Diabetes bahnt sich messbar an

Schon Jahre vor dem Ausbruch eines Diabetes lassen sich bei genauem Hinsehen Veränderungen im Stoffwechsel feststellen

Als Risikofaktoren für die Entwicklung hin zum metabolischen Syndrom und zur manifesten Zuckerkrankheit sind Übergewicht und Bewegungsmangel offensichtlich. Aber eine genaue Prognose der Entwicklung lassen sie nicht zu. Lässt sich das Risiko genauer bestimmen?

Was ist z.B. mit den Stoffwechsel-Parametern Blutzucker und dem Insulinsspiegel? Man vermutet schon länger, dass sich diese Faktoren schon Jahre vor dem Ausbruch eines Diabetes im Stillen verändern. Nur waren sie bislang nicht systematisch untersucht worden.

Studie: Fast jeder zehnte wurde zum Diabetiker

Eine prospektive Studie mit über 6500 britischen Beamten (Whitehall-II-Studie) holte dies nun nach. Die Staatsdiener wiesen zu Beginn der Untersuchungen keinen Diabetes auf und wurden knapp zehn Jahre lang beobachtet. In dieser Zeitspanne stellte sich bei 505 der Teilnehmer ein Diabetes ein.

  • Bei diesen Probanden stieg der Nüchternblutzucker zunächst linear, also gleichmäßig, an. Drei Jahre vor Ausbruch der Krankheit bewegten sich die Zuckerspiegel jedoch exponentiell, also steil, nach oben.
  • Der Zweistundenwert des oralen Glukosebelastungstests (oGTT) stieg ebenfalls drei Jahre vor der Diagnose steil an.
  • Die Insulinempfindlichkeit zeigte dementsprechend eine stark fallende Tendenz, und zwar schon während fünf Jahren vor dem manifesten Diabetes.
  • Die Funktion der Betazellen (Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren) nahm zwischen Jahr vier und drei vor der Diagnose zu, anschließend nahm sie ab.

Bei den Studienteilnehmern, die keinen Diabetes entwickelten, zeigten hingegen alle Parameter einem linearen Verlauf.

Blutzucker prophylaktisch messen?

Die Ergebnisse bestätigen, dass eindeutige biochemische Veränderungen ablaufen, schon Jahre, bevor die Schwelle zum Diabetes überschritten wird. Eine exakte Vorhersage des Ausbruchs eines Typ-2-Diabetes mehrere Jahre vor Beginn wird jedoch auch künftig anhand der geprüften Faktoren kaum möglich sein, meinen die Autoren der Studie. Dafür seien die analysierten Faktoren zu wenig empfindlich und spezifisch. Zudem ist Typ-2-Diabetes vielfach kein unausweichliches Schicksal, sondern eine vermeidbare Krankheit. Eine Veränderung des Lebensstils vermag außerdem die Entwicklung eines Diabetes deutlich zu verzögern, haben große Studien gezeigt. Viel spricht jedenfalls für eine Doppelstrategie: Beeinflussbare Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel zu verbessern und regelmäßig Blutzuckerkontrollen vorzunehmen.