Primärprävention des Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes ist bisher nicht heilbar. Die Primärprävention des Typ-1-Diabetes versucht, die Zerstörung der Betazellen zu verhindern, bevor die Erkrankung auftritt. Bisher gibt es keine gesicherten Maßnahmen, aber Forschungsvorhaben mit Studien, z.B. die Pre-Point-Studie.

Ziel: Typ-1-Diabetes verhindern

Das Ziel der Primärprävention ist es in das Immunsystem einzugreifen, bevor körpereigene Antikörper auftauchen und die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen können. Beabsichtigt ist folglich, schon lange Zeit vor dem Auftreten der Krankheit den schädigenden Prozess aufzuhalten. Weltweit suchen Forscher derzeit nach Möglichkeiten, das Immunsystem von genetisch hochgradig gefährdeten Kindern (Kinder, deren Eltern oder Geschwister bereits an Typ 1-Diabetes erkrankt sind) davon abzuhalten, sich gegen den eigenen Körper zu wenden. Die Maßnahmen betreffen dabei vorwiegend Kleinkinder, da man festgestellt hat, dass die Betazellen-Antikörper bereits innerhalb der ersten zwei Lebensjahre im Blut nachweisbar sind, wenn Kinder noch vor dem Eintritt in die Pubertät an Typ 1-Diabetes erkranken.

Kuhmilch verantwortlich für Typ-1-Diabetes?

In der finnischen doppelblinden und placebokontrollierten Studie TRIGR (Trial to Reduce IDDM in the Genetically at Risk) wurde beispielsweise getestet, ob das Weglassen von Kuhmilcheiweiß während der ersten 6 – 8 Lebensmonate eines Kindes die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass ein Kind an Diabetes erkrankt. Im Tiermodell stellten sich durch die Vermeidung des Proteins bereits positive Effekte ein. Nach zwei Jahren zeigte sich, dass sich bei den 207 Kindern, die aufgrund einer Untersuchung des Nabelschnurbluts als Risikokinder bezüglich des Typ 1-Diabetes eingestuft wurden, das Vorkommen von Antikörpern, die sich gegen die Beta-Zellen wenden können, halbiert hat. Diese Ergebnisse sollen in einer internationalen Studie überprüft werden.

Im Moment ist in Deutschland als Primärpräventionsuntersuchung die sog Pre-POINT-Studie verfügbar, die von Frau Prof. Ziegler in München geleitet wird.

Pre-POINT: „Impfung“ mit Insulin für nicht erkrankte Kinder

Pre-POINT ist eine internationale Studie, die die Wirkung einer Impfung gegen Typ-1-Diabetes mit Insulin untersucht. Zur Behandlung wird Insulin täglich als Pulver über den Mund aufgenommen. Es dient nicht zur Senkung des Blutzuckers, sondern soll als Impfung das Immunsystem beeinflussen und die Entwicklung einer Autoimmunität und eines Typ-1-Diabetes verhindern.

In der Pre-POINT Studie untersucht die Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler die ideale Dosis des Insulins für die Impfung bei Kindern mit sehr hohem Diabetesrisiko. Kinder, die an Pre-POINT teilnehmen, können auf Wunsch auch bei der darauf folgenden POINT-Studie mitmachen, bei der die Wirksamkeit der Impfung untersucht wird. Um Kinder zu finden, die ein sehr hohes Diabetesrisiko haben, führt die Arbeitsgruppe zunächst eine Eingangsuntersuchung zur Risikobestimmung durch. Kostenlos teilnehmen können daran deutschlandweit alle Kinder, die zwischen achtzehn Monaten und sieben Jahren alt sind und die ein Geschwisterkind oder zwei enge Verwandte (Vater, Mutter, Geschwister) mit Typ-1-Diabetes haben. Unterstützt wird die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) in den USA. Erste Ergebnisse aus dem Jahr 2015  zeigen, dass der in der Pre-Point-Studie verfolgte Forschungsansatz Erfolg versprechend ist.