Kategorie-Archiv: Diabetes und Sport

Verhalten vor, während und nach der sportlichen Aktivität

Diabetes mellitus und Sport

Verhalten vor, während und nach der sportlichen Aktivität

  • Kontrolle der Blutzuckerwerte anhand von Glukosemetern vor, bei längerer Aktivität (z.B. Wandern, Radfahren, Skilanglauf) und nach Beendigung des Sportes.
  • Erhöhung der BE um zwei bis vier BE je nach Dauer und Intensität der betriebenen Sportart.
  • Reduzierung der Insulindosis bzw. der Basalrate je nach Dauer und Intensität um ca. vier bis sechs IE.
  • Keine subkutanen Injektionen in die Nähe der beanspruchten Muskulatur, da dort das Insulin unter Belastung schneller resorbiert wird und früher zur Wirkung kommt.

Beispiel: Radfahrer injiziert sich in den Oberarm, nicht in den Oberschenkel. Verminderung der Sulfonylharnstoffdosis um ca. 1/2 Tbl.

Immer Traubenzucker in der Tasche griffbereit (schnell resorbierbare Kohlenhydrate bei Anzeichen von Hypoglykämien). Oben aufgezählte Verhaltensweisen werden je nach Stoffwechsellage einzeln oder kombiniert durchgeführt.

Voraussetzungen zum Sporttreiben

Diabetes mellitus und Sport

Voraussetzungen zum Sporttreiben

Folgende zwei Bedingungen müssen erfüllt werden:

  1. Sportmedizinische Tauglichkeit
    Erhebung des klinischen Status zur allgemeinen Sporttauglichkeit
    Labor: Blutbild, Blutfette, Leberwerte, Nierenwerte, Urinstatus, HbAlcEKG
    Belastungs-EKG: Fahrradergospirometrie unter indiv. Ausbelastung mit Bestimmung der Belastungsgrenzen
    Neurologische Untersuchung
    Augenärztliche Untersuchung
    Jährliche Kontrolluntersuchungen unter oben genannten Aspekten zur sportmedizinischen Tauglichkeit.
  2. Konditionelle Tauglichkeit
    Feststellung der Kondition durch Abtesten mit einzelnen Übungen durch einen Sporttherapeuten

Nach den Punkten 1 und 2 richten sich die Empfehlungen, welcher Sport bzw. welche körperliche Aktivitäten für jeden einzelnen Diabetiker geeignet sind.
Bei einem konditionellen Defizit muß eine spezielle Übungsauswahl getroffen werden, um das Konditionsniveau anzuheben und zu verbessern, um auf diesem antrainierten Niveau dann die einzelnen gewählten Sportarten zu absolvieren.

Folgende Parameter bestimmen den Umfang sportlicher Aktivität:

  • Alter
  • Körperliche Belastbarkeit
  • Komplikationen wie Hypertonus, Hyperlipidämie, Adipositas, AVK (arterielle Verschlußkrankheit) Koronarsklerose
  • Diabetische Spätkomplikationen (Neuropathie, Nephropathie, Retinopathie, Ketoacidoseneigung)

Sollten die Ergebnisse keine Kontraindikation ergeben, so kann das regelmäßige Sporttreiben aufgenommen werden.

Definition des Sportes und die Ziele des Sports für Diabetiker

Zwei Definitionen von Sport sollen aufzeigen, was man unter Sport zu verstehen hat

Im kleinen Brockhaus von 1950 findet man die folgende Definition:

„Leibesübungen: planmäßig betriebene körperliche Übungen zur Erhaltung oder Steigerung der Leistungsfähigkeit. Leibesübungen sind wichtig als Ausgleich gegen die gesundheitlichen Schäden der industriellen Entwicklung. Sie werden von allen Kulturstaaten gefördert. Man unterscheidet Gymnastik, Spiele und Sport. Die Spiele leiten zum Gebiet des Sportes über, der die meßbare Leistung in den Vordergrund stellt‘.

Das Sportwissenschaftliche Lexikon beschreibt in der 5. neubearbeiteten Auflage von 1983 Sport folgendermaßen:

„Aufgrund des großen Bedeutungsgehaltes der Umgangssprache ist eine Abgrenzung des Begriffes nicht möglich. Sport wird betrieben u. a. aus spielerischem Interesse, als Jedermannssport, Breitensport, Freizeitsport, Volkssport, LifetimeSport, Familiensport, Urlaubssport, Behindertensport, Alterssport, Gesundheitssport u.a. mehr. Zumeist sind motorische Aktivitäten und soziale Interaktionen Merkmale von Sport. Kriterien wie Leistung, Wettkampf, Regeln, idealtypische Erlebniswerte, Organisationen und Charakerisierungsphänomene, besitzen von Fall zu Fall unterschiedliche Bedeutung.

Behindertensport wird definiert: alle sportspezifischen Tätigkeiten von Behinderten, die besonderer sportpädagogischer Anleitung und medizinischer Betreuung bedürfen. Behindertensport realisiert sich heute auf 3 Ebenen mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Aufgaben: er wird als therapeutische Maßnahme durchgeführt und gilt als gesetzlich anerkannte Heilmaßnahme, er wird der großen Anzahl der Behinderten als Breiten- und Freizeitsport angeboten sowie von Ieistungswilligen Behinderten als Leistungs- bzw. Wettkampfsport betrieben“.

In beiden Definitionen wird neben der Erhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit auch auf den gesundheitlichen Aspekt des Sports hingewiesen.

Dies gilt auch für den Diabetes mellitus, wie schon der amerikanische Diabetologe Dr. Joslin stets betonte, dass körperliche Bewegung = Sport mit zu einer vernünftigen Diabetikerführung gehört und eine der Säulen der Diabetes-Therapie darstellt. Wichtig bleibt festzustellen, dass sicheres und unbeschwertes Sporttreiben nur nach intensiver Schulung und Selbstkontrolle von Blutzucker und Harnzucker möglich ist. Sport bzw. körperliche Bewegung für Diabetiker sollte als therapeutischer Sport mit folgender Definition zu verstehen sein: „Sport mit Diabetikern bedeutet immer therapeutischer Sport, d. h. die Aspekte der Therapie stehen beim Übungsleiter und Arzt im Vordergrund. Für den Diabetiker selbst sollen Spaß und Freude im Mittelpunkt stehen, und das therapeutische Ziel in den Hintergrund treten, aber nicht aus den Augen verloren werden“.