Schwanger und diabetisch

Schwangere zu dick – Gefahr fürs Baby?

Das spätere Risiko des Babys für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, wenn die Mutter übergewichtig ist

Ob ein Mensch einmal zuckerkrank wird, entscheidet sich zum Teil schon im Mutterleib – nicht nur durch erbliche Veranlagung, sondern auch durch den Lebensstil der Mutter. In Deutschland sind etwa ein Drittel aller Frauen im gebärfähigen Alter zu dick. Bei einer Schwangerschaft gefährdet das Übergewicht auch ihr Baby: „Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes, der – wenn er nicht erkannt und behandelt wird – mit einer regelrechten Glukosemast des Ungeborenen einhergeht“, warnt Prof. Andreas Plagemann von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité in Berlin. „Es werden nicht nur die insulinproduzierenden Zellen bereits im Mutterleib geschädigt, sondern auch die Stoffwechsel-, Appetit- und Körpergewichtsregulation fehlprogrammiert.“ Das spätere Risiko des Neugeborenen für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Schwangerschaftsdiabetes erkennen und behandeln

Genauere Zusammenhänge zwischen Nüchtern- und Gelegenheits-Blutzucker und oraler Glukosetoleranz der Mutter und den Folgen für das Kind untersuchte die internationale HAPO-Studie (Hyperglycemia and Pregnancy Outcome) bei über 23.000 Schwangeren:

  • War das Neugeborene schon übergewichtig?
  • War häufiger ein Kaiserschnitt notwendig?
  • Wiesen Laborwerte auf Stoffwechselstörungen beim Baby hin, z.B. das Nabelschnur-C-Peptid als Maß für Hyperinsulinismus?

„Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen linearen Zusammenhang ohne Schwellenwert zwischen diesen Endpunkten und dem Blutglukosespiegel der Mutter“, berichtete Dr. Helmut Kleinwechter vom Diabetologikum Kiel. Vor diesem Hintergrund fordern er und andere Experten die Aufnahme entsprechender Screening-Untersuchungen in die Mutterschaftsrichtlinien. Denn: Wird Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, halbiert sich die Häufigkeit von Übergewicht und den Folgerisiken bei den Kindern.

Werdende Mütter, die bei der Barmer Ersatzkasse versichert sind, können bundesweit als erste ein Schwangerschaftsdiabetes-Screening in Anspruch nehmen.