Notrufnummer 112 gilt europaweit
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Nach Schlaganfall hilft neue Kathetertechnik

Ein Schlaganfall gehört zu den gefürchteten Folgen des Diabetes. Freiburger Wissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass sich mit einer neuen Kathetertechnik Verschlüsse im Gehirn auch noch Stunden nach dem Schlaganfall erfolgreich behandeln lassen.

Bei Verdacht auf Schlaganfall: Sofort 112 wählen

Meist kommt es plötzlich, wie aus heiterem Himmel: Eine Lähmung oder eine Taubheit (pelziges Gefühl) im Arm, Bein oder Gesicht, Sehstörungen, ein Schwindelgefühl oder eine Sprachstörung. Dies alles können Anzeichen bzw. Vorboten eines Schlaganfalls sein. Jetzt heißt es schnell reagieren und die Notfallnummer (112) anrufen, damit Ärzte so schnell wie möglich die Diagnose stellen und behandeln können. Ein Schlaganfall wird meist durch ein Blutgerinsel ausgelöst, das eine Hirnarterie verstopft. Kann dieses Blutgerinsel durch eine spezielle Therapie im Krankenhaus aufgelöst werden, lassen sich Hirnschäden vermeiden bzw. minimieren.

Blutgerinsel mit Kathetertechnik entfernen

Dabei gilt in der Akutphase: „Je schneller, desto besser“ („Time is brain“). Bislang ging man davon aus, dass die Hirnschädigung schwerwiegender wird, je länger die Verstopfung der Arterie besteht. Dass dies nicht zwangsläufig der Fall sein muss, haben Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg nun in einer Studie gezeigt, die in der Fachzeitschrift Clinical Neuroradiology* veröffentlicht wurde. In Freiburg wird bei Schlaganfällen eine neue, minimalinvasive Kathetertechnik eingesetzt („Thrombektomie“), um Blutgerinsel aus dem Gefäß zu entfernen. Dafür wird ein Katheter über die Leiste bis zum Verschluss im Gehirn vorgeschoben und ein Röhrchen (Stent) eingebracht, welches das Gerinsel festklemmt, sodass es mit dem Katheter herausgezogen werden kann. Die Studie, für die Daten von 155 Patienten mit einer Verstopfung der Hals- oder Hirnschlagader ausgewertet wurden, hat nun gezeigt: Das Katheterverfahren führt auch dann noch zum Erfolg, wenn der Schlaganfall länger als sechs Stunden zurückliegt. Diese Grenze galt bisher als kritisch.

Bessere Chancen für Schlaganfall-Patienten

„Bei einem Großteil der Betroffenen kann der Zustand bis zu zwölf Stunden konstant bleiben. In dieser Zeit ist es notfalls auch möglich, die Patienten in ein entsprechend ausgestattetes Zentrum zu verlegen, um den Schlaganfall minimalinvasiv zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg. Entscheidend für den Erfolg sei, so Urbach, wie die Blutzirkulation im Gehirn aussehe. Dies lässt sich heute durch bildgebende Verfahren feststellen, so dass die Chancen des Eingriffs vorher abgeschätzt werden können. „Bei Patienten mit Verschlüssen der großen Hirnarterien konnten wir in den letzten Jahren dank Thrombektomie die Heilungschancen von 30 Prozent auf 60 Prozent im Vergleich zur medikamentösen Therapie verdoppeln“, sagt Prof. Urbach. Das Universitätsklinikum Freiburg ist das einzige Klinikum in Südbaden, welches auf Thrombektomien spezialisiert ist.

* Maurer CJ et al. Facing the Time Window in Acute Ischemic Stroke: The Infarct Core. Clin Neuroradiol. 2016 Feb 4. [Epub ahead of print]