Diabetisches Fußsyndrom
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Zu viele Amputationen bei Diabetikern

Bei Diabetikern mit einem diabetischen Fußsyndrom werden nach wie vor zu viele Amputationen durchgeführt. Viele ließen sich vermeiden, wenn die Patienten rechtzeitig in qualifizierten Fußzentren behandelt würden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft rät zudem, vor einer Amputation eine Zweitmeinung einzuholen.

Das diabetische Fußsyndrom ist häufig

Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen und Stechen sind Symptome eines diabetischen Fußsyndroms. Jährlich erkranken etwa 250.000 Menschen mit Diabetes daran. Ein diabetisches Fußsyndrom kann sich entwickeln, wenn hohe Blutzuckerwerte Nerven und Gefäße schädigen, so dass Beine und Füße nicht mehr ausreichend durchblutet werden und das Schmerzempfinden verloren geht. Aus kleinen Verletzungen, die nicht gleich bemerkt werden, können sich schnell große Wunden entwickeln. Weil die Wundheilung gestört ist, heilen diese schlecht bis gar nicht. Kommt eine Infektion hinzu, kann es schlimmstenfalls sein, dass der Fuß amputiert werden muss. In Deutschland kommt es rund 50.000 mal pro Jahr zu einer solchen Amputation.

Beim diabetischen Fuß wird zu häufig amputiert

„Diese Zahl ist, auch im internationalen Vergleich, viel zu hoch“, stellt Professor Dr. med. Ralf Lobmann fest, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG. Lobmann sieht einen Grund darin, dass viele Patienten mit schlecht heilenden chronischen Fußwunden zu spät in spezialisierten Zentren behandelt werden. In diesen Zentren können interdisziplinäre Expertenteams aus Diabetologen, Gefäßchirurgen, Orthopäden, Podologen und Schuhmachern eine große Bandbreite an Therapien und Maßnahmen ausschöpfen, um eine Amputation zu vermeiden.

Amputationen oberhalb des Sprunggelenks vermeiden

Amputationen oberhalb des Sprunggelenks (Majoramputationen) bergen ein größeres Komplikationsrisiko und sollten daher nur durchgeführt werden wenn es unbedingt notwendig ist. Schonender ist eine Amputationen von Fußteilen unterhalb des Knöchels („Minoramputation“). „Eine Majoramputation zu vermeiden, ist oberstes Gebot bei der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms“, schreiben die Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft in einer Presseinformation von 16. Januar 2016. Sie fordern vor jeder Amputation eine obligatorische Zweitmeinung, wie es zum Beispiel in Holland üblich ist. Dort müssen Diabetespatienten mit schlecht heilenden Wunden, die länger als fünf Wochen bestehen, zudem in spezialisierten Zentren behandelt werden. In Deutschland besteht dazu keine Verpflichtung.

Wenden Sie sich an ein zertifiziertes Fußzentrum

Menschen mit einem diabetischen Fußsyndrom, die chronische Wunden haben bzw. die vor einer Amputation stehen, sollten sich an Spezialzentren wenden, die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft zertifiziert sind. Aktuell zählen dazu 201 ambulante und 78 stationäre Einrichtungen.

Die Adressen finden Sie unter www.ag-fuss-ddg.de

Weitere Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des diabetischen Fußsyndroms finden Sie in unserem großen Wissensbereich.

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