Diabetes und Partnerschaft
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Statine machen Frauen aggressiv

Statine werden erfolgreich zur Cholesterinsenkung eingesetzt, können aber Nebenwirkungen haben. Dazu gehört offensichtlich, dass sie bei Männern zwar die Aggression verringern, Frauen jedoch aggressiver machen. Dies haben amerikanische Wissenschaftler in einer Studie nachgewiesen.

Nebenwirkungen von Statinen

Statine gehören zu den Medikamenten, die weltweit am häufigsten eingesetzt werden. Der Arzt verordnet sie vor allem bei einem gestörten Fettstoffwechsel, unter anderem senken sie das „schädliche“ LDL-Cholesterin. Herzinfarkte sollen so vermieden werden. Gleichzeitig können Statine eine Reihe von Nebenwirkungen haben. Dazu gehören mögliche Veränderungen der Skelettmuskulatur. Auch gibt es Hinweise darauf, dass sie das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen*. Darüber hinaus berichten manche Patienten, die Statine einnehmen, ihren Ärzten über schlechten Schlaf, mangelndes Wohlbefinden und Verhaltensänderungen. Diesen subjektiven Empfindungen sind nun amerikanische Wissenschaftler in der „University of California San Diego (UCSD) Statin Study** nachgegangen.

Aggressionen steigen – nur bei Frauen

In die plazebokontrollierte Studie waren etwa 1000 Personen über sechs Monate einbezogen: 700 Männer und 300 Frauen nach der Menopause. Die Daten wurden bereits während der Jahre 2000 bis 2005 erhoben. Die Wissenschaftler untersuchten gezielt das Aggressionspotenzial der Teilnehmer, welches mit einer speziellen Skala (Overt-Aggression-Scale-Modified-Aggression-Subscale – OASMa) beurteilt wurde. Das Ergebnis: Bei Männern reduzierte die Statineinnahme sowohl die Aggression als auch den Testosteronspiegel – wobei davon auszugehen ist, dass beide Faktoren zusammenhängen. Dieser Effekt zeigte sich vor allem bei Männern unter 40 Jahren. Bei Frauen dagegen wurde durch die Statineinnahme die Aggressivität gesteigert, wobei unter anderem die Verschlechterung des Schlafs als Indiz für eine Aggressivitätssteigerung gewertet wurde. Interessant: Dieser Statineffekt wurde bei beiden Geschlechtern besonders bei niedriger Ausgangsaggressivität beobachtet.

Statine im Praxisalltag

Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), empfiehlt Ärzten in den Kurznachrichten der DGE vom 8. Juli 2015 deshalb, die Beschreibungen der Patienten über Statin-Nebenwirkungen ernst zu nehmen. „Man wird also bei der Verschreibung von Statinen die Nutzen-Risiko-Abwägung, insbesondere bei Primärprävention, im Sinne einer „personalisierten Medizin“ zunehmend beachten müssen“, so Schatz.

 

* N. Sattar et al., Statins and risk of incident diabetes: a collaborative meta-analysis of randomized statin trials. Lancet Online 17. Februar 2010, zitiert nach MMW-Fortschr. Med. Nr. 10/2010 (152. Jg.), S. 25.

** B. A. Golomb et al.: Statin effects on aggression: results from the UCSD Statin Study, a randomized control trial. PLOS one, published July 1, 2015. DOI: 10.1371/journal.phone.0124451