Gesundheitsfragen beim Arzt klären
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Mit der Lebenserwartung steigt die Diabetesrate

Mehr als die Hälfte der Menschen mit Typ-2-Diabetes ist älter als 65 Jahre. Jeder Fünfte in der Altersgruppe über 85 Jahre ist an dieser Diabetesform erkrankt. Und mehr als 100.00 Typ-1-Diabetiker sind mittlerweile älter als 70 Jahre. Was bedeutet dies für die Diabetestherapie?

Hohe Diabetesrate bei älteren Menschen

Vom 9. bis zum 12. Mai 2018 findet in Berlin der Deutsche Diabetes Kongress statt. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr unter anderem „Individuelle und interdisziplinäre Therapieansätze bei geriatrischen Patienten“. Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Die Menschen in Deutschland werden im Schnitt immer älter. Doch nicht nur die Lebenserwartung steigt, auch das Risiko für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes nimmt zu. In Deutschland ist die Hälfte aller Menschen mit Typ 2-Diabetes über 65 Jahre alt. In der Altersgruppe der über 85-Jährigen hat sogar jeder Fünfte einen Typ-2-Diabetes. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft in einer Presseinformation (26.04.18) hin.

Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern ist stark gestiegen

Mehr als 100.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland sind mittlerweile älter als 70 Jahre. Diese Zahl ist erfreulich, denn sie zeigt, dass die Lebenserwartung von Menschen mit dieser Diabetesform in den vergangenen Jahren gestiegen ist. „Hatten Menschen mit Diabetes Typ 1 vor Jahrzehnten noch eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als Stoffwechselgesunde, können sie heute, unter anderem dank technologischer Fortschritte in der Insulintherapie, ein hohes Alter erreichen. So mancher Patient lebt schon länger als 50 Jahre mit der chronischen Stoffwechselerkrankung“, heißt es in der Presseinformation.

Langzeitblutzucker (HbA1c) darf bei Älteren höher sein

Mit dem Alter der Patienten verändern sich die Prioritäten in der Diabetestherapie. Bei jüngeren Patienten steht vor alle eine gute Stoffwechseleinstellung im Mittelpunkt, die dazu beiträgt, Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden. Bei Älteren sind der Erhalt der Selbstständigkeit und eine gute Lebensqualität die wichtigsten Ziele. Dafür nehmen Experten auch einen höheren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) in Kauf. „Ein HbA1c-Wert von 6,5 bis 7,5 Prozent wie bei jüngeren Patienten sollte nur bei Senioren ohne Begleiterkrankungen angestrebt werden, die sich gesund fühlen und körperlich fit sind“, sagt Dr. med. Rahel Eckardt-Felmberg, Chefärztin der Klinik für Geriatrie amSt. Joseph Krankenhaus Berlin. Bei älteren Senioren mit Begleiterkrankungen und einem erhöhten Hypoglykämie-Risiko sei dagegen ein Langzeitblutzuckerwert von 7,0 bis 8,0 Prozent ausreichend.

Unterzuckerungen unbedingt vermeiden

Die Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft weisen darauf hin, dass von Unterzuckerungen die größte Gefahr ausgeht. Ältere Patienten seien davon häufiger betroffen als jüngere. „Hypoglykämien können das Gehirn dauerhaft schädigen, lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen und die Entstehung einer Demenz fördern“, warnt Dr. Eckardt-Felmberg. Die Vermeidung von Hypoglykämien ist für Geriater deshalb wichtiger als ein normnah eingestellter Blutzucker. Hochbetagte und gebrechliche Senioren sollten Blutzucker senkende Medikamente nur erhalten, wenn der HbA1C-Wert auf 8,0 bis 8,5 Prozent ansteigt oder zu Symptomen führt“, empfiehlt Eckardt-Felmberg. Die Therapie solle bei ihnen „so einfach wie möglich und nur so intensiv wie unbedingt nötig sein.“

Quelle: Medieninformation der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 26.04.18

Weitere Informationen und Tipps zum Thema Langzeitblutzucker (HbA1c) finden Sie in der Rubrik „Wissen“ hier auf diabetes-news.