© DOC RABE Media - fotolia.com

FINDRISK: Diabetes früh erkennen

Viele Deutsche sind an Typ-2-Diabetes erkrankt, ohne es zu wissen. Hier tickt eine Zeitbombe im Körper. Auch wenn der erhöhte Zuckerwert im Blut noch keine Beschwerden verursacht, kann er bereits die Gefäße und damit vor allem das Herz schädigen. Ein einfacher Online-Fragebogen hilft, dem Diabetes auf die Spur zu kommen.

Diabetes bleibt lange unerkannt

Bei einem Patienten mit Übergewicht, der mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, gehört die Untersuchung auf hohe Blutzuckerwerte für Ärzte längst zur Routine. Häufig werden sie fündig und diagnostizieren einen Typ-2-Diabetes, der seit längerem unerkannt besteht. „Ein hoher Anteil der Bevölkerung über 55 Jahre ist vom Typ-2-Diabetes oder seinen Vorstufen betroffen, aber nicht diagnostiziert,“ erklärt Professor Dr. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bochum. Das bedeutet: Die Betroffenen leben mit einer wahren Zeitbombe im Körper. Sind die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch, kann dies die Gefäße schädigen. Bemerkbar macht sich dies häufig erst, wenn der Notfall eintritt: ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Früherkennung von Diabetes ist lebenswichtig

Gefährdet sind vor allem Menschen mit Übergewicht und mangelnder Bewegung – die wichtigsten Risikofaktoren von Diabetes. Häufig kommen Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Cholesterinwerte)  und ein erhöhter Blutdruck dazu – dann spricht man vom Metabolischen Syndrom. Wer davon betroffen ist, sollte sich regelmäßig auf Diabetes untersuchen lassen. Nüchternblutzucker und der Langzeitblutzucker HbA1c sind hier wichtige Laborwerte. Bei einem Verdacht auf Diabetes kann der Arzt einen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) durchführen.

FINDRISK-Fragebogen erfasst das Diabetesrisiko

Ob Sie selbst zu den Menschen gehören, die ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben, können Sie mit einem einfachen Fragebogen herausfinden. Er heißt FINDRISK (Finnish Diabetes Risk Score). Acht Fragen werden hier gestellt:

  1. Wie alt sind Sie?
  2. Wurde bei Mitgliedern Ihrer Blutsverwandtschaft Diabetes diagnostiziert?
  3. Welchen Taillenumfang messen Sie auf der Höhe des Nabels?
  4. Haben Sie täglich mindestens 30 Minuten körperliche Bewegung?
  5. Wie oft essen Sie Gemüse, Obst oder dunkles Brot?
  6. Wurden Ihnen schon einmal Medikamente gegen Bluthochdruck verordnet?
  7. Hatten Sie bei ärztlichen Untersuchungen schon einmal zu hohe Blutzuckerwerte (zum Beispiel während einer Krankheit oder während der Schwangerschaft)?
  8. Wie ist bei Ihnen das Verhältnis von Größe zu Gewicht (BMI)?

Die anzukreuzenden Antworten sind mit Punktwerten unterlegt. Sieben bis elf Punkte bedeuten ein leicht erhöhtes Risiko, mehr als 20 Punkte ein hohes Risiko, in den kommenden zehn Jahren an Diabetes mellitus zu erkranken.

Hier können Sie den FINDRISK-Test online durchführen:

Wenn der Test einen Verdacht auf Diabetes ergibt,  sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob weitere Untersuchungen notwendig sind.

Mehr Bewegung hilft gegen Insulinresistenz

Ursache eines Typ-2-Diabetes ist meist eine Insulinresistenz. Der Köper kann das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin nicht mehr ausreichend verwerten. Um dies zu verbessern, hilft (neben Medikamenten) nur mehr Bewegung. „Es ist tatsächlich so, dass Alltagsaktivität im Vergleich zu allen anderen getesteten Mechanismen die erfolgreichste Maßnahme darstellt“, sagt Professor Dr. Peter Schwarz aus Dresden, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Diabetesprävention beschäftigt. 10.000 Schritte pro Tag oder etwa 20 Minuten Hausarbeit oder Spazierengehen nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit erhöhen die Zahl von Insulinrezeptoren auf Muskelzellen, und zwar viel mehr und nachhaltiger als etwa zweimal intensiver Sport pro Woche, so Schwarz.