Retinopathia diabetica

Retinopathia diabetica – Die Zusammenarbeit verbessern

Diabetes News Retinopathia diabetica pm050508Prof. Dr. med. Bernd Bertram ist seit Januar Generalsekretär der Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten. Der in Aachen niedergelassene Augenarzt erklärt, wie häufig bei Diabetikern mit Retinopathie Kontrolluntersuchungen erfolgen sollten.

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Die Spätkomplikationen des Diabetes mellitus am Auge stellen in den westlichen Industrienationen eine der häufigsten Erblindungsursachen dar. Diabetiker haben ein zehn- bis 20-mal höheres Risiko zu erblinden als Nichtdiabetiker. In Deutschland ist jährlich mit rund 3.000 Neuerblindungen aufgrund der diabetischen Retinopathie und der diabetischen Makulopathie zu rechnen. Noch erheblich höher ist die Rate der Patienten mit einer diabetesbedingten Visusminderung, die zum Beispiel zum Verlust der Lesefähigkeit führt.

Eine Sehverschlechterung bei der diabetischen Retinopathie kann erstens verursacht werden durch eine proliferative diabetische Retinopathie mit Glaskörperblutung beziehungsweise Traktionsamotio retinae und zweitens durch eine diabetische Makulopathie. Für beide Formen der diabetischen Retinopathie steht mit der Laserkoagulation eine effektive und allgemein anerkannte Therapie zur Verfügung. Durch eine Laserkoagulation pathologischer Fundusveränderungen lässt sich gegenüber unbehandelten Patienten die Erblindungsrate um mehr als die Hälfte reduzieren. Andererseits kann bei eingetretener Visusminderung (zum Beispiel mit Verlust der Lesefähigkeit) meist keine Verbesserung mehr erzielt, sondern höchstens ein weiterer Abfall der Sehschärfe verhindert werden. Daraus ergibt sich sowohl für die proliferative Retinopathie als auch für die diabetische Makulopathie, dass der günstigste Zeitpunkt für eine Laserbehandlung vorliegt, wenn der Augenarzt bestimmte Netzhautveränderungen erkennt, bevor der Patient Ausfälle bemerkt hat.

Rund 3.000 Neuerblindungen pro Jahr
Deshalb sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen der Netzhaut bei allen Diabetikern nötig, um den richtigen Zeitpunkt zur Lasertherapie zu erfassen. Ein effektives Screening kann nur erfolgreich sein, wenn die Zusammenarbeit zwischen Patienten, Hausarzt, Diabetologen und Augenarzt verbessert wird.

Gefordert werden von der Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten folgende Kontrollintervalle für die Netzhautuntersuchungen: Bei allen Diabetikern mit guter Einstellung und ohne Zeichen der Retinopathie sollte jährlich die Netzhaut untersucht werden. Bei Vorliegen einer Retinopathie müssen die Kontrolluntersuchungen häufiger erfolgen (siehe Tabelle). Das gilt auch bei sehr schlechter Einstellung oder Schwangerschaft. Der große Wert dieser Kontrollintervalle ist durch umfangreiche epidemiologische und durch anerkannte volkswirtschaftliche Studien aus den USA belegt.

Die Retinopathiebeurteilung erfolgt in Mydriasis durch eine gründliche binokulare Untersuchung der Netzhaut an der Spaltlampe, zum Beispiel mit einer 78-Dioptrien-Lupe oder einem Kontaktglas. Wenn eine Retinopathie vorliegt, dokumentiert der Augenarzt die Fundusveränderungen genau und legt das Retinopathiestadium fest. Außerdem wird ein klinisch signifikantes diabetisches Makulaödem ausgeschlossen.

Der Augenarzt sollte den Befund, gegebenenfalls das weitere Procedere (beispielsweise Laserkoagulation) und das empfohlene Intervall bis zur nächsten Untersuchung schriftlich dem Hausarzt mitteilen. Die Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten und die AG Diabetes und Auge der DDG haben dazu einen DIN-A4-Bogen veröffentlicht, dessen Anwendung den Augenärzten empfohlen wird. Der Hausarzt oder Diabetologe kann auch selbst dem Patienten diesen Bogen mit zum Augenarzt geben und darauf seine Information zur aktuellen Diabeteseinstellung (HbA1c-Wert) schreiben. Der Augenarzt sollte mindestens jährlich und zwischendurch bei Befundänderung einen ausgefüllten Bogen oder Bericht an den Hausarzt und gegebenenfalls den Diabetologen senden.