Gleichzeitig führt die starke Steigerung der Neuerkrankungen – ca. 300 000 Menschen mit Diabetes werden jährlich in Deutschland neu diagnostiziert, über 7 Mio. Bürger  leiden an Diabetes – unser Gesundheitssystem an die Grenzen seiner finanziellen Belastbarkeit.

Beides Gründe für die ärztliche Grundidee „Vorsorgen ist besser als Behandeln“ 

Dabei ergeben sich für Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes verschiedene Situationen:

Typ-1-Diabetes:

  • Typ-1-Diabetes entsteht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems, bei dem die körpereigenen insulinproduzierenden Zellen (Insel- oder Betazellen) durch eine chronische Entzündung zerstört werden.
  • Eine wirksame Prävention müsste diesen Entzündungsprozess stoppen und das Immunsystem wieder Umstimmen. Leider haben bislang verschiedenste Versuche mit immunsupressiven Medikamenten, Nicotinamid, Insulininjektionen keinen nachhaltigen Erfolg gezeigt. Die Suche nach geeigneten Verfahren geht weiter. (Primärprävention Typ-1-Diabetes)
  • Durch eine Verhaltensänderung kann der Diabetes Typ-1 nicht verhindert werden.

Typ-2-Diabetes:

  • Für die Entstehung des Diabetes-Typ-2 gibt es neben der schicksalhaften familiären (genetischen) Belastung, die sich naturgemäß nicht verändern lässt, klar identifizierbare Risikofaktoren. Das sind Übergewicht, Bewegungsmangel, Fehlernährung, aber möglicherweise auch Lebensmittelzusätze und Luftverschmutzung. Frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser Faktoren (Primärprävention des Typ-2-Diabetes) können das Auftreten des Diabetes verhindern oder zumindest verzögern.
  • Mehrere große Interventionsstudien (Untersuchungen mit Veränderung des Lebensstils) haben gezeigt, dass eine Verhaltensänderung die Entstehung des Diabetes und gleichzeitig die gefürchteten Folgeschäden am Herz-Kreislaufsystem, den Augen und Nerven verhindern kann.
  • Da Übergewicht nicht gleich Übergewicht ist und es auch Adipöse gibt, die kein erhöhtes Risiko haben an Diabetes und Folgeschäden zu erkranken muss mit geeigneten Risikotests ermittelt werden, wer von Präventionsmaßnahmen wirklich profitiert.